EMILIE 2 – INFINITY DAY, ROBERTs TAG (Pontifex mort – Der Papst ist gestorben)

 

PROLOG

Nach der Rückkehr aus Ber begriff ich, dass ich mir in all den Jahren, es war die Studentenzeit, einen Beisskorb umgebunden hatte, mit dem erklärten Ziel, so wenig wie möglich zu handeln, und ich hatte diese Vorsichtsmassmahme deswegen ergriffen, weil mir die Auswirkungen meiner Handlungen unpassend erschienen waren. Denn durch eine gewisse Nonchalance, diese Unbekümmertheit die sich aus Trotz und Unzufriedenheit speiste, gelang es mir immer wieder als Vorbild für meine Umgebung zu wirken, die sich daraufhin in Richtungen entwickelte, im Denken und im Handeln, die mir missfiel. Ich fand es zwar in Ordnung selbst allerlei Dummheiten zu machen, missbilligte diese aber bei anderen, um so mehr als dass die Auswirkungen ihrer Handlungen oftmals Grenzen überschritten, welche ich gerade nicht zu Überschreiten peinlich erpicht war. Mit einem Wort, man verstand mich nicht im geringsten, verstand vor allem nicht, dass meinen Verletzungen des Anstands aufgewogen wurden durch vielerlei Selbstbehinderungen, die bei anderen fehlten, sodass ihre Übertretungen oftmals zerstörerisch und fatal waren.

Zum Studium war ich vielleicht deswegen angetreten mir, denn meine Umgebung sah das durchaus nicht so, zu beweisen, dass, wider alle Wahrscheinlichkeit, ich nicht total daneben lag in allen wichtigen menschlichen Belangen. Vor allem konnte ich nicht glauben, dass Menschen sich mit dieser Selbstverständlichkeit ständig verletzen und reizen konnten, ohne, wie mir schien, den Mechanismus dahinter zu durchschauen. Vermutlich sind gerade wegen der massenhaften Verbreitung solcher wahnwitzig abseitiger Fälle wie ich es war, deplaziert um es milde auszudrücken, auf den Hochschulen in neuester Zeit erneut Studiengebühren eingeführt worden. Ich war nicht geeignet für ein Studium. Nie war ich ein guter oder aufmerksamer Schüler. Die letzten Klassen des Gymnasiums habe ich mehr oder weniger wortwörtlich verschlafen. Manchesmal kam ich so müde in die erste Schulstunde, dass ich die Stirn auf meine hohle Hand stützte, die dadurch auch meine Augen bedeckte und während ich so vorgab in mein Heft zu starren mich noch einem unsteten Schlummer überliess, während meine über dem Papier schwebende stiftbewehrte Hand, um die Täuschung zu vervollständigen, in der Luft Schreibmanöver ausführte. Eine dieser in unserer Zeit so verbreiteten Paradoxien: Die Ausnahmen werden die Regel. Mit der Massuniversität gelangten viele solcher wenig optimalen Schüler zu einer höheren Bildung und viele schlossen sie sogar ab. Es leben die Antihelden! Trotz allem wurde ich manchmal durchaus geliebt, hielt mich aber immer für unliebenswürdig. Auch wurde ich oft genug eingeladen mitzumachen im akademischen Spiel, fühlte mich aber immer als Aussenstehender. Teilweise mochten mich dort auch die Mädchen, nur nicht die, die ich mir in den Kopf gesetzt hatte. Man meinte sogar, ich hätte Verstand, ich aber erschauderte im Stillen ob meiner Fehler. Mir fehlte schlicht der Realitätssinn.

Kaum ein Wunder, ich spielte mich auch im sonstigen Leben leichtsinnig; mit meiner Liebe zu Familie und Freunden beispielsweise, indem ich, wie Mutter das genannt hatte, ungreifbar wurde, sogar für die engste Familie, ja, ich löste dermassen gründlich die vorgefundenen oder selbst geknüpften Bande, dass meine Umgebung schliesslich über meine Entwicklung staunte wie über das Erlebnis eines Fremden. Sowohl greifbar wurde meine Ausdünnung der gemeinsamen Ankerpunkte und Traditionen als ich immer seltener bei gesellschaftlichen Anlässen zugegen war, als auch unkörperlicher Natur, denn bei aller Familienliebe erkaltete unsere auf einander bezogene Ausdruckswelt der Gefühle, und obwohl sich nichts wirklich änderte an unserem engen Vertrauen und selbst unserer Zuneigung, zog ich mich doch immer mehr in die seit der Kindheit geübte und seither immer stärker werdende, eigenwillige Verweigerung der meisten an mich gerichteten Anträge zurück.

Es stimmt wohl was gesagt wird, dass viele von uns ungefähr mit 30 Jahren wegen negativer Erfahrungen nicht mehr an die Liebe glauben und ihre Wahl künftig pragmatischer treffen. Ich jedenfalls begriff während des langen Aufwachsens immer mehr, es waren tatsächlich die üblichen Liebesenttäuschungen sowie genauso gewöhnliche Dramen der Abneigung, dass Hass, Selbsthass, Ressentiment aber auch Liebe einzelnen Menschen gegenüber eine nur begrenzt nützliche Wirkung in der Welt entfalten, mögen wir auch nach wie vor dazu neigen, in diesen Gefühlen die Würze und den Motor des Lebens zu sehen, ähnlich wie wir auch den Geschmackssinn wegen der Freuden den er uns bereitet ein Leben lang schätzen und beinahe vergessen, dass der profane Akt des Essens lediglich dazu dient unsere Körperfunktionen am laufen zu halten. Ausserdem fand ich, ein zweimal gebrochenes Herz reichte.

Dennoch, diese meine Ansicht war weniger auf Einsichten gegründet als vielleicht mehr auf einem unwillkürlichen Entschluss, weil ich nämlich beschlossen hatte ein bequemer Mensch zu werden, der fernab des Gesellschaftlichen einem stillen Leben zustrebte und nicht verstehen wollte, dass ein Leben nicht bescheiden genug sein kann als dass man nicht trotzdem dafür arbeiten und sich anstrengen müsse, allein um es aufrecht zu erhalten, wenn man einmal der Geborgenheit der Kindheit entwachsen war. Viele wussten darüber schon in der Schule bescheid, so wie Mig, der damals über sein Peter-Pan Syndrom scherzte, damals konnte ich noch darüber lachen. Der Freundin mit der ich die erste längere Beziehung einging erklärte ich: Entweder gründe ich ein Familie oder ich werde Bewusstseinskrieger, also so eine Art Mönch; beides zu vereinen schien unstatthaft.

Nur, erleichtert über meine dem Augenschein so widerspenstigen Theorien über Gefühle war ich erst, als ich die zu den Auswirkungen solcher tragischen Phänomene, wie sie die kleinen Geschichten und grossen Epen in endloser Zahl bevölkern, gehörigen Theorien las, in denen ein überraschend anderes Bild vom menschlichen Potential gezeichnet wird, welches ganz und gar dem gesunden Menschenverstand, den die kulturelle Spur in Aufwachsende fast zwangsweise einschreibt, wenn auch nicht gegensätzlich, so doch komplementär und andersartig ist. In der Tat musste ich erst von der Philosophie der vergangenen Jahrhunderte, zu dessen genauen Studium ich mich nie überwinden konnte, wenig verwunderlich also: enttäuscht werden, von dieser Kunst Macht und Herrschaft auf ewig aufrecht erhalten zu wollen, Stabilitätspakte zu fingieren und diese Banalität noch zu verabsolutieren sowie das Vulgäre zu feiern, bis ich, der Kapitulation nahe, nach Jahren des Studiums und dem Überfliegen schier endloser, träger philosophischer Landmassen, es musste, so schien mir, andere Probleme geben als die Sinnfrage, den Leib- Seele Dualismus oder gefinkelte moralische Zwickmühlen, am Horizont die befreiende Unendlichkeit von Wasserflächen zu Gesicht bekam, die mit einer von uns so ersehnten Sicherheit eines menschlichen verteidigten ´Ich Bin´, beziehungsweise ´Ich stehe´, auf festem Grund nämlich, nun endlich einmal nicht mehr viel zu tun hatte, sondern Fragen nach der Rolle der Majorität, der Gewohnheit, des Neuanfangs, des Stils und eben auch der Schiffahrt stellte, eine ganz andere als die rationale, eine erlebbare Unendlichkeit nämlich, sozusagen die Unbegrenztheit der Erdkugel, die ja in Wirklichkeit grösstenteils eine Wasserkugel ist. Wasser in Sicht! - wollte ich rufen, auch wenn es mir peinlich und beklemmend blieb, dieses nasse Element, auf dem immer mehr Waghalsige ihre Nussschalen umzubauen versuchten. Waghalsige oder aber Enttäuschungsfeste, denn auf dem Wasser gilt wenn, dann allein die Regel: Zunächst nichts besonders Menschengerechtes. – Obwohl ich, beim Lesen der tatsächlich maritimen Romane mich fragte, warum denn die Soldaten und Matrosen Admiral Nelsons aus dem ausklingenden 18ten Jahrhundert nach Monaten auf See immer vergammeltes Fleisch essen mussten und nicht frischen Fisch, und Chips dazu, hmm! – Also kein Wunder auch, bei dieser Beständigkeit, also Bodenständigkeit die uns eignet, dass man mit der verflüssigenden Botschaft so lange warten konnte und sich immer wieder aufs neue vertröstete, bis die Philosophie des 20ten Jahrhunderts unter grossen Anstrengungen endlich den Seegang wagen konnte. Und so scheint mir heute mein Satz, dass unter Menschen immer alles noch schwerer ist als erhofft, vermutet oder auch behauptet, vielleicht doch nicht zu weit hergeholt gewesen zu sein. Alles in allem weiss ich nicht ob dieser Wandel, diese in Erfüllung gegangene, irgendwie perverse Hoffnung auf Enttäuschung die unseren Zeiten als wichtiger theoretischer Anspruch innewohnt, nicht doch vielmehr ein Effekt der sogenannten anspruchsvollen Literatur, der Klassiker, war, die ich zur Studienzeit für die üblichen Abenteuerromane eintauschte und mir viel genauer vornahm als die eigentliche Philosophie, als die Auswirkung dieser selbst in ihren modernsten Versuchen. Alles relativ, wie der Volksmund so schön sagt.

Es ist zu einfach, diesen Anker im Bodenlosen der sich mir schliesslich bot, als von Demokratie ermöglicht, durch den Ausgang aus den Totalitarismen mit ihrem Verherrlichen der Kriegsspiele, gar dem Ende des Gottesgerichts, zu beschreiben, gerade heute, wo wir anscheinend einsehen lernen, dass Demokratie durchaus, wie ein Gazeschleier, um die Staatsgebilde geschlungen werden kann, ohne dass wir, ihre Bürger, weniger als früher unter unseresgleichen zu leiden haben, nicht zuletzt weil wir, vielleicht ist es die sich fortsetzende Bedrückung aller durch alle die solches Desinteresse an der eigene Macht hervorruft, in zunehmenden masse müde werden zu wählen und das Vertrauen in uns selbst einfach nicht gewinnen können, denn was sind Politiker anderes als unsere eigenen, gebündelten Stimmen und Interessen, und wir deswegen en gros alten und neuen Mächten anheim fallen, wie zum Beispiel einem autoritären Kapitalismus, der schon deswegen funktionieren mag, weil es immer mehr Güter gibt, und die Chance auf ihren möglichst vollständigen Erwerb, so klein er für die meisten, selbst durch einen ergiebigen Lotto- Jackpot, auch sein mag, beständig wach gehalten wird.

So wenig eine allgemeine Menschenliebe angeboren scheint, sowenig wie ein Verzicht auf den persönlichen Vorteil und die individuelle Entwicklung hier und jetzt, versuche ich doch einen Standpunkt zu halten der darin besteht mir vorzustellen, dass, mag ich auch in der schlechtesten aller möglichen Welten gelandet sein, so doch andere ein Recht auf eine Ersparnis meiner erlebten Malaise haben. Und war ich schon nicht gewillt meinen Teil zur Lichterblickung der nächsten Generation im Sinne der biologischen Reproduktion zu leisten, so wollte ich wenigsten am Aufbau einer unterstützenden Struktur für diese beteiligt sein. Denn ist es sich für mich nicht mehr ausgegangen so hätte es sich zumindest, der Möglichkeit nach, besser begeben können, hätten andere vor mir diesen Ankunftsort der Ekstasen freundlicher gestaltet und ein wenig mehr darauf geachtet, keine Realität zu schaffen in denen sich Menschen ihr bisschen mögliches Selbstgefühl oft genug nur aus der Zerstörung und Entwürdigung anderer oder auf deren Kosten verschaffen können. Denn was wissen wir schon, ob der Trieb zur Vernichtung eine unumgehbare Konstante des menschlichen Daseins darstellt. Ich wollte mich jedenfalls nicht mit der oft bemühten Erklärung zufrieden geben, dass die Ressourcenknappheit und die menschliche Sterblichkeit eben keine guten Grundlagen für rücksichtsvolles Handeln darstellen.

Kein einfacher Wunsch, zugegeben, denn wie Georg ´Star Wars´ Lucas schon gesagt hat: Auch die schlechten, oder bösen Menschen halten sich für gut. – Es mag deswegen vielleicht keine angeborene Menschenliebe geben aber wenigstens den mehr oder weniger, zumindest gesellschaftlich notwendigen, geheuchelten Wunsch danach.

Und so verstand ich denn endlich warum man immer wieder aufs neue Versuche unternimmt alles so peinlich genau zu beschreiben. Weil die menschliche Erlebniswelt schier endlos ist und man nie genau sagen kann, bei welchem Köder man endlich anbeisst um den Wunsch in die Erfüllung überzuführen.

 

In Ber also wurde ich Zeuge eines Schicksals, ähnlich wie ich schon einige erlebt hatte, nur war ich diesmal nicht beteiligt und konnte mich deswegen beim besten Willen nicht verantwortlich fühlen. Ich kam in Ber an und das Drama war bereits in vollem Gange. Nebenbei gesagt war es nicht das einzige, und so fühlte ich mich nach kurzer Zeit wie ein Agent in Sachen Fernstenliebe. Meine Aufgabe bestand hauptsächlich darin zuzuhören und zu mutmassen, seltener getraute ich mir Fragen zu stellen die wie Ratschläge wirkten. Sehr verkürzt dargestellt verlor jemand ein bisschen von seinem gesunden Verstand und zwar während einer engen Freundschaft mit einer zweiten Person. Bei meinen bisherigen Erlebnissen war ich immer dieser Zweite gewesen, der hilflos seinen Freund in Wahnsinn und Depression abgleiten sah und nicht nur nicht helfen konnte, sondern sich auch deswegen schuldig fühlte weil er, irrtümlich oder nicht, vermutete, der Auslöser zu sein. Noch dazu kannten sich die Personen eines meiner Erlebnisse und des aktuellen Dramas, und so war es für mich nicht nur Erkenntnis, dass solche Dinge eben passieren können und niemand etwas dafür oder dagegen kann, sondern auch eine Entlastung, wenn das auch hier nicht zu erklären ist. Jedenfalls schien es mir wie ein Lehrstück, wie eine Absolution, die mich wie durch eine Erinnerung an die Unvermeidlichkeit der menschlichen Missgeschicke aufrüttelte und erneut mit dem Gedanken spielen liess, ob nicht doch Sprache und Wissen zur Entfaltung ihrer Wirkung des Handelns, gesehen als Schauspiel und Schöpfung, bedürften, und das auch erlaubt sei, das heisst: auch für mich erlaubt sei. Endlich hatte ich einen schönes Wort für Handeln gefunden: Schaffen, Schöpfen, damit konnte ich leben, und dann gab es neben Handeln noch die Beobachtung, und alles war sowieso Beobachtung, wollte man dem Philosophen Gilles Deleuze glauben. Deswegen blieb ich dennoch vorsichtig, der Handlungszwang war trotzdem auch weiterhin ein uraltes Vorurteil, genauso wie der Zwang zum Urteilen. Nicht umsonst wurden die neuesten Philosophien von allen Arten von Sprachtheorien durchzogen, Vorstellen und Reden waren die interessant gewordenen Phänomene und nicht mehr Handlungen und Urteile, die im Lichte der Sprache so übereilt erschienen, und seien es auch nur Sprechhandlungen. Erst kürzlich wagten einige überhaupt zu denken, dass Sprache sehr wahrscheinlich eine einzige Befehlsfunktion ist, mit dem Ziel, Handlungen bei anderen auszulösen, ein reines Machtmittel also. Elias Canetti lässt grüssen, oft genug, wenn ich auf seiner wiener Strassenbahnhausstrecke 38 in die Aussenbezirke unterwegs war und die vielen Touristen in die Heurigengegend begleitete versuchte ich mir auszumalen welches Publikum er wohl damals vorgefunden hatte, das Gesicht in eine Zeitung vergraben aber die Ohren gespitzt um mit einer Selbstverständlichkeit die ich niemals aufbringen konnte den Gesprächen der Fahrgäste zu lauschen. Wenn ich Französisch vernahm, meistens von jungen Frauen gesprochen, erfasste mich die Sehnsucht nach dieser Sprache, die zu lernen mich der Ergeiz nie verlassen hatte, doch am öftesten waren deutsche Dialekte zu hören die sich über die örtlichen Kulinaria ausliessen, was ich viel weniger fein fand, vielleicht auch weil ich jedes Wort verstand, die mich jedoch trotzdem an die berliner Zeit erinnerten, ja ich konnte ein bisschen Stolz nicht vor mir verhehlen, dass ich in dieser grossen Hauptstadt gelebt habe.

Nach all diesen Erlebnissen fasste ich den eigentlich recht banalen Plan, meine Freunde durch Schauspiel für mich einzunehmen, durch aktives Handeln, durch Körperlichkeit und Sinnlichkeit, die mir so leicht von der Hand gehen, zu gerne würde ich eine weitere Assoziation freier Bürger vorbereiten, NGO- Aktivitäten, egal wie und was, nur innovativ, spannend und farbig und romantisch. Aber was ich vor hatte war so undefinierbar, dass es in keine Schublade passte. Eine wirtschaftlich-wissenschaftliche Disziplin zur Ausweitung der Edv- gestützten Tutorien, billiges Wohnen und darüber hinaus die Erforschung der Antigravitation; Oder etwas ähnliches; Oder auch ganz anders rum. Ich hatte keine genauen Vorstellungen , überhaupt galt innerer Haltung und Konzentration mein Hauptaugenmerk. Liesse sich das alles vereinen? Kraut und Rüben. Das Gebot der Stunde war, die Katastrophen- Besessenheit der Zivilisation, die Gier nach Katastrophen und ihre Heraufbeschwörungen wissenschaftlich zu untersuchen, wie es der Kulturtheoretiker Peter Sloterdijk vormachte. Der Pessimismus war als ein Effekt der unvermeidbar erscheinenden Dualität zu beschreiben, die sich folgendermassen manifestiert: Tausche das eine gegen das andere, welches dann nicht mehr fortbesteht. Also: Wenn die Gesellschaft schlecht ist wird sie der Zorn Gottes vernichten. Oder eben die Katastrophe und das sei auch gerecht. Bravo. Wenn ich jemanden den Finger reiche, nimmt er die ganze Hand. Toll. Eher als an Binsenweisheiten war mir an Nachbarschaften gelegen, mit Gilles Deleuze gesprochen galt für mich: Baue daneben, darunter, oder auch darüber. Anders gesagt: Nicht verändern sondern verlängern. Behutsam musste man sich beispielsweise mit der Tatsache aussöhnen, dass soziale Gruppen durch allgemeine Selbstverunsicherung eine Innenspannung aufbauten die das Gefühl für ihre Zusammengehörigkeit förderte. Ich verstand allmählich warum, gäbe es nicht Schlagzeilen wie: Prognosen für das Wirtschaftswachstum im nächsten Jahr müssen nach unten korrigiert werden, - man sie erfinden müsste.

 

 

BEBE

 

Doch die meiste Zeit des aktiven Lebens vergeht während man sich ablenkt, erholt und stärkt. In der Kassahalle am Bahnhof Mitte, an den Telefonblock nahe der Trafik gelehnt, geniesse ich den kleinen Angebotsespresso in der Rechten, die Eistüte in der Linken, beides gerade bei McDonald´s geholt, zum Glück hat diesmal die Eismaschine funktioniert, denn letztes Mal ist sie der Bedienung unter der Hand explodiert und hat sie verbrüht - hm, weisse Nahrung, denke ich, das sagt zumindest Karin: Die Schwarzen nennen die pommes frites wirklich so! - Und während ich dort müssig herumstehe halte ich die Hände seitlich in Kopfhöhe erhoben und angewinkelt, es wirkt wie eine kulinarische Zurschaustellung, und blicke rein zufällig und verträumt in Richtung S-Bahn Treppe, denke: Das erste Mal überhaupt, dass ich mich dort zum Geniessen platziert habe, es muss wohl mein Clochard- Werden sein, Sandler mit Diplom, das war früher mein Traum, ich mache es absichtlich, es ist eine Solidarisierung mit dem Strassentheater, wie ich die Nomaden auf den Strassen auch nenne, diese Mangeldachlosen.

Kommt sie mit einem Mal aus dem S-Bahn-Aufgang direkt auf mich zu, schwarze Haare, schwarzer Mantel, zwischen uns befindet sich eine kleine Traube Menschen, wir schauen uns einen Augenblick lang aus einer Entfernung von nicht ganz zwei Meter in die Augen, sie schwenkt nach rechts zum Ausgang, ich erkenne sie in dem Moment in welchem sich unsere Blicke kreuzen doch geht alles so plötzlich und schnell, dass ich mich nicht sofort an ihren Namen erinnern kann. Sogleich stosse ich mich von dieser soliden Telefon- Fahrscheinautomaten- Ecke ab und versuche ihren Arm irgendwie mit einem Ellbogen zu packen. Wir berühren uns bevor wir miteinander sprechen, schon ist mir ihr Name eingefallen und aus etwas wie Scham, ihn nicht sofort parat gehabt zu haben, produziere ich spontan einen Kosenamen: "Bebe, hey!", - sie schwenkt schon wieder zurück zu mir, ein breites Lächeln erscheint auf ihrem vorher ausdruckslosen, ein wenig müden Gesicht. - "Dabei habe ich dich gesehen", oder so ähnlich antwortet sie und schüttelt dazu den Kopf wie in Verwunderung, während ich sie schon voller Entzückung betrachte, logisch, ich bin unrasiert, ungewaschen, und beginne mich langsam um meinen Aufzug zu sorgen. Aber es ist Bebe, kein Zweifel, die unwahrscheinlichste Frau im Universum, zumindest in meinen Augen, doch ihr Auftauchen hier ist im nachhinein betrachtet weniger unwahrscheinlich, da ihre Freundin in der Nähe wohnt. Sie ist trotz des 4 - Jahresabstandes, als wir uns das letzte mal als Arbeitskollegen gesehen haben, ein wahrlich vertrauter Anblick, noch fraulicher, noch schöner, noch mehr schwarze Plomben bemerke ich, denn sie lacht wie immer breit und mit zurückgelegtem Kopf. Erst einige Tage zuvor, unter dem starken Eindruck Vis, habe ich mich veräppelt, anscheinend nur auf helle Frauen zu stehen. Sie ist das beste Gegenmittel gegen meine zwiespältige Verliebtheit, so mongolisch dunkel mit ihrem rabenschwarzem Haar und den dunkelbraunen Augen wie Vi nordisch hell ist, blond und helläugig.

Die ganze darauf folgende Woche über denke ich nicht mehr an Vi, sondern schreibe Bebe eine SMS-Fortkurzgeschichte, die Geschichte, die ich vor drei Jahren über sie und die Mädelsgruppe verfasst habe. Denn unsicher in welches Medium ich ihr, einer durch und durch analogen Frau ohne Computer, die Geschichte verpacken sollte dachte ich an SMS, und tatsächlich hat sie noch am selben Tag, ohne dass ich sie fragen musste ihr SMS- OK gegeben (Wie schrieb sie: sms ist ok). Vielleicht war es die Stärke unserer Seelenverwandtschaft, vielleicht die Stärke meiner Gedanken an sie, dass wir nicht nur wieder aneinander geraten waren sondern dass sie auch beinahe unverhohlen und freimütig, als ob es das natürlichste der Welt wäre, auf meine unausgesprochenen Gedanken reagierte, mit einem Humor den ich in dieser schwierigen Angelegenheit meiner uneingestandenen telepatischen Fähigkeiten als so etwas wie ein Gedankensender, oder als Irrer, wie man es auch betrachten konnte, dringend brauchte, konnte ich mich doch mit so gut wie niemanden darüber austauschen oder hoffen damit bei irgendwem auf Verständnis zu stossen. Nicht, dass ich mit ihr darüber reden konnte, oder wollte, aber es genügte wenn wir wie heimliche Verschwörer lachten, wenn es mal wieder passierte, und es passierte oft in diesen Tagen unseres unverhofften Wiedersehens, es war, als ob ich ein offenes Buch für sie wäre und deswegen meine an sie gerichteten Worte keinen erklärenden Charakter haben konnten sondern lediglich bestätigten was sie schon im voraus wusste.

Endlich war sie mir also in die Arme gelaufen, wie um sich ihre Geschichte abzuholen, schliesslich war es ihre und nicht die der anderen Mädels, welche mir diese Story mehr als widerwillig, höchstens im Notfall, ich sah es an ihren gelangweilten Gesichtern, abgenommen hätten, denn die anderen jungen Mädchen traf ich, auch immer zufällig, öfters als Bebe, die schon vor einigen Jahren erneut Salzburgerin geworden war. Ja, Bebe: Sie ist wie das Versprechen eines Landes, in dem Coffee und Icecreme fliesst. - Ja, nun also, - sage ich: da wir uns endlich wieder mal über den Weg gelaufen sind, sollten wir uns nicht zusammenrufen und ein bisschen zum Quatschen treffen, würdest du, hm? - Warum reden wir nicht gleich jetzt ein wenig?, fragt sie zurück. - Ok! - So plaudern wir bei einem sehr grossen Milchkaffee, sie kommt aus der Berufsschule und die ganze Zeit als wir ins Cafe hinüber die Busstrasse querten hing ihr Blick an meinem Eis, wie sie nach dem niedersetzen gutgelaunt gestand.

Wir lachen viel während wir unsere Neuigkeiten austauschen, ein Freund taucht plötzlich auf stöbert in den Büchern des uns umgebenden Buchgrosshändlers, wie ich im Gespräch mit ihr bemerke, er interessiert sich aber nicht für uns, und so lassen wir uns nicht stören bei unserer fröhlichen gegenseitigen Auffüllung der Lücke der letzten Jahre, und auch seine Anwesenheit schreibe ich den vielen subtilen Wegen unausgeloteter, nichtsprachlicher menschlicher Kommunikation zu, ganz als wäre er ein Zeuge unserer zufälligen Begegnung. [Gespräch, Auslachen beim Scheiden in der Arbeit, ihre Ausbildung]

Wir verabreden uns schliesslich für die nächsten Tage, solange sie noch da ist, einige kurze Wochen sind es noch, denn dann ist ihr Kurs vorbei und sie muss zurück nach Salzburg.

 

Diese Tage tragen mir alle einen neuen Wind zu, irgendwas ist im entstehen. Vielleicht ist es nur das Neujahr mit seinen erneuten Verwirrungen, mit den gedankenversengenden Sonnenstrahlen, die den Sommer ankündigen? Ihr gefiel meine Geschichte über sie, sie sagte später dazu: Das ist schön, es las sich wie eine lustige Geschichte, in welcher man selbst die Hauptrolle spielt. - Nun war das vielleicht eine voreingenommene Meinung, aber es war eine positive Meinung, es war eine vorbehaltlos geäusserte Zustimmung zu meinem Schreiben. Denn als ich diese kurze Story vor Jahren einmal I zum lesen gab sagte sie: So nicht! - Nun wusste ich, dass I nicht gefiel, dass sie darin nicht vorkam, dennoch legte ich, mein Zunder war verbraucht, die sehr kurze Geschichte jahrelang zur Seite, und träumte davon sie den weiblichen Protagonisten vorzulegen, den Hauptdarstellerinnen, der jungen so bunten Schar Mädchen aus der Umgebung der Steinerschule. Nur war das nicht so einfach, nicht weil wir uns aus den Augen verloren hatten, denn ein Teil der Mädels war in Wien und ich stolperte immer wieder über sie, Jana sah ich am öftesten, wie immer lachte sie über meine bewundernden Blicke für ihre filigranen, wie spitzen Formen, das schmale Gesicht unter der Kapuze ihres Tarnanzugssweaters, und wie immer gab sie mir mit lachender, leicht angewiderter Miene Auskunft über die anderen Mädchen und ihre Freunde, ja, die macht das und das, nein, ich bin nicht mehr mit Sim zusammen sondern mit einem anderen, das erfuhr ich, als ich sie einmal mit Marcus recht nahe vom Bahnhof traf, wo ich gerade eben Bebe wieder aufgefunden hatte. Coeli begegnete ich vor der Akademie und wir tauschten Nummern aus, wir waren immerhin Freunde geworden, viele Jahre zuvor, doch sie blieb reserviert, schliesslich war ich bald darauf weg gewesen damals, kurz nachdem das Eis zwischen uns gebrochen war, wenn sie in Ber ist soll sie mal anrufen, bat ich sie, ich wohnte gerade dort, aber sie meldete sich nicht und als ich anrief, ich war mittlerweile wieder im Lande, war sie gerade wieder in Ber, ich vergass irgendwann, dass ich sie wieder anrufen wollte. Um der Wahrheit Ehre zu geben hatte ich auch ein wenig zu viel Respekt und Scham. Sie brauchten mich nicht, alles lief, so weit ich mir einen Überblick über den Verlauf ihrer Lebenslinien verschaffen konnte, prächtig, und ich wollte nicht meine kurze Geschichte über sie erwähnen, oder besser gesagt anbieten, erwähnt habe ich sie, und zwar weil ich fürchtete, zusätzlich zu ihren gelangweilten Gesichtern, mir auch noch den Vorwurf der Selbstüberschätzung einzuhandeln. Nein, es war schon Bebe vonnöten, damit ich endlich zum Ziel kam, die Story am richtigen Ort deponieren konnte, bei meiner unvergleichlichen Mitspielerin daselbst.

Ihr Lob jedenfalls und ihre Akzeptanz förderten meine Selbstüberschätzung, die sowieso schon, wenn auch nur einen Augenblick lang, danach strebte programmatisch zu werden. Ich wurde zunehmend lockerer, und ging bald darauf noch mehr Risiken ein. Das heisst im Grunde auch, dass ich anfing, weitere beliebige Abenteuer niederzuschreiben.

 

 

PERFORMANZ

 

Zu den schrecklichsten Prüfungen gehören für mich die Handgreiflichkeiten. Werde ich allein gelassen, gerate ich leicht an die Grenze zur Gemeingefährlichkeit. Ich war auf einem der seltenen Besuche bei Marcus, nachdem wir uns tags zuvor mit Petrus bei mir getroffen hatten, wir arbeiteten aber nicht mehr wie besessen an Retron, dem old-skool-3D Egojumper-Spiel, sondern designten unsere Homepage, und halb sagte er es, halb entlockte ich ihm, dass er sich da Medizin von Petrus geholt hatte, welcher sich in Rekonvaleszenz befindet. Nun ist Marcus vielleicht Ein Wenig Alkohlkrank, so viel etwa wie ein Philosoph namens Heidegger eine zeitlang Ein Wenig Nazi war, das heisst nie dem ganzen so recht vertrauend, doch mir ging das gegen den Strich, es widerte mich an Medizin zu missbrauchen, diese Pulver, diese süssen Pulverchen, uh, all die künstlichen Mittelchen, und gleichfalls, dass ich das mitbekomme, da sie sich bei mir getroffen hatten, die beiden Zudröner. Seltsame Spiegeln, die beiden, bei ihrem verspäteten Zusammentreffen, - hatte ich das Gefühl. Jedenfalls wollte ich es ´zurückhaben´, d.h. ich wollte das Ganze rückgängig machen, es ihm abkaufen, es fortgeben, in die Apotheke, ins Klo damit. Karin unterstützte mein Begehr, sie herrschte ihn an, mit einem resignativen Auflacher: Ungefährlich?!!! Du glaubst tatsächlich, damit könne man einfach so umgehen, ohne ärztliche Aufsicht! - Er liess nicht mit sich handeln: Bist du verrüückt, ich geb´s nicht her! -

Langsam wurde ich streitlustig: Gib her, oder ich nehme es dir ab! - Ich stand auf, ah, ein seltener Moment des Kampfes, soo selten, ballte die Fäuste, tänzelte vor ihren Augen, viel ist hier in letzter Zeit von Kampfkünsten gesprochen worden, na gut dann schaut´s, ich mime mal den Boxer, ihr vom Kampf uninspirierten Beiden, -über den kleinen, neu posierten Küchentisch hinweg: Du glaubst nicht? - Peng!, weich auf den Bizeps mit der Rechten, ein leichter Hacken, er schaut nur ein wenig verdutzt, befindet es gar nicht wert darauf zu reagieren, alsdann, ich dosiere den nächsten Schlag, ziele sehr genau, ein wenig fester, auf die Schläfe von links, Marcus schaut mit erstauntem Gesicht doch schon in der selben Sekunde als der Schlag sitzt fährt seine ganze lange Gestalt über dem Tisch aus, doch seiner knapp am Körper hochfahrenden Faust weiche ich mittels eines zurückbeugenden Biegen des Kreuzes leicht aus, das Kinn gesenkt, ich sehe alles, er fällt schon wieder auf den Sessel zurück, ich tänzle noch ein paar Schritte von ihnen weg, Karin beobachtet weiter stumm, interessiert, - Daneben! Wie langsam du bist! Na was ist!, - reize ich weiter den Kampfaffen in uns, er schaut diesmal ernst und als er hinter dem Tisch hinter ihr hervorkommt, sie sitzt mehr in der Luft inmitten von allem, an der küchenmittigsten Tischecke, baut sich seine Grösse zu einer Bedrohung für mich auf wie mein Kleinhirn registriert, doch es ist Schaustellzeit, wir haben eine Zuschauerin und ich nehme, ihn nicht aus den Augen lassend, blitzschnell meinen Sessel auf, hebe ihn hoch vor und über mich und plane ihm das ganze in die Seite, schön tief zielen, zu rammen, weniger weil ich es wirklich will, sondern da die Waffe aussondiert gehört, und schon schreit Karin uns in aller Lautstärke an, sie brüllt könnte man sagen, wenn ihre Stimme tiefer gewesen wäre, so ist es eher ein Kreischen, und flugs nimmt sie mit mir gemeinsam den Sessel ab, ich lammfromm, nur keine Verlegenheiten jetzt, entschuldige mich, ich bin trotzdem, obwohl ich das alles kühlen Blutes begonnen habe von mir entsetzt, und setze mich gleich wieder drauf, an den Tisch, halte die Backe hin, zeige drauf: ok, Blödsinn, komm Marcus, schlag mich, aber bitte nicht so dass die Zähne wackeln, schlag mich fest, damit es wieder geht, damit ich dich nicht verletzt habe. - Ich habe vernommen, Schläge ins Gesicht sind eine besondere Schande, vor allem unter Moslems, und so gut kenne ich ihn schliesslich auch wieder nicht.

Er winkt ab, schaut weg, beleidigt, beschwörend, den Blödsinn zu lassen, lacht schon beinahe wieder. Doch Karin bittet mich raus, bittet mich sehr laut raus, sie kann mich nicht mehr sehen, und als ich anfing damit, Fäuste schwingend vor ihnen, dachte ich kurz, noch zusätzlich zu dieser ganzen traurigen Geschichte: Na bitte, gleichzeitig werde ich mich dadurch vor Karin unmöglich machen, unsere enge, faule beinahe in ihrer Untätigkeit, angestrebte Beziehung mal kurz ein bisschen verunmöglichen, verzögern, na wie toll. - Als ob sie psychische Betreuung nicht genug zu spenden hätte im Nachtdienst, wir haben sie mit unserem Geschrei aufgeweckt, ganz verschlafen kam sie in die Küche, ich staunte über ihre Unterwäsche, was waren das für komisch herausstehende Verschlüsse unter ihrem weissen Unterhemd, sie setzte einen Tee auf, und jetzt das, mittlerweile war sie ´eh schon´ wach geworden, wie sie sich auszudrücken pflegte. Und im Gehen begriffen schreie ich auf dem Gang weiter, Marcus direkt ins Ohr, der mich anfängt zu schieben: Du willst Blut sehen!? - und bin in die Betrachtung dieser quadratischen Farbkunst hinter Glas versunken, direkt neben der Küchentür hängt der Glasrahmen, entzückend die Wasserfarben, oder was?, und - Willst DU? - schreiend schlage ich schon ein, mit der erhobenen Rechten, abgewinkelt kurzdistanzig, mit genau der richtigen Stärke doch schief, ich treffe mit der Wurzel des kleinen Fingers auf, wie ich später merke, Au, und das Glas wandelt sich in eine brechende Spirale, ganz in der Mitte ist das Splitterzentrum, ganz schmal, leicht gebogen wie Sarazenenschwerter die einzelnen Slices, die dünnen Stücke, und sie fallen nach einem Moment, glitzernd wie Schneewehen, mit einem Kristallprasseln, zu Boden. Wow! - schau ich blute gar nicht - denke ich noch vergnügt so gut vor der Leinwand abgestoppt zu haben, und dazu verletzungsfrei, hebe die Hand wie unters Licht vor meine Augen und schon sprudelt es aus zwei Quellen frisch und klar, auch der Mittelfinger am ersten Gelenk hatte was abbekommen, und schon trägt mich Marcus mehr als dass er mich vorwärtsschiebt, ich bin ganz entspannt und ruhig, geniesse diesen neuerlichen Ausbruch, und er wirft mich einfach mitsamt sich zu Boden, es wirkt auf mich, als ob wir uns lediglich aus der Vertikalen schwebend in der Horizontalen eingefunden hätten, und ich wiederhole immer wieder: Ganz ruhig, Marcus, hey, ich bin ganz ruhig, es ist ein Spiel, eine Performanz! - Komm, raus mit dir, - gar nicht unfreundlich, liebevoll besorgt: Raus, weg von hier, wegen Karin, schnell, los, - Er wohnt ja in der WG - und redet gar nicht so viel sondern befördert mich am Kragen, hurtig, den ganzen langen Weg die Stöcke hinunter, und in diesem geräumigen Treppenhaus flüstere ich: Marcus, lass mich los, ich renne ja, aber wenn uns jemand sieht, Marcus, wie schaut das aus? - Er, aus dem Haustor raus: Los ums Eck, Karin hat geschrien sie ruft die Bulln, ganz ruhig, komm. - Er dramatisierte, es war eher Krankenbetreuung, die ihr am Herzen lag, - Ok, gemma, da, hey, ich habe den Rucksack, und das Sackerl, du weiss welche Farbe vergessen (Bücher, Bücher, Alben, Esskram), ich brauchs, bitte hol es, kannst du?, - Er: Zu Karin rauf? .. Ok, und du wartest da, ok?, - Ja, da am Eck, bitte! - Lange bleibt er, spricht mit ihr, sodass ich schon anfange, dass sie versuchen werden, sich an meinen Sachen schadlos zu halten, insgeheim werde ich Marcus verdächtigen, sich wenigstens den Competition Pro revival deluxe mit roter Geschenkskokarde geschnappt zu haben, jedenfalls bis ich ihn wiederfinde, tags drauf. Ach, dieses angelernte Misstrauen!

Als er zurückkommt gerate ich ins Schwärmen, auch um seine Verwirrung zu verscheuchen: Schau Marcus, es ist wie in Clockwork Orange: Sie haben mich gegen Gewalt konditioniert, aber die Music hat mich gerettet, - denke an Bach, vielleicht Schuhmann und Tschaikowski, um es mit meiner Playlist zu belegen, - Beethoven, - sagt Marcus: Ludwig van, - und schaut in Messestimmung, von unten aufwärts. Ich lache, ein Lied vom Soundtreck zum Film habe ich. Ach diese Gedanken, ich denke, und Marcus lenkte, korrigierte meine schamhaften gewissenhaften Gedanken nach unten, der Realität entgegen, selbst in diesem erregenden Moment muss ich an die Telepathie denken, denn Marcus ist wie Bebe einer, der unbekümmert auf meine Gedanken zu antworten imstande ist, und wieder schäme ich mich, schäme mich wegen des Vorfalls aber auch deswegen, dass meine Gedanken nicht länger mein eigenes Geheimnis sind, das Geburtsrecht jedes Menschen auf seine Privatsphäre, sondern so offen unverhüllt auf einem Präsentierteller liegen wie ein Ferkel mit Apfel im Mund auf einem Silbertablett. Ein Bild das jedem TV- Konsumenten vertraut sein müsste.

 

Im Grunde hat mir diese vermaledeite Performanz nur erneut bestätigt, was ich mir an meinen kaputten Fingern schon selbst hätte ablesen können. Dass ich geworden bin wie ich war, ein kultureller Imperativ, und es anscheinend auch genoss: Ein Krieger, ein Killer; und tatsächlich meistens kaltblütig. Noch in tiefer Trauer, mit tränenverhangenem Gesicht, kann ich im Nahkampf siegen, ohne dass, aufwärmen vorausgesetzt, mein Pulsschlag sich signifikant verschnellert. Ich wurde letztlich, was sich meine slawische Mutterkultur wünschte, eine Ressentiment -Maschine, frei und glücklich zwar, aber bestimmt zu rächen, den Krieg, die eigenen Toten, den Schmerz und was noch dazugehört. Und da meine zweite Heimat den gleichen Wunsch hegte, könnte ich sogar auf beiden Seiten gleichzeitig morden. Ich bin der Spion, der Doppelagent, das Werkzeug Das-Nicht-Da-Und-Nicht-Dort-Ist (Frank Herbert Sprache), oder besser gesagt: das war noch das beste, was ich in die mir zugedachte Rolle als Staatenbürger, wie sie mir aus dem reich gewebten Gespinst des Sozialen zuflog, noch mit einbringen konnte.

Doch zum Glück verfügt Kultur ja über diese vielen, auch neueren, Regulative und Heilmittelchen, ist im Ganzen sehr friedlich und schickte sich an, seine Krieger früh zu pensionieren. Lauter reservierte Fernseher, Arbeitslose, Künstler und Sandler. Eigentlich bin ich nicht gegen Krieg weil dabei Menschen sterben und unaussprechliche Grausamkeiten und Qualen damit verbunden sind. So gross ein Kriegselend auch sein mag ist es doch zeitlich begrenzt, punktuell, und irgendwann wieder vorbei. Nein, was mir jeden Krieg so verhasst macht ist, dass die psychischen Verletzungen tendenziell gegen unendlich gehen, dass Generation um Generation davon geprägt, und die zwischenmenschliche Atmosphäre auf undenkliche Zeit davon in Mitleidenschaft gezogen wird. Fünfzig Jahre und zwei Generationen danach leben wir Kindeskinder noch immer die Qualen unsrer Grosseltern weiter, ohne absehbares Ende.

Man mag die Gewaltbereitschaft auf die menschliche Natur schieben, auf die Grausamkeit der Natur, für mich war sie nur Folge der ersten und jeder nachfolgenden menschlichen Gewalttat, wann auch immer diese begangen wurden, von mir aus im trojanischen Krieg, doch weit davon entfernt sie als Erbsünde zu betrachten folgerte ich die Gewalttätigkeit einfach aus dem unmenschlich zähen Elefantengedächtnis der Kultur und ihrer erst einmal und dann unwiderruflich immer wieder verletzten Individuen. Wie sonst sollte man sich erklären, dass meine Generation noch immer in diesem imaginären Kriegsgreuel lebt, für die sie, ohne deswegen besser zu sein, nichts kann und die sie nicht erlebt hat. Die Gewaltspirale ohne Ende, nein, ich bin nicht gewillt das ohne weiteres nur auf unser tierisches Erbe zu schieben, mögen auch alle Evidenzen seit Anbeginn der Menschen dafür sprechen, ich will, und sei es nur aus Widerspruchsgeist gegen die gleichfalls seit Beginn der Zeiten monoton wiederholte Satzung von dem Kampfwillen der Natur wie sie in den Tieren beispielhaft wirkt, als ob wir zu beschränkt wären um uns nach Tausenden von Jahren ein neues Ammenmärchen vom Löwenmut auszudenken, will ich denn sagen, es ist nur das kulturelle Erbe von gierigen und machthungrigen Kulturen, Stämmen und Reichen, keineswegs in den Genen verankert, sondern in den Memen, den kollektiven und individuellen Gedächtnissen und Gehirnen der von ihresgleichen ohne Ende geschundenen Menschen, die bis auf den heutigen Tag ausserstande sind, das an ihnen und ihren Vorfahren begangene Unrecht zu vergessen. Hat nicht erst der zweite Weltkrieg so etwas wie das Denken einer Kriegsschuld ausgelöst wo früher die Feindschaft als etwas sozusagen Gottgegebenes hingenommen wurde, und der Sieger immer recht hatte? Hat es nicht den Vietnamkrieg erfordert, und die Psychoanalyse, um endlich auf den so undenkbaren Gedanken zu kommen, dass Kriegsopfer unfähig, gänzlich unfähig sind, ihr Leid zu vergessen, dass sie, und seien sie Erwachsene, wie missbrauchte Kinder ihr Leben lang geschädigt bleiben, ja Gestörte, Wahnsinnige, Verrückte und durch und durch Kranke sind und bleiben und dass in Folge ihre Kinder von ihnen krank gemacht werden, und ihre Enkel und es immer so weiter geht? Werden nicht heute noch die Widerstandskämpfer und Deserteure von ihren Nationen verschwiegen und verunglimpft, als ob der Krieg, mag er noch so grausam und brutal geführt worden sein, die Norm wäre, und nicht der Widerstand dagegen, sei er auch noch so vereinzelt und hoffnungslos?

 

Ich bin eigentlich der grösste unbewusste Lügner, dabei will ich eigentlich ganz bewusst sein. Meine Wahrheit ist zwar mindestens so surreal wie die jedes anderen, aber es ist egal was ich sage und schreibe. Niemand wird einem Es glauben, ich habe kein besonders starkes Ich oder Über –Ich; eine Laune der Kultur gestatte, mich zwischen den psychosozialen Hindernissen durchzuschlängeln, Privileg der Grenzübergänger und Unterprivilegierten. Ich habe etwa gesagt, dass ich zu dem Schmafu, den ich gerade mache stehe, gegenüber Marcus? Unsinn, aber dann stimmt es vielleicht auch nicht, als ich auf seine Frage bejaht habe, ein Killer zu sein. Und das alles nach meiner schönen Performanz- Kunst. Das Blut rann und ich bewunderte seine Schönheit auf meiner leicht gespreizten, erhobenen Hand, unter der Strassenbeleuchtung, als ich am Eck wartete, dass Marcus meine Sachen runterbringt. - Schau, Marcus, ist das Blut nicht schön! Aktionismus, wo wenn nicht hier? - Er regte eine Heilung im Cafe Mal an, ich bekam Pflaster (und Segen?), während ich heulte und beteuerte, wie sehr es mir leid tut, und dass man anderen einfach nicht sagen kann, wie sie sich zu fühlen und wie zu verhalten haben und dass nur meine Sorge mich zu diesem Übergriff, zu diesem Schaustück getrieben hatte.

Interessanterweise warnte h-mineur, der sich auch oft in dieser abwechslungsreichen Gegend beim Bahnhof aufhielt, Marcus am selben Tag, dass ich durchdrehen werde, wir hatten gerade eben miteinander gesprochen und ich war wieder einmal in Zorn ob der Weltunvernunft geraten, als sie sich bei dieser Bahnhofs- Kassahalle trafen, wo wir uns alle oft begegneten. Über die Jahre durfte ich mir viele Warnungen von h mineur, dem Grande Maitre, anhören: Sei kein Totalitarist! – sagte er einmal, als ich mich wieder beschwerte, über irgendwas Weltzuständiges, und: Du hast den Blick eines Massenmörders, - Während ich zwischendurch von allgemeiner Wohlfahrt und aufgeklärtem Bewusstsein sprach, zwischen meinen Beschwerden, dass man mich nicht in Ruhe dahinvegetieren lies - Ich brauche ja nur so wenig! - oder warum die Menschen so litten.

 

Ich war mit der eben geschehenen Geschichte nicht ganz glücklich, über das Blut und so, über die ganzen Übergriffe, doch regte mich mein Körpereinsatz in Wirklichkeit noch Tage lang auf, und noch immer im Dilemma deswegen redet später Greg der Hobbymatrose auf mich ein, nachdem er gescherzt hatte: Ich kann alles, von Zeit zu Zeit! - und spinnt seine Theorie, er erfindet sie mitten in seinem Wortspiel, wir sind thematisch ganz nahe beieinander: Also … Du weisst doch, vielleicht ist es das schwere Los der Fischer. Wie hiess nochmal der Fischer? - Petrus, - beantworte ich seine Frage. Es fällt mir plötzlich wie Schuppen von den Augen, dass ich Jesus für den Fischer gehalten habe, maritim wollte ich ihm andichten zu sein. Und Greg erinnert mich also an dies schwere Los, Fische töten zu müssen. Na klar! Allzu besorgt sah ich die Mengen Alkohol Marcus´ Kehle hinunter stürzen. Petrus sagte ja noch: Hand drauf, Partner! Auf die Zusammenarbeit! - und ich schlug ein. Nach dem Coup d´Etat flüchtete er vorsorglich. Und erst Greg erlöst mich vom Zorn auf Petrus Vater, diese Vernachlässigungen der Kinder (denn ich habe, während ich mit der Petrusempfehlung an Marcus, es ist der Tetsuo Film, in der Tasche durch die Gegend laufe, irgendwas mit Baseballschlägern angedacht, splitternde Glasvitrinen, dieser Sound, die Pippi Langstrumpf kann´s, Der kleine Jesus der Blechtrommel kann´s, also warum eigentlich nicht?), und das alles, nachdem ich, noch in derselben Nacht, kurz nach der ganzen Performanz, als ich ein wenig Zeit hatte die gerade geschehenen Ereignisse revue passieren zu lassen, ich Petrus die geringen Schulden die er bei mir hatte, ich weiss nicht warum, gleich einmal als erstes erlassen habe.

 

Als ich am nächsten Tag maitre h die Geschichte erzählte, staunte er: Als ob ich es geahnt hätte! Was willst du nur damit erreichen? Eure Spiele am Computer die ihr machen wollt, das ist doch nichts Ernsthaftes. – mit erhobenen Armen liess er die Finger spielen wie auf einem Luftpiano: Du solltest fertig studieren. Das wäre ein anständiger Plan! – und lächelte: Und deine Freunde, was sind das überhaupt für fertige Gestalten, die spielen sich herum und bringen nichts z´samm - Was!, rief ich: Meine Freunde sind die Besten! Ich bin mit den Besten zusammen! Du hast keine Ahnung. - traute ich mich zu erwidern, lodernd vor Begeisterung. Er zuckte müde die Achseln.

 

 

BEBE 2

 

Ich spaziere zurück in die Werkstätte,durch die Stadt im hellen Sonnenschein. Bebe ruft an. Ich telefoniere gerade mit Ibot, nach dem Umschalten bin ich wieder bei ihr. Kurzes Schweigen, ich denke: Soll ich fragen "Wie gehts?" .. eigentlich hat sie mich angerufen. Egal, ich frage." - Aber noch bevor ich den Mund aufmachen kann sagt sie: "Danke gut!" - Wir kichern daraufhin beide ziemlich ausgelassen und plaudern eine Weile, sie hatte eine seltsame Geschichte erlebt seit wir uns wiederbegegnet sind und ich verstand nur, dass ein Typ sie nicht wollte, dachte: au weia, wir Armen. Aber wie geht das, sie hat ja einen Freund? - Wir verabreden uns für einen der folgenden Tage, sie will mir die Story live erzählen. Nicht ohne Grund will sie das, denn es ist Folge unserer Begegnung und gleichzeitig ihre Sichtweise auf die Pläne die ich seitdem schmiede.

 

PICKBEC´S

 

Der Vorabend des Unendlichkeitstags war von so vielen Zufällen durchzogen, dass ich irgendwann wie von allein auf die Idee kam, da müsse eine Madeleine dahinter stecken, ein proust´scher Retro- Aktivator- Keks, ein Deja- Savoir- Küchelchen, ein Schrankenöffner zu den Gedächtniskasterln oder so etwas ähnliches. Dabei wusste man heutzutage wissenschaftlich nicht mehr sicher zu sagen, ob die Gedächtnisschubladen im Laufe des Älterwerdens überhaupt bestehen blieben, und nicht vielmehr, wie eine neuere Theorie besagte, die Dentriten bei Nichtbenutzung einfach gelöscht wurden, die Eiweissbahnen im Geflecht zwischen den Nervenzellen gekappt wurden, recycled oder ausgeschieden; Atempause von den Gespenstern der Vergangenheit. Angeblich gibt es so etwas wie umgekehrte Sensibilisierungsphasen im Alter von etwa 6 und dann 12 Jahren im Verlauf dessen alte und vergessene Inhalte verschwinden, im Kopf sozusagen Platz geschaffen wird für weitere Verbindungen.

In letzter Zeit gönnte ich mir ein wenig mehr Ruhe, ich war sozusagen nach einem raskolnikowschen träumerischen Höhenflug von der schmalen Studentenpritsche auf dem Boden der Tatsachen gelandet, ernüchtert aber wohlgemut, zum Beispiel beim Kaffee im neuen Pickbec´s Cafe, nachdem ich den Film Tetsuo zurückgebracht hatte, ich wollte keinen Film mehr ausborgen denn ich kam in letzter Zeit zu oft hierher, aber ein Filmplakat ist mir aufgefallen, als ich verglichen habe, ob die Renovierung des Geschäftslokals ihrer aushängenden Plakatauswahl geschadet hatte, einer jahrelangen Tradition, und das Plakat von C.ODYSEE 2002 hing ja auch drinnen wie gedoppelt, und ich fragte nach, tatsächlich war das wirklich ein Film, und neuer als der Titel verhiess. So lieh ich ihn aus und setzte mich noch zum kleinen Espresso und ich hatte einen Kater von der Hälfte meines Wo´dkas, des polnischen, ich hatte mir das beim Kauf schon gedacht, Wyborowa, klang wie die Zeitung: Wyborcza pflegte meine Tante zu scherzen, nicht ausgesucht aber tendenziell, typisch polnische Ironie, so wie Putin – Rasputin, und billig war all der Fusel, und so dichte ich von dem Aufkommen einer literarischen Idee, reime mit Wo´dkablut, Espresso und diesem winzigen Süsskeks, den sie dazureichen. In Wirklichkeit aber schweiften meine Gedanken die Tage viel zu meinem geplanten Kurzfilm: TOM aka TOLKIEN, die Tom Bombadil Szene aus ´Herr der Ringe´ a la Fassbinders Düsterhelldeutschland will ich auf die schnelle ablichten, wie ich zu Jo Schnellträger sagte: trashig, gewöhnlich, keine Kostüme, oder aber stilisierte, eine geschlossene Szene im Wald minimum, sechs Figuren, - und ich suchte im Cafe ohnehin ohne unterlass, müssig Kaffee schlürfend, die Bücherwände ab, und fand den ersten Band des Herrn der Ringe, Fellowship, und beschloss der Kunst einen weiteren Obulus zu entrichten, das Buch zu kaufen, und die Szene in english hardcopy, also auf Papier, zu lesen, und weiters es den angepeilten, möglichen Schaustellern zu geben, viel konnte man mit so einem Text machen, und ich wusste ausserdem nicht mehr, wo der e-Text war, der elektronische den ich einmal vor Jahren aus dem Internet gesaugt hatte, wie von Erdboden und Festplatten verschwunden. Pickbec´s Endlich- Auch- Buchladen- Videothek, na bitte, das gehörte auf jeden Fall geehrt. Prost! Heiter war der Tag, ich trat den Rückweg an.

 

TOM & ALEX

 

Noch in der MarcAurel Strasse in Richtung Metro werde ich schon wieder in meinen Gedanken eingebremst, es spricht mich jemand plötzlich wegen Bücherkauf an, sie drucksen an der Ecke herum, Charlie´s Pace, einer dieser früher anrüchigen Orte bis die Polizei Kameras aufstellen liess, im Schatten der Bäume bei der Litfassäule. Ich erinnere mich hier einen Professor von mir getroffen zu haben, damals, und er machte ein gegen mich zielende Bemerkung deswegen, ich war wohl meiner autistischen Euphorie halber schon immer verdächtigt gewesen kein für mich brauchbares Suchtmittelgesetz gefunden zu haben und ich erwiderte leicht gekränkt: Aber ich habe doch nur ein Video ausgeborgt! – damals war das meine Lieblingsvideothek gewesen, vor der DVD- Zeit, als es noch schwieriger war, Filme in Originalsprache zu finden.

Meine neue Bekanntschaft braucht wie es sich herausstellt 30 E um nicht aus einer WG, einer Wohngemeinschaft rauszufliegen, anscheinend sein Wohnort. Auf seine Frage, langsam nur kommt er zur Sache, antworte ich, dass ich immer Bücher kaufe. Als Thomas und Alex stellen sie sich später vor, nachdem ich ihnen meine Nummer gegeben habe, zwei junge, ein wenig heruntergekommen aussehende Typen, tatsächlich bin nun ich derjenige der sie verdächtigt, nicht ganz zufällig gerade an diesem Ort zu sein, wie immer sitzen einige Clochards und andere Tagebummler nahe bei. Aber sie verneinen glaubhaft, Thomas packt aus, Alex verkrümelt sich ums Eck, ein schüchterner Typ. Es befinden sich in seinem Besitz: Ein Einstein, seine Sager, Orginalverpackt; Coelos Veronika beschliesst zu sterben; Zwei Dürrenmatts; bis auf Einsteins Sprüchlein kenne ich alles, auswendig. Und Thomas vor allem kenne ich, vom Sehen, wieder eines dieser Stadtdinge, dauernd trifft man bekannte Gesichter von Unbekannten wieder, in der U- Bahn, in den Kinos, in den Kaufhäusern, und in mache deswegen den Scherz, dass ich ja einen Bekannten nicht hängen lassen kann, lache kurz, und versuche anscheinend es resigniert klingen zu lassen. Denn ganz unvermittelt fragt er darauf, gegen jede Konvention und Etikette, ob mein Lacher nicht falsch sei, er schaut dabei ein wenig säuerlich, gequält, als ob alles von meiner Integrität abhinge, das Thema ist ihm sichtlich unangenehm, und wiegt den Kopf fragend auf eine Seite, und ich verneine sofort, meine Erklärung hat eine Wichtigkeit, die mir in dem Moment nicht auffällt, und versuche es ihm so gut wie möglich zu erklären. Das heisst knapp, aber in aller Deutlichkeit, wiederhole ich fröhlich erläuternd unseren gerade stattgefundenen Dialog: Ich habe versucht lustig zu sein! - scherze ich. Er nickt begeistert und lauscht aufmerksam jedem Detail der Erklärung und sein Unwohlbehagen schwindet. Ich habe bestanden sehe ich, nur was, etwa eine Vertrauensprobe Unbekannter? Doch um einen Kontrast zu lassen handle ich um die Bücher deutlich unwilliger und bemerke bezüglich des Einstein- Buches schadenfreudig, haha, eines für Einstein in die Fresse, es wäre nicht mehr als 6 E wert, er empört sich beinahe unhörbar: Was, für Einstein das Genie? Ok, sage ich, alle vier für die gewünschte Summe, und das Sackerl, - erst später merke ich, dass Morava draufsteht. Ein wenig schäme ich mich, nicht grosszügiger zu sein, ich muss mich zu der Härte zwingen indem ich mir einrede, dass ich mich belästigt fühle, abgelenkt von den Wünschen anderer, Geldwünschen obendrein, schäme mich obwohl ich knapp bei Kassa bin, doch ist Geben nicht Notdurft? - dabei geniesse ich in Wirklichkeit dieses Zusammentreffen sehr. Die Bücher sind nagelneu. Der Deal ist perfekt, ich erzähle, was ich sonst noch treibe, er: Programmieren tust du auch? Bei meinen schriftstellerischen Ambitionen horcht er auf, aha, ein bekanntes Gebiet, und er fragt mich aus: Soll es ein Buch für 5 Bekannte sein, oder massentauglich, medienwirksam? - Ich winde mich sichtbar, stöhne unter der Last dieser Frage und kann keine definitive Antwort finden, ich weiss es schlicht und einfach nicht, vielleicht weil ich es zu deutlich ahne wohin Tagebuchaufzeichnungen führen. Na gut, er will mir dennoch, oder deswegen eine seiner 2 literarischen Ideen verraten, wobei er zwei Finger abgespreizt in die Höhe hält: Hast du einmal versucht 666 in 999 zu verwandeln ...?, - sagt er und zeichnet die Zahlen gleichzeitig direkt vor meine Augen. Doch schon halte ich mir die Ohren zu, beschwere mich laut! Ich habe genug gehört (zuerst noch verachtend aber jetzt verstehe ich, er wollte mir durch die Blume sagen, was es heisst, massenwirksam zu sein wie Georg Lucas mein Vorbild), es gibt schliesslich so viel feinere Verschwörungen, etwa die sodomitische Prousts, die bürokratische Kafkas, oder die kriegerische Kleists, nein, mit dem Teufel auf den Beelzebub, aber bitte doch!

Die Idee ist übrigens besser als ich dachte. Das kann einmal eine Sprengkraft haben, wenn es darum geht, die Wissengesellschaft zu verteidigen. Mit den Beiden zeigte sich plötzlich ein Schimmer, ein Hauch irrer Freiheit, wie ich jetzt literarisch scherzen werde, freie Bürger waren sie und wiff und forsch, und schnell, und langsam, und ich druff, der zwar nur einiges kann, aber alles zerredet. Die neue Kraft, der neue Plan: - Tomas hat die Wirkung am eigenen Leib erfahren, als er mich, das Ganze mitten und lang auf diesem Schnittpunkt zwischen Strasse und Platz, um die Erklärung meines ´falschen Lächelns´ drängte. Kein Unbewusstes mehr, freie Produktion von Intensitäten, vielleicht waren das mehr als Schlagwörter, des Philosphen Deleuze Sehnsucht? Wer ruft das Volk? Virginia Woolf ging dafür ins Wasser, und ich war in Ber auch beim Kanal in Kreuzberg gewesen, in welchem man Rosa Luxemburg fand. Ach, prüfen mich deswegen alle so hart? Mit einem Stift eine Visitkarte mit meiner Telefonnummer beschreiben und herausholen durfte ich, allein, aus dem neuen Kapital- Tempel an derselben Ecke, früher war da die Profil- Redaktion gewesen, jetzt dunkel, neonfarben war es drinnen, maritimes blaugrünes Licht schwamm um die Rezeption, während Tom am Eingang auf der Treppe, erhöht unter dem Engangs- Dacherl, wartete, beinahe in Tuchfühlung mit dem alten, pflanzenverwachsenen Kirchlein waren wir. Pech gehabt, wir hatten nichts Analoges, no paper and pen, zum schreiben mit, und mir ist ja tatsächlich die Geldwirtschaft, das Business, nicht unsympathisch, ich bin Emphatiker, viel eher geniesse ich die augenausschlagende Ästhetik des historisch, so man es dermassen einteilen will, zweiten universellen Kommunikationsmediums Geld, L´Argent, Money, Steine, Mücken oder wie auch immer Julienne Moore aka Ms. Lebowski das auch deklinieren mag; nicht ohne meinen Johannes. Ich bemühe mich nur, nicht alles zu sehen, wenn es denn anders geht, nicht alles auszuschöpfen. Tatsache jedenfalls ist, besser gesagt das Resümee der Begegnung mit Tom und seinem Kompagnon war: Er hat mir vier Bücher und eine Millionenidee für 30 E verkauft. -, wir scheiden mit dem Versprechen, uns wiederzusehen. Ich richte meine Schritte zur Metro. Natürlich, eine Idee ist nur wie dieses Apfelgehäuse ohne Fleisch drumrum, einen Mönch zu ermorden etwa, aber oft genug werden Geschichten erzählt ohne eine Idee dahinter, da man ja nur irgend ein altes dramatisches Stilmittel wiederverwerten kann, nach den Choen- Brüdern angeblich die Art und Weise Hollywoodfilme zu machen. Ja es zeugt von gutem Stil darauf zu achten für welche Konsumentengruppe man produzierte, nicht jeder konnte es sich leisten als Privatgelehrter aufzutreten.

 

SYSTEM

 

Man mochte dem Geldmittel gegenüberstehen wie man wollte, bei aller angebrachten Skepsis für etwas grosses, majoritäres hatte es als verallgemeinerbares Kommunikations-, bzw. Steuerungsmedium der Gesellschaft seine Vorteile gegenüber der anderen möglichen Variante, der geschichtlich vorgängigen Macht. Noch vor kurzem hätte ich, vor die Wahl zwischen Befehlsausführungen und Zahlungen gestellt, mich im überwiegenden Teil der Fälle für zweitere entschieden, aber mittlerweile spannte ich schon das Massband auf um die dritte Variante in ihrem heutigen Auftreten zu beobachten, nämlich das Wissen als neustes, universell generierbares Kommunikationsmedium. Wissen statt Geld? Das konnte ich mir die längste Zeit gar nicht vorstellen. Normalerweise sucht man vernetzte Plätze auf um Wissen zu finden; oder Kunst zu schaffen. Ich hatte jedenfalls wenig Ahnung, nach was ich eigentlich suchen sollte.

So konnte ich nur diese gelernte Lektion aufsagen, die sich wie die endlose Litanei eines abgegriffenen Gebetes gebetsmühlenartig wiederholt und zu einem kraftvollen Mantra in mir entwickelt hatte, das ungeachtet der verwendeten Worte allein durch die Wiederholung wirkte, um so mehr als es in einer profanen Zeit niemanden interessierte, selbst wenn es so neu und überraschend war, dass es noch an fast kein einziges zeitgenössisches Ohr gedrungen war. Wissen statt Geld, das schien mir ein machtvoller Prägestock zu sein, angedacht und herbeigesehnt vom Soziologen Niklas Luhmann, eines weiteren seltsamen Kauzes.

Letztens hatte mein Repertoire an Definitionen von Genie, diesem Gral des 19ten Jahrhunderts, eine Aufstockung erfahren, ich las darüber bei dem Kulturtheoretiker Sloterdijk: Keinesfalls war das Genie seiner Zeit 100 Jahre voraus, vielmehr war der Durchschnitt 100 Jahre hinten. Gutes altes bewährtes Wissen, Herrschaftswissen oder Standeswissen, daraus nährten sich tatsächlich die meisten Vorstellungen meiner Umgebung. Und deswegen lebten wir in Wirklichkeit nicht im beginnenden 21ten Jahrhundert, dachte ich, sondern im Fin de Siecle des auslaufenden 19ten Jahrhunderts, einer Zeit die sich gerade erst anschickte, den Kriegerethos zugunsten der unsichtbaren Hand des Marktes hintan zu stellen, was aber die privilegierten Bürger nicht daran hinderte vom ewigen Frieden zu träumen und ansonsten ruhigen Herzens mit der allmählichen Zinssteigerung zu rechnen, die pünktlich eintraf wie die Eisenbahn, jedenfalls so lange, bis diese aufhörte ein völkerverbindendes Vehikel zu sein und sich zum schnellsten Truppentransportmittel seit Napoleons überraschenden Armeeschachzügen entwickelte. Das Dampfross revolutionierte die Kriegsführung viel eher als die Flugzeuge, deren Erfindung überdies als Kriegsüberwindung angepriesen wurde.

Noch immer galt der alte Satz vom Schuster, bleib bei deinem Leistenbruch, denn selbst wenn er es nicht tat, so verlangten es er oder seine einmal in der neuen gesellschaftlichen Stellung etablierten Kinder doch von den Nachdrängenden. Jede Revolution endete mit einer neuen Tyrannei, als ob alle danach drängten, dass auch ein weiterer Satz aus Grossvaters Zeiten für ewig seine Gültigkeit bewahren solle: Macht macht korrupt, und absolute Macht macht absolut korrupt.

Dabei gab es für uns revolutionäre Evolutionäre und zu kurz Gekommenen so viel faszinierendere Lektionen jüngeren Datums. Den transzendentalen Empirismus des Gilles Deleuze, um nur einen zu nennen.

 

Erstens: Schluss mit dem Willen zur totalen Umwälzung. Das lernte man von einer Philosophie die sich nicht mehr als Herrschaftswissen ausgab, denn das war Philosophie die längste Zeit gewesen: Stütze und Rechtfertigung der Herrschaft, des Bestehenden, der Verhältnisse und des Gemeinsinns. Und ist das nicht auch der Grund, warum wir heute von Philosophien so wenig wissen wollen? Weil wir keine Theorien veralteter und rückwärtsgewandter Verhältnisse mehr wollen, wo doch die Realität plötzlich ein denkbar neues Bild zeichnet, meistens projiziert, welches zu erforschen man sich genauso gut auf eigene Faust aufmachen kann? Vielleicht konnte erst in dieser unserer unvergleichlich einzigartigen Zeit, da die Erdkugel erforscht ist, Stichwort Posthistorie, eine neue Philosophie entstehen, deren kleinsten gemeinsamen Nenner Deleuze so provokativ bezeichnet hatte als Fähigkeit, ´der Dummheit schaden zu tun´? Nach diesen neuen Philosophien gibt es keine Revolutionen, oder besser gesagt, es durfte keine geben, denn fruchtbar allein und allein denkbar und angemessen unserer Zeit sind Evolutionen, und zwar kulturelle, denn die biologischen schicken sich heute an in den Händen der Biotechniker zu neuen Schrecknissen zu werden, wenn das denn nicht zu rückwärtsgewandt klingt. Nein, die Ersetzungslogik, wie sie das letzte mal Prominenz durch die Sozialismen und Nationalismen des 20ten Jahrhunderts erlangt hat ist heute unstatthaft geworden; zumindest dem Gedanken nach. Anstatt die veralterte oder unfähige Führung ersetzen zu wollen um sie mit einer geläuterten Variante zu ersetzen die dann alles richtig machen soll, setzt man heute auf Hinzufügungen, Erweiterungen, die innerhalb eines lockeren Staatsverbands, wie es beispielsweise demokratische Strukturen erlauben, aber eben nicht zwangsläufig generieren, neben dem Bestehenden weitere Strukturen aufbauen können. Die NGOs sind solche Strukturen, Non- Government, Nicht- staatliche Sturkturen also, aber auch, von vielen zwar scheel beäugt so doch unzweifelhaft auch Vertreter dieser modernen Erweiterungen, die internationalen Multis, denn wer könnte verneinen, dass heute die Wirtschaft, trotz ihrer despotischen, pyramidalen Struktur, der Motor der Gesellschaftsentwicklung ist?

 

Als zweite wichtige Lektion schickte sich spätestens sein den 80er Jahren des 20ten Jahrhunderts die interessante Theorie Luhmanns an, den althergebrachten Satz: Geld ist Macht, oder auch: Wissen wäre Macht, zu unterlaufen.

Entgegen der subtilen, irgendwie überraschenden, nichts desto trotz noch immer herrschenden Meinung: manche griechische Wahrheiten behalten bis ans Ende der Zeiten ihre Gültigkeit, kein Wunder, gelten sie doch als Gründungsmanifeste der westlichen Geisteskultur, und deswegen weiterhin Platons Staat gelesen wird um daraus etwa das Wesen der Gerechtigkeit zu extrahieren, spricht sich diese Theorie dafür aus, dass ein dermassen eng verflochtenes Gespinst wie es, sagen wir vereinfachend, Industriestaaten sind, sich nicht mit vorherigen Gesellschaften und Staatsgebilden vergleichen liesse und deswegen eines speziellen Theoriegebäudes bedurften, damit man nicht in allzu vereinfachende Schemen der Erklärung verfalle, und welches deswegen auch nicht auf Kulturen älteren Datums anzuwenden sei, sondern allein auf moderne. Diese erste und einfache Intuition scheint aber gleich das erste Verständnisproblem aufzuwerfen, denn was uns in den Naturwissenschaften sofort einleuchtet, dass sie nämlich, trotz mancher Vorarbeit und der Kontinuität der Traditionen, mit nichts früherem vergleichbar sind, nicht mit Magie, Alchemie und auch mit keiner anderen weder dokumentierten noch universell kommunizierbaren Disziplin wie dem antiken Bauwesen, so erfordert es anscheinend eine weitaus grössere Abstraktionsleistung, um beispielsweise Amerika nicht mit Rom oder Ägypten zu vergleichen, da dem Augenschein nach ein Reich, ein Staat voller Menschen, sich nicht in wesentlichen Punkten von einem anderen unterscheide, trennten sie auch Jahrtausende. So ist für den gesunden Menschenverstand nichts anstössiges daran, Platons Intuition, den Staat in Analogie zum menschlichen Körper zu beschrieben, mit vielerlei befehlenden und ausführenden Organen und Extremitäten, per Analogie ins Computerzeitalter zu versetzen, wohingegen diese spezielle neuere Theorie der Auffassung ist, dass der gesunde Menschenverstand etwas ist, das, soweit es eine Gesellschaftstheorie anbelangt, einfach ausgetrickst werden müsse, wolle man zu einem der Wirklichkeit geneigteren Modell von Gesellschaften gelangen, in welchen wir heutzutage allerorts leben, sofern diese industriell entwickelt, funktional differenziert, was im groben bedeutet dass in ihnen industrielle und dienstleisterischen Arbeitsteilung herrscht und sie, zumindest teilweise, demokratisch geführt werden und ihre Systemkommunikationen darüber hinaus schriftlicher Natur sind; was sich von selbst versteht, denn eigentlich hocken wir auf unermesslichen Papierbergen aus Verträgen, Gesetzentexten, Geschäftsbriefen und öffentlichen Anschlägen. Was jedoch nicht bedeutet, Staatsgebilde lediglich als grosse Betriebswirtschaften anzusehen, d.h. als Grossfirmen, obwohl diese moderne Auffassung, trotz der stark vereinfachten Sicht, geeignet ist, etwas von der Komplexität der heutigen Zeit wiederzugeben, sie damit aber mitnichten auszuschöpfen imstande ist. Und im Gegensatz zu Companies können Staatssachen neuerdings durch jeden einzelnen mittels Wahlmitteln beeinflusst werden, wohingegen im ersteren Fall vielleicht allein die noch wenig entwickelte Tugend der Kontextsteuerung fruchtet. Besteuere die Abgase, schon bauen sich die Filter wie von selbst.

Das könnte in etwa die Gedanken sein die mich zu den Öffentlichen begleiteten, über den langen Platz, der im Sommer oft Festivals beherbergt und voller gedrängter, knapp aufeinander folgender Gastgärten ist und an denen ich mich dann mit griesgrämiger Miene vorbeischleuse, die Lange Rolltreppe hinunter auf welcher ich als Kind einmal von einer Jugendbande, sie wollten Geld von mir und meinem Cousin auf Besuch, bedrängt worden war, ein heute eher unübliches Phänomen, damals gab es auch viel weniger Fremdländer, vorbei an dem einzigen, unterirdischen McDonald´s Stand den ich kenne, und die nächste Rolltreppe wieder hinauf zur grünen U-Bahnstation, wie immer erfreute ich mich am satten leuchten der die Verkehrslinie markierenden Farbe, dem dunkelherbstlichen Grün reifer Blätter, die unterirdisch den Eindruck der wenigen, die Innenstadt begrenzenden Bäume fortzusetzen schien.

 

LADY (grüne Mara)

 

Und da war sie wieder. Und als sie sich in der U4 rechts vis-a-vis von mir niederliess, ich sass am Fenster, erkannte ich sie augenblicklich. Ich habe sie schon gesehen, sie ist mir, wie ich später rekapituliere, für ihre ladylikeness aufgefallen. Sie trägt eine Jacke (Lydia: Cabbajacke), ländlich grün, grosse Knöpfe. Einen schwarzen über die Knie gehenden Rock, schwarze Strümpfe die in hellbraunen Halbstiefelchen aus feinem Rauleder stecken, sehr zierlich, dabei gross, wie Lady Marian im Robin Hood -Look kommt sie mir vor, fehlt noch eine Blume im Haar um sich nicht in eine Landidylle hineinzudenken. Aufrecht sitzend, gesetzte Miene, sie schaut wie verträumt vor sich hin und her, mit einer atemberaubenden Leichtigkeit vollführt sie ihre kleinen Bewegungen, holt aus einem mit anderen Gegenständen gefüllten Billa- Sackerl, vielleicht hat sie es auch schon beim niedersetzen in der Hand gehabt, ein kleines Baklava, und schält es sogleich aus dem durchsichtigen Plastik, beginnt zu essen, sehr aufrecht, den Kopf leicht gesenkt, weiter verspielt mal da, mal dort hin blickend. Ich bin ein weiteres mal gänzlich von ihr hingerissen, die nächste unbekannte Stadtbekanntschaft, so aus der Nähe habe ich sie noch nie begutachten können. Wie eine Belohnung für meine gute Tat kommt mir diese Begegnung vor. Ich wette sie steht auf Bücher. Sie lässt meine streifenden Blicke würdig über sich ergehen, manchmal beugt sie sich in meine Richtung, wie um aus dem Fenster zu schauen reckt sie dabei ihren Schwanenhals. Ich beuge mich nach vor, es ist eher ein Zusammenkrümmen, mir ist fast schlecht vor Begehren, oder so sage ich mir wenigstens, mein Kopf schwebt nahe ihres Knies. Kleine Perlohrringe hat sie auch merke ich beim aufschauen und ihre braunen, recht kurzen Haare sind hinten zu einem kleinen Zopf festgemacht. Überall auf ihrem vollen, ernsten Gesicht zeichnen sich kleine, winzige rote Flecken ab, kaum sichtbar, so dass es fast sommersprossig aussieht, nur irgendwie scheinen sie zu hell und rot. Es nimmt ihr nichts von ihrer bezaubernden Schönheit. Ich bin verzweifelt und versuche innerlich zu scherzen: Irgendwann spreche ich die Mädels auch auf der Strasse an ... dann bin ich verloren. - Er kommt mir blöd und unsinnig vor, mein Scherz, er ist aus der Verzweiflung geboren. Ich bin da, meine Station, und als ich aufstehe rückt sie ihre Sachen und Schenkel einen tick zu hastig, zu eilfertig zur Seite, als dass ich nicht umhin kann zu bemerken, dass sie auf jeden Fall (h-mineur Sprache) nur auf ein Wort von mir wartet. Hoffentlich sieht man wenigsten nicht meinen Halbsteifen, weisses Bogenrund, quer zur Hosennaht, denke ich beim Rausgehen. Ach, warum verbaue ich mir nur so die Wege, erst letztens prahlte ich Narr, dass ich einer Frau die mich anmacht nur auf den Schädel tippen würde, ob sie wahnsinnig sei. Helas, hätte ich so doch angesprochen, versuche ich mich selbst noch einen tick weiter zu quälen. Allerdings wäre dann das Gespräch mit Bebe nicht so gut und entspannt verlaufen.

 

BEBE 3

 

Bebe hat bei unserem Treff am Abend sogar den BH an, den ich mir Tags zuvor, nach ihrem früh-SMS mit den Treff- Daten, verschlafen und noch halb liegend, erträumt habe, um den Hals zusammengebunden, vielleicht ist es auch eine Art Top, und weiss ist er, hebt sich deutlich von ihrer sonst dünkleren Kleidung ab, vor allem fasziniert mich wie er hinten von ihrem Hals, wo die feinen flauschigen Haarbüschel sind, gehalten wird. Wir sitzen da am Lueger Platz, sie hat extra gefragt, ob ich das Cafe kenne (jaja, aber drin gewesen nicht das ich wüsste), und ich schaue genau und entdecke ganz rückwärts an der Wand auf einem sehr grossen grauen Plakat den Satz: Die Wörter sind Nomaden, - und das ist auch genug, nachdem wir eine zeitlang gewartet haben gehen wir, ohne Bestellung. Ihr T-Shirt habe ich auch schon bemerkt, Kostbarkeit oder so ähnlich steht drauf, in funkelnden silbernen und goldenen Plastikkristallen auf sattem Blau - Von Coeli, sagt sie dazu, ich nicke bewundernd, auf Coeli halte ich viel: Die Männer sind ja eigentlich die Luxuswesen, - scherzte ich, sie quittiert es mit ihrem ebenso höflichen wie unergründlichen Lächeln, mit ihrem herrlich grosses schwarzes Kappen- Baret, so wie vor einigen Jahren in Mode, wirkt sie endgültig wie ein listiger schwarzer Matrose mit Pferdezopf - Ich hatte die Mütze schon vorher, es ist ein Geschenk, rechtfertigt sie sich lachend, alle etwaigen Modeanspielungen meinerseits verwehrend. Und noch auf dem Hinausweg bringe ich meinen Schwank über diese gediegenen Kaffeehäuser, immer mit Frauen bin ich drin, Vron, Karin H., Natti, I, wo ich meist scheel rüberkomme, einmal war ich mit I im Cafe Museum, sie sprach von ihrer möglichen Gehirnzyste, dem Kopfweh, ich erwiderte: Aber hör doch auf, zu arbeiten, zu urteilen, so hart, lass dich gehen, deine Gedankenverbrechen, gegen deine Familie und deine Freunde sind ja zu ulkig wenn du sie aussprichst, - gross ist damals unser Altersunterschied, sie Teenie, ich Senior, prüfe, bis sie einmal eine Hose anzieht, die ihren enorm gerundeten Arsch zeigt. Aber das erzähle ich Bebe nicht alles, sondern: Na und dann wurde I beim Gehen noch von einem Gast, der uns aus der Nähe zugehört hatte, beiseite genommen und er ermahnte sie ernsthaft, mit mir vorsichtig zu sein. Und was tat sie darauf? sie warf mir das gleich noch anschliessend, ich half ihr in den Mantel, vor seinen Augen vor, dass sie sich das anhören muss, überhaupt hat sie Kopfweh! - Wir gehen lachend hinaus, an der Eingangstür klebt eine lange und schmale Annonce, ein Typ, man sieht ihn auf dem kleinen s/w Foto, sucht Interessierte für einen Literaturzirkel, - aha, Universität, denke ich, als ich die e-mail Adresse bemerke, in solchen Cafes sollte ich eigentlich verkehren, wenn es mir ernst ist mit der Schriftstellerei, aber was wäre mir schon einmal ernst gewesen?. Wir verlassen das Cafe und suchen weiter.

[Geschichte]

Im Cafe, wo ich Bebe schliesslich hinlotste, war es viel anarchischer, und ich verstand zunächst gar nicht was sie meinte, dabei war es sehr einfach: Sie wollte meinen Stolz und Egoismus prüfen, meine Eitelkeit, ulkigerweise ein Kapitalverbrechen in einer egoistischen Gesellschaft, wo Handeln erlaubt war, Reden jedoch nicht. Ich sass ihr sehr nahe und begutachtete ihren Hals, ihren Nacken, die Schultern, ihre Haare, diese waren ein langes und schwarzes ägyptisches Wunder, es fehlte nur noch das Diadem, um sie mit Kleopatra zu verwechseln, mit ihrem leuchtend schwarzen, beinahe völlig glatten Haar, eigentlich fiel es in kaum wahrnehmbaren Wellen herab, umrahmte ihr Gesicht wie ein viel zu langer Helm. So hatte ich sie noch nie gesehen, chinesisch, ja mongolisch wirkte meine Zwillingsfreundin, und wir steckten die Köpfe zusammen und kicherten viel während wir unsere Geschichten austauschten. In ihrer lustbetonten Weise die wie träge wirkt fragte sie mich zunächst nach der Geschichte über die Mädels, denn ich betonte dass sie von ihr handelt: Aber es ist doch deine Geschichte, wie du sie mir per SMS erzählt hast? Du hast das alles gemacht. Was habe ich damit zu tun? - Ich: Schau, damals war alles im ´stall´ (wie die Engländer sagen), weisst du, eingefahren, - ich zeichnete mit kräftigen Handflächenschnitten nach unten die fest gerammten Beine, der Tische, der Menschen, alles ewige Steher. Sie nickte - Ich war am Ende, das wär irgendwie so weitergegangen, - wie ratlos mit langem Gesicht wippte ich den Oberkörper langsam hin und her, sie grinste aus Höflichkeit. Ich: Und dann kamst du. und alles kam ins Rollen. (Dein Lachen schlug unter heiterem Himmel in diese stille Landschaft ein wie ein gewaltiger Knalleffekt. Es war wie das Lachen der Berge, wenn sie es vermocht hätten, voll, lang, voluminös und weit tragend. Es war das Lachen der Berge Täler Wälder und Wiesen.) Sie nickte gewichtig senkte zunächst nachdenklich den Kopf und lachend schaute sie nach einer kleinen Bedenkpause auf: Ja, weeiiissst du, daa haaast du auf einen Punkt von mir genau hingewiesen, über den ich mir auch schon lang den Kopf zerbrochen habe. Du hast das bemerkenswert gut getroffen! - mit gesenktem Köpfchen lacht sie erneut in sich hinein, sichtlich mit sich zufrieden.

Als sie nach meiner zugepflasterten Hand fragt umschreibe ich ihr meine blutige Performanz: Es war um zu helfen! - Sie: Und bist du würdig daraus hervorgegangen? - Ich: Absolut. - Ich gerate ins schwärmen, erzähle von Glasgesplitter: Kein Wunder, dass die Männer so schlachten... irgendwie muss man ja den roten Lebenssaft bewundern können. - Bebe lacht mit: Eeecht, das kann uns Frauen nicht passieren! - Ich: Echt? Kann man nicht auch wegschauen, dabei? - Sie: Nee - sehr zweifelnd, kopfschüttelnd.

 

Wir setzten fort und beendeten unsere Märchenstunde im Schwarzen unter den geschulten Augen der Philo-Jungs die mittlerweile eingetroffen waren.

(Und so nahm die zweite Probe, des Wissens als univer-(sell), am selben Tag, nach dem meetin´ mit Tom & Alex, nach Pickbec´s, helas!, wieviele waren es gewesen: envy - Proben, das Unigeständnis, die Unbeweglichkeit, ihr Ende.) (fehlt Bebes Geschichte, NIG- Geschichte mit Jungs)

 

PHYSIK

 

In der Nacht, nach dem Treff mit Bebe und als Matti um 3 gang, feiere ich wodkaberauscht (erste 1/2 Des Wo´dkas) mit dem Einstein ein privates Autodafe zur persönliche Ergötzung: Voller Lust und Freude zerreisse ich das Buch.

Am nächsten Tag gibt Joh, auf dem Weg nach Amiland, in die Dichterstadt Portland, sein ok dazu - er hat es mit seiner Freundin abgesprochen, redet von der Adoption der Einsteintochter. Jetzt, jetzt endlich bin ich mit Einstein, meinem Very- Personal- Jesus, von wem auch nicht in dieser wissenschaftsvernarrten Zeit, ausgesöhnt, und mir kommen die Tränen. Und jetzt erinnere ich mich an diesen süssen Einsteinfilm den ich, immer zufällig, schon zweimal gesehen habe, mit Walter M. in der Hauptrolle. Aber ich musste irgendwie Einstein vernichten, um das Lob der Physiker auf ihre GUT- Vereinigungsformel singen zu können, Astrophysiker, Priester, allesamt Vereinigungssüchtige. 80 Prozent des Universums besteht aus dunkler Materie, die man nicht sehen oder erforschen kann, da bleibt genug Raum zum spekulieren. Und, nota bene, würde man aus einem Menschen die Zwischenräume in seinen Atomen entfernen wäre er ein kleiner Punkt, kaum mit der Lupe sichtbar.

Fast mit liebe-, kummervollem Gesicht bücke ich mich nach den Papierschnippseln die überall herumliegen, schnüffle, tatsächlich, obwohl ich im Rausch überzeugt gewesen war alle Seiten zerrissen zu haben, ist der Schlussteil übrig geblieben, süsse, sehr schöne Zitate und Fotos, ich strahle ob des Funds Jo Wegabkürzer an, klopfe die Staubreste von dem Buchfragment, er belächelt mich. [Marcus kommt, lustig unserer Teufel-Beelzebub-Scherz zur Performanz]

 

TOAST

 

Ein Toast auf den Wyborowa,

der mir,

Halbzeitlich, (halbzeitig)

fast den Magen durchschlug:

 

"An klaan Wodka in Ean

amol in ma Leam"

 

für Andre

 

 

NINTENDO DS - KONSOLE

 

Gerade eben hatte ich wie ferngesteuert über die Grosse Lange Strasse rennend mehr oder weniger unwillkürlich einen NintendoDS Double System, ein Handheld-Gamesystem a la Gameboy, erworben. Das Gerät ist schlicht und ergreifend: The ("Young Ladies" - Stephenson) (Very) First Illustrated Primer, The Hichhicker Through The Galaxy Prototype, die Kind-Buddha-Maschine (zu Slotterdijks Bemerkung: TV = Buddhamaschine, Erlösungszeug, da man endlich Herr über die Programmwahl ist, das heisst selber entscheiden kann wer einen wie lange belabert), Der erste Versuch, The Beginning of Edutainment. Ca. 20 Jahre war ich den Schöpfern aus Nippon in Liebe verbunden gewesen, seit dem ersten Super Mario in der Spielhalle. Und dann hat es erst den Kauf erfordert, um überhaupt auf den Gedanken zu kommen, das könnte über Spiele in irgendeiner Weise hinausgehen. Die erste Versuchung einige Tage vorher bei Yogi war: Der GP32, gee-pee, eine Retromaschine, kann sogar die Vectrex -Vektormaschine anno dazumal emulieren, erste Vektorgrafik für zuhause. Ist aber zu wenig Gameboy Advance- kompatibel, ich habe mich verzweifelt bemüht, nur einige alte Spielhallengames auf GP- MAME bringe ich zum laufen, sowie den C64- Emulator. Das faule Tauschgeschäft mit Yogi hat auch nicht hingehauen. Und lx riet ja stattdessen den NintendoDS zu kaufen, erinnerte mich an ihn gleich als er herrauskam. Ich kann mich nicht entscheiden. Meine Gedanken zum Einkauf waren: Ich muss die Maschine haben, obwohl ich pleite bin. - Um dann bis zur Kassa zu denken: Aus Pietät werde ich es nicht sofort anspielen, auch wenn ich es kaufen muss. - Die Verkäuferin angesichts meiner ernsten Miene: Viel Spass. - Auch sie ernst. Auf dem Weg zurück in die Zentrale schreibe ich ein SMS an lx: Hab DS, hilfe! - Er ruft an: Ich habe mir schon gedacht, dass du es kaufen wirst. Warum hilfe? - ich lache: Ach, nur so. Muss wahnsinnig sein! - Und dass ich es kaufen würde, damit wusste er bis zu eben dem Zeitpunkt mehr als ich. Eigentlich habe ich im Cosmos wegen einiger Medien gestöbert, schon auf dem Weg zur Kassa entdecke ich noch, relativ versteckt und abgesondert vom sonstigen Spielkram, es ist wohl das Schauboard der Neuigkeiten, ganz am Boden das Gerät, schaue, staune erneut, ich kenne es vom Aussehen, aber es kann doch nicht wirklich so plump sein, es ist tatsächlich schlimmer als der orginale Gameboy Advance, und ich hocke lange davor und grüble, was soll das?, - erst der SP, dann das da, und nehme es, lasse es wieder, gehe zurück zu den Spielen, ja tatsächlich, MarioDS ist da, ich nehme das, nehme am Rückweg den DS wieder auf und biege in die dahintergelegene Kassazone.

 

Dennoch spiele ich schon am Abend rein, nachdem ich einige Rauchfahnen ausstossend das Gerät beäugt habe, die Anleitungen dazulegend. Meine rechte Hand ist gerade verletzt und frisch zugepflastert, doch das hier ist eine Maschine für beliebige Hände, wie ich bald entdecke. In den zweiten, den alten, dreifach so breiten und doppelt zu dicken Steckplatz, den GBAdvance -Slot, stecke ich Wing Commander -The Prophecy, tadellos! Sogar die Art und Weise des DS- Protospiels, natürlich Mario64DS, ist eine Allegorie auf mein Leben. Ich, Retter der Videospiele, erkannte sogleich einige Mario-Minispiele, noch bevor ich sie anspielte. Liebstmich, Memory, ein Ishido-clone. Meine Kindheits- und Lieblingsspiele, und von wem auch nicht. (Der Primer - Prototyp, mit Mario im Slot: Das hat ein minigame, "Liebst mich, liebst mich nicht". Damit Kinder den Blumen nicht wehtun müssen, wenigstens auf ihrer Liebessuche. A hat es mir beigebracht, war aber unzufrieden wenn ich es spielte.).

Selbst die Coins, das Geld, das fiel mir sofort ins Auge, hatte den goldleuchtenden Fetischcharakter verloren, es wirkt wie lahme Spieljetons, im ersten Ansehen denke ich: Palatschinken im Toaster rausgebacken, wie schiarch, was soll das? - Nur der Sound beim einsammeln klingt gewohnt voll, es sind wie immer lauter helle Glöckchenschläge, tri-ding, tri-ding. Dann begreife ich: Wie schön es ist, auf einen weiteren Fetisch in einem althergebrachten Spiel verzichten zu können, ohne die Ästhetik durcheinander zu bringen. Das Geldmittel ist an dieser Stelle schon, avant- gardistisch passe, das hier ist eine Wissensmaschine, mit einem Spiel, welches das Geld zurücksetzt und vielleicht dafür das Wissen, als Steuermedium des Sozialen, einsetzt. Der Mann hinter der Mario- Serie ist ein Genie.

Und wie vorschnell das Ding publiziert wurde - die Anleitung ist ungenau bis fehlerhaft. Habe ich noch nie bei Nintendo erlebt (vielleicht, weil ich noch nie die Anleitungen gelesen habe - Wessen Imperativ hatte ich im Kopf, als ich während der Erforschung des Geräts, beinahe unbewusst denke: Ehrfürchtig die Anleitungen mitstudieren!: Martin gs). Vielleicht sind sie wirklich am Ende, wie schon einige Male, bei Nintendo. Nun wenn schon, wenn man die Ideen nicht aufgreift? Das Ganze wirkt eigentlich wie Work-In-Progress; Wunder. Auch das Design ist irgendwie special. Billig auf eine Weise die nicht genau Retro ist, sondern als ob es zu einem anderen Zweck geschaffen wurde. Zu ganz anderen Zwecken. Es wirkt beinahe wie altes Blechspielzeug, aber das ist zu ungenau (ist ja egal, welche Anspielungen die Differenz herausschält. Wichtig ist, dass sie besteht, zum Beispiel zum hochdesignten Handheld von Sony, die PSP, Pocket Playstation, toller Screen, tolle 3D Grafik, die Performanz geht auf Kosten des Akkus, auch das Mini-DVD- Laufwerk). Endlich gibt's 3D zum mitnehmen. Greg später: Ich werde nicht fliegen können, bis ich so ein Gerät habe. - Greg Bombenträumer scherzte schon wieder meine Gedanke und Befürchtungen weg, denn gleich als ich die Anleitung studiere und von der Funk- Potenz lese und der Warnung, die Funkverbindung nicht in Flugzeugen einzusetzen, habe ich die schlimmsten Befürchtungen, schliesslich leben wir in einer Zeit, wo manche Flugzeugabstürze auf menschliches Beharren zurück geführt werden können, und erst recht die Kinder, die schiessen heutzutage schon mit scharfen Waffen in der Schule herum, in den gefürchteten Staaten, und ihren europäischen Ablegern, wie Alt- Deutschland etwa.

Ich spiele also diesen Abend einhändig links, die Rechte schmerzt zu sehr, und besiege auf diese ungewohnte Weise auch gleich den ersten End-bomb-boss, er ist beinahe eine Allegorie auf den zweiten grossen Bären aus Super Wonderboy in Monsterland von Sega dem alten Rivalen, den grossen Eisbären, der die kleinen Eisbären schleudert, die zusätzlich blitzgeschwind schlitternde Eiswürfel werfen, spät in der Eiswelt, ca. 5te Welt, ausser dass er natürlich, wenn auch modifiziert, hier ganz wie am Nintendo64 wirkt, nur eben zusätzlich diese kleinen Bomb-o-Bobs schleudernd. Ich gickere vor Begeisterung, der bombt sich durch seine kleinen Bomb-o-Bomb-Imps selbst zu fall, während ich sie um ihn herum an der Nase herumführe explodieren sie neben ihm, ich hingegen bleibe oben am Hochplateau welches die Kampfarena darstellt, und werden von ihm nicht einmal runter geschmissen bis er sich besiegt gibt. Dabei beschleunige und verlangsame ich während des Steuerns am unteren Touchpadscreen mit dem Zeigefinger, ähnlich wie mit einem Analogstick eines Gamepad ist die Bewegungsgeschwindigkeit stufenlos steuerbar, und mit den kleineren Fingern bediene ich zusätzlich das linke Steuerkreuz, welches in dem Fall die Knöpfe mimt, symmetrisch gespiegelt mit den vier Knöpfen der rechten Seite. Und so bekam ich bald den ersten Stern vom ersten Endgegner, die Sterne sind Schlüssel für die weiteren Welten. Anfangs wird Yoshi gesteuert, der Dino, wie putzig er ist, noch schöner als in Yoshi´s Islands am GBA, und längst nicht so unhübsch-unpraktisch wie in den Mariokart-Teilen, mit seinem grossen Kopf im Bild, und es dauert mindestens Vier Sterne oder so, bis man sich die Mariokappe überstülpen kann. Witzig, den N64- 3D- Mariowelten in neuer Aufmachung, mit modifizierten Elementen aber auf denselben Landkarten, wieder zu begegnen, Terrains, die ich damals nie vollständig ausforschen konnte.

Und ich trank dazu den ganzen Abend lang die zweite Hälfte des Wo´dka, langsam genüsslich, ohne Bier oder Wein dazu, und er war wunderbar klar schmeckend. Grad habe ich fast die zweite SMS-Geschichte an Bebe fertiggeschrieben, die letzten Teile lasse ich weg, aber in der mail-version sind sie wieder drin. Die multiplen Schriftsteller- Wehwehchen schmerzten, dazu kam die verletzte Hand.

 

Beim trinken gerate ich in Gedanken: Als literarische Fiction ist die Vereinigung quasi eine Banalität. ich wäre aber im Ernst nie draufgekommen, dass die Menschen das wirklich wollen. Aber als ich es als literarisches Projekt ernst zu nehmen begann, war ich plötzlich überzeugt, Feuer und Flamme, sofort spontan begeistert. Es erschien ja sofort einleuchtend. Ich war in meiner Naivität leicht befangen, dass eh alles Eins ist? Die Welt ist sexy - Ein alter Lacher, den ich manchmal bringe. Heute sage ich lieber, die Welt legt auf (ist aufgelegt). Meine Lehrer sind soo gut. Und immer besser, als ich. Ich weiss nichts, und nichts wissen, und werde angeleitet durch sie zum Lernen. Zu Beginn liege ich in ungefähr 50% der Fälle richtig. Mit sofortigem Fehlertracking und Beta- Testen verbessert sich die Quote rasant. Ich glaube worum sie sich jetzt allein sorgen, ist meine Sexualität. Süss, die Angebote, beinahe unbewusst. Nur Geld darf ich keines haben, das geht nun nicht. Sehr lustiger Weg eigentlich. Naja, um gute Literatur zu machen - lächle ich also vor mich hin.

Und wenn ich wirklich ungreifbar bin, wie meine Mutter sagt, na bitte, dann fixiere ich mich doch gleich: Ich bin wie Luhmann, Theoretiker sozialer Systeme, im O-Ton klingt das so (Archimedes und Wir): Ich ersuche um viel Zeit, keine Geldmittel, einen Sekretär (nu, es gibt Kaputter, denk ich) für das Italienische Abenteuer, für die neue universale Gesellschaftstheorie der Gesellschaft, die Gesellschaft der Gesellschaft nennt er´s, geleistet von den "Neufranziskanern". Und ich liebe die Abkürzungen durchaus nicht, aber wer hat wohl Zeit, wer Lust? Worüber ich mir allein Sorgen gemacht habe, war der Humor. Mit der Geschichte Telepath habe ich mich dieser Fähigkeit versichert, vor vielen Jahren, während einer gemütlichen Drucker- Arbeit in einem Industriegebiet am Stadtrand, denn während meiner Freizeit konnte ich mir anfangs nie abringen zu schreiben.

Ich bin von nun an der autoeulogische Schriftsteller, der Selbstlober mit dem Würfel: wer gut, wer böse (die literarischen Lügen: niemals wird bestimmen der Würfel den Zufall, hihi, S. Mallarme, oder A. Beginner: Wer? Kämpft?), aber auch für die Benennungen und Namen werfe ich den Würfel. Habe mir schon den grössten Würfel, einen transluziden, halbdurchsichtigen 20-Seiter geholt, aus damage-games, 1 Euro hat er gekostet, sie hatten hunderte, in allen Farben, in der Wühlkiste, ich legte einige heraus, schliesslich wieder zurück, geduldig suchte ich, und für Topaz, hellviolett, glaub ich, oder silbern, jedenfalls silbrig glitzernd, habe ich mich entschieden. (avec les etoiles incrustu, oder so)

Ich bin in meiner literarischen Rolle der Akira - Kagemusha extended: Weil Schauspiel und Erklärung in einem verringert die Überinterpretation (AUTOEULOGIE a la Nietzsche- Slotterdijk- Deleuze. Die grosse Bejahung). Ich schreibe das dritte Filmbuch: L´esprit mouvement. Der bewegte Mann. Dont @ liter.at. Literatur ist der Schmerz der Lüge, wie ich aus dem Dekor der Ausredenweltmeister schöpfe.

Denn als ich anfing gut schauzustellern und mich mal wieder so richtig heraus zu trauen, im Vertrauen, dass nichts passieren kann was nicht schon so oder ähnlich sich abgespielt hätte haben können, begann ich fast gleichzeitig die flüchtige Essenz der events aufzuheben in der s/w – Existenz der Buchseiten, indem ich schnell Teile niederschrieb, und anschliessend versuchte, sie auf verschiedene Weise zusammen zu setzen. Es war leichter, die Verbindungen schon bestehender Geschichten hervor zu nesteln aus der Einbildungskraft, wo sie sich als geschaute oder auch gehörte Bilder aus dem Gedächtnis auflösten, im Sinne einer Auflösung der Schärfe eines Bildes, als ganz neue Teile zu beschreiben. Aber im Grunde war das Faulheit, zusammen mit einer Angst die einfachen, schon gestrickten Verbindungen zu Gunsten neuer Verbindungen zu verkomplizieren.

Aber andererseits hat mich auch noch niemand zu überzeugen vermocht, Hiphop- Musik liesse sich alleine performen, auch Eminem nicht.

INFINITY DAY 1, ROBERTs TAG

 

Und es begong der Unendlichkeitstag. Endlich will ich alle versammeln und neue Freunde ins Boot holen, damit es ab gehen kann mit den Einigungswünschen der einsamen Planeten und Sterne. Wir kommen zusammen zu einem grossen Fest.

 

Erfrischt bin ich des Tages aufgestanden, diesmal hat mich die andere Wo´dka-Hälfte in eine leicht glänzende Lichterwelt mit Weichzeichen- Filter versetzt, es ist ein schöner Tag, ich habe keinen Kater wegen dieser Ausnahmefeierlichkeit, nun, schliesslich ist auch der Papst gestorben. Eine symbolische Zwischenzeit ist angebrochen, der Okzidenz ist um eine strahlende Figur ärmer geworden, Subversion und Heräsie kommen hervor, die Heiden schöpfen Kraft inmitten der führungslosen Menge, die medial gebannt ist und im prochaine chose mondial, im Weltereigniss mitlebt. Und ich bin diesen unseren alten Nachbarn aus Kra los, auf den meine Mutter so scharf war.

 

Am Vormittag stattet mich das Zauberpärchen aus, nachdem wir eine nussglänzende Kommode bei ihnen Installiert haben. - Was, schwer soll das sein? - scherze ich, Natti, Prinzessin Ballerina hat mich ganz schön reingelegt, um mir den Spaziergang zu ihr nicht unnötig zu erschweren. Mein babyblaues T-Shirt mit Buch- Schrift gen unbekannt bekomme ich von ihr zum Geschenk (Selbst Mara wird nicht wissen von wem der Text ist, obwohl sie versucht den Sinn zu entziffern). Natti bewundert meine Muskeln während ich es mir überstreife, vor ihrem grossen Spielgel stehend, zufrieden, ich zeige ihr die Muskeln nicht oft seit ich aus Ber erstarkt zurückgekommen bin, sie sind klein, gut angelegt, noch immer schlecht entwickelt, aber immerhin, ich werde sie noch viel einsetzen, den ganzen Tag lang, und sie macht sich Luft und scherzt: Alter Mann! - Tja, der junge Stefan!, denke ich und winde mich elegant und sexy: Wie soll ich sagen? - grinse, rolle einmal die Augen: Nackig tollen wir im A-Menschlichen wie wahnsinnig in irrer Tiergestalt. Du zeigst mir die weibischen, und die tierischen Abgründe! - Na gut. - Sie lachen ob meiner Überredungskunst. Sie zeigt mir ihre zwei ´Magic Wands´, Zauberstäbe für sich und ihren Nebenzauberer-Liebhaber, sein knorriger Holzprügel, sehr schön gewunden, die Patina, kurze Verzweigung oben, ist übermannsgross, ein richtiger Minibaum.

Wie schön ihre Küche geworden ist, viel haben sie gearbeitet. Sie hat mich schon Tage vorher erinnert, auf sie nicht zu vergessen, während ich wieder mal Zeuge sein durfte ihrer Hexenkunst: Fleisch am Karfreitag, - ich war völlig ausgehungert vom Fasten. Meine Güte war das stimmungsvoll gewesen, der Wohnraum in allen Bern- und Edelsteinfarben glitzernd, obwohl coloristisch beinahe völlig zurückgenommen. Das Holz wirkte so, und das Leinen glänzte gar hell. In Gedanken versunken ziehe ich mich nach einer weile von diesem kleinen Matinee zurück, sehr bald haben wir uns vom Befördern der mehrteiligen Kommode ausgeruht, und in glänzender Laune scheiden wir mit dem Versprechen einer baldigen erweiterten wirtschaftlichen Kooperation.

 

Am Nachmittag kommt Paul zur Nachhilfe. Noch bevor er ganz durch die Tür reinmarschiert ist habe ich einen Namen für ihn gefunden: Der Meisterspieler. Mit einem blauen Filzschreiber, der neu sein sollte und dennoch schon eingetrocknet ist, ein Billiganbot, kratze ich das schnell aufs Papier, während er sich bei mir akklimatisiert. Und anschliessend singen wir, ja wir brüllen das Französisch. Er: Je (rScheeeeee). - Ich: Je (rSchööö!). Je (rSchöööÖ!). Je (rSchöööÖÖ!). - Er: Je (SCHÖÖÖÖÖ!!!!!). - Aber er heult fast wegen dieser französelnden Missklänge, der ehemalige Sängerknabe, weiss der Kuckuck wie das für ihn, den Deutschtiroler, klingt. Lange besprechen wir die Melodien der Sprachen und Welten, schön veräppeln wir sie und ihre Grammatiken, Dialekte und Gewohnheiten.

Zum Abschluss unserer Abenteuergeschichten, wir schweifen ab nachdem wir uns durch einige Seiten und einige seiner Tests durchgelacht haben, erzähle ich eines der Gustostücke beim Heer: Ich war mit unserem Zugs-Heini Hinterberger zur Grabenkampf- Schiessübung eingeteilt, ein Jungmann wie aus dem Neolithikum, dabei klein, wir waren irgendwo in Allensteig, immense Weiten, Wald und Flur, grösster Truppenübungsplatz Europas, und der erste Teil der Übung bestand darin, im Gehen aus dem Hüftanschlag heraus auf mannshohe Tafeln zu schiessen. Wir hatte den ersten Durchgang mit Übungsmunition schon durchlaufen und fröhlich scherzend munitionierten wir gemeinsam die gerade ausgefasste scharfe Munition auf, irgendwas war zwischendurch passiert, das mir entgangen ist, es gab ständig Reibereien in der jeden zweiten Tag stattfindenden Routine im Feld oder am Schiessplatz, im Freien meistens, die Schiesstände verfügen ausnahmslos über Holz- oder Betonüberdachungen, und dann sind wir auch schon wieder an der Reihe, die zweite Runde, und wir bringen unsere Sturmgewehre StG77 rechts neben der Hüfte in Anschlag, gehen grinsend los und passieren beinahe die Feuereröffnungsgrenze als uns der Aufpasser, ein Charge mit Armschleife, unter lautem Rufen stoppt: Halt!, Stop!, seids ihr wahnsinnig, ihr habt noch das K-Gerät angeschraubt, nicht schiessen!! - tatsächlich, wie blöde schauen wir an den Läufen dieser kinetischen Spielzeuge, der Hi-Tech- Schiessprügel runter, wirklich wahr!, beide haben wir das fett und rot prangende Übungsmunitions-Gerät am Laufende abzuschrauben vergessen, und hätten wir jetzt abgedrückt, wären aufs K-Gerät, welches den Lauf an der Mündung massiv zugeschraubt verstopft, Kugeln, harte Metallprojektile, aufgetroffen, es hätte uns diese Plastikwaffen in den Händen zerrissen und wer weiss was noch alles, so jedenfalls werden wir jetzt vergattert, und sind beide sehr geschockt, verdattert, nachdenklich, aber meine Zimmerkumpels und viele andere finden das natürlich sehr witzig, die ganze Blamage haben sie gesehen, zum Schiessen!, und es wird eine dieser guten Stories, wie sie unser Geschichtenerzähler Alleso nicht müde wird zu repetieren.

Eigenartig wie so viele Geschichten beim Bundesheer entstehen, auch die andere Story über Heini-Kamerad Hinterberger, mit dem ich diese Schiessübung fast verbockt hätte: Im letzten Monat mit scharfer Munition, der Aufseher zu ihm, er befragt ihn dienstlich, an der burgenländischen Grenze, wir sind Grenzschutz: Hinterberger, wo ist ihre Waffe? - Hinterberger: Waffe, äh, äh, vergessen bei Zelt. Ich laufe und hole, äh. - Und ab!, toll vor Aufregung, seine kleiner werdenden Gestalt hüpfte wie in einem Comicsfilm mit erhobenen Armen den Patroullien- Weg zurück. Tja, aufmerksam war der Aufseher, mein erster Zimmerkommandant während der Grundausbildung, gleich am Anfang in der einmonatigen Bewährungszeit, jung, spitzohrig, klein und behende, die Schifahrer-Partie, tat sich ein wenig schwer, sich auf die Kleiderordnung im Spind und Bett zu besinnen die er uns beizubringen hatte, aber von meiner Geschwindigkeit in Waffe- Zerlegen zollte er Tribut, und wie hat er gleich nach der Grundausbildung, zu Beginn unser aller endgültigen Einteilung gescherzt: Der Jäger!, haha, wenn der so heisst dann muss der auf jeden Fall zu uns, den Jägern! - Sobesagter Jäger, R. war ein Hüne, Rotschopf, Autospengler, mit einer Maturantin zusammen, aber nach dem Bundesheer geht es mit ihm bergab so fürchtete ich immer, wenn ich ihn danach wiedersah.

Pauls Humor beflügelt meine rhetorische Kraft beim Erzählen der Geschichte, ich töne voll und laut. Währenddessen waren Dany und Gwy gekommen. - Der Meisterspieler!, - rufe ich, Paul vorstellend: Meine ersten Lehrer in Französisch! Wir haben zusammen Baudelaire gelesen! - Ich frage noch einige Male nach Gwys Namen, denn ich sehe ihn zum ersten Mal, glaub ich. Dany bittet, irgendwie fast geziert und feierlich, ob ich nicht das "wie letztes Mal, das Gedicht" (es war damals allerdings eine grosse Runde versammelt) geben könnte. Ich stimme sofort, erfreut, den Albatros an, ich lasse keine Gelegenheit aus öffentlich zu deklamieren, und bin zügig in der ersten Strophe als die Sprechanlage erneut erklingt. Ich springe in drei Sprüngen hin, schaffe mit touché die Entsperre, Hörer-ab-drück-den-Knopf TÄÄ!-, Tschungg!, macht die Pforte, drei Hüpfer zurück auf Zehnspitzen Slalom zwischen Flaschen und Tand, die ca. 8 Meter und ich winde mich feierlich hinter der Verbindungstür vor mein Publikum, das Gedicht fortsetzend, wieder leiser. Sehr un/bewusst bin ich mir, dass ich heute alles zu geben habe und meine körperliche Geschicklichkeit nicht auszusparen ist. Der Drive von Paul während des Französisch Lernens bereitet den tagelangen seinen Bruders Rob vor, unterstützt ihn, er ist die Co-Camera mit den Langarmen, wie er scherzt, der Naturbursche.

Symbon, Silmaribon, Simon le bon war gekommen, Wahl- Ostblocker. Damit sind die metaphysichen Franzosen fürs erste ziemlich komplet, wir feiern die Ausländer, versichern uns des gegenseitigen Auslands. Das Gedicht ist nicht lang, vier Strophen, und bin am Ende ohne allzugrosse Schnitzer. Bei "Le poete, est semblable a prince des nuees" fahre ich ein letztes mal triumphierend auf, mit lauter Stimme beklage ich das Schicksal der verfluchten Poesie des 19 Jahrhunderts, der Maudit Poetes der Stupid Ages, alle strahlen ob dieses lauten, lachend vorgetragenen Laments. Simon hat das rote T-Shirt an, das russische T-Shirt, das Ehren-T-Shirt, das er auch das letzte mal getragen hat. Die weissen Buchstaben wirken wie Space Invaders. Mein Humor ist fast bekett´sch: Sehr schnell getragen, nichtig. Fast wichtig. Ich muss schmunzeln bei meinen Lobeshymnen auf die Freunde. (Simon hat mir auch Tage zuvor mal seine unregelmässig ausgeschnittene quadratische Haareinbuchtung gezeigt, mit einem Kopfvorbeugen. Ich hab sie entdeckt und beginne mit den Interface-Scherzen, den Biochips. Er lächelt verlegen zur Seite. Le Bon: Weisst du eigentlich, was du uns antust? - Ich: Ja, aber ich will so schnell wie möglich damit aufhören. - Le Bon lächelnd, schmunzelnd: Rauchst du noch? - Ich: Nur zu Filmen, oder wenn ich in eine Ausstellung gehe. - Er scheints zu schlucken.)

(Politik Ausland beschreiben)

Es ist, als ob ich meine Freunde und Bekannten bitte, performativ einen Nagualzug a la Castaneda, zu bilden, alte und neue Zauberer offen vereint, und sie ihrerseits, in ihrer Güte, und weil sie ästhetisches Gespühr und Muse haben, und gerne an interessanten (o wiener!) Aktionen partizipieren, nehmen daran teil.

 

Die Franzosen gehen, Paul bleibt und Marcus trifft ein. Gross reden wir über Zukunftsvisionen im elektronischen Spielebereich. Und über die Zukunft des Lebens, des menschlichen. Wir beginnen uns um die Sexualität unseres Momentan-Schülers Pauls zu sorgen, er ist so negativ was die Frauen angeht, ich für meinen Teil verstehe ihn ja, er hat anderes im Kopf, ich verstehe gut, auch ich hatte mit 18 noch andere intensive Anhaftungen ausser dem zukünftigen Familienalbum und den momentanen Freuden der Ficker, bei aller Anziehung. Aber heute beginnt die Schaustellzeit und so nehmen wir ihn in eine unsichtbare Zange und prüfen ihn auf seine Standhaftigkeit in der Heterosexualität. - Universale Liebe!, schreit Marcus: Sozialismus jetzt, da!, - wir brüllen mit. Und trinken ein Bierchen.

 

Jani trifft ein, und wie ein Chochlik, Begleiter der Feen, umtanze ich Jani Halbelve beim reinbegleiten, entzückend, nicht genug kann ich über ihr französisches Hippiejäckchen staunen, wie aus der Aufklärung Milos Formans scheint sie herausgesprungen, ganz weiss und cremefarben und so märchenhaft wirkt dazu ihr eine spur dunkler Teint, um die Schulter hat sie ein weisses Puma Täschchen das wie eine grosse Mondsichel gebogen ist, und ein wahrlich filigranes Hemdchen, sodass man ihren gesamten jugendlichen Bauch mit dem fest verstopften kleinen Loch sehen kann, ihr Hosenbund ist tief und eng geschnürt, und da sie klein ist wirken ihre Hüften um so breiter. Wir wundern uns laut über ihre roten Nomadenschühchen, mit einem golden- orientalisch bedruckten Muster, die Spitze scheint sich stilisiert zu verjüngen und aufgebogen zu sein. Wir setzen uns zur Entspannung von all den flimmernden Monitoren in den Pausensaal. Wie aus Tradition mittlerweile setzt sich Jani zu mir, während Paul und Marcus vis-avis von uns Platz nehmen. Wir sind alle in Gedanken, Jani wirkt ein wenig müde, wie niedergeschlagen, sie kauert sich zusammen, hat sie endlich den Weg zu uns geschafft nur um wie üblich von meinen ohnmächtigen Augen verschlungen zu werden, traurig lächelt sie, wenn wir sie ansprechen, ganz nahe sitzen wir vier uns. Und ich fasse mir ein Herz, es ist heute Schaustellzeit, und einem tiefen Verlangen folgend umfasse ich mit der Linke ohne Überleitung Janis Oberschenkel, sie sitzt im Schneidersitz auf dem Polster, und mit einem Ruck verschwindet ihre gelangweilte Miene, ihr Oberkörper strafft sich, wir lächeln alle irgendwo ins nirgendwo. Lange lasse ich meine Hand liegen, drücke leicht ihr junges Fleisch, ich fahre ihren Schenkel hinunter, nach innen, unser Atemzug verschnellert sich und ich denke in Richtung der Jungs: Schau Paul, wie schön, wie süüss sie ist, wie wir alle zueinander wollen, - Lange schon besteht diese zarte Sympathie zwischen ihr und mir. Ich schmiege meinen Kopf an ihre Schulter, werde immer unverschämter und lande mit dem Kopf gegen ihre Seite scheuernd auf ihrem Schoss, schaue von unten die beiden an, er und Marcus fangen aneinander gelehnt ihre Köpfe zu verdrehen an, ein amüsiertes, engelhaftes Lächeln auf den Lippen. Sehr glücklich schaut Jani, meinen Kopf in den Händen, auf mich herab. Marcus ist Feuer und Flamme von meiner überzeugenden Leistung. Dabei war es nur ein herzhafter Kampf auf bekanntem Terrain gewesen, ich tappte nicht im Unbekannten los, es war schliesslich Jani Elven-Ohr, ein spitzes Ohr hat sie, am anderen hängt ein kleines Ringchen, sie ist unsere Mitspielerin und Freundin, Labsal meiner ästhetischen Seele, Jani die Wandlungskünstlerin, oft gefallt mir ihr Stil gar nicht so sehr, doch heute sieht sie aus wie alleine zu meiner Ergötzung herausgeputzt, immer sexy, ein ungeheuer süsses Versprechen, ich liebe, habe sie immer geliebt, die Hippieaufmachung der Mädels und auch immer an der bürgerlichen Fasson meiner Freundinnen gelitten, niemals habe ich mich einer Frau genährt deren Kleidungsstil schrill und aufregend war, Isis ausgenommen, aber die war eher hip, als ob Anschauung von Menschen und Realisation von menschlicher Nähe zwei gänzlich verschiedene Dinge wären.

Nachdem wir so unsere Spässe getrieben hatten gingen wir wieder hinüber zum Arbeiten, Jani ist nur auf einen Sprung vorbeigekommen und schon wieder am Gehen, und Marcus verabschiedete sich von ihr überschwenglich, er meldete sich auf alle Fälle schon bei ihr an wie es schien, und ich schäme mich deswegen ein wenig, und dass ich sie nicht für mich beanspruchen will, als ob ich sie unserem schemenhaften Programm gemäss der Allgemeinheit opfere, und ich kann ihr beim Abschied kaum in die Augen sehen, ärgere mich über die schrille Taktlosigkeit von Marcus, dieses ganze subtile Spiel will schliesslich erst mal gewebt werden, ein Werk von Stunden kann innerhalb von Sekunden zerplatzen, - denke ich, und im Vorzimmer umschwirre ich sie eifrig, was schaut doch ihr Hintern von hinten verführerisch aus, lächle entschuldigend, sie gross anschauend, traurig, verliebt, einen Augenblick wirkt sie den Tränen nahe, aber an der Tür schaut sie mit einem tapferen Lächeln tadelnd zu mir auf, bussi-bussi. Ich stottere eine kurze Abschiedsformel zusammen, sehr leise, wie schön es war dass sie da war, uns ihrer versichert hat, als Geschwister. Anständiges Kriegerwesen. Paul jedenfalls hat viel zu lachen, königlich amüsiert er sich über uns Gockel, wie wir nachher kurz düster und planlos um uns schauen.

 

Zum Glück kommen recht bald Rob und M. Blanc. Wir sprechen übers Filmemachen. Rob bietet sich für eine Rolle in Marcus Party- Klamauk an. - Rob hat dich von der ersten Minute an favoritisiert, scherze ich zu Marcus. - Das stimmt! Marcus! Das stimmt, du warst immer meine erste Wahl, hahaha! - lacht er, sie hatten schon vorher etwas getrunken. Fleissig trinken wir weiter, Paul holt weitere Biere vom Türken.

 

 

POSTAL 2

 

Nachdem Jö und Bibi eingetroffen sind bekommen unsere Gespräche eine deutliche Science Fiction -Note, die INFINITY TIME nährte sich leisen Schrittes. Bibi in rot/grün, dazu einene grünen Rucksack mit einem roten, canadischen Ahornblatt-Icon-Sticker, sie ist eine Wucht, still und lächelnd, erdig, müde, und wohlwollend. Wir Archäologen unterschiedlicher Provinienz verstehen uns beinahe wortlos. Aber mit Jü palavere ich viel den Abend, er strahlt bis ins knisterhafte, seine tragende Farbe ist gräulich, - Typisch Indifferenzmeister, denke ich, er erinnert an M.Blanc, aber dünkler, und die Haare stehen ab wie unter Strom, er wirkt sehr street-uniform. Mir kommt er wunderschön vor, diesmal überzeugt mich seine Ästhetik restlos, er strahlt aurenhaft und rund, glücklich, und entspannt wie immer. Er dichtet Welt hier, geckt, quackt, heute. Ich kontrolliere zwischendurch seinen Bauch, weicher als M.Blancs, aber ähnlich.

- Voila! Der Mann mit den vielen Gehirnen! Und wer könnte sonst in den Weltraum fliegen, wenn nicht Marcus, der Mann mit den vielen Gehirnen? (und am nächsten Tag zeige ich Ibot in Anlehnung daran die Szene in Adams´ Hitchhicker, Per Anhalter durch die Galaxis, dem Comicsheft: Zaphod ´Zweikopf´ Beeblebrox, blonder Stroh-Präsident der Galaxis, auf dem Weg die Herz aus Gold zu stehlen) , - stelle ich Marcus erneut vor. Er setzt einen darauf: 'Unter Wasser! Auch unter Wasser gehts! In die Was-ser-stä-dte!' - mich verbessernd, und ein grosser, grosser Graben, ein unterirdischer, ein zu einer Schale gewölbter Bergfuss unter Wasser zeigt sich augenblicklich vor meinem geistigen Auge, der Gestalt- Einbildungskraft, das Bild ist grün, schleimig, nach oben zu schwarz werdend, an der Senke, regelrecht dranklebend, befinden sich Stadtkuppel-Augen dicht nebeneinander gedrängt wie einfarbige, glasschimmernde Korallenkugeln, oder eher wie pickiger, spärlicher Fischlaich, es war als ob sich mir simultan zum Gespräch und Thema einige farbige Bilder vorstellten, wie das denn aussehen könnte, was Marcus da in der Einbildungskraft beziehungsweise Erinnerung zum klingen brachte.

Dann geht es wieder ab in den Weltraum. Ich schaltete dazu auch das sich im zweiten Slot des NintendoDS Handheldgeräts befindliche Wing Commander Prophecy auf, die Titelmusic untermalt unsere Gespräche, während ich unter dem starken Eindruck des wohlgerundeten Raumschiffs am kleinen Titelscreen erlebe dass Rob, er und M.Blanc sind dem Geplapper skeptisch bis herablassend gefolgt, sich schliesslich, die Planeten des Solarsystems durchkonjugierend, zu einer Zwischenlösung begibt: 'Der Mars! Marcus, der Mars?' - Damit, darauf, kann er anscheinend leben, und Marcus neigt, ihm eindringlich in die Augen schauend, auf seine pastorale Weise, immer bereit die Messe lachend aufzulösen, den Kopf, während ich plötzlich in einem neuen geistigen Bild, der ästhetischen Vision des schwarz-transparenten 1m langen Modells eines langen Raumschiffs, das ein wenig dem neuen schiffsähnlichen Teils des T-Systems Gebäudekomplexes, ich wars extra am Rennweg besichtigen, und es hing auch als Kalender auf mattis Klo, befangen war, das vor meinem geistigen Auge in dem gestreckten, von uns 7 gebildeten Hufeisen ungefähr in dem Eckzwischenraum schwebte, der links von dem noch am Ende der PC-Couch sitzenden Marcus, rechts von Robert begrenzt wurde, welcher auf der Lehne der TV-Bildschirmcouch sass, was seine Grösse noch unterstrich. Dauernd fällt mir die von mir in das Titelbild hineingelegte Kleinheit des Schiffes auf, geht mir durch den Kopf, ist es nur ein kleiner Jäger? Erst später am Cover der Anleitung ist das eindeutig und relativ grosse Trägerschiff tröstlich sichtbar erkennbar. Joh hat es Tage darauf rätselnd angeschaut. Und Stefan2 hat mich überhaupt erst später erinnert, dass anscheinend Bilder im Kopf mehr sind als vorgestellt, dass man darüber sprechen kann, dann erst fielen mir die gerade geschauten Konstrukte wieder ein, wie Untermalungen der Sprachthemen waren sie, Skizzen im Geiste, schöne Hologramme, eh 3D, er schenkte mir das Mozartrequiem, zu seinen Fabulierungen und Orakeln die ich erst später verstand, dazu, wir sprachen davon, Ton und Bild, Architektur und Litaratur, Falco, und Mozarts Lachen.

Und was ist, wenn bei einer Diaspora, einer Verstreuung auf die Planeten, die Farben, die Coleurs weggehen werden? - Aber es wird ja alles bewahrt, argumentiere ich, wenn wir reich genug dafür sind. Ich war nie mehr für Katastrophen, seit ich begonnen habe ernsthaft zu scherzen. Früher allerdings, da gab es einige Mad Max Phantasien, schöne lange Tagträume, im Prater, oder Unterdachs, von Waffen, von Autos und Buggies, auf der Suche nach Kampfgefährten, in einer zusammen gebrochenen Zivilisation. Pah, die Ressourcenknappheit. Ich bin ein Hirte, unter den Wölfen tobend. Was man ausheben kann hebt man halt aus, aber doch nicht die Farben, Die Farben, die Differenzen, 16.7 Millionen Farbunterschiede kann eine x- beliebige Grafik- Engine moderner Komputer darstellen!

Ich erwähne auch das Buch der Zwei Besonderen SiFi-Bücher aus meiner Kindheit, beide sind futsch, Hardcover metallic futuristisch, gute Edition, wahrscheinlich sind sie in irgendeinem von Wern besuchten UNO-Auslandseinsatzland verloren gegangen, das eine besteht aus einer, zwei zusammenhängenden Geschichten über Musikinsektoidenroboter, und Kampfmaschinen aus seriell geschalteten Menschengehirnen in grossen, gehenden insektoiden Panzern. Das andere handelt von der Diaspora (das war die erste Science Fiction Diaspora vor Dune, für mich) in den Weltraum, ins Grosse und Kleine, und ich erwähne die Geschichte wo irgendwelche Neuen Pioniere, Edle, durch die Atmosphäre fahrend diese durchstossen, in den Weltraum hinaus. Aber alles spielt sich in einem Teich ab. Genauer waren es natürlich mehrere Wasserlacken auf einem enorm grossen Planeten. Denn die Sternensäher hatten ihren Genkoffer beim Crash retten können, aber nicht die Proben und so bastelten das Wasserleben vor Ort notdürftig und gezwungenermassen unter zeitdruck zusammen, und verewigten ihre Gene gleich obendrein. Süss, nur kann es keine Menschen geben, die Protozeuten- Grösse haben, technisch gesehen, es war ein Märchenbuch für Kinder, wie der Knopfdruck-Offizier, den ich als Student las.

Doch im Grunde werde ich nur getrieben, von Paul und seinem Bruder Rob, Mann der Tat, und von den Cyberpun´x, den Neuen Kräften. Ich renne buchstäblich hinter allem her. Und als Marcus im drüberen Raum meint, er will den Perchtenfilm seines Freundes zusammen mit einem Spiel verpackt haben komm ich nicht ganz mit: Was, du willst das Spiel auf dem DVD-Player spielen?, - lache ich ihn aus. Jü lacht notgedrungen mit, dann erklärt er solange herum bis ich mitkomme: Ahaa, Der das Film/Spiel, auf PC und DVD-Player! -Marcus: Wie geht das? - Ich: Weil die Systeme offen sind. - Wenn ich mal mitkomme kann ich auch mitspielen, aber erklären kann ich allemal gut, als Sohn der mütterlichen Litaraturmaschinen -Linie. Ich lege Marcus zeremonienhaft das Proto - Handtuch (meine matt grünblau leuchtende Kinderdecke) um, das ich eben erspäht habe, unter dem ganzen Gerümpel, a la Douglas, nie ohne eines, in der leeren Weite.

Und Marcus treibt: breen-nen, bren-nen, Poost-aal-2ee! - Auch Ji wills. Langsam assoziere ichs mit Unserem Spiel überhaupt. So frei! Scheiben einschlagen. brr.

 

POSTAL Mittelteil

Marcus drängt weiter auf die Installation von Postal auf dem zweiten PC. Die Daten sind schnell gefunden denn ich spiele mich extra kunstvoll um Jö, der mit Bi dicht hinter mir sitzt zu beindrucken. Er kennt sich sehr gut aus und ich will ihn sichtlich von uns einnehmen.

Es werden die Bier getrunken und ich zeige nebenbei das Szenenskript für meine paganische Hochzeit: Da ich nicht sehr einfallsreich bin würde ich die Zeremonie am liebsten von Künstlern gestalten lassen. Sonst mixe ich wahrscheinlich nur alle möglichen Traditionen zusammen. - ich mache ein künstlich verlegenes Gesicht. Paul gibt einige Vorschläge, auf einer Insel, einem Flugzeug, letzteres lehne ich sofort ab: Da sieh man ja nichts. - Marcus, der das Skript am besten kennt ist von der Idee einer Hochzeit mit mehreren Frauen sichtlich angetan. Es entspricht seinem gewünschten Lebenswandel. Er macht Bibi, in deren Nahe er sitzt schöne Augen. Sie reagiert genauso genervt wie ihr Freund. Ich mache eine böse Miene und denke: Aber Marcus, wie soll das so gehen, du nervst, es ist doch hoffentlich ausgeschlossen, dass Kommunenzustände einreissen, selbst wenn Freiwilligkeit das kleinste der Probleme wäre, oder?; es gibt keine Probleme, und ich weiss nicht, von wo her welche auftauchen sollten.

Rob klärt die Lage. Gross und breit stellt er seine 100 Kilo dicht zu Marcus und ruft in meine Richtung: Und Janus, wenn Marcus mit den Mädchen Probleme macht sei sicher, dass er dann mit mir ein Problem hat!! hahahahaha!- ich lächle entschuldigend, Rob hat mit der Inbrunst eines lachenden Dionysos gesprochen. - Und Marcus! Marcus, - setzt er fort: - sei dir sicher wenn ich nicht da bin dann ist Janus 5 Schritte hintermir! Hahaha - Wir brüllen vor Lachen, Marcus grosse Gestalt hängt wie leicht zusammengesackt neben dem gleich riesigen, aber ungleich massigeren Rob. Er schaut mich un/schuldbewusst, wenn auch wie ein ertappter Schelm an. - Du weisst doch Janus, sagt Rob entschuldigend, ich hab doch so Eine Zuhause - Was redest du da für einen Unsinn, antworte ich, es entfährt mir so sanft wie nur eben möglich. Ich grinse, was der sich für Sorgen machte, ich kannte ja ihr Verhältnis, wie sollte er auch ruhig sein, seine Süsse ist ja wirklich zu entzücken, eine verträumte Zeichnerin aus den Tigerländern. Vielleicht sollte man geil nicht mit geil verwechseln?

 

POSTAL Crescendo:

"Postal!" - rief Marcus immer wieder zwischendurch. "Du wolltest Postal suchen!" - Das Spiel installiert sich im ganzen recht schnell, obwohl wir unterdessen viel scherzen. Ich erzähle, vor allem vor Jö, den ursächlichen Plot und die ersten Hindernisse, und mit einem belustigten Aufblitzen seiner Augen richtet sich sein Körper auf den Bildschirm aus, seine gelangweilte Miene schwindet. Unsere Begeisterung, meine Flammende Rede riss ihn mit. Bibi lächelt lustig. Wir starten gleich durch.

In Wirklichkeit hält mich selbst Postal 2 nicht vom herumlangweilen ab. Es ist beinahe so streng wie ein klassisches Drama aufgebaut, abgeschlossen in Zeit und Raum: 5 Tage in einer von Hügeln eingefassten Kleinstadt. Ich kann mich noch gut an meine Erfahrungen mit dem Spiel erinnern. Irre lustig! Matti zeigte mir die Schmankerln, Leute anpissen, anzünden, sogar die Elephanten im Zoo. Ich selbst spielte als ob es ums Leben ginge. Gleich zum Schluss des ersten Tages (Levels, Abschnitts) des Spiel, es war in die 5 Tage zu einer Woche eingeteilt, im sich selbstzitierenden Firmensitz der Spieleentwickler, welcher von der Selbsthilfegruppe 'PARENTS AGAINST VIDEOGAMES', Videospielmuffel-Eltern, belagert und gestürmt wird, versuchte ich aus diesem 'endlevel'-Gebäude ohne Gewaltanwendung zu entkommen, hoffend, das die Eltern und diese Spieleentwickler, bis an die Zähne bewaffnet, den letzten Gehaltsscheck der Firma hatte ich ja schon, ihn abzuholen war der Spiel-Trigger, der Auslöser für das folgende Endlevel- Massaker, und ich hoffte also, dass sie genug mit sich selbst beschäftigt waren um mir genügend Zeit zur Orientierung, Austattung und Flucht zu verschaffen. Nun, es ist schliesslich ein EGO-Shooter und spätestens am zweiten Abend, in der brennenden Bibliothek, rannte ich und sprang lediglich noch verbissen und frustriert, zwischen den unzähligen Neuanfängen, im Zigzag, neben und durch die brennenden Bücher, mein Herz brannte mit diesen solcherart vergewaltigten Büchern, literarisch gesprochen, es war sehr lustig. Und neben den verschworenen Eltern waren neue Feinde aufgetaucht. Ich hatte sowieso, als Weltstädter, der eher in Saloons und Festsälen lebte, unter Dach jedenfalls, nie eine besonders gut entwickelte Raumorientierung besessen, und der dritte Tag, die Einkaufs-Mall am Mittwoch, stellte mein Orientierungsvermögen auf eine wirklich harte Probe. Die Polizisten griffen mich dort noch zusätzlich an, das wollte ich nicht, sie sollten eigentlich Frieden geben, ich hatte genug Feinde. Und zu wenig energy.

Ich kann bei diesen Egoshootern, wo es rein ums schiessen geht, freilich, dieses Spiel war mit Adventure- Elementen angereichert, mit kleinen Rätseln neben der Ballerei, trotzdem schlecht entspannt spielen, ich mochte eigentlich lieber Echtzeitstrategiekämpfe, wenn schon, seien sie auch aus der EGO-, der Ich-Perspektive steuerbar, denn mir stand der Sinn nach Eroberung von Territorien, von Fähnchen, Basen und Fahrzeugen, möglichst unversehrt. Der Ingeneur hatte seine Vorteile, er konnte reparieren, dermassen gerüstet, schlecht bewaffnet, gut wenn jemand mitflog, kam man schon mal mit einem Schrottvogel der Rotorenfamilie durch das ganze Szenario schaukeln. So war es kein Wunder, dass, wenn Ichperspektive, ich die militärische Reihe der MIL-OPs lieber hatte, da konnte man Flieger und Helikopter fliegen, Autos und Kettenfahrzeuge lenken, mit dem Bewusstsein, einen Hauch Taktik für das Gemetzel zu benötigen.

 

Und an diesem Abend ergriff Marcus sofort das Ruder des Spiels, die Mouse, des lang herbeigerufenen 'Share the Paine', die Netzwerkversion des Spiels heisst so, während Paul der Meisterspieler, nahe der Tastatur auf dem zweiten Sessel sitzend, zu paddeln versuchte, das heisst die Beinbewegung mit Knopf <w> übernahm: Vorwärts!

Selsamerweise blieb Marcus auf der Couch, beziehungsweise er hockte zwischen uns und in der Art steuerten die beiden gemeinsam die Spielfigur. Ich glaube ich nervte sie schliesslich alle ein wenig mit dem gebetsmühlenartig wiederholten Satz: Die Waffe weggesteckt! Weg! Weg! - Sie liessen sich in ihrem Spiel natürlich nicht beirren. Ich vergass sowieso zu erklären, mit welchem Knopf der Tastatur man die Waffe wegsteckt. Ich wusste es nimmer, und ausserdem haben sie wahrscheinlich sowieso gleich als erstes die Bedienung der Waffen herausgefunden.

Gleich in der kleinen Gartensiedlung, an die Der Campingplatz grenzte, der Wohnwagen darin repräsentierte das bescheidene Heim des Spielers und der fordernden Gattin, schrie alles zeter und modrio. Halb weil es der Schick erforderte bedeckte ich während der ersten angezündeten Kleinstädter unter kleinen kecken Stöhnern nach meiner Art das Gesicht, sodass spätestens beim indoor - Hundekicken vor dem Kamin, unter eingeschlagenen, grosszügig geschnittene Fenstern, Jö der Geduldsfaden riss und er entrüstet scherzend laut wurde: Also wenn man nicht mal mehr Tiere treten kann..! - Wir schrien mittlerweile vor Lachen. Ich hatte immer weiter congregiert. Wir probten das Versprechen einer Teilnahme an etwas, nur was?, wir wussten nur, dass es Vorwärts ging, anhand dieses ausgeklügelten Spiels.

Und es wird immer lauter. Rob hatte seine blutrote Kognakflasche gezeigt, in einer wirklich edlen rotgoldenen Verpackung, sehr breit, sehr hoch. Und als wir drüben grübeln, ob es heute noch weitergehen soll, wir sind schliesslich doch ein bisschen müde und unschlüssig geworden, wie so oft nach einer spontanen, beinahe Verrückten Verausgabung, springe ich auf und renne zu Robs Rucksack und zerre am Kognak, entpacke ihn, - Waas, schreit Rob, her damit, hahaha!, das ist meiner, wenn, dann öffne ich ihn! - Und wir trinken und tollen noch lange und laut herum, raufen, ich werde gefilmt, Wau!, na, was ist? - Löschen, sofort löschen! - Schreit Marcus lachend, er erspart mir nichts, spührt fast instinktiv wie sich mein Ego bläht durch den Aufruf zur gemeinsamen Arbeit, meine Eitelkeit steigt mit meiner Macht, wie ein ewiger Fluch der Rufer, der Umverteiler (Harris).

 

Aber ich fragte mich auch, wir waren ziemlich laut die meiste Zeit über, ob man die Lustigkeiten nicht aufs weekend beschränken sollte. Schliesslich war Sonntag. Aber wo war der Sonntag der Antipoden jetzt? Zur Fernstenliebe ratet Nietzsche, übersetzt etwa als Telepatie?

 

Schliesslich gehen die Jungs ein wenig unzufrieden, der Kognak geht mit ihnen, Jö und Bibi gehen bald darauf, ich grinse nur mehr dümmlich.

 

Wieder einmal war ich mit Marcus allein. Er fragte, lauernd, leicht am Sessel gebückt: Und jetzt bist du wieder normal? - Das siehst du doch. Es ist nur Spiel Marcus, - Ich nahm mich wirklich zusammen, war gaanz ruhig, hatte mich schliesslich gründlich ausgetobt. Er: Warum? - Ich: Weil du alles kannst!

 

Marcus telephonierte, er besprach am Fenster die Möglichkeit, mit einer Freundin bei mir zu drucken, bei mir Sachen auszudrucken, er hat mir von ihr erzählt, aber ich hatte kein Bild von ihr ausser dass ich für sie spontan einmal eine 30-Minuten-Therapie angeboten habe, lachend, heiter, treffend (nur wen?), damals als er sich einmal über ihre Wichtigkeit beschwerte.

Das heisst, eigentlich wurde ich lediglich gefragt, ob es hier eine Druckmöglichkeit gäbe: Nur schwarz/weiss, - erwiederte ich, wir beide kannten genau die Druckerprobleme vor Ort. Lange sprach er mit ihr. Schliesslich verstand ich noch, dass Marcus mir verkündete sie treffen zu wollen, im Park anscheinend.

Doch zum Ende der Verhandlungen hatte Geo angerufen, ich war somit noch vor Ort gebunden, wir hatten uns lange nicht gesehen. Mit Marcus einigten ich mich darauf, dass ich zu ihnen in den Park nachkommen wolle.

- "Der Papst ist gestorben!" - verkünde ich spielerisch, als Geo eintrifft, - Papa, eh!, - macht er, sauermiene, er war schliesslich orthodox, und ich schenke ihm kostbaren Tee, einen grünen, um das getrauert werden könne. Er breitet nur, verblüfft, genervt die Arme aus: "Warum?" - "Weil der Papst gestorben ist!" - ich grinse mit angedeuteten Tränen in den Augen. Wir verabschieden uns schon im Freien. Er braust davon. Immer wenn ich trauerte um den Papst (aber auch um andere, Geos Freund war gerade Camus´isch gestorben, per Auto, und die Mutter von h.c.aafoch operettenhaft, es war Frühling), den Abend, kam es als Weinen raus und jedesmal transformierte ich es willentlich in Gelächter, musste mich nur jedesmal erinnern dran.

 

 

FREISZENE

 

A-Bö

Rausgetreten auf die Strasse amüsierte ich mich über diese nächtliche Stimmung, hie und da in bunten Industriefarben schillernd, und schnell schritt ich runter ins Grüne, das Flüsschen querend, ich war am Parkrand angelangt. Ich begann mich schlendernd dem Grün zu nähern und wählte, der Stimmung entsprechend, den schön erleuchteten Querweg mitten hinein zu den inneren Bänken vorbei an den Kletter-Holzaufbauten, sah Marcus am regular-U-Bahnweg, aussen nah dem Wasser, im Dunkeln stehen und spähen, und wir trafen uns an der zweiten Doppelbank, von meiner Richtung aus gezählt, die erste am Rand wies auf der gesamten Fläche und selbst auf den Sitzflächen kleine schwarze Marker-Graffitis auf, meistens Namen und Andeutungen. - Schau, die Bank ist sogar Handsigniert! - rief ich, mit der Handfläche der Rechten auf die einzige grosse Unregelmässigkeit der zweiten, hellen, makellosen Holzbank schlagend, an der wir nun sassen, es war ein grauer, handgrosser, sehr kunstvoller Fleck wie von einer zähen Flüssigkeit geformt, und von dem man nicht unterscheiden konnte ob Farbe oder eine tiefergreifende Veränderung da am Werke gewesen war. Das tat ich als es darum ging, wieder mal begeistert auf der Bank zu sitzen und zu warten, reden.

Und da kam schon aus dem zweiten Eck, dem Stadteck, hinter der Zollkirche hervor, aus dem Dunkeln, sie, A-Bö, passierte die ehemalige, unsichtbare Zollschranke, ernst und würdig, geschäftig um sich blickend, eigentlich nur gerade aus, erst bei uns stehenbleibend sah sie sich aufmerksam um, während sie von uns begrüsst wurde, sie setzt sich zu Marcus. Ich war wohl leicht eingeschüchtert, als ich sie im Lampenschein der Laterne, die uns von der Seite anleuchtete, genau betrachtete, d.h. den aus dem schwarzen Gewand ragenden Kopf, ihre Hände steckten in den Taschen, denn ihr Gesicht war extraordinär ästhetisch, riesige mexikanische Augen, man wusste nicht ob maritim oder terran so rund ragten sie über der entschieden roten, grossen gebogenen Nase, ihr grosser strenger Mund war leicht zusammengekniffen, zusammen machte ich grosse Augen und sang: "So schöön!!" - sie nickte ernst, wie selbstverständlich, knapp aber doch aufatmend, und erzählte ihre vergangene 10 Stunden Arbeitssession, der Broterwerb, und noch von einer versäumten weiteren Arbeit, das Geld, es handelte sich um 80 E, hätte sie nach Hamburg gut gebraucht, ich nickte begeistert, Marcus hörte beinahe andächtiger zu als sonst. Während ich sie betrachtete und nun doch schon sehr streitlustig war, stand ich denn auch auf und zählte aus der Hosentasche ungefähr 60-80 E und legte sie mit einem Klatschen zwischen uns auf den Tisch. "Ich will dein Geld nicht, Janus" - erwiderte sie müde, misstrauisch, mit einer Handbewegung das Geld zu mir rückend.

Mir war sehr lustig zu muthe und ich sprang auf das kleine kreiselähnliche Drehding, fest, silber glänzend die Scheibe in flacher UFO - Form. Es war so gross wie eines dieser Steckenpferd-Schaukeln auf spiralförmigen Wippfedern, nur zum Drehen, und ich stiess mich mit Leichtigkeit ab, streckte sitzend die Füsse vor mich aus und ich drehte mich und drehte mich ohne Mühe mit ziemlich hoher Geschwindigkeit, das outdoor - Spielzeug war wirklich schön, der Spindelstift, an dem man sich festhalten konnte war tiefrot und mündete vor den Augen in eine silberne Kugel: "Perpetuum Mobile!" - rief ich, drehte ohne unterlass allein durch ein kleines Schlingern des Oberkörpers, die Sterne schlirrten in vielen sich überlappenden Kreisen am dunklen, beinahe noch ein wenig schwarzbläulichen Himmel, und: "Die alten Kräfte!", - ich verstrickte mich in einen konzeptuellen castanedischen Unterschied zwischen Alten und Neuen Zauberern, für mich war sie einfach Amerikanerin, Indianerin, möge sie kommen woher auch immer, Deutschland, na bitte.

 

AUTODAFE

Schon kurz vorher, während ich in A-Böös Anblick vertieft war sah ich die Jungs, über ihre Schulter, bei der ersten Doppelbank, sie waren plötzlich wieder da, standen alle Dreie, die Brüder und M.Blanc, dort vorne im flutenden Licht neben den Eckbüschen und unter Bäumen, zwischen Bank und Palisaden auf einem hellgrau scheinenden Anfangsstück des Parkwegs, wie aus dem nichts sind sie aufgetaucht, sie waren in dem Schuppen gewesen, Herz hiess er, auf halben Weg zwischen Studio und Park nicht weit weg also, machten raudau und wurden rausgeschmissen und hier im Freien trafen wir ungeplant wieder zusammen. Sie erkannten uns nicht, waren offenbar noch ziemlich erregt. Ihre sonst helle Aufmerksamkeit war völlig benebelt von Alkohol, dem Rausschmiss und dieses nun gemeinsam überstandenen und ausgehandelten Erlebnisses. Sie waren völlig auf sich fixiert, die Drei, und ziemlich laut.

- Motherfuckin crazy Construction!, schrie Marcus rüber. Ich war beflügelt genug, ging aufs angebliche Ganze, das Geld los:

"Nun gut, rief ich, lasst uns an diesem Tag, der Papst ist gestorben, Belladonna, A-Bö, Der Papst! Wenn du es nicht willst, dann kann ich es ja verbrennen." - sie wusste nichts mehr zu erwidert, fast milde resigniert, ein wenig entgeistert streckte sie die Waffen ihres messerscharfen Ressentiments. Ich begann nach einem kleinen Schein zu kramen, ein Fünfer fand sich nicht. Aber Marcus schaute dem nicht länger zu: "Gib her, lass das!" - "A ber Macüüs, 23!, ein deutscher Film!, die Geldverbrennung ist schon gespielt worden! - erinnerte ich ihn dann wiederholt, während wir um den 10er, es war der kleinste Schein den ich finden konnte, stritten und rauften: "Weisst eh, dieser komische junge blonde Schauspieler? Die Hacker!, fürs KGB, blabla hehe! " - und: "Kann man ohne Geld denn glücklich sein?", - sang ich auch.

Schliesslich drehte und hob ich meine Hände, mich von ihm befreiend, meine Jacke flog und hob sich vom Körper wie ein windbewegtes Ketten-Karussell, er gab dem Schaustück endlich nach, dass es auch die Jungs am anderen Tisch sahen, bevor ich die Flamme dem 10er nährte, und ich tat es absichtlich demonstrativ langsam. Der Schein verbrannte vor unseren Augen der Länge nach, nur ein kleiner Streifen den ich in der Hand hielt und fallen liess, ich bückte mich sogleich hinterher, war übriggeblieben. Ich spielte etwas Enttäuschung, ich hätte mich gefreut, aus ästhetischen Gründen gefreut, hätte dieser hauchfeine, wie zerknitterte Staubabruck, halb unter dem Sitz im Gras verborgen, völlig grau-braun ausgesehen, mono, ganz und gar Asche. So aber wirkte das Rot des übriggebliebenene Seitenstreifens auf eine ganz andere weise schön. Ich suchte in meinen Taschen nach geeigneten Materialien, um das Schaustück möglicherweise als Ganzes zu bergen. Ein Fahrschein um es aufzuheben fand sich, eh schon zu klein, ich war ziemlich verwirrt und ratlos, doch für eine Abdeckung konnte ich nur noch einen weiteren Geldschein hervorholen. Ich war enttäuscht über die Unpassentheit. Vielleicht war das schon zu viel der Symbolik. Marcus zerstörte mit einem Griff, es zerfiel zu Staub, den ganzen Unfug den ich trieb. Langsam wurden wir sehr ausgelassen an beiden Tischen. Ich war sehr glücklich über diesen doch sehr scherzhaften Lanzenbruch für eine Wissengesellschaft, den ich da getrieben von meiner Lust begangen hatte. Ich rannte ständig zwischen meinen Mitverschwörern auf beiden Tischen hin und her. - Es geht nicht nur um Rhythmus, es geht um Ausdauer, dachte ich hechelnd.

A-Bö begleitete Marcus und mich zu Robert und den Seinen. Wir fielen uns in die Arme und haben gelacht wie Hölle, wir 5 Jungs, und A-Bö war glücklich und lachte auch. Sie murmelte etwas von dass sie arbeiten müsse, oder warum sie doch die zweite Arbeit versäumt hat und war bald weg. Weg mit Marcus, der jedoch gleich wieder auftauchte, ich schaute prüfend ins Dunkel ums Zollkirchen -Eck herum, irgendwo ins innere der Stadt, die hier, durch eine nunmehr imaginäre Zollschranke, komplett mit noch bestehendem Kirchlein- Andächtchen, begrenzt war.

Fröhlich lachte ich: Sieh doch, wie Bella A-Böö gestrahlt hat! Hab ich die 30- Minuten- Therapie mitunter tatsächlich eingelöst, und noch dazu erfolgreich? - er lächelte erfreut, glaubte mir.

 

KOGNAK

Wir setzten uns auf die kleinen Wegbänke in der Parkmitte, und tranken weiter den Kognak aus der roten Elixierflasche und erzählten wild durcheinander. Als Paul und M.Blanc ins U-Bahn Licht etwas besprechen gingen, im Park war es laut geworden, kämpfte ich mit Rob um einen der letzten Schlucke aus der Flasche, er wollte ihnen beiden auch einige Schlucke aufbewahren. Ich gebärdete mich wie ein mondsüchtiger Schauspieler, am Himmel blinkte langsam ein Licht vorbei, schau Robert, deutete ich. "Jaa" - erwiderte er, er war verflucht sauer, ich hatte tatsächlich, "Für die Götter!" - schreiend ein flaschengrosses Fragezeichen Kognak verschüttet, er war ausser sich von der Verschwendung. Ich: Scheiss dich nicht an, es war nur wenig!, - suchend - Ach, da. Schau, wie schön, der Strahl, es sieht aus wie ein Fragezeichen, der Verschütt für die Götter.. (und eines, das wie zusammengesetzt aus lauter dicht ineinander gesetzten münzgrossen dunkelroten Klecksen aussah) Schau, für die Götter, Rob, ist es nicht ein schönes, fettes Fragezeichen?" - "Es ist in Ordnung, Janus!" - sagte, langsam gelangweilt, schliesslich M.Blanc als er wieder da war und verstanden hatte um was es geht, oder zumindest so tat als ob, und ich blickte schon fast wieder triumphierend Rob an. Wir tollten herum, das Gras schien unter den Parklampen sehr unterschiedlich dunkel- und hellgrün, ich sah es eigentlich viel zu selten merkte ich, schaustellerisch im Geiste ästhetisierend, schaute am Wegrand, irgendwelche sehr schöne kleinen Flaschen lagen auf der Wiese.

Und bei irgendeiner meiner Pointen, ich lag dabei vor den Freunden auf der Bank am Boden auf dem Rücken, sodass ich ihnen ungefähr, von der Seite unten, ins Gesicht schauen konnten, oder zu den Sternen, zerschellte Robert, auf der anderen Bankseite mit einem lauten Krach, der sich über den Boden ausbreitete, sehr gelungener Tusch fühlte ich, sehr genauer Einsatz des Instruments, die nun leere, rote, wunderschöne, bauchige Elixierflasche mit der breiten Ansatzfläche der Öffnung die das Trinken aus der Flasche so erschwert: "Du hast meinen Kognak verschüttet!" - schrie er noch oft, als ich, erschrocken über seine Ernsthaftigkeit begann, es hatte irgendwie nicht wirklich was mit seinem Anliegen zu tun, die Scherben, es waren kaum welche zu finden, so klein zersplitterte die Flasche, wie aus Sicherheitsglas, in stumpfe Scherbchen, zwei drei aufzuheben um sie Rob zu bringen, aber sie auf seine angewiederte Miene hin wieder fallen zu lassen. (Erst am nächsten Tag hole ich mir noch zwei.)

Wir waren am Gehen. Ich warf mich zwischen sie und wurde unter ihnen symbolisch hin und her geschmissen, ich tat, als ob sie mich stützen mussten, damit ich nicht falle, selbst M.Blanc hielt mich schallend gen Himmel lachend kurz in der Senkrechten, und dann packte mich Paul auf den Rücken und nach einem leichten Erschrecken, das mir aus dem Bauch, auf dem ich, auf ihm, lag, kommend die Kehle kurz zuschnürte, balanzierte ich mich aus und schwebte so gemeinsam einige Meter. Paul ist so stark, dass er mich locker aufheben konnte, er bewies es, indem er mich mit den Händen wie ein Baby aufhebt, eines meiner Beine schwebt in der Luft während ich da zwischen ihnen hänge. Ich für meinen Teil ging vor allem auf die Bäuche meiner Freunde los, drückte und boxte, horchte, schliesslich fasste man ja nicht jeden Tag Männer an, interessante fremde Strudel fiel mir zu ihren Bäuchen ein, ich weiss nicht wieso, es passte einfach ins ad hoc-, ins Als-Ob- Drehbuch, sie waren hart oder weich, oder dick, die Bäuche und ich tat so als ob ich in ihnen las wie unsereins den Barometer. Das hatte ich im Laufe des Tages, wie spontan als Methode entwickelt, als Skript, diese Hara- Aufmerksamkeit.

 

CRESCENDO DES LETTRES

 

Ibot rief an, Marcus sprach mit Ibot, jedenfalls sah ich mich nächstens erneut die Gasse rauf um ihn abzuholen, die Jungs weit hinter mir lassend, und gleich bei mir, unter der Baustelle trafen wir uns. Ibot: Meine Freundin - und, aha Mara, ich verneige mich lachend, prüfe, das ganze wirkte anders als ich mir das vorgestellt hatte, die Beiden zusammen, eine leichte Eifersucht will sich in mir regen, ist gar nicht so oft der Fall, nein eigentlich war es ein kleiner Neid. Nun, es war ja nur eine seiner Freundinnen, wie sich bald herausstellte, eine Bekanntschaft, die uns beehren will. Cabbajacke, oder wie?, wie A-Böö gekleidet eigentlich und wie die grüne Lady, ihre Jacke hatte keine Knöpfe aussen, rein angedeutete Verzierungen, ganz in schwarz war sie, schlanker, und wirkte am ehesten wie eine etwas grössere Bebe, genauso dunkel, und entzückend zierlich, volle Lippen hatte sie auch.

Ich glaube schon beim Eintreten fragte sie, auf den Einstein- Papierschnitzerln stehend, beinahe ausrufend: Was macht er? Was will er machen? - nur ihr gereizter Ton zeigte an, dass sie genervt war, ansonsten sehr freundlich, ihr Mund lachend.

Ibot: Er schreibt. Er will ein Buch schreiben gerade. - Mara: Ein Buch? Schriftsteller? Wo? Was für Bücher, wo sind sie? - nimmt das nächstliegendste Papier vom Fernseher auf, findet ein Buch, ein zweites: Ah! Henry Miller! Das ist gut. - schaut mich liebevoll an: Das ist gute Literatur! - ich nicke kurz, grimmig, denke, Rosenkranzer Trilogie: Na siehste! - das war schon sehr beleidigend, weil ich wollte nicht nur, dass sie nicht an mir zweifle, sondern dass sie mich bereits kannte. Wie konnte sie dann zweifeln? - fragte ich mich.

Mittlerweile war Odysseus himself erschienen, Sem, und freundlich lächelnd machten wir es uns gemütlich. Sem, hell wie Tang, schenkte mir irgendwie einen blauen Stift mit grosser roter Kappe, spider-man, oder pen stand drauf. Nach meiner Rechnung hat er diesen Spider-Stift dagelassen, und sie bonjour, beides erglänzend in einer schönen Ästhetik. Aber darauf kam ich erst später, fand den Schreibstift, und am nächsten Tag den langenscheidts Sprachführer, Umgangsphrasen anno 63/69/neuauflagen. Alte Sprache, wie schön. na bonjour. Ich glaube ich war so regrediert, das ich wie ein kleines Kind jedem klunkerblitzstrahlendem Gegenstand ihrer ästhetischen Gesamtausstattung, des künstlerischen Teils, nur mehr mit den Augen folgen konnte, ich besass die Kühnheit, es war ja Robertstag!, nicht nur das tief im Inneren ihrer Handtasche gelegene orangene tiger-Feuerzeug zu erbitten, als auch ihre Telefonadressen mit ihr gemeinsam auf der Zelle durchzugehen, einen Moment lang, - Ein schöner Name, sagte ich: Lasar, - Sie: Ja! Wollen wir hin? Zu Lasar? Du must es Versprechen! (Zumindest dachte ich so ähnlich mit.)

 

Ich fing an, wie absichtlich Bier über die Computer zu schütten. Ich wollte mich vom Binären, vom Digitalen plötzlich distanzieren. Der Palm- Handheld neben der Tastatur schwamm in einer seichten Lacke inmitten der vielen Dinge, hauptsächlich Stiften und Paddels, Disks und Papier, Mäusen und Trinkutensillien, Zigarettenschachteln und Feuerzeugen, und Ibot hebt ihn auf und wischt den handgrossen Minicomputer trocken. So handlich der Schmerz, denke ich, und schnaufe nur, als ich ihn weglege und beginne aufzuwischen: Ich brauche die Computer nicht, prahle ich wie beleidigt. War es nicht Ibots Scherz: Waiting for something happy analogue? - War das eine Lustbarkeit über die grösstenteils analoge geothesche Geschichte des Copyrights? Kein Problem: happy und analog, na, das war schon mal der Bankkarten- Code, wenn er von der analogen Post zugestellt wird. ich bemühte mich zumindest, keine Seite zu bevorzugen.

 

 

Ich habe gleich für alle Namen: Mara mit dem Feuer, weil du meine Nagualfrau bist. - ich verwechsle sie wahrscheinlich mit meiner Literatur. - Sem, du bist der Unwahrnehmliche, er sass auf M.Blancs Platz und ich assoziierte und kombinierte wild herum, flirtete mit seiner Freundin, wenn auch sehr freundlich. Er war sichtlich verärgert, ich zerknirscht, ich verstand nicht, war der Ehrentitel unstimmig gewesen? Wir brachen hurtig auf. Mich lachte die Nacht an, unschlüssig, und Mara und Sem nach rechts ab, sie holt ihn sofort ein, gemeinsam eilen sie fort, Marcus und Ibot dazwischen, und ich deklinierte noch mal: Ich habe Mara versprochen! (Hatte ich das?) - laut, theatralisch und war schon hinter ihnen, fersengeld, hallo! - Mara: Wer ist er! Wer iss er? - auf Marcus deutend.- Der Nagual! Der Zweimeister! Der alles kann! - Wir zwängen uns zu fünft in den Wagen. Wir wirken zufrieden.

Schau - sage ich zu Marcus, - das Armaturenbrett: es ist so schöön root-blaau!, - Linien, Punkte, Strahlen, Bögen, zweifarbig auf Dunkel - vorgebeugt, er verdutzt, irgendwas war an den Farben wichtig, mir im Moment die Ästhetik, ich hatte anscheinend den Spider-Stift, in dunklen Spiderman-Farben schon in der Hand. Mara dreht sich leicht nach uns: Äh, es ist eher violettfarben! .. Die Farbe der Trauer, wisst ihr?, - setzt sie mit fast staunendem, sanften Nachdruck zu.

 

Mara will, dass ich ihr meine Sicht von Ibot schildere. Ich versuche, die Teile von Ibots neuen Flyern auf den Knien wie bei einem Puzzle durch Drehungen zusammen zu bringen und erfreue mich an der Ästhetik.

Als wir aussteigen begrüsse ich zunächst die drei Topfpflanzen, Blumen, ich kannte sie, bekannte outdoor-flora vom sehen, Busweg, an einer bekannten Ecke, so denke ich, ocer-tönende, niedrige Hauswände der Bühne channel 3. Lasar öffnet uns an der hohen Pforte und lächelt ob der Schar Zwerge die sich bei ihm eingefunden hat und führt uns sogleich, geleitet von Mara, sie wiederholt noch einmal die Auskunft über Marcus den Hohen: Wer ist er!? - , wie schnell, schnell, denke ich, höre und sehe eigentlich nichts während ich mir wartend und ablenkend die Zeit vertrieben habe, und doch Anrufe, und sage: Ibot, der Skarabäus (ich erwähne ihn weil er hier keiner Erwägung bedarf, und den Käfer habe ich erst einige Tage später auf Gumpi-Trottoir gesehen, schimmernd, tot, goldgrünes Chitin-Öl, Foto, aber sinngemäss stimmt der Name) und Marcus Nagual, wie Don Julian, voller Energie berstend geil, das sind die Hobbyheiden, die Freizeitpaganen, die Freunde der alten Mächte. Mit neuen Mitteln. Marcus, Ignition!, - ab zu Karin2.

 

 

LASER

 

Bei Laser und Karin2 ging dann alles wie im Zeitraffer, ich war in milder Liebesrage. Diesen Teppich im Wohnzimmer, gleich nach dem Eintreten, hatte ich zuerst leicht amüsiert, nicht ohne eine kritische Note betrachtet, dann Bier drauf verschüttet, zwischendurch tänzelnd den duftenden Tomatenschnittenring angebrochen, und schliesslich Karin, mit der ich nicht tanzen wollte, vor und inmitten unserer Runde, auf diesen blutroten Teppich gestürzt, mit seinen vertikalen blau-gelben Musterlinien die wie in regelmässiger 6Eckform geformt waren, das Muster war wie ein Sprungbild, man konnte entweder Linien oder 6Ecke sehen, uns beide also gegen ihr aller Einverständniss fallengelassen habe und dabei mit meiner linken Hand abgefangen, und als wir danach für diesen Moment dalagen sah ich und fühlte sie auch nicht mehr unter mir obwohl ich sofort wusste, bevor es noch bestätigt war, dass ihr nichts passiert war, mein Blick war auf diese regelmässig geformte Hand, die auf diesen Teppich drückte, gerichtet, ich schaute einmal an mir herab. Ich lachte, nichts passiert, setzte mich wieder auf. Karin sass schon beleidigt schauend neben mir.

Und während eines Musikwechsels grinste Laser: Meine Freundin. - Es war eine Vorstellung: 'Schau, er mag alle Lieder.' - Er lachte beinahe. Und dann, nachdem er sogar Bowie, sodass ich ihn erkannte, aufgelegt hatte improvisierte er kurz eine Art des Akira Sounds, des Creation-Sounds, nach welchem ich mich, seit er mir rauskam diese Tage, so gesehnt habe. Ue-A-o! Und bei einem romantischen Lied trat Karin hinter die Anlage mit dem einen Plattenteller, den ich nun bewunderte, wies darauf mit beiden, offenen Händen und sanft und stolz hauchte sie bestimmt: Meine Musik! - denn ich hatte gerade noch an Laser gedacht.

Und Sem zeigte mir derweil durch die Blume, wer er ist, wie wir sind was wir wollen. Er parodiert meine Langsamkeit, es scheint eine Ewigkeit, bis ich begreife, jedoch einzig das: Aber du bist ja noch langsamer, - kläglich schon ersterbend meine Stimme: noch langsamer, bin doch der langsamste Roller - Sems Reply, seine Antwort auf meine falsche Kategorisierung vorhin bei mir, denn ewig drehte er jetzt die Zigarette, und nickte ernst, freundlich, grinste auch. Was waren wir also, die zwei Seiten einer Medaille, alte und neue Kräfte repräsentierend?

Ich robbe und wälze mich über den Boden bis zum enferntesten Eck, das sehr nahe war und entdeckte dort hinter dem obscuren, da verschlossenen Bücherschrank auf dem Sockel der Stehlampe ein einsames digitales Ding, ein Handy.

Dann stellte ich mein spontanes schaustellerisches Programm Mara vor: Ich spiele ein wenig McGregor (zumindest in der Vertikalen) - dazu breite ich die Arme aus, prüfend, frühlich lachend, mit halb offenem Mund, den Kopf zu ihnen gedreht .. - Aber das ist langweilig (denke an PillowBook) und Jonny Depp! - Ich schnüffle herum zwischen ihnen, Sem und Mara, so ein süsses Pärchen. Sie lachen mild, Mara immer aufmerksam auf meine Worte, ihr Mund ein kleines höfliches Achso – O, nickend. Erst am nächsten Tag komm ich drauf wen ich mir der Wildheit halber zugeeignet habe: Dada aus BlackCat/WhiteCat von Kustorica: Pitbull, Pitbull! Bin eben ein echter Wahljugo, wie Sem.

 

Mir wird langsam warm vom vielen hin und her springen. Ich streife das grasgrün leuchtende Hemd ab, mein Schriftsteller T- shirt von der Zauberin wird sichtbar, und Mara als erste grübelt erstaunt über den Text, der in einem Quadrat auf der Brust prangt, interessant, ungewöhnlich kommt er ihr vor, wie mir auch. Stolz bin ich auf das babyblaue, das russische, das hellblaue Shirt von der Zauberin, Kennfarbe meiner roten Frikadellen - Literatur. Also fragt mich Mara weiter nach meiner Litaratur aus, höflich, aufmerksam, ich musste ihr wie ein Irrer vorkommen, mit meinem Gehopse, Gekrieche, Gedrehe, Gespringe: Warum Unendlichkeitstag? - Ich: Weeil es die aalte Spraach iiist. Auch die der Dualität. Endlich und Unendlich, gut / böse, etc. Verstehst Du? - Sie nickt. - Der Roobertstag! Der Papst ist gestorben! Pause zum Aufatmen für mich! Auch ich will Papst sein! - Mara: Warum Robertstag? - Ich grinse Schelmisch (Sie denken sich: Er ist tatsächlich noch völlig ahnungslos, unschuldig. Was ich da nur so daher live-texte. In gewisser Weise stimmt das zu dem Zeitpunkt wirklich. Erst die Rekapitulation und Weiterführung der nächsten Tage wird mir die Augen öffnen, äh, über die Einigungswünsche der Lammfrommen?). Ich: Robert? Du hast Robert erlebt!? - Ich schaue in die Runde. Sie stimmen zu. Ich habe sie ein weiteres Mal versichert. (Dann bei der Niederschrift schaue ich im Namensbuch nach: Vor Ruhm glänzend. hu, besteens).

Mittlerweile kauere ich zu ihren Füssen, schmiege mich an ihre Beine, diese umarmend. Unter etwa knielangem Rock Strümpfe, leicht gerifft, adidaslike s/w-Schuhe, schwarz alles, schwarz wie A-Bö, wie die grüne Mara, auch in ihrem hellen Gesicht, leicht an ein Monchichi erinnernd, aber schmaler, die Beine sind auf eine Seite, parallel Seite an Seite leicht schräg geschlichtet, vielleicht auch übereinander geschlagen. Ich habe reichlich Platz um den Sessel, drücke sie leicht zusammen, ihre Knie schieben sich weiter ineinander. Schmiege meine Wange breit an ihre breite Wade, wie sie sich am anderen Schienbein hervorwölbt.

Mara: Du bist Fussfetischist, nicht wahr? - prustet fast los vor Belustigung.

Ich (laut, freudig, kurz): Immer! - Schaue auf.

Mara: Warum? -

Ich: Warum nicht? - Schaue breit zu ihr rauf. Sie neigt, wie ein wenig tadelnd lächelnd ihren Kopf einen Deut schief zu mir runter. Ist zufrieden, auch diesmal. Wie sie da wieder draufkommt? Aber ich posaune das natürlich gerne raus, mir einen leichten Fetisch gönnend. Wenn ich mir das so überlege ist es ein recht harmloser Akt, die Beine zu umarmen, es ist viel weniger gefährlich als sich an die weicheren Teile anzuschmiegen, oder etwa in Gesichtsnähe. Mit Mara leistete ich mir eine Nähe, wie ich sie sonst auch zu Bebe kultiviere, ach, diese dunklen Winde Wunderbar!

Schliesslich sagt Lasar Sprachrohr, denn Karin schaut weiter beleidigt, sagen alle, auch ich, ausser Ibot, der nichts sagt: Janus muss gehen! - Denke, aus, enfin!, gehe, will an diesem kleinen, grünen Fahrrad vorbei, das vor ihrem Stiegentor wie im Schaufenster aus dem Stiegenhausfelster erleuchtet sichtbar ist, aber die Music ist weiter phenomenal, vor ihrer doppelt abgedichteten Tür kauere ich mich in Entzückung lauschend zusammen, denke: Ich geh ja schon, aber wenn das Lied aus ist. - In dem Moment bricht die Musik einfach ab, Stille, ich springe auf und gehe.

 

Und der NintendoDS fiel mit uns, in meiner Bauchtasche, das entdecke ich auf dem ganz und gar spassigen Heimweg beim Abtasten, ich nahm den Weg quer durch Wirtschafts- und Staatsgebäude, ich teste ja gerade seine Mobilitätsgrade, aber ich fühlte mich dennoch eindeutig unvollständig. Die ganze Nacht über lies ich dann den MarioDS Sound laufen, Variation des uralten Themas, 20 Jahre, Jubiläum, wie am Nintendo64, man kann sogar Marios Gesicht verzerren oder den Veränderungen eigener kleiner Zeichnungen zusehen. Mario, er war der Garagenvermieter für den ersten Ableger Nintendo Amerika, aus Dankbarkeit, als das Geschäft nicht anstarten wollte, die nipponische Nintendo Zentrale wollte schon die Zweigstelle schliessen, verliehen sie der Figur aus Donkey Kong, welch zu unrecht umstrittener copyright Fall der Name in Amerika gewesen war, also der Figur des Firemans, den Namen Mario. Ambient Night. Am nächsten Tag gleich nach dem Aufstehen liess ich den ganzen Akira Film laufen, auf english. Dieser Teppich denke ich: Schon vor dem Fall mit Karin hatte ich mit der Linken prüfend meinen Abdruck hinterlassen, in die von meinem Bier nasse Stelle als ich wieder darauf tollte, hoffend, dass sie noch trocken/nass war, erstaunt, oder auch, um meine Schuldgefühle, meine Sorge öffentlich zu machen, sie zu stillen.

Und genau als der Film, inmitten dessen ich Teppich angefangen habe zu Palmen, elektronische Schreibvariante, aus war, beendete ich die erste Version dieser kleine, bisher schönsten Geschichte. Soll das heissen, dass ich von den Schönen ausgeschlossen bin? Ich habe mich gehütet wie vor Pest, vor der Ästhetik. Ja, wir lustigen Schönen machen das schon, oder wie? Während die Schönheit blüht und blüht, denke ich, während ich kleine rötlich-herbstliche Landhüttchen sehen, wie schon so oft. Auf einem Bein, die Augen geschlossen, boxe mich auf der Stelle durch den soundtrack von C.Odyssee2002.

 

Dieser Tag war der Anfang meines unglaublichen Zweiwöchigen Muskelkaters der Beine.

 

 

INFINTIY DAY 2

 

aus INFINITY DAY, ROBERTs DAY (Der Papst ist gestorben) (Pontifex mort)

 

Am nächsten Tag erstatte ich bei Eltern einen Besuch, eine neue Woche war angebrochen und natürlich ist der Papst das Hauptthema.

 

PAPST TAUBE

 

Ach, der Pope. Hat so lange gewartet, bis ichs begriffen habe, Das Grosse Programm mit anderen Mitteln fort zu setzten. Welche Gnade. Heil Sieg dir grosser Mann. Und die Friedenstaube auf meinem, elterlichen Dach heute, während die Pope - doku im Fernsehen läuft. Ich sage zu Paps: Wenn die Gesandten kommen sag ihnen, dass ich nicht beabsichtige Papst zu werden. Ich bin nicht frei. - Er lächelt verschmilzt: Aber ich vielleicht. - Wir lachen. - Ich würde auf jeden Fall darüber schlafen. Und da es ja keine pragmatische Sanktion für den Papstsessel gibt, kann ja Mams nicht Papst werden. - Er: Sie kann ja Mutter Teresa werde, - er fängt an zu grinsen: Aber das ist sie ja schon. - Wir becken uns noch einmal ab. Als ich Mams die Story erzähle, lächelt sie milde-müde über ihre verschworenen Männeken. Noch vor einigen Tagen habe ich mir ein Brieftaube gewunschen. Voila, da war sie. Aber Paps hat recht, was sollen wir mit einer. Sie würde ja doch nur das Maggikraut essen, dass wir so gern haben. Ich mach ksch, weg - sie bleibt. Paps: Die lacht dich aus. - Wir lachen. Einige Minuten später, während wir im Gespräch sind, es geht noch immer um die vermaledeite Handybeschreibung, mit einem lauten Flügelknall, verschwindet sie in Windeseile. (Mein kleiner Gag vorher, um den grösseren vorzubereiten: es ging um das Fehlfunktionieren des Vibrierens des Handys: "Jeder braucht einen Vibrator ... ausser er ist ein Mann" - Paps stutzt, er hatte ständig auf die Notwendigkeit des "Vibrators" hingewiesen, dann lacht er erleichtert, fast liebevoll). Doch später wird sich herausstellen dass das Täubchen uns geblieben ist, es isst friedlich aus Paps Hand.

Ach der Pope. In Meiner Stadt hat er seine Gemeinde gehabt. Tüt an Tür. Ich kann also tatsächlich, metaphysisch oder so, sein direkter Nachfolger sein (Konjunktiv? Verstoss a 2?). Wär schön, wenn Schönborn Papst von meiner Gnaden werden würde, oder etwa? Heute noch ist mir mein Herz zugeflogen, als ich ihn in der Papstdoku gesehen habe - ratlos und würdig und gross war er. Erst Eltern haben mich an seinen Namen erinnern. Und er ist in meinem Neuland daheim. Ich habe ihm immer die Stange gehalten, damals vor Jahren, als die Nachfolgestreitigkeiten begonnen haben. Mein Gedanke damals: Es würde mich stolz machen. - Auch wenn Paps meint: Der Schönborn ist nicht der König (Kardinal König). Und er muss es wissen. Aber ich will mich nicht in die Weltpolitik einmischen, und bleibe was ich bin: Künstler- Philosoph, also prophylaktischer Heiler.

Ach die Kirche: vor dem Krieg war sie ja beinahe faschistischer als die Faschisten. Paps erinnert an die Schande des Papsttragens, noch nach dem Krieg.

 

[Szene zu Pickbecs: Strassenkünstler - Obulus hinwerfen]

 

IBOT CONT.

 

Ibot: Die werd ich dann auflegen, die ... Festplatte ..... Felsplatte (...Fehlsplatte, Befehlsplatte).

 

Ibot ruft leicht verunsichert an, sein Computer ist ihm heute früh, nach dem Aufstehen abgestürzt: Ja, weiiist du ... ich schalte ihn in der Frühe auf, und ..., - Ich denke mir, wie hat er es schon geschafft den Computer aufzuschalten, er ist ja gestern noch geblieben, als ich schon auf dem Heimweg war: Klar, nimm ihn mit ins Lager, schaumer mal, ja ich habe da Möglichkeiten, Datenrecovery wenn notwendig. - Als ich ankomme sehe ich ihn schon mit dem Einen Computer in der Hand, Zigarette in der Anderen, er lächelt mich auf seine charakteristische Weise beim näherkommen an, das Gesicht lächelnd gesenkt und zur einen runterhängen lassenden Schulter leicht schief posiert.

Wir kopieren einen Menge Zeugs hin und her zwischen seinen 3 Platten, die eine ist eindeutig nicht erkennbar, kaputt oder so. Ein neues StudentenXP gehört installiert, auf die erste Partition. Viele Bilder sehe ich von ihm, seiner Freundin Geno, und kopiere sie von ihm, neben Unmengen von e-Texten, Kochanleitungen, Programmiersprachen, Kulturtheorie mehr oder weniger bekannter Provinienz. Von irgendwem habe ich Das Kapital bekommen, viele Kilobytes, vielleicht 400kb. Trotzdem nimmt mein gesammelter Textordner mit Material aus dem Gutenberg- Projekt, diverser Philosophie Seiten etc. nur 50 Megabyte aus. Text ist unhintergehbar klein. Nimm dir doch ein ganzes Textuniversum in der Hosentasche mit, im und aus dem Netz.

Wir fummeln ziemlich viel an den Schaltern für die Festplattenplätze auf dem Kabel, Master oder Servant, Meister und Diener etwa, obwohl das an hier nur für den Datendurchfluss gilt, der eine durch den anderen hindurch, ich scherze: Der Ibot hat alle Platten auf Cable Select, automatische Kabelwahl, Platzwahl. Soo schön die Hierarchien umgehend, nicht wahr? - Wir schmunzeln uns durch den Technikkram, die Musik spielt laut, zwischendurch hüpfen und tanzen wir auf verschiedenen Stellen, es kommt Ibots Platte, outerworlds, schau, sage ich: Du bist der eintzige Semi-Musiker, der auf meiner Playlist vertreten ist. - Ibot fühlt sich geehrt, er weiss, ich habe ihm schon Tage vorher gezeigt, dass er auf der Arbeitsplaylist ist, nur instrumentals und klassik, ich staune selbst, dass sein Zeug auf der Regular Playlist am Simple Player, 4 Gigabyte gross, drauf ist.

Ibot stellt viele Fragen, zeigt viele Bilder und wir scherzen weiter, es wird spät, eine Freundin ruft an, er weiss nicht ob er sich treffen soll: Ich bin zwischen euch hin und her gerissen. - Viel Höflichkeitsfloskeln weiter entscheiden wir uns, wir sind von der vielen Datenelektronik völlig verwirrt und planlos, entscheiden wir uns sich mit ihr in der Mitte zu treffen, in irgendeiner Bude auf halben Weg zwischen unserer und ihrer Lokalität. Wir gehen los gehen einige Dutzend Meter, kehren um, vielleicht fahren wir besser mit dem Auto, und fahren vor, einfach gradaus, a toute droite, schön, die Welt hinter Frontschutzscheibe wie sie glitzern des Nachts die Neonlichter, stellen es weiter unten ab, und langen ein, unsicher, niemand drin, hell erleuchtet, - aber doch, - sage ich: da sitzt sie ja, - Hintern, Beine hinter Glas, gestreckt vom Barhocker das muss wohl Cel sein, wir treten ein, wir gehen an die Bar, sie ist einfach entzückend vielfarbig im Detail, jedes Schmuckstück trägt eine eigene Färbung zum gesamten Farbspiel bei. Kühl und beherrscht, sehr freundlich fragt sie uns aus, mit ihrem Bruder, er fragt: Wer von euch ist jetzt Janus? - Weil ich bin fahrig, also stelle ich mich klar, wir lachen ein wenig, bestellen, ich auf die schnelle, alle, besonders Ibot, schauen mich erwartungsvoll an: Ein grosses Bier, bitte! - Und zum Essen? - Jaa, zum Essen .. Ja .. die Biokäsekrainer, - natürlich, Ibot nickt begeistert, sehr belustigt ist er von meinem Gehabe, und bestellt auch eine leckere Wurst. Ich verschwinde zu den aufgelegten Medien, Zeitschriften und Flyer, drehe langsam das Faltblatt vom Untergrund Kunsthausgrund, finde diese Zeitschrift wo ein Retrogames -Bericht drinnen ist, nicke, denke, bin da an meiner Ecke, einem meiner verlängerten Wohnzimmer, nahe Alphaville und Schikaneder - Was eine glatte Lüge war, nur sehr malerisch wirkte, durch die eine der zwei Eckscheiben, die auf den Eingang zulief, und Cel stellte Fragen, Wer ist er, wo ist er? - und ich trolle mich nahe zu ihnen, und sie fragt: Und, ist dein Computer wieder in Ordnung, Ibot, - und sie drehte sich zu mir: Ist sein Computer wieder ok? - Jaa, - ich verdrehte mich ein wenig posierend, und rollte die Augen in einem langen hohen Bogen von ihr zu ihm: Wenn er noch viel Arbeit reinsteckt! - Grinste unverschämt und konnte mir mittlerweile vorstellen, weswegen er so von ihr schwärmt. Ich entdeckte als einziges Schwarz-Weisses an ihr diesen Anstecker, den Button, weiss, mit einer sehr dezenten schwarzen sans-serif Schrift beschrieben, es prangte da an ihrer Brustseite, vielleicht auch an den Hosenträgern, wenn sie welche hatte, nein auf der wie ledernen, dunkel, wie von grauen Mehlschleiern schimmernden Jacke: IMAGINE PEACE - ich war schlicht und einfach hingerissen davon, es war das mit abstand beste Statement, dass ich seit Wochen, ja seit Monaten wahrgenommen hatte, nur Yang Fudongs: Don´t worry, it will be better! ausgenommen, es war vielleicht das Motto von Bertha von Suttner - ich widmete daraufhin meine Aufmerksamkeit ihren anderen liebevollen Details, ich verlor schon das Interesse, musste, weil sie war so weit in Ordnung dass ich mich beinahe anderen, wichtigeren, brenzligeren Themen widmen musste, sie hatte mich dermassen beflügelt, dass ich nur dachte: gut so, sehr gut, na eben, schaut, Ibot, du kennst es, schaut wie toll, es geht vielleicht, wenn wir alle wollen, Interesse zeigen und liebevoll sind, ganz liebevoll, - ich verwendete sie beinahe zu einer beliebigen Apotheose: schaut doch was sie alles kann! - Ja, sie ist auch auf der Uni wie er, malt, ich weiss es schon von Ibot, wir reden über ihre badlose Wohnung, beeindruckende Leistung, mach ich auch fast so, wir sprechen über Funktionsräume, Ateliers, landen bei der Bezeichnung Werkstatt, ich will mir auf jeden Fall die Hände schmutzig machen, Pi, ihr Bruder lacht, aha, doch! - er hat tatsächlich ganz und gar ungewöhnliche, ein wenig hervortretend schauende, aufmerksam bannende Augen, Sie lodern beinahe, doch dunkel, ich rätsle sehr über ihr Verhältnis, die jüngere Schwester, sie verstehen sich gut, bewegen sich dich beieinander, es ist ein Vergnügen, jedem der beiden zuzuschauen, vor allem ihr, bei ihren verhaltenen Bewegungen, sie vor der Bar, beinahe Gast beim Bruder, er hinter der Bar, mit dem Wurstmeister, dieser tummelt sich geschäftig zwischen Würsten und Zutaten, ihn hie und da geschickt da und dort mit kleinen Aufträgen beschickend, sie arbeiten gut zusammen. - Schau Cel, - nähre ich mich ihr, da schau den Flyer von Ibot, - er kramt noch weiter Teile raus, puzzle, aha, es ist ein grosses Bild zerschnitten .. Die Technik ist doch langweilig, bääh – rede ich weiter, - ... Aber wie du den Kunstunderground da allerdings faltest ist es beinahe schon wieder spannend, - sage ich fast schon andächtig, sie faltet es an der Perforation ganz zusammen, das lange Ding. Es treten die zwei Jungs ein, kurz schauten sie durch die verglaste, eckliegende Front und Tür, und sind toll gekleidet, sehr elegant und von ihr hingerissen, und der Polynesier sagt, zumindest vergleiche ich seine hellrote Tönung und seine vollen Gesichtsformen im Geiste mit irgendweichen Aussereuropäern. Er, bestellend, zum Publikum: Komisch, ich werde immer für einen Ausländer gehalten, dabei bin ich Vorarlberger. - Ich bringe meine Witz, den ich zu der Zeit öfters bei der Vorführung unseres Ausylantenspiels mache: Letztens versuchte ein Vorarlberger Tirolerisch zu sprechen, aber es klang wie Kärntnerisch, - oder so ähnlich, er lächelt milde. Sie essen eine zweite Wurst, teilen sie sich, es ist eine dünne weisslich- blaugraue, ich denke, da ich schon längst angefangen habe, mit hilfe des Meisters, alles mögliche in Würste hineinzudichten: Schau einer an, so machen sie es, gemeinsam, nachdem er ja schon versucht hatte mit ihr zu sprechen, sie kannten sich offenbar, die Jungen drei, was machte er, Wirtschaft, Grafik? - Sie hatte alerdings schon vorher verkündet sie geht jetzt, Ibot ist in sein Schicksal ergeben, was sollte ich sagen, ihre Statements waren immer Behauptungen, die eine Zustimmung wollten, und es war schon spät und ich langweilte mich sowieso fürchterlich, Ibot Skarabäus hatte mich Mistkugel mal wieder auf eine interessante Halde gerollt, ich hatte gesehen und goutiert. Cel geht also, den Jungs gefällt das nicht, sie ist durch eine meiner Storys noch ein wenig bei der Tür aufgehalten gewesen, spracht dort auch, aber als sie aus der Tür draussen ist, erhasche ich ein interessantes Detail an ihr. Das recht grosse Oval auf ihrer Jacke, etwa zwischen den Schulterblättern, hat mich schon vorher staunen gemacht, als sie an der Bar lehnte, ich mixte es in Gedanken zu ihrer badlosen Wohnung, welch interessante Person sie doch war, irgendwie erinnerte mich das Oval an die Perspektive, beim Pinkeln im Stehen, der Klomuschel. Aber darauf kam ich nicht sofort, ich konnotierte Ursula Leguins Feststellung, wie sehr die Erotik im Email der Nasseinrichtungen sublimiert wird, das geile Bad, und ich vermutete also interessante Konstelationen bei dieser so perfekten Frau, deren Teint mir beinahe leicht grünlich-ocer schimmernd vorkam, ihre süsse Kurzhaarfrisur, ich schauderte vor ihrer Frische und Jugend. Imagine Peace, ich war von ihrer Versicherung hin und weg, gänzlich, wie habe ich danach gedürstet, jemand der Sprachspiele treibt, mir war es egal wie und ob sie es so meinte, das war einfach treffend aktuell, unzeitgemäss im Jammertal, ich fürchtete mich beinahe schon vor der Welt, wenn ich dermassen geniale Mädels in so kurzer Folge traf war ich gezwungen sie zu ignorieren, weil der Input einfach zu gross wurde, ich kam mit dem Reflektieren, dem Ordnen der Gedanken, erste Autoeulogische Zusatzregel, damit man immer Ich sagen kann, nicht ganz nach. Sie überwältigten mich. Sie erinnerte mich an Cal, von der meine Mutter gemeint hätte, sie wäre irgendwie erotisch fixiert, nicht dass mir etwas auffiel, ich integrierte solche Details auf einer ganz anderen Farbsprachebene in mein mildes quasi-perverses Weltbild, ich fand Cal damals einfach nur unwiderstehlich sexy, in ihren kurzen Kleidchen, eines, mir gefiel es besonders, hatte sie sebst geschneidert und ihren etwas erhöhten Minisandalchen, und auf eine ganz andere frauliche Hippieweise war Cel wie eine etwas eigenartige exotische Pflanze, eindeutig zu interessant, ich würde mich schon in ihren Details verlieren, mit meinem Verstand.

Und dieses nicht einmal handtellergrosse Oval auf ihrem Rücken war blaugräulich, eine hochgestellte Ellipse, die wohlgerundete Form machte Spass, und irgendwie assoziierte ich irgendwas geiles damit. Und als sie uns den Rücken kehrte auf der Strasse, beleuchtete das Neonlich der Auslage und der Strassenbeleuchtung sie und ihre vielen Details, doch von hinten erschien sie nicht so vielfarbig, in einer Weise, dass das Oval, dass doch so matt schien, in einem satten hellen Grünton aufleuchtete, wie Strassenrückstrahler, nun, es war schleisslich street-wear, der Künsteradlatin, und ich beugte mich schnell zu den Jungs zurück und rief: Schau, schau, die Farbe hast du es gesehen? - Er: Nein, was? - Dabei hat er sie im Lokal nicht aus den Augen gelassen, - Draussen, da schien ihr Oval auf der Jacke, hinten, plötzlich in einer ganz anderen Farbe, es war irgendwas grün- blaues, helles, leuchtendes ..?, - Türkis, sagte er, ich wiederholte: Türkis!, na klar, das war es, hast du es gesehen, nur die Farbe zählt dabei, verstehst du? - Ich hatte mich an eine weitere Farbe erinnert, nach Marcus´ Magenta, aber noch Vron muss es wiederholen, ich bewundere die dahingeschmissene Leichtigkeit, mit der sie mich ganz unmotiviert später noch einmal an Türkis erinnerte, wie konnte es entfallen, bis ich glaubte die Farbe auf die Buntheit der Weltmenschen beschreibend anwenden zu können. Wenn ich rede behelfe ich mir oft, derweil fieberhaft die möglichen Phrasen im Kopf abwägend, das vertraute Spiel, indem ich die Gesprächspartner nach ihren Beschreibungen und Impressionen bitte, um mir ein wenig auf die Sprünge zu helfen.

Ich war entsetzt von mir, wir sprachen über das Dionysische, Pi erinnerte mich an die Aussprachen, ich: Ja, du weisst doch: Der Dyonisischen Rausch, der geht nur selten, paupau, fuchtle mit den Fässten so schwungvoll über der Theke dass ich nach hinten falle mit dem Barhocker, schwer trifft er mit einem lauten Schlag auf den Boden, ich verharre noch geduckt, spiele, - Nichts Passiert! - der Meister, lächelnd, es klang eigentlich nicht wie eine Frage, und ich setze fort, mich wieder aufsetzend: Ja, das geht eben nur selten, weil das Apollinische, das Edle, Grossherzige, Freie bewusste Handeln, Apoll, gell?, so ist das Leben, es setzt den Räuschen eine Schranke, an der man sich orientieren mag, weil das hältst doch nicht aus, nicht war? - Er lacht. - Pah!, die Künstler, was langweilig nicht? - setzte ich fort, schon seinen unsortierten Drang hinaus verspührend, von dieser Wurstbude aus: Was willst du auf ner Akademie? - Ibot: Siebdruck ist aber schön! - lächelt höflich, in Erinnerungen schwelgend, mit Cel wahrscheinlich. - Ja, stimmt. Ok. Pi, weisst du, gestern war ich mit netten Personen zusammen, wir haben viel gelacht und sie haben mir das da geschenkt: Schau, sie hat es mir geschenkt, die zwei Feuerzeuge, - ich legte die beiden transluzid orangenen Glitzerdinger der Länge nach nebeneinander hin, schaue traurig, die Erinnerungen sind so süss, vor allem an Mara - Das eine hat eine sattere Farbe! - sagt er bestimmt, nachdem er sie beäugt hatte. Bingo, ich schaute hin, tatsächlich: Du hast recht! - ich hob es auf, TIGER, stand drauf, es war nicht mehr so voll, das Feuerzeug, das ich mit Sem assoziierte. Auf meinem anderen war EZZ eingraviert und tatsächlich war es verglichen mit dem anderen, auf der stahlweissen Theke, sehr blass, voll blass. Ich legte den dunkelblau-roten Spiderman-Stift drauf: Und den hat er mir geschenkt. - Und, wir stehen dort mitten vor der Paprikavitrine frei im Raum an Tischchen aneckend: Dann heute war ich bei Eltern und habe mit meiner Mutter gemeinsam herausgefunden, dass ich eine grosse Spiderman-Puppe gehabt habe, aus so, - mir fiel der Begriff nicht ein, Gummi, - aus Hartplastik gehabt habe, - Er: So mit Gelenken, wie Barbie? - Nein, ahja, der Superheld war ganz und gar biegsam, innen mit einem wie Kupferskelett aus biegsamen Metall (das auch brach, konnotierte ich im Geiste. Und ich wollte fortsetzen und von seiner Schwester schwärmen, von ihrer Tangfarbe, ihrer Geschmeidigkeit, Biegsamkeit, Zugänglichkeit, einwenig grünlich, oder Spiderman-hellbläulich ist sie mir fast vorgekommen, wie ein Gentechmanipuliertes Mädi-Wesen, Biocyborg, Vertreter neuer Spezies. Aber irgendwie war das pervers schon, Zugänglichkeit na hallo, ich wollte auch nicht Interesse an ihr zeigen.) Ihm gefiel meine Geschichte, sie hatte etwas Künstlerisches, lauter Kunststudenten waren die Helden, zum Schluss war ich beim erzählen ein wenig wirr geworden, das Bier wollte ausserdem ausgetrunken werden. Mich erstaunte die Aufmerksamkeit und rasche Auffassungsgabe Pis, wie ein Student der Geisteswissenschaften der sich zwar abgewendet hat, aber seine Lektionen noch beherrscht. (Weiter Kaleidi)

 

Auf dem Weg zurück zu mir, an diesem "Abend des zweiten Unendlichkeitstags" rekapitulierte ich mit Ibot die Cyperpunx- Elemente der Tage: Ja, die Szene mit Marcus, mehrere Gehirne, Köpfe, und der Weltraum, und die heutige Biomaschinerie in vitro und biosphere, etc, und du weisst doch, wie sich Heulbec aufregt, blabla, über den Geldkampf, alles ist ja so schön, käuflich und teuer, und wie sein Kumpel Becbeder das vordekliniert. Ja, "L´Amour duree tres annes" von ihm, dass hab ich gemocht, wie sagt er, mit Dreissig hüllen wir uns spätestens in unsere fragile Hülle, aus Angst vor neuen Liebsverletzungen, aber diese Modesaga, über die Texter, Grafiker, die Schöpfer, nee, Kreative wie sie sich glaube nannten, in 39.90 aka 19.90 französische Ex-Franc Eier, tja, wie schnell, wie schnell doch alles anders wird, wie Arne Bö Nietzsche zu zitieren pflegt, nun, ja, Begbeder, er hats also 39.90 genannt, ein Titel für die zweiten Kommunikationen, die Geldmittel.. 39 DM natürlich, weil im Orginal heissts ja 19.90 - Ich stutze, bin mir nicht sicher. rechne laut nach, Ibot gewährt: als war der franc 3 schis, und der dm 2 franc, also 2 x 19.90 = 39.90, stimmts? stimms?, na bitte, h hat das andere Buch gelesen, dieses von Charlus, und Edo, es war im Diskurs, alle hatten es gelesen, mich langweilte schon die Inhaltsangabe, dieses aktuellen Buchs, du weisst, - Ibot nickte andächtig: Weiter, weiter, - wir waren an einer Art Strassenbar2 stehengeblieben, kurz vor der Strassenkreuzung, wie damals mit Bej vorm Radel, - ja und da gings polymorph zu, die beiden Brüder, Entwicklung in verschiedene Richtungen, die menschlichen Probleme sind gelöst, alles ist erogene Zone, so weit geht ihre Fantasie, kann man ja verstehen, wie bei Allen, Woody Woodbeck, du weisst, wie er auf der Party dieses Model kennenlernt und sie erzählt ihm, wie sie allein am Ohrläppchen stimuliert schon sehr angeregt werden kann und Allen: Nein, doch, was!? .. Und sie wollen schon mit dem Auto verschwinden, er fragt bereits um die Details, dass sie noch am Ausgang einen grossen Kerl trifft, und irgendwie abgelenkt unserem Helden abwinkt, nächstens Mal, ja die war auch polymorph pervers wie sie es nannten, sehr lustig, wie? .. Und es geht um die Unendlichkeit, die Unsterblichkeit, na toll!, oder so, sie leben sehr lange, tja, warum nicht .. Share The Paine And Live Forever, Or As Long As U Wish! - das neue Motto der literarischen Vereinigung, wie langweilig, wir stehen und lehnen beinahe an der improvisierten Strassenbar2 unter den hohen Fenstern des Designschuppens für Textildruck, wie Siebdruck, wie lustig scherze ich, Ibot wollte stehenbleiben um das genau zu hören, und ich: Vielleicht weil die Bioingenieure so "grosse" Fortschritte machen? Ich weiss nicht. Programme, wer macht die Programme? Ich steh auch auf microelectronic, nano, wer weiss wie schnell wir die Bilder und Sprachen noch updaten müssen, wieder schreiben, neu schreiben, auf alt, mit alt, zusammen, wahrscheinlich ist es von Vorteil flexibel zu sein, was für Mutationen erwarten uns, welche Chance auf Aufbau haben wir dabei, mh? - Wir querten die Strasse, - Der Papst ist gestorben! - Wir hielten bei den doppelten Papstplakaten, Profil-PR, zwei Werbungskartonplakatständer und redeten weiter, da war auch die Muschel, die Sitzgelegenheit, daneben im Schaufenster, alles oval im Nassen, dachte ich und wir scherzten uns durch die Profilpapst-ist-säuerlich Story, Mi kam zufällig heran, auch er zollte dem Papstbild seine Aufmerksamkeit, wir hoben es auf Brusthöhe.

- Und wir sind also die Freizeitpaganen, d.h. ihr, Ibot, hihi, die alten Zauberer, dem Glitzer hinterher, oder wie, tja, du bist die Verbindung zwischen Alt und Neu, Du und Marcus! Tien H´sia! Alle unter einem Go-Himmel! Wir brauchen nur noch wie die Chinesen die Barbaren mit aufs Boot zu holen, Assimilation!, meinetwegen können sie auch unter keinem Himmel leben, an den Weltecken, ist doch egal! - Ibot: Na klaar doch. Die Welt ist wieder wilder geworden. Die alte Sprooch noch! - beliebte er zu scherzen, Ich: Boum, pa, ts,ts, boum,papa, ts,ts...- wir texteten viel Wörter und Phrasen und Satzteile zusammen den Abend. - Also gibt es nur den Rhythmus! - rief er, diesmal schaute ich in Messestimmung. Was er wohl damit meinte, hihi? Spinozas Alltheismus, Pantheismus, Lackmusstreifen. - Ich nahm den papierenen Pontifex Papal Magneten einfach mit, so lustig war das flammend tiefe Knallrot, mit ihm vor hellmattblauem Zeitungshimmel! wie ein Rapper wirkte der Papst Selig obendrein, mit einer raffinierten weissen Kutte zu seinem süssauer lächelndem kleinpolnischen Mondantlitz, die Hände gekreuzt, wie geballt, an den Gelenken übereinander. Ach!, wie säuerlich klangen seine grossartig locker halb dahin gescherzten Reden! Wie konnte ich diese Note in der grossen Redekunst dieses grossen Mannes verkennen, im Radio? Zu Ibot: Ja und die Biosphäre 2 was sagt du? Sloterdijk dekliniert genüsslich ihr herzliches Scheitern vor, was soll man sagen, war wieder so ein reicher texanischer Ölbaron gewesen, der finanzierend zu scherzen sich gestattete, alles in allem sehr lustig, und heute züchten sie schon eigens Gräser für den Weltraum, die Luftfahrt, wer also konnte ahnen, dass die Genetik so dicke kommt mh?, und was ist wenn uns nächstens die Nanowissenschaften ins Mark der Wirtschaften treffen sollten? Und wie sie Systeme mit ihrer jeweiligen Potenz zurückhalten, wie Ibot? Schau, wie bei Gibson, Biochips, darum gehts im zweiten Teil, Mona Lisa Oberdirve, und Syndikale Kriminalität, wie langweilig, oder, die copyright- Kämpfe, die inkompatiblen Formate, man sollte ein System gründen, welches sich zur Hauptaufgabe macht mit den anderen Systemen kompatibel zu bleiben, das wäre doch eine unmögliche Aufgabe? Und die Simstims, diese komischen Lichtspiel-Theater mit direkter haptiler und olefaktorischer Stimulanz über die Berührungspunkte am Körper und an der Stirn das Kontaktband, so macht Gibson das fest, diese ganzen Nerven- Chip- Kombinationen heutzutage, die benutzen noch dazu die Codierungsmöglichkeiten der DNS für ganz unterschiedliche Schalktungen und Markierungen in obskuren Gebilden, etwa neuen Arten von logischen Computerschaltungen, für Rechenaufgaben natürlich, aber die Genmanipulation am Lebenden Objekt, bzz, die Low-Teks, was weiss ich, ich wollte nur äh, mobile Rechner mit Wohnmöglichkeiten, wenn möglich Container auf Transportlastlern, dauernd diese antennenaufreibenden Verkabelungen, erdaufreissend, keine Ahnung, sowas wie das New Rose Hotel, ja, schnell aufstellbar, vernetzt, dazu mit Immobilienhandel, Grund und Boden meinetwegen, Leasing, Arbeitsräume, vielleicht Aufenthaltsräume, mit Kameras, warum nicht, sein wir doch Schausteller, das kann Kontroll- und Tutoriums- Zwecke im public space erfüllen, aber unterdacht, gegen Münzeinwurf sogar, ein rest place, oder medienraum, Nachhilfezentren, moderiert, Netz, warum nicht, man kann die Tutorien immer mal versuchen, und weisst du eigentlich was über den Typen der V geschrieben hat?, dichter Stil, viele Verweise, na ist doch lustig! -

An den Namen Hoellbecs "Elementarteilchen" werde ich mich nicht mehr erinnern, an der Strassenbar2, knapp bei mir, mit Ibot2h2. Erst jetzt komm ich auf beides: Ich habe mit Verachtung gesprochen, das Buch verweigert, wie negativ genüsslich, dachte ich. Wozu lesen, wenn es alle kannten?

 

 

CHROMOPHOBIE

 

Prolog

 

Mittlerweile drapierte ich mich in die Jacke meiner Gymnasialzeit, wie um Ferdydurkes Witold zu mimen, mit 30 zurück ins Gymnasium, zum Geist der Lateiner und Griechen! Als ich am nächsten Tag vor die Tür trete sehe ich ein weiteres Detail der Einigungswunsch - Marker, der Anzeiger einer neuen Wirklichkeit. Selbst den schwarzen Kontinent haben wir hinter uns, denke ich, als ich der Strassenszenerie lausche: Seine Gesandten spazieren auf okzidentalen Strassen und segnen Land und Leute mit einer Leichtigkeit, bei der mir die Spucke wegbleibt. Gut ist es beispielsweise, am Smoke Eck des Small Apple Vie einen lokalen (G. Cloony casual) Türken für das leibliche Wohl zu haben. Eines Abends ist der Schwarze dort einkaufen, graumeliert, - UNO?, - denk ich, und er sagt bei meinem Eintreffen: Dobry Wieczor, - Guten Abend, - Bon Soir, - sage ich darauf, ist er doch ein Pole? - grüble ich dabei, und zusammen deklinieren wir noch einige Variationen der Begrüssung der Sprachfamilie en passent. Das hat mich/mir schrecklich erschrocken/imponiert. Später seh ich ihn zum Asiaten ins Auto einsteigen. Ahh, Hirse und Reis, mit Weizen gebraten, bis nach russisch- Polen zum Buchweizen, es ist infinity leisure time. Jeder Kontinent hat sein Korn, Hirse, Reis, Weizen, Mais.

 

Übrigens ist kürzlich der Philosoph Jacques Derrida gestorben. Ich habe seinen vollen Impact auf mich bis zuletzt verkannt. Meine drei Lieblingszitate der letzten Jahre: 1. Kein Werk zu haben ist Wahnsinn. 2. Der Moment der Entscheidung ist Wahnsinn. 3. Ein Augenblick von ja oder nein: Schon ist Leib und Leben verloren. - Die ersten zwei habe ich bei ihm gelesen, das dritte ist wohl Ch´an. Viel hat uns Derrida über die verfemten Deutschen erzählen können, Heidegger, Ernst "Stahlgewitter" Jünger, wie letzterer in der Zelle herumging, unsicher, ob er, und wenn was?, widerrufen wird.

 

Literarisches Shifting

 

Es war so schön, als ich mir drauf bei h-grande/mineur CHROMOPHOBIE abgeholt habe. H, als schwarz/weiss Zauberer, puzzelte Monate über CHROMOPHOBIE, bevor ich mich überwand, das Buch, in einem spontanen Aufwallen meiner erneuten ästhetischen Anhaftung, mal für kurz, selbstverliebt, zu entführen, nachdem ja h doch ziemlich deutlich, offen am Schreibtisch, manchmal am Bett, dieses gar so schreiend farbige Neon-Buch, in seiner Art umgedreht liegen lassend, sodass der ganze Einband sichtbar war, lange Zeit präsentiert hatte, ich nahm es oft in die Hände, erstaunt über die so intensiv vertraute bekannte Farberfahrung, hie und da begegnet, es hatte mehr oder was den ruch des Spielerischen, sehr neu, nicht ernst zu nehmen, vielleicht, ich wollte mich während der Begutachtung nie genau erinnern wo genau begegnet, Prater, Schule, Wurfsendungen, Mode, dazu dieser beinahe verwechselbare Hellgrünton des Titels, CHROMOPHOBIE, in der Erinnerung, selbst als ich schon über die Hälfte gelesen hatte, hatte ich mich noch immer nicht gewöhnt an diesen augenbeleidigenden Kontrast, allein der Name des Autors und der Untertitel, zusammen mit den drei, gegeneinander doch recht weit abgesetzen Verlagsnamenbuchstaben W U V, waren in Schwarz gehalten, und konnten ohne Schmerz in den Augen gelesen werden, war dieser Titel für mich koloristisch trotzdem noch immer unklar, ich sprach darüber als ein Grau, ein Bläulich, über das doch eigentlich schlichte helle Neongrasgrün, es war in dieses Magenta-, dieses Pinkdisaster, ins Neonrosa so eingekrustet, dass es schien, als ob es davon an den Rändern permanent überschwemmt werden würde, wie sanft treibende, gräuliche Nebelschwaden die von Land aus auf die Wasseroberfläche eines Sees überzugreifen drohen. (Wie machte sich Pink Panther wohl drauf?)

Unsere literarische Begeisterung richtete sich normalerweise hauptsächlich auf Prosa, h mineur, Grande Maitre, war durch Theodor Adorno von der Lyrik geheilt worden, auf mich übte sie zu keiner Zeit eine besondere Anziehung aus, jedoch lasen und besprachen wir viele Dichter, Stephan Mallarme und Georg Trakl etwa, wie erlesene Blüten, Trakls Bläue hat einige meiner Nächte durchzogen, wie ein Celanbuch früher zur Schulzeit, schön diese Melancholie, aber alles so wild durcheinander, diese nicht enden wollenden Anekdoten vom Lande, die Schwester, die blaue Stirn, der hatte es auch nicht leicht während seines kurzen Lebens, dem ein Drogencocktail ein verfrühtes Ende setzte, wenn es nicht der erste Krieg war, ungeachtet Wittgensteins Interventionen.

 

Zu meiner Lieblingsliteratur aus den Stupid Ages (19Jh, und zweites 19Jh., das 20te Jh.) zählen:

1. Aufzeichnungen aus dem Totenhaus, Fjodor Dostoevskys Bericht aus der sibirischen Katorka.

2. Roman eines Schicksallosen, Imre Kertesch´ Jugendsaga aus dem Lager.

3. Ist das ein Mensch?, von Primo Levi.

4. Der Pianist, von Wladyslaw Szpilman.

 

Hs Gesichtsausdruck blieb neutral-forschend, wenn er versuchte mir über das farbige neue Buch aus dem Ramschladen Auskunft zu erteilen, oder eher sich selbst, ich, um der Wahrheit Ehre zu geben, wollte eigentlich die Antworten gar nicht hören, sie interessierten mich nicht sonderlich, Malerslang, ich interessierte mich eigentlich mehr dafür weil es sich für literarisch Interessierte gehörte, sich für alle Literatur zu interessieren, sie interessierten mich noch weniger als zum Beispiel die aus dem Buch vom Künstler-Philosoph das ich mir ohne hs Kommentar schnappte, das heisst er besprach damals nur den Inhalt, hatte aber nichts wesentliches auszusetzen, salopp erzählte Philo- Geschichte, dieses kleine Mervebuch, aber diesmal hatte er nicht mal irgendwelche rudimentären Informationen. Ich nahm es blind, wenn man einmal die Farbgebung des Einbands ausser acht liess und so vermutete ich hinter dem neuen Buch nur Geschichte, der Farbe, wie spannend, irgendwie gewendet entweder ins Vulgäre oder anklagend, oder eben aufzählend.

 

Ich war nicht wegen dieses Buches gekommen, es fiel mir nur während der Unterhaltung erneut in die Hände. Ich zeige ihm den Spider-man-Stift, spreche von meiner erneut ausgebrochenen ästhetischen Manie, und dann sehe ich plötzlich: H hat einen roten Pulli an und sitzt hinter dem auf die Seite gezogenene Vorhang der blau ist. Ich halte den Stift senkrecht, mit dem fetten roten Ende nach unten in die Höhe und parallelisiere die beiden Farbmischungen .. Es passt, es ist sehr schön. Er liest seine NeuDichtung, ident ists. - Ich bin nicht dumm, sagt er: Emilito. - Ich nicke, der perfekteste Krieger aus Castanedas Nagualzug, seit Tagen suche ich unter dem Namen Paulito nach Bedeutungen. - Du solltest den "Unendlichkeitstag" ("das", sagt er) aufschreiben, - meint er noch. Ich spiele ihm die Szene mit auf Knie rutschendem Ersehnen im Park vor, während der Freiszene: Wie ich es ihm, er ging später nach Oxford (Loserclub, lang schlaksig, Mathe), erklärt habe - ich male vor hs Augen eine kleine Luftblase: Das ist das Bekannte - mit beiden Armen umfasse ich hastig die umso viel grössere: Das ist was ich - wild reinmalend - ihm das x genannt habe, das ums so viel grösser Unbekannte! - Mein Gesicht strahlt. h schaut relativ ausdruckslos, nickt höflich, tippt. Er hatte mir seine neueste gereimte Version der Priesterschule vorgelesen (und später im Moritzshop wird Liebe weiterdekliniert).

Dann kommt Tobi2 zur Nachhilfe, ich stehe am Vorzimmer- Fenster und rauche und Tobi schreit aus dem Zimmer: Wau, kann ichs haben!? - Ich kann mir schon denken was, schreie, Jaaa-ha!.- Meine erste, blutrote Vamp-Statue, eine Aussage über Deleuze´ Philosophie, die ich eben im Moritzshop erworben habe, muss ihm jetzt protzig inmitten hs schlichten Weiss-Colors vor der Nase prangen. Ach, die lange Envy-probe! Beim reingehen ich: Was überhaupt? - Und nachdem Tobi seinen eben erworbenen iPod, für mich der erste in vivo, installiert hat sehe ich aus hs Richtung, auf den Knien, denn ich habe grade eben irgendwas performiert, vorgeführt, noch so eine schöne Farbkombination: Tobi in s/w, schwarzer Laptop auf den Knien, weisser iPod in der Hand. Ich sage zu h: Schau, Ibot ist ganz in seinen Farben, mit Laptop und iPod. - Tobi hält den iPod höher, neben sein Gesicht und lächelt süss (er hält mich wohl grad für süss, wie ich da dicht neben hs Thron hocke). - Du solltest ein Foto machen, sagt h. Ich lache, Tobi bietet seine Telephon-Kamera an. Ich: Du solltest dich selbst fotografieren - und strecke demonstrativ den Arm vor mir aus und schaue ihn an, ins imaginäre Kameraauge, posierend, luftklickend. H: Eigentlich sollte man dahinter stehen und sich aufregen! Die Wohlstandsjugend, meint er wohl. - Mich befällt noch ein ästhetisches Bild, hs rote Pulli- Farbe, wie sie hinter dem s/w- Tobi herumfuchtelt. h erzählt die Geschichte von Kreiskys Villa, in der aus Prinzip das Licht ausgeschaltet wurde. Ich zu Tobi: Ich habe nie etwas getan, weil ich es wollte (eine gröbste Vereinfachung), sondern immer nur aus prinzip. - Wir schauen ernst- lustig. Und sehr lustig ist auch der Nicht-B, diskutiert worden: Tobi klagt über die überquellende Ikonfülle seiner Taskleiste. Ich versuche zu helfen: So viele, willst du nicht einige deinstalliert haben? Schau, da bei Start. - Tobi: Da geht gar nichts (er hat unten die fake- Leiste, für die Lehrer, oben die richtige). - Ich: Start. Ausführen. dort msconfig. - Tobi schreit: Also mit Ausführen geht gar nichts! - Ich: (Du heisst Molloy. Und deine Mutter?) Das kannst du mit msconfig lösen. - Tobi, leiser: msconfig kenne ich. (Befehle, Todesdrohungen kenne ich nicht: Die Canetti Lektion, die erneute Deleuze-Lektion) Ich weiss nicht warum, ich sehe ihn schon auf dem langen Gang eines interstellaren Trägerschiffs, in fahles gelbes Licht getaucht, als konterdebiler Techniker, alles unter der Hand verwaltend, reparierend, nutzend, verbindend, Ende zu Ende, ich habe Visionen von brenzligen Situationen, in denen man Improvisieren muss. Währendessen klagt Tobi, dass sein PC abstürzt, - weil er vielleicht zu heiss wird? Wie vor Jö zwei Tage vorher muss ich vor der Computergeneration ein weiteres mal über meine Allround- Kompetenz Rechenschaft ablegen und so Ich spinne meine Theorie: Also du hast Counterstrike drauf (Das Ikon trug den Namen CS 1?.?6 oder so. Ich lobe ihn, er strahlt breit, später miaut er für mich wie eine Katze. Ja, es ist das Katzenhaus. Othello, die schwarze Katze streicht durchaus überall herum, der süssen Mutti, wie sie ihn ruft, da und dort, in diesem Blumehaus. Und wer ist diese s/w Katze, die neuerdings das Gebiet erkundet?), d.h. eine fette Grafikkarte ist drin (gleichzeitig entziffere ich auf der Bedienfläche ATI, puzzle darüber, was für grafik aber noch), deswegen wird´s wahrscheinlich zu heiss, ist immerhin ein Laptop, das exzessive Spielen wird es sein, nicht wahr?. - Er nickt. (Ach ja, die exorbitant auf Grösse mutierte Gafik, mein Lieblingssujet!). Er gibt sich entspannend, erfreut. - Das Trilennium!, schreie ich, jetzt bin ich dran. Tobi kontert sofort: Warum kann man nicht 0 Jahre alt sein? - lacht locker. Ich verneine (weil du von 0 bis 1 im ersten Jahr bist), noch von ihm stattgegeben, er nickt. Über was redeten wir eigentlich?

CHROM, Farbe, hat eben zwei Gesichter. Erstmal ist es die Farbigkeit der natürlichen Farben. Zweitens die Farben der Differenz, die Differenzen der Differenzen.

CHROM, ein starker Gott, ein Gott der Krieger. Hollywood wusste sich schon die Talente aus der alten Welt zu besorgen.

 

Am selben Tag wiederholt die Statistikerin (das höre ich aus ihren Aussagen heraus, - Oh, die Wissenschaft!, - denk ich, sicher Wirtschaft) die eigenartige Lektion von den Altern in der U4, während ich in den vorigen Zug spielerisch angedeutet habe zu Rufen, in Gedanken: freiwilliger Unisex?, - fragend, lautlos, hilflos, ich denke noch immer an Elementarteilchen und Hoellebecs Micky Mouse -Lösung. Sie spricht tatsächlich die ganze Zeit über ins Telephon, beim U-Bahn Surven, spricht während der ganzen Fahrtdauer, noch beim hinsetzten sagt sie: Die Leute sind dumm, es geht die 0. - Was soll das für ein Thema sein?, wundere ich mich, alle kommen mir so aufdringlich vor, Ich beginne langsam zu denken: Ja, die Null, die indianische, äh. die Indische Null. - schaue an die Decke, es flitzt die Jugenstilzeile vor strahlend schönem Himmelblau durch den schrägen, quadratischen, abgerundeten oberen Bullaugen-Teil des Zuges, schaue den bunten Jungen vis-a-vis von ihr an, und wieder sie, und jetzt beim schreiben kommt´s mir: Von Null an! - Ich habe die 0 lieber persönlich genommen, um mich abzulenken wollte ich mich gleich mit der Null schmücken, mich als Null deklarieren, verkleinern, alles persönlich nehmen. Ach, aber vielmehr ist es der call, der Anruf (und zwar Nietzsches, bei Arne Bö habe ich das gelernt - der feiert ja ganze Messen am Schillerplatz. Nota bene: Ich habe Schiller schon immer nicht gemocht. Aber natürlich schon seine Geschichten. Das Pärchen am Spielplatz, am Jahrmarkt. Wie hiess das?: Jakob und Jakobine? Wer hat mich erinnert, am zweiten Tag: Ibot101, an das Schiller-Götzzitat, na wenigstens etwas, doch es ist von Goethe, wie ich später draufkomme). Und sie erinnert mich also zusätzlich an und durch das Telephon, das Handy, die Zelle, ich bin ja noch immer bei ONE, schöner Name, wie katholisch, allumfassend. Und ihr gegenüber sass also dieser Junge, wie ihr Pendant, männliches Gegenstück, ich erkannte das Geschlecht nicht sofort, sehr fleissend, dachte: leichter Oberlippenflaum, hmmm? - Und ich dachte auch, während ich seine bunten Haare betrachtete, wie schöön. Und so farbig war er, plein asiatique, orientalique orangerot, von stop do glow, in violetten Pantalons, wie sie schwarz monochrome okzidental war, Strassensamurai, und erst als ich ihn sah, neigte sie den Kopf um mir zu zeigen, was mir schon ihr schönes Gesicht mit der lang gebogenen Nase (sie hatte etwas von der Kwiatkowska, damals), so farbig wie selten, in teils natürlichen Ölfarben, schon verraten hat: dass ihr Haar des Jungen Buntheit glich, seinen längeren Haaren coloristisch glich, sie trugen beide die kurz neumodischen Orangesträhnen auf braunem Haargrund. Und nun stimme ich an, was ich von der ersten Sekunde an bei ihr gefühlt habe: Kompakt. sexy. Sooo sexy. Fast sammet sind ihre engen, dicken schimmernden Plastikhosen, wie ein Stillsuit, Wüstenkleidung vom Wüstenplaneten ihr gerifftes Jäckchen, schwarz; ganz. Und schon flüchtet sie sich in Verachtung rechts von mir, sitzt jetzt U-Bahnmässig visavis, gegen die Fahrtrichtung, redet weiter ins Kastl, ich kann kaum folgen, ihr Gerede langweilt jetzt, geht mich schliesslich auch nichts an, und folge auch nicht mit den Blicken, noch immer spindelwärts gerichtet sitzend, queer zur bank, und hinter ihrem leer gewordenen Platz ist nun das fröhliche, kühle Greisengesicht sichtbar, des Mannes der verspielt in den Füssen seines Frauchens spielt. Ich habe die beiden (die vier) gleich gern gehabt. Und die Jungen kannten sich offenbar gar nicht, waren nicht zusammen, das war mir unverständlich.

Ich hole mir Kraft bei den Spielen und den Zwillingen, diesen Spielern der Natur, vor allem die eineiigen haben es mir angetan, allein am philosophischen Institut kannte ich zwei eineiige Paare.

 

APPLE BLITZ ODYSSEE 2002 (codiert, eigentlich: MAC FAST)

 

Und nachdem lx mir per Telefon den appleblitz gewiesen hat und wegen der ersten Apple -G4 Rate gescherzt hatte, beim zweiten Anruf, getroffen haben wir uns kurz vorher und aufs Geld vegessen das ich ihm schulde, und ich darauf kurz und vergeblich bei hs nearby- Ecke, er war nicht da, nach dem Ramschladen, gestanden war und wir telefonierten, und ich dann weitergegangen bin und mir das Geld für A-Böö, von Marcus (dem Schwarzen mit dem Bissiweiss. doch hier trug ers revers - vieel, vieel, weiss, kaum schwarz: der soo gut mit Kiindern umgehn kann, Marcus der Menschenfreund) zurückgenommen hatte, denn ich habe A-Böö im Park letztendlich das ganze Geld das ich dabei gehabt habe, mehrere 100er, geben wollen, und mit ihm auf dem Palm- Handheld, oft benutzte ich ihn heut, noch im Stadtpark, die Verzichtformel durchexerziert, mit einem matinee Bier, und nicht gelöscht, ha, ich mir Toias neue Adresse in ebendiesem Ramschladen (Blandung) notiert hatte (1), es ging um seinen Zuzug in meine Stadt, ging ich aufgewärmt los, U4, stieg trotzdem Margareten aus ging den langen Stationsweg nach Pilgram und h.c. aafoch rief an und wollte sein *.pdf-File, ein Adobe Format, sehr apple-freundlich, ausm Internetz, am Telefon, hotline. Und ich ging dabei vorbei an dem einen der zwei apple Laden der Schönbrunner, klein fiel mir ein, ich sagte gleichzeitig am Telefon: Wenn nicht online öffnen, rechtsklick saven und offline rinschaun, - ich erkannte nicht mal, ob das Geschäft offen war, um dann noch auf dem breiten Stufeneingang des richtigen Geschäfts, gross schon von aussen, den Anruf fast ungeduldig zu beenden. "Aber du kommst dann bald zurück, gell" - wie Andi plötzlich für mich flennte, flehte, ich verstand schon lange definitiv keine der Konnotationen, Interpretationen meiner Handlungen mehr, was machte ich jetzt wieder falsch?, - dachte ich, und nachdem der Arroganzmeister mit seinem Freund, ich kenne die beiden vom sehen dachte ich, ach ja: Buschplanet, mittlerweile auch eingetroffen war betrat ich Apple Blitz, sehr schön, sehr vertraut, bekannt von den mittlerweile sehr offenen Messe Standln, und wartete mal eine geraume Zeit während ich Zeit hatte, alles kennenzulernen, ich unterhielt mich ein wenig, besuchte die links von der Tür gelegene Ecke, Bauom!, machte der lateral gross gestreckte Plasmaschirm, violettes Feuerwerk, Brunnen der Screensaver, schon beim eintreffen. Und nach langer Zeit betrat ich nun die erhöhte rechte Ecke, nachdem der Meister, er guckt immer so komisch, schon geraume Weile dort herumschnüffelte, mit ihm gemeinsam Rücken an Rücken durchmesse ich das ganze rückseitige Halboval, und entdeckte nach dem Palm One Handheld, ich war sehr glücklich, dachte: Ach ja, Palm is back, wie schön. - auch noch den apple mini, für den ich dann noch einmal vom Tresen ganz kurz zurücksprang, aufs Hoch- Plateau, die ganze Seite war erhöht, um ihn zu streicheln, wie rund er ist, das kleine Gehäuse wirkt wie eine zu hohe, monocrome Bonboniere mit breiten schwarzen metallischen Leisten rund um imaginären weissen Deckel und Boden, insgesamt sehr gediegen ausgeführt.

Oft dachte ich an die Schönheit der Verkäuferin, klein, blonder Page, volles Gesicht von angenehmer rosa Farbe, enger Pulli mit v-Ausschnitt, und einmal sagte der grosse Verkäufer, aus einer kleinen Tür knapp hinter dem Pult getreten, nachdem er nun da ward: Ach, das habe ich beinahe schon vergessen. - Wem es wohl zugedacht war? Es gab mindestens drei Adressaten: Staff, Frau, mir, und ihm wahrscheinlich noch selbst. Meein verkäufer versicherte mir, dass man trotzdem (trotz gegenteiliger kurzerfahrung mit Tobi2), ein normales windows-Laufwerk hätte. Ich sagte, wollte diesen Scherz noch einmal, wie bei iTobi2 erfunden(?): konterdebilität (eigentlich sagte ich: kompadebilität). Er: So in etwa, - er fand es gar nicht besonders lustig, schaute ein bissi weg, vielleicht, beschäftigt, zu ihr? Für Arroganz gibts nen bonus, - denke ich dem Meister in richtung Tresen zu. Sie nicken. Über der Strasse wirbelte ich noch mal hoch schnell drehend den iPod-Quader, den ich ungeschaut mitgenommen habe, schöne Verpackung, fast skandinawisch-künstlerisch wie die zwei Schachtelhälften auseinander fielen, Ikea meinte h tags zuvor, wenn man den bandförmigen Deckel abzog. Hatte ich wieder ein hübsches Kleinod um das ich mich kümmern und sorgen konnte. Den kleineren haben sie nicht gehabt, irgendwie war ich beinahe froh, der Farbauswahl entronnen zu sein. Den ganzen Weg hin war dieses Thema schon aufgetaucht, ich plante es spontan aufzulösen, türkis, magenta, pastellgrün, ich wusste es nicht. Auch dieser minimini iPod war schmuck, wie er da am Bizeps hing, ihr, auf dem Plakat-über-Tresen, fand ich, und ich hab mich also für das doch recht schwere Teil entschieden (entscheiden müssen - sie hatten keine, so viele gehen weg!), monochrom engefärbslt, das grössere. Sehr Schön. 20 Gigabyte Festplatte, für 60$ Aufpreis hätts den Foto-iPod gegeben, dicker, 10GB mehr, Farbdisplay, aber ich konnte keinen Millimeter Dicke mehr vertragen, halb fürchtete ich schon, wie ich das schwere Ding unterwegs überhaupt einsetzen sollte. Hat der iPod eigentlich kein micro? Und höre zum Schluss (ein oups: a posteriori, der Text ist länger geworden) dieser Niederschrift Dead Can Dance, Camille Track 1 - Im strengeren Sinne auf der INFIN 1 rndPLT, also die Compilation der auf shuffle geschaltete Playlist des Medienspielers zum "Beginn der Niederschrift des INFINITY DAY" (die erste verschenkte ich, Special Envoy des Teemeisters, noch brenndruck-frisch, an eben Helm-ji-do, um ca. 23.17), die ich eben, die erste mixedsystem INFIN 1, gebrannt habe, zur Probe. Unterstützt im Multimode nicht ON CD TEXT, - im Multimode, mein laufwerk, oder so, hm? - Aus dem Gedächtnis hätt ich auf Aion getippt, und ich streifte noch die Musiklisten um es zu suchen, dachte an kross mixen. Korrigierte die gröbsten Schnitzer im grad frischen Text noch schnell gleich onthefly. Und geordnet, von CD, es lief noch immer die INFIN 1 mixmode, kam endlich noch die Satori-Flöte aus den apple iPod Hörern. Für music benutze ich liebstens Lo-Tech- Software- Material: Den Simple Player. Mal den Quintessential One ausprobieren. Aber jetzt spielte es grad auf dem Windows Mediaplayer no.8, die CD, mais simple player est ouvert. Irgendwo bei Flashgott von J. Delay ist er gelockt, gepaused. Irgendwie gehört der Text ins Titanic Magazin. Wo soll man sich sonst ausdrücken, wenn nicht in einem Satiremagazin, ohne Tränen? Zweimal sprachen und lachten wir über die zwei am ersten Festsonn, am Robertstag, mitgebrachten Tiitaanic Hefte mit j und marcus (bei dieser korr(äh: erweiterung).d.NS: fängt Mario an zu duten, SMB, an der Gürtelschlaufe, schön die Combi: grün das classics Trico-Tronic, hellocer der Wombats-Sweater von aafoch, weisse Stretchhosen. Edo beim eintreten, breites grinsen: Hey, bist Model geworden? - Ich, grinsend, kopf seitlich biegend, leicht verlegen spielend: Nein, das bist du (ich nicke ihm zu). Ich bin Schauspieler geworden. Und du röter. Im Gesicht). - Und dann spielte das letzte Lied der INFIN 1. und dann switchte ich zum simple player um die Erweiterung des ersten Satzes (oben) noch weiterauszubauen. Kam bei Kruder & Dorfmeister raus, Peace Orchestra / Domination. So hatt ich an einem Tag sowohl die asiatische Formel als auch die apple form angefangen zu tippseln. Und das entweder-oder der schrift, im literarischen ausdruck: sowohl-als-auch. Ich kann ihn ja schnell auf den Palm packen, diesen kleinen Text-da, Titanic. In ein memo pad, damits leichter gang, als im doc-format, auf den Textspielern der Drittanbieter. Mittlerweile Orb - Materialprayer, randPL. Uff, schwer zu finden den Platz für j, neben dem ersten Titanic - Kommentar, wo isser denn nochmal. Jetzt vergesse ich schon, was eigentlich wollt ich schreiben: schnell-titanic-suchen-müssen-maschinell-alt-f, denk ich noch immer. Aber vielleicht bemühe ich doch noch meine Augen? rPL schliesslich, korr.d.korr: Beatles, "axross the univers, ohh, nothings gonna change my world. no.490 auf meinem simple. und drauf: FSD: Penus Power. Jetzt schreib ich glaub ich nur mehr die Lieder auf, der rand play list simple player. hihi, redundand, denk ich: play player. rPL: Neoangin - AdiosTristessos: da hab ich doch glatt ein kleenes ns-Thema entpuppt scheints, nebenbei, was über conter. nicht unbedingt zusammenhängend.

Und noch die Deutsch-Rapper, Fettes Brot - Kleines Kind, lang version, während ich hie und da inspirierte Korrekturen an anderen Texten anbringe, Verschönerungen. (Achtung: ganzer text random verseucht, wie noch nie!) Edo und der Schmerz: ich, runtergehandelt: 300, 50 für den schmerz, wenn du meinen G4 hast, kann ich mir nie im wieder einen apple mac leisten - Er: ok, und ich für meinen Schmerz, Geldverlust. ich lächle beinahe. ich zeige ihm meinen 2-tage-alten-iPod um 309 mücken, er wirkt gelangweilt. Tricky - She makes me wanna die (Stereo mcs weekend mix, 4:22 min).("also gibt es nur den rythmus!, - ruft Ibot vor meinem tor, vor der entführung des grossen unbefestigten papst-profil-anschlags von den trafikgestellen.

nächsten tag bei Marcus erinnert er mich an eine neue Farbe, ich suchte die Variation für rosa, pink, violett: Magenta, er sagts einfach so, zusammenhanglos. - Ich darauf: Ahh! Lakmus! - Er: wie? - Rythmus-Lakmusstreifen, diesen Scherz anzubringen hab ich nur gewartet und da war die gelegeheit, nachdem Ibot intonierte, abends vorher (wir werden dich fesseln und knebeln, sagte Marcus noch später, wenn du nicht schläfst, Exaltierter - oder so, am telephon.) Er: wie? - Ich: der Teststreifen. - Er: a(h?)a, - mit dem mund. rPST: Iva Bittova & Vladimir Vaclavek - More (uff, wenigstens hier ist die Iva, die ich beim ersten1 infin-CDvers nicht gefunden habe, drauf, textalisch. dann Fri(e)da 1: eigentlich gehört der text mittlerweile jetzt schon wieder ins profil, meiner lieblingssati(e)rezeitschrift. wannoman, was lacht ich tränen. harry versichertes mir auch noch, den typen auf der letzten seite mit namen genannt. und mit Ibot, den profil-papst vorgeschürzt, bzw. en face, frontal erkannte ich auf dem titel-papst-bild plötzlich wie der klang-Papst marke-poln. sich anhörte: säuerlich. der blick, ich wunderte und wunderte. aber sicher. zutags hörte ich mit muttern eine seiner 79er reden im radio ("maria 2?"), kurz bevor wir das land verliessen, und da war diese note in seiner stimme die ich oral nicht erkannte. nun ikonoklastisch aufgelöst. rPL: Absolute Beginner - Nicht allein RK RMX. ich muss mich nur entspannen beim 90grad winkel fuss-auf-fernseher stehen. es geht, ich stütze den oberschenkel mit beiden händen, dann zur niederschrift: "say what u want, belive is our relive", Tears For Fears, rPL. Und dann erinnere ich mich grad, dass ich zum beginn der INFINITY tage mit bei lx versichert hatte, keinen weissen, sondern nur grüne tees getrunken zu haben, nach einer langen Phase des Darbens, viel Schwarztee auch. rPL: AllAboutEVE, "tere must be somthing in the blood we share", dmn!, muss mal die Titel besser merken oder beim audioCD-auf-mp3 kopieren die Titel mitschreiben? (wie langweilig, fand ich zu tobi2, er guckte verdattert, er hats getan, vielleicht auch entgeistert von meinen Themen, denn am Netz hängend ist das wahrscheinlich automatisiert, hört ich.) A pro pos: das lied ist auf der ersten pliste, hatt ich bei der ersten schrift leider entrutschen lassen. derweil rPL: Hallucinogen - lsd (orb mix). und dazu ein kleines xtas-chen: pa,ap,ap,pa,pa,pa,pa,pau,pau, pau, pa(´laut blob´),pa(´laut blob´),pa(´laut plop´),pa(´laut plop´ avec les levres) mit der siechen rechten faust den rythmus, geschlagen. und die "laut blob" ´-striche rückwärts zurückeingefügt, zwischen die klammern.

Es liegen bei mir immer weggeworfene Zeitungen (-schnippserl) UND CDs am boden. Da musste Meister Fleischer Smodic heut lachend zurückdeuten, als ich die vielen plastiktüten-reste über die strasse trug, dennoch weitermachend ich, am mittelstreifen lenkte der aotu-fahrer sogar noch einen weiteren schlenkerer zu mir, knapp, ich deutete mit der offenen freien rechten hand (relativ? es waren mindestens drei Sackerl) en passent gegen seine fahrtrichtung, er kam mir entgegen, in die trennmüll eimer, meiner richtung, ich hatte vergessen, dass mich Mutter schon davon in Kenntnis gesetzt hat, dass man plastik vonnufort gemeinsam wegschmiss, deutete der Meister also auf unsere Kübeln zurück, wo ging ich denn hin, mit dem Müll? U nd ich wirkte ein wenig wie ein Bild für Götter, die Dummheit selbst, mit gelben Sackerln von gelben Plastikresten prall, selbst in gelbes Ocer gekleidet, Monokhakigelb auf Asphalt-Grauschwarz, zwischen all den bunten Menschen und Autos.

Na bitte: ist doch ein dritter Absatz geworden, an den ich nicht gewusst habe, schaue genauer und sehe, dass er nur zufällig durch das lange Wort markiert erschienen ist. Wer bin ich, denk ich, und mache ihn permanent. Playlist-Stille: der Sound ist stark. ich horche schon die ganze Zeit, was die Kaputter, wie aafoch sie scherzhaft nennt, dem für eine Tönung der Klangfarbe geben. naja, die kleine version hab ich ja schon am palm gehievt. Mittlerweile ist es 6:37, ich spiele das Verschiebe-Puzzle, wie krieg ich vier käse-karfiol Plätzchen in den kleinen Ofen. Regelmässig gangen nur 3 rin. Und gleich beim pissen, nachher les ich auf den drein, im Dunkeln umgestossenen Rigips-Platten: rigips-einmann-bau. - Himmel Blau - korrigiere ich im Geiste. Ich Depp es verbocken, lache ich. da würd Sri lachen. Wie schön deine Stäbchen sind, notierte ich zu Cost, währendmir die grüne Pasta-Pesto assen und bewunderte die nicht/Birkenstock, auf die sie mich wies, wortlos. ?rPL: Das Knarren des verstreichenden Ofenzeitschalters (in der Schme/alzhofgasse haben sie schöne, Öfen, und Röhren. Mit Andi war ich in Oswiecim). mit arca sahen wir in ber die schönen, an der Wand angemachten Ess-Sets, jeden Wochentag andersfarbig. sehr genau las ich die dazugehörigen Texte. Tom Bam-dillo. der Film (mit farbigen Glasscherbenschwertern? hab den prototypen auf foto. Mittlerweile gibts mehr Löcher in der Wzeile). ach, die ersten Infin1cds: Proto-Zymbele: nicht besoffen, nicht getroffen (anlässlich der beklebung, belabelung der ersten mixmode, das Wort, das ich handschriftlich dazu geben werde). echz, dieser Vorgang: nicht gut gemittet, das Pickerl, dann "1.mixmode" in schwarz, wollt die differenz zur Druckschrift nicht zu gross, Kalligrafie ist immer schön befriedigend, oft leicht, und dann das runde, transparente Druckplastik gesucht, auf dem ich schon beim fertigmachen gefürchtet habe, die durchsichtige Scheibe mit den Fingern berührt zu haben (Irrsinnn!). Pressend rundfahren, fertig. Oft fiel mein blick auf den neben der Couch ruhig gelegenen iPod. und wenden die ausgekühlten Plätzchen, fingerlecken. ein ganzes Packerl weisse memphis, ach herrje! stöhn ich, als noch zwei drin sind. 07:08 (irgendwann schaute ich mir das Stromkabel, dass unter der Verbindungstür durchging an, es war wieder so gerutscht, dass die Tür zsach gang. irgendwann dann noch ein knapp, als es sprunghaft von einer in die andere Oposition rutschte. C´est suffi, wie matti sagt, mit den gemüse-Plätzchen, jetzt:07:13/4. lege ein Plätzchen heraus ... zweites, nee, bleib lieber im warmen, noch. - astronautisch gut, schmecke ich. vielleicht mit Senf aus der Tube dazu? gourme : gourmand, wie ich martin g dazuerkläre, zu wyborowa : wyborcza, frz. - (dt.) - poln, Wodka, Zeitung. Dann nemmal zwei, wie kalt (matti: fredo) und Senf. - sauer, angenehm, erkalten hab ichs nicht lassen, vielleicht das letzte. Wie gut es bei Mautner-Markhof roooch, karin00?, dunkle, lange, blitzende Haare, ich habe sie mal gezeichnet, sie bewunderte meine Sinnesloust, damals, mit der Schulexpedition, oft. Hm, an Bebe denken und die Story von der unbewegung per sms-teile halten-kosen. Zuerst schreiben. Hm, Bibi ist ja erde selbst!, - rief ich Edo, weil er irgendwas aussetzte (Er: doch!, er ist schön, special-begabung - als ich die Deleuzesche Stadienlehre anhand der fliegeVamplady und j erkläre: devenir unperceptible - Er: Ja, stimmt, so isser.- Er, auch: solche sandalen will ich auch, - nachdem ich den fuss, zögerlich neben seinen, auf der lehne des sessels, auf der sitzfläche plaziert hatte. Ich: meine matrix-schuhe (matti wort), in ber in Svens-outdoor-shop gejkauft, grins. (da muss ich an Svens garderobe denken, mit der er und Emile mich austatteten, mit matrix-brille, randlos, ich sah schlecht, -hemd, wie dünnsamt schwarz mit unzählbaren silberfunken, quelque sakkol), zum ersten treffen mit Nga^ (ach, ihre bunt beglitzerten edel-flipflops auf den nackten füsschen, wilde, kurze electrohaare wie jiÜ!, ein filigranes, hell leuchtendes Kleidchen, ihre zarten Formen!). wie mich Arek lobte, wie mich Nga liebte, gab mir von ihrer handfläche leechis (Ich, rief den namen: die liieebe ich!), ich nahm eins, sie bot alle, in der u-bahn. hätt ich sie doch nur genommen! Die kleine amazone, wie konnte sie schreien, auf mich, bei der Preisverhandlung. kühl lehnte ich die korrektur nach unten ab, nachdem ich reglos ihren vorwurfsvollen Schwall angehört hatte - das imponierte ihr mächtig. In ihrem miserablen deutsch, am Telefon hielt ich ihre Stimme manchmal nicht so gut aus, fast männlich grollend, tief aus der Kehle, aber nicht an diesem Abend, in der Nähe der Hackschen Höfe (wo mir Arca Beat Kitanos Dolls verstellte), laute Musik (Arek: deswegen da, sein café), vis-a-vis meines Comicladens, eines der zwei. Helas, ihr axe-grün (Pulse) hab ich noch, dass sie mir schenkten, zu meiner Geburtstagsparty, zu der ich nicht kam, seufz). Edo sagte auch: Deine Cypermaschine (kyber) wirst du nie bauen. - Ich: was? - Er: Ist mir nur so eingefallen - deutet wegwerfend auf den Weno-PC: Ach, deine Spiele. - wir lächeln verschwörerisch, ich ungläubig. Ich denke, was ich mir vorgenommen habe, eigentlich, mit ihm anzuschneiden: Auch du (et tu!, ich nicht) hast Elementarteilchen gelesen! - Er schaut leicht wie verlegen zur Seite, ungeduldig. Ich (denke: Ich wär nicht auf die Idee gekommen, ihr habt es begonnen, ich wollte Wolkenarchitektur, lediglich! Ach, Edo - addaware): Will ich auch nicht. Ich plane es schon soo lange (sage ich, seit sri es so gesagt/fragt hat). Ich will es zumindest beschreiben. - Er: Na los (noch kopfdeut in richtung der PCs)! Was nicht gemacht ist zählt nicht. - Ich bin froh, wie er das sagt). 07:34, viele Verbesserungen, viele Hinzufügungen später. Letzten peta geraucht. warm, warm, warm. harm, harm, harm (tschick, white). Die Billa-Einkaufsliste schreib ich später. Freitag ist, eine ganze4 Wochen schon dauerts, infinite. Schwarz wie die Nacht, der Kaffee mit einem grau-braunen schnell drehenden Mond aus Blasenvielheitsrund, um 08:51, hab Texte gesichtet, hab geleert ohne zu schütteln. Eine der ersten compil-CDs sollt ich mir unbedingt aufheben, wie sagt man: Inkunabel, ungenau, aber treffend auf dieses fragile Plastikmaterial, nichts für dauerhafte Lagerung. Hm, ein dekatentes Schickerl zum Kurzschiss 09:59? Nun kurz, genau: bessere den Er-Telpath-Text nur mit einigen Ichen aus: Eine Übertretung des ersten autoeulogischen Gesetzes. na ween schon, wie Rob sagen würd! Welche Spieler spielt ich bislang: Robert, Marcus, Johnny Depp (viele Rollen), Mcgregor (Lucas-Greenaway-Trainspotting), Dada aus Emir Kustoritza b/w cat - voll mit Scheiss (und viel, viele später, a binär, bei Ibots2hoch2, gönner: ihre Fragen beantwortet, mir: Das Lachen von Mozart, viel über den film geredet/dacht letztens. Wie hört sich das Lachen vor deiner Geburt an?). 10:42, langsam wirds mühsam, noch das, und das, und das ... und das und das (Monroe, nicht Manson, Millionärsanglerin, wie haben wir mit wern gelacht!). Einen Teil der Literatur träum ich sicher, im halb-, kurz, mittlschlaf, lang, dösend-brütend - R.E.M. - wo hab ich ihn das letzte-erste mal erlebt, den Lead der Band: im TV (- Traum-, Buddhamaschine) - Total Raabs, den Jogist, ein wahrlich fröhlicher Spieler. (11:06, nach kürzerschlaf, halb-linksgeneigt-angeleht, am sofa, nur die füsse baumelnd, träumte von einem, meinem kinosessel, über dessen lehne mir ein geschäftiger alter typ sack seine boöck ins gesicht, am hals scheuernd, in mein sichtfeld, die spitzen, braun, schob, ich sie irgendwann, wühsam, sie waren verklemmt, irgendiwo vorn plötzlich, auf der lehne vor mir verhackt, zum Glück von der anstrengung des liftens-schiebens (schlei di!) aufgewacht, saonst hätt ich ein steifes gnack, jezza. den dritten kaf zu ende. 11:12 und zuende, die nächste tzschick.). Und nochamal 6 k dran, beim dragdroppen auf den usb-sticker (wie h zu sagen pflegt, letztes mal mit tobi2, beim iPod-Vorfühlen) seh ich immer den quanti-fortschritt. (dieser satz, noch mal drag-probe, ändert nichts an den kbs). hab mittlerweile vergessen, wen und was heute: helmut (äh, phillip), ab 12 ruf. dann, dann. äh.wie. wird sich welden. Neues Hemd, neues Glick - ab zu flip - meldet sich nit. also weida, immer weida. brr, kalt am morgen-mittag! wie schon so oft. vielleicht wieder die musik einschalten. noch immer bei hallu, gelockt, der simple player. 11:25/6. ruft gregor reassur an: willsde keenes frühstückchen? – ja!, (sharma. ? hab ich dann geklammert, was soll das heissen, freu(d)gepinsel) aber hab das alles, gau-gau, buddermilch, vielleicht einen ice-Kaffee? - Er: eeneen Eissskafee, oookee. bis gleich - bis gleeie (Laut nach helm)!. rPL wieder: Tricky & Björk - Keep Your Mouth Shut; piss zwischendurch; Dj Tomekk - Ich lebe fuer Hip Hop. tanze dazu den gregor-monty-fäller, runder rücken (müüde bin ich mittag), runde arme, oval, die fäusste über dem tantien zusammenzwängend, klammer-zwigernd-prallend (böööse, dark queen, sagte ich gestern djkatei - du saugst, auch Greg-or. rPL: Absolute Beginner - Nie Nett (Boombule Remix). Die zweite i-CD wird weggehen, schön 1-2 : Abends-Morgens). rPL: Getto Boys - Life in The Fast Lane. hihi, weiss schon wie ich diese rPlaylist individualisieren werde: appl-iCD. Element von Crime - Tumbling tumbleweed. Gregor: heute um 14h Völkerball in der Scillerplatz-Aula. rPL: Depeche Mode - Pleasure, Little Treasure. Aus Gregs verstandenen wortsplittern: zum Mädl-Architect, hasse die moderne glas-komplex Archi, grad vor meine Tür kommt das grösste Projekt, die Aspanggründe. - Ich: hatte gestern eine Architekten da, der hatte eine Apfel allergie, und Haselnuss? Greg: Die Mauern dich ein! Da lohnt sich doch nicht mehr zu leben! - Und: Schillerplatz oder Angewandte? - ich: Angewandte, technischer, versteckt, genauer, da muss du dich nicht soo viel lernen. - rPL, eins, nur industrialsound Unknown-Untitled, immer das gleiche gefrett: den Namen versäumt, - dann Sans remission. Gregor: Als veloce-fahrer hab ich mal xtra bestellung ghabt: Ein Schwedenplatzeis nach Auhof (13ter). - ´lachen´ - Ich: buyaaáá! - rPL: Björk Debut: "It´s more on life on mee". Gregor, der Ideenmann, mehr!, - mit dem Stift in der Hand, in der (Haupt)Schule, wie er erzählt. RPL: NWA - Compton (abgebrochen), Portishead and Massive Attack - Teardrops. Tricky, lowback "u got it right, let me take it to the night, tis revelution". Gregor: wie spät? - 12:19/20. - Ich seh auf seinem Rucksack: PACKGREK ATLETIC. Er: den hab ich ausm mist. - rPL: g-Le respect se perd. Beim verabschieden zeig ich Greg noch den iPod. er, waahnsinn, waasinn! - Ich: von meinem letzten Geld. - Er: Teils allein, dann geht´s sichs aus. - wir kichern. Eine Absage, erwartet. rPL: Guru Josh, 1990, Time for Guru, einer der drei, vier remixe von meiner maxiCD, sehr zerkratzt. Martin g wird grad, grad eben am phone, eintreffen. rPL: Fonky Family - Marseille envahit. - Druckmer a paa iCD-labels, nach. 138k mittlerweile, der Text. rPL: Beatles, glaub ich: "down to his knee, got to be the joker...i know u, u know me... cum together, over me. got to be good lookin´ caus´ he´s hart to se"; Absolute Beginner, David P, EinsZwo - Micro in der Hand. Phi ruft an, für 3/4h, ein Treff, mit iCD. vielleicht schaff ich doch den Völkerball um zweie (Martin gleie druff: ist das künstliche, künstlerische Aufbereitung, von dem in der wos ma in der Volksschule a gspöt ham? - Jo! Hihi! - Zu Martin gs eintreff spielts: rPL, Bach, simple no. 478. Ich sage: Du Martin ´g´ in dem text. - Er: Ich Ngger? ... Nein!, bitte nicht!- rPL: Rammstein - Du Hast. Martin zu seiner mitgebrachten Zeitung: Bei der Schlagzeile hab ich gelesen: Papst hat 2000 (x) mal an Rücktritt gedacht. Also quasi täglich. - kicker, kicher, kläglich, täglich. Nach dem wir das zusammengedichtet, meine ich: Das ist an der Verständnis- Kippe, der text. - Er: Ja, ganz moderne Literatur. - ich: Ja, apple literatur, kompdebile Literatur. - Er: aha. - rPL no.592 simple ,Dead Can Dance"they dont realize.. " Absolute Beginner - Hammerhart (denyo77 remix, feat. D-Flame). Martin g: Sind das Nigger? - Ich: Nein Deutsche, Hammbuurgerr!. - Er: Na furchtbar. Die ghörn an de woond gstööt. - rPL: Eqilibrum feat. Vex of the Boodiemonsters - Critical Conditions. Martin: Ich danke, dass du mir das vorgeschoben hast (quasi wixbewegung dazu). - Ich: Weisst eh, die Juden, die haben angeblich (habs von Marcus, dem Deutschen) nicht nur vorhautbeschnippselt, sondern auch die Eichel. GhhG, GhhG, weisst eh, das si ja wie die klik, - ich schneide am Schoss mit Zeige- und Mittelfinger, klip-klap (lächle trotzdem). Er: Klit. - rPL: Yello, Track 3, no. 433 simple "huu huuu, tamtamtamtam huuu huu, bamtakbamatakabama" Martins weitere Impressionen: Gut schütteln, Skywalker, dann abziehn. Das kennt man ja". (irgend ein flyer, gross am tisch), - Breit gelächelt. rPL: Sammy Deluxe - Hab gehört. Deichkind/EinsZwo - ...und andere Prioritäten. Dann C64 - Last Ninja theme. Nas "how u lik me now?" no.536, simple. Iva & Vlad: Uspevanka, Schlaflied. rPL, wir gehen: Loreena McKennitt - celtic christmas snow. Martin: klingt traurig, weit weg. - und noch: Element of Crime - Ich kann warten.

Fussnote:

(1) da ich mich also traute, im ramschladen zweimal den Palm zu benutzen, für zwei Anrufe, .. (ich schwärmte zu Toia: Wellt- (eigentlich rief ich: Wööt!-) Literatur hab ich gestern geschrieben). nun denn. das ist sicher für lange mein verrücktester Text. üf, 9:20. gehmal für kippen, doch, der kaffee war ein, zweie gulp. Mr. ("bittschön auf eine million" Ich:grins) von Trafik sagte zwischendurch, Ich: Memphis white. Er: light? - Ja. Bitte. - so etwas wie: to co (nie?) masz, - ich hm? hebe die Linke zur l´etoile d´argent, Edelweiss kappe grün, und bin schon in der Schlagzeile, kopf vorgebeugt nach links - nach rechts: Papst dachte 2000 aan Rücktritt! Chock! Krone, Kurier, grüsse, gehe. Er wird doch nicht das Papstplakat gemeint haben?

 

Epilog CROME APPLE

 

Und als einige Tage später die U4- Metro streikte drehte ich vor lauter Gehlust erst eine Runde bis in den 12ten, bevor ich mich für die Schönbrunnerstrasse entschied, und diesmal rief ich h.c.aafoch an, wir verhandelten die Installation von firefox-netscape-mozilla Webbrowser, ich habe den Rückruf schon den ganzen Tag vor mir hergeschoben, er fragte: Und dann deinstalliere ich den zweiten, den .. Windows?' - Ich: äah .. neen, das ist zusätzlich, weisst eh, hat tabs und so, hab aba erst kürzlich auf firefox, bei matti, mich beim absenden von n'email verdrückt (und damit eine Beleidigung einer zweiten Frau gegenüber der Adressatin vermieden, Glückschance), und dann, als ich, weisst eh, diesen Zurückpfeil drücken wollte war das Mail futsch! hm.' - Wir verabschiedeten uns mit dem Friedensangebot einer moglicheren Chance, und zwar das Installationsfile bei Bedarf schneller runterladen zu können. Ich war fertig und stieg bei Pilgram in den Schienenersatzverkehrsbus. Mittlerweile war ich zu h mindestens 40min in verzug. Ich kam als lammfrommes Opferschaf beim S/W-Magier, mage h mineure, grande maitre, an.

Und die Pointe des CROMOPHILIE – Buchs ist: Es gibt gar keine richtige Angst vor der Farbe, es ist schwache Cromophilie, lahme Liebe zu den wie unvermeidlichen Farben. Und dann startet es erst in der Mitte richtig durch mit pointierten Anekdoten zu den Farbbegriffen verschiedener Völker. 2 bis 11 Farbnamen kennt die durchschnittliche Sprache, referiert dieser Bachelor. Ich wollte das Cromophilie Buch auch wegen der Schwierigkeit es zu lesen. Und auch jetzt geht mein Lesepensum drauf fürs schreiben.

Ich will Feuerschreiber werden, "Grisu!" schreien, allein in Extase von seinem hellen Ruf. Ich sage zwischendurch zu h, offen scherzend: "Ich frage dich lieber nochmal: Willst du die Sound-Boxen für den Laptop noch, oder heute nicht mehr? Weil du sagts´ an einem Tag schwoarz, am anderen weiss." - Der Meister zurückgelehnt im grossen Sessel: "Ja, weeeiiis nicht, weisst du, ich will jetzt nämlich verstärkte Medienabstinenz ausführen." - Wir lächeln. Auch ´Am Ziel´, der Thomas Bernhard der grad im Theater läuft, wird abgelehnt, ich bedauere das wenig.

Mit dem linken Zeigefinger am Palm - Handheld, 24mhz, 32mhz CPU, ausreichend schnelle Central Processing Unit, Unity schreiben: die gespiegelte Schreiblektion Castanedas. Ich erfülle mir einen privaten Traum von Schriftsteller - werden, h hat mir das extra entlockt heute. - Und wass tuust du für diich?, fragte er locker, als ich vom glücklichen und aufopfernden Bodhisattva- Ideal sprach, nicht auf meine Einwände achtend, sie mit einem Rucken des Kopfes, nach links, nach rechts, verscheuchend, insistierend?

Und manchmal schreibe ich stylisch wie in Frank Herberts Dune, wie die eine auf Rakis warten gelassene enervierte ehrwürdige Mutter der Bene-Gesserit in ihren daumennagelgrossen Schreibquader hinein, auf der Stelle, ich dann allerdings ohne Stift, oder auch mit, am Palm, diesen Ex- und Neben- und Hop- Anhalter durch die Galaxis. Im grunde verbessere ich meine Akkuranz mit Links, indem ich die Erfahrung der rechten Hand zu wiederholen versuche, die Rundheit der Strichführung, das Achten auf das keine Quadrat des Schreibbereichs, auf welchen man, etwa mit einer Modulation der Handgelenksdrehung auf verschiedene Weise, also in das Gerät, reinschreiben kann. Denn die Rechte, noch immer nicht ausgeheilt, schmerzte beim Krampf, den Stift auf dem Quadrat langzuführen. Ach, Die Langweile des 3000 Jahre dauernden Frieden Letos, des Wurm-Tyrannen, und das noch vor der 1500- jährigen schon wirklich abgefahrenen Diaspora. Die Melange, das Spice des Wüstenplaneten, Frank Herbert zumindest waren die Beduinen Vorbild gewesen, wenigstens diesmal, während seine Frau an Krebs starb, aber was sollte er auch tun, ausser sie seiner Liebe, auch noch, schriftlich zu versichern.

 

CROME MONO ECOLE

 

Nur war ich mir nicht bewusst was das hiess, als ich als Teeni, Maturant, und früher schon, mich brüstete: Ich habe vor der Farbe kapituliert, mein darstellerisches Schaffen ist am Ende, der Strich, ok, aber morphen, 3 in 2, das kann ich ned mer, nicht die plastische farbabgestufte Wirklichkeit auf flache weisse Papierbögen übertragen. Jedoch das Netzspiel von Wen-Ys Skizzen, Losergang- Mitglied, in einer Art Wireframe-3D, plastisches Liniengestänge, ganze Menschenkörper, lies mich trotzdem weiter staunen, obwohl mein Umriss, mein Strich gegen seine Plastizität manches mal knapp gewann, ich floodete, füllte einfach die Flächen mit Mustern. (An Land, zu Wasser mehr Staunen, Bullfrog publizierte damals das Spiel Flood, Flut hiesse es übersetzt, aber es war der Name der Spielfigur, Flood, oder Floyd, wie angelsächsisch, ein wirklich cute gemachtes Hüpfspiel gegen einen ansteigende Wasserspiegel, rasch musste man auf die nächst obere Ebene, mir war es zu stressig, aber schön farbig, orange- grün, sorgfältig ausgeführte Comics- Charaktere, man steuerte ein trötennasiges Froschkangaroo.)

Wen-Ye war jedenfalls ein Plastikskulpteur ganz neuer Provinienz, es war als ob ein technischer Zeichner Kunst schaffte, und tatsächlich ging er später auf die technische Universität, hatte keine Zeit für Schwachheiten. Und auch als wir uns nach der Schule wiedersahen durfte ich ein, es war wirklich ein rein zu Testzwecken ganz und gar beliebig zusammengequetschter grüner Apfel, als grösstes Objekt unter mehreren, 3D-Render life bewundern, ich hatte derlei schon selbst gemacht, nickte, schaute, welch interessanten Sachen. Als ich ihn das erste Mal ausserhalb der Schulzeit besuchte verschlief er, lies sich von der Portierin, früher Besuch im Kolpingheim am Nachmittag, wecken und setze mir dann unmöglich scharfe, versalzene Packerlsuppennudel vor, ich habe mir vorgestellt, ein wenig Exotik bei ihm zu erleben. Was haben wir gelacht.

 

Offiziell als anerkannter Grafiker meiner Umgebung, streckte ich bald nach der Schule die Malsachen wegen der Schwierigkeit einer befriedigenden Farbplastizität, einer Illusion der Räumlichkeit im zweidimensionalen Medium, der Malfläche, obwohl, oder weil ich so ausdrücklich die Bedeutung der Linie in meinem grafischen Bemühen im Malunterricht herausgestrichen, ausradiert, und wohl oft erneut gezogen habe. Ich kaufte mir ein kleines Tablet als mouse -Ersatz, wusste nichts damit anzufangen, drückte es Vron in die Hand, sie zeichnete ein allerliebstes Gesichtchen inmitten unglaublich vieler myriadenhafter Spiralen, die sie mit fast einem Strich über den ganzen Bildschirm zog.

Als Leser in Reinkultur, mehr oder weniger aufmerksam am Text, das besserte sich mit den Dekaden, als Spieler zudem, war ich darstellerisch faul, ich tat so, als ob ich auf den vermuteten Rat der Malerei nicht hören wollte, jedoch kalligrafierte ich noch nach der Schule die gesamte grosse Friedenstafel des Schulclubs in restaurierender Absicht, wie vergilbt und verblasst die Schrift war, ich nahm Reh, sie ging in meine Klasse, wir zankten uns gerne, einfach den Stift aus der Hand, was kritzelte sie denn da, und wie! - sagte ich ihr, auf dem pergamenten scheinenden grossen hochformatigen Papier, und auf einem Barhocker gebückt machte ich mich mit einem frischen Bier und einer Zigarette ans Werk, in diesem gelblichen Licht, und es waren wirklich viele verblassende Umrisse des einen Wortes, Frieden, in allen möglichen oder unmöglich zu entziffernden Strichen und Punkten und Schnörksel, in 100 Sprachen, hierfür zog ich denn gespannt und konzentriert Linie um Linie, manche Buchstaben überlappten sich, und ich zog auch noch den Pater zu Rate, schliesslich war er der auftragtragende Restaurateur unseres Eingangshallenbildes, wie war er wohl dazu gekommen, ich glaube er erzählte es, es waren Künstler gewesen, und er erinnerte sich, noch eine Skizze zu besitzen, kleinformatig, die wir auch zu Rate zogen. Wieder war ich im dostoyewskischen Roman Idiot gelandet, nichts kann ich, rein gar nichts, aber kalligraphieren, und dazu mit einer grotesken Ernsthaftigkeit.

Ich patzte nur einmal, als ich langsam begann wie selbstverständlich neue feste Konturen zu schaffen, diesem Schönen Sprechenden Bild, es war auch Ägyptisch dabei, und die Zeit war allgemein feierlich gestimmt, es war eine gute Tat. Ich signierte, auf Paters Rat und Hilfe natürlich, mir wäre es nicht eingefallen und interessierte mich nicht, ich hatte in all den Jahren den erhabenen Platz des Bildes gar nicht so richtig bemerkt, oder jedenfalls während ich es nachmalte war es mir entfallen, dass es doch über unserem Eingangstor hing.

 

In einen besonders prägnanten Fall der darstellenden monochromen Kunst ging der Wettstreit um Marisols Nase im Profil, im Wettbewerb mit Wen-Ys plastischer Halbfrontale, in kohlrabenschwarzer Kohle, auf blütenweissem Papier. Mit Marisol, manchmal Fernandes, metaphysische Wanderin, verband mich eine tiefe Sympathie, eine schlanke dunkle Prinzessin des gesellschaftlichen, vornehmen Wanderns, Gypsy, wir hatten das gleiche Schicksal und sie war bezaubernd, wie zufällig wohnten wir nicht weit auseinander und liefen uns viele Jahre hindurch über den Weg. Immer wenn ich sie traf war es wie der Ruf der Ferne, und es schmeckte nach bunt flatternden Gewändern und lauten Rythmen am Abend.

Wen-Y sass ihr näher beim Zeichnen, nahm mit dem Stift in der ausgestreckte Hand die Proportionen ab. Ich konnte den Umriss nicht ohne Preisgabe meiner gewünschten Ästhetik aufgeben und so zeichnete ich sie im Profil, dabei war das im Plan eh nicht vorgesehen, meiner Mutter Wunsch war Grafiker, ich war tatsächlich nicht schlecht, doch in völliger Ignoranz ging ich wie automatisch von der Linie auf die Farbe los, schon allein, weil meine malerischen oder sonst welche tiefegebenden Versuche einer ausgefüllten Figur unbefriedigend waren. Manchmal, in der 7ten, oder 8ten, der letzten Klasse, legte die Frau Professor selbst hand an meine coloristisch gelungenen, unplastischen Impressionen, ganz plötzlich konnte sie orientierende Pinselstriche, einmal air-brush, meistens weiss, an meinen Farbkonstellationen anbringen, in einer schlichten Eleganz, die mich ln ihrer effizienz staunen machte. Ihre Ausstellungen mied ich dennoch, obwohl ich manchmal ihre Bilder durchs Schaufenster in den Blick bekam, abstrakt.

Und so verliess ich, bequem wie ich war und als Büchermensch ersehnte ich es, die Linie nicht, und ging ihren natürlichen Weg zur Schrift in ihrem Ausdruck auf der Universität. Ich begann ernsthaft Sachbücher zu lesen (Lies doch mal ein wirkliches Buch! - h.c.aafoch in der Oberstufe). Nebenbei fertigte ich Umrisszeichnungen der Profs an, doch gab ich selbst das auf. Es war, als ob ich zum reinen Konsumenten geworden war, denn obwohl mir die Anhaftung an die Musik so sehr im Bewusstsein blieb, dass ich meinen letzten Walkman verschenkte, einen gelbgolden-fronttransluziden, kasettengrossen von Sony, an Mico, lebte ich die Farben nach wie vor intensiv, direkt verschwiegen, vor allem in Film und Fernsehen, aber ich sprach nur mehr in der Weise darüber, wie man eben über Werke urteilt.

An den plastischen Ausdruck wagte ich mich erneut wegen der 3D-Programme, schliesslich war ich ausserdem dezidierter Spieler und schöpfte offen gesagt mehr Ästhetik und Herausforderung aus der audiovisuellen Kunst der Komputerspiele. Ich berauschte mich nicht nur an der ästhetischen Schlichtheit von Tetris, und früher, analog, Schach und Go, Backgammon war zugegeben auch schön, sondern neben dem bekannten Nachhall optischer Natur passierte es auch, dass ich davon träumte. Doch die Herausforderung, mit obskuren Rechenmaschinen ästhetisch befriedigende Ergebnisse, in Farbe und bewegt, zu erzielen, übte eine starke Anziehung aus.

Überhaupt war dieses ganze Anhaften an der Linie, am Umriss, vielleicht doch dem Effekt der Comicshefte geschuldet, diesem umstrittenen Märchenmedium. Tatsächlich richtete ich meine ästhetische Sorge zuallererst auf die unterschiedlichen Zeichenstile einzelner Comicsband-Serien, ich litt an Stilbrüchen vor allem in Asterix, den lustigen Taschenbüchern, dort die der Duck- Familie, und Lucky Luke. Erst nach einer gewissen Erfahrung lernte ich zu akzeptieren, dass der endgültige Stil sich langsam, im Laufe der Folgepublikationen herausbildet. Ich konnte mich beispielsweise mit dem zu lässig vernachlässigenden Stil der lustigen Taschenbücher schliesslich nie, bis heute nicht, gänzlich abfinden, jedoch folgte ich Uderzos Asterix- Zeichenstil bis zum Schluss, selbst als ich über den Inhalt schrecklich enttäuscht war. Dafür lernte ich seine grafischen Formulierungen der frühen Hefte theoretisch nachzuvollziehen, zu verstehen, und letztlich zu schätzen und zu geniessen. Und von Goscinny, dem Texter, habe ich die Hälfte meiner Bildung, beliebte ich zu scherzen, die Polaken-Power, übersetzt etwa: Der Gastfreundliche.

 

Zudem war ich stark synästhetisch und hatte dadurch Schwierigkeiten, Farben, die bei mir oft mit Erlebnissen, Stimmungen und deshalb auch oft mit Erinnerungen verknüpft waren, unvoreingenommen gegenüber zu stehen. Auch diese Verknüpfungen lernte ich mit der Zeit schliesslich zu lösen.

Steuern Erwachsene tatsächlich ganz automatisch einen monocromen, einfarbigen, Gedächtnis- Abdruck ihres Lebens an, wie die Psychologen bei der Traumforschung abzulesen glauben, und wie es wiederholt wird in Cromoliebe?

 

 

C.ODYSSEE2002

 

Und nach dem Film C.Odyssee2002, während dessen ich einen Teil des INFINITY DAYs nieder geschrieben habe lernte ich, im vom Abspann untermalten Tanz in welchem ich mich vor lauter rührung über so viel cineastisch-asiatische Schönheit wiegte, einen neuen Schritt, sich auf einem Bein drehen, verwurzelt mit Ferse als auch Ballen. Gut habe ich mich auf den Film vorbereitet, anscheinend, indem ich mir zum Löwenbäu noch ein weiteres Bier vom Chinesen Glück geholt habe. Ich wunderte mich erst dass nur Asiaten da waren, ein ungewöhnlicher Anblick, nachdem sie mich ausgelacht hatten, als ich auf den ersten Blick die Mutter auf dem Führungsplatz suchte und die Tochter fand, welche von ihr auch sofort mit der Bierausgabe angewiesen wurde. Beim Hinausgehen nahm ich, da ich schon beim Studieren dessen mein Haupt vor ihr gesenkt hatte, den grossen Flyer der chinesischen Lampions der Freundschaft mit. Vor meinem Tor probierte ich erfreut 'Tien H'sia' zu formulieren und schaute mich dann, nach dem Aufschliessen, doch um. 'Was sucht er da bloss' - dachte ich, dabei verbeugte er sich wahrscheinlich.

Vielleicht einen kleinen Schlouck vorher, einen kleinen Hopfendrachen, nach dem hellblauen goldsilbernen Löwen? - dachte ich weiter glücklich, und dann tanzte ich wenigstens 5 Meter, ums Apple-Eck, zwischen iPod und vorgestelltem G4 (der nicht da war), blind, in einer kleinen Exstase, traute ich mich mit den Fäussten wirbelnd um mich zu schlagen, während ich an Apple dachte: "Der blinde Samurai" - Und dann brannte ich noch eine INFINITY DAY RPL1, diesmal endlich in MixMode, mit playlistfile.txt. Ich justierte und zerrte dazu an den Fenstern. Und dann reinserte ich die CD zum Test, schön ging sie auf, mit der Liste INFIN 1. Als der Mediaplayer drohte, noch Zeit mit irgendeiner Mediensuche zu vergeuden drückte ich auf <Abbrechen> mit dem Gedanken: nix wird gesucht, kapisch, und ich ballte grinsend meine Fäuste! Endlich kann ich auch am Arsch gehen.

Das Kampfsport- Geschäft ums Eck hat seine schön geschwungene klassische Katana, das Samuraischwert in der mittleren Auslage, umgetauscht, gegen ein schwarzes mit goldenen Verzierungen, es ist kürzer und gänzlich gerade. Ich dachte einige Tage nach, was das zu bedeuten hat. Dann erst sah ich es: Es war das Schwert des blinden Manga-Comics-Helden Zatoichi, Der Blinde Samurai, gerade eben war er in der Verfilmung Beat Kitanos in den Kinos gewesen. Ich habe es mir auf DVD angeschaut. Zatoichi, oft stand Kitano da, ihn spielend, mit geschlossenen Augen und mit in Kopfnähe erhobener Waffe, lauernd. Die Scheide seines Schwertes war allerdings ganz schwarz und glatt. Ich versuchte mir den Preis vorzustellen. Aber ich habe mir ein Waffenverbot auferlegt, seit mir meine aus der Kindheit stammende intensive Anhaftung an die Ästhetik der Kampfgerätschaften endlich aufgefallen war.

Irgendwie ist es schon wichtig für meinen Plan, dass ich bei Besinnung bleibe, d.h. will, immer weitermachen will. Die östliche Körperkenntniss habe ich immer gebraucht und bewundert. Wie hätte ich die beim Heer gebraucht. Zwar durfte ich wenigstens auf Trekkingschiern erster MG-Schütze sein. Aber das üsMG, das überschwere, mit welchem ich im Wald sogar 1 m runterzuspringen hatte, ist der wahre Brüller. Nur habe ich dabei nicht gelernt, lange genug draufzuhalten.

 

 

Der INFINITY DAY wurde gebraut mit:

Viel viel Tee (v.a. Amida_Buddha, Drachenbrunnen, Phoenix Dragon Pearl - alles grüne)

Ein Wo´dka, auf zwei Nächte (Flasche hab ich)

Ein Kognak, gemeinsam (Rote Elixierflasche, Rob zersplitterte, hab 2 Splitter)

Viel Wasser, oft mit Vitaminen (Mulivit, Calcium,etc. Ascorbinsäure). Viele Liter Bier zwischendurch. Kübel Kaffee.

 

Frühstück nach dem "Beginn der Niederschrift apple crome". 8:46

Eiskaffee hochwald

Käsekuchen exquisa snack

Icepresso Jacobs

Marzipan pur adeg Kopecky (der Shop)

Und fürs wilde herumtollen: Tiramisu & Biskuit Joghurt Dolce Vita (nur im Winter) nömiversum (bleibt beim mit-herumtollen im Becher picken).

Tja, mal süss, mal säuerlich. oder kaf & Zigaretten.

 

Epilog

 

Nach einer Nacht in der ich geschrieben habe laufe ich durch die Strassen und lasse mich in meinem neuesten Delirium von der Kunst der Dummheit gehen, die hööhste Kuunst!, dewegen erproben sich alle so eifrig darin, - es wird mir selbst nach einer Weile zu viel aber ich habe eine kleine Krise nach dem Festen, will alles hinschmeissen (wozu die Anstrengung?) und das Monolog-Radl rennt von alleine weiter, leichte Rage. Nachher, ich habe mich ein wenig beruhigt, beginnt Jo Nego anlässlich der Gedenkfeierlichheiten zum Kriegsende eine Disskussion über Gut und Böse, Dumm und Klug. Er beklagt sich auch, fragend. Zusammen mit Markus wird es eine sehr angeregte Diskussion. Ich habe in meiner Verblendung die Ziegelummauerungen der Denkmäler für authentisches Material gehalten, echte Ziegel und als solche sogar fotografiert, wir betrachten die Bilder. Ich erzähle von der Verarschung des muslimischen Hauptredners beim Kanak-Attack Festival: Gerade als er die Rede hält, ich habe es nach einem Sager von h, fällt mit einem lauten Peng die Lautsprecheranlage aus. Tja, da werden also die Moslems beinahe gezwungen auf unserer Bühne mitzuspielen, wie sollten sie eine Chance haben, gegen den ausgebauten reflektierenden Logos des Okzidenz, vor ihrer Zeit aus ihren angeblich miefigen Löchern geholt, auch die Georgier beschweren sich. Phew, die Christencliquen. Es ist aber auch zu peinlich, die Moslems erzählen Geschichten, mit denen man sich hierzuland in den 20er, den 60er Jahren gebrüstet hat, erste sexuelle Aufstände, Missbrauch, etc.

 

(Sprachgesellschaft)

 

Vielleicht aber ist genug getrauert worden seit dem letzten lokalen Krieg, 60 Jahre schon, das sind zwei Generationen, denen die Kriegsgreuel in unveränderter Weise auf das Gedächtnis drücken, in den Nerven und im Magen liegen, wie lange noch wollen wir all die grausamen Verbrechen deklinieren, die wir doch zum Glück nicht mehr erlebt haben, wir ewig Verletzten, die sich nur noch mit ganz leiser Stimme zum ungeheuren Ruf des Seins bekennen wollen: Nein, noch nicht, es ist zu früh zum erneuten Sterben, lasst diesen Kelch nächstens an mir vorüberziehen, was hatten wir denn nicht gelitten, und wenn nicht wir dann unsere Eltern, oder zumindest die Elterseltern, Alter Alter? - Ganz und gar eingeschüchtert, der Kulturtheoretiker Sloterdijk hat diese Diagnose erstellt, und er hat sich auch 10 Jahre mit der weimarerer Republik beschäftigt, der Bestseller in dieser leichtlebigen Zeit war eine neue erschienene Napoleon-Biografie gewesen, denn zu dieser Zeit war jeder in Deutschland, gewollt oder nicht, unter dem Druck der Siegermächte, ein kleiner Feldherr, und einer von ihnen hat es dann auch geschafft, wie blöde, die Politik, damals war es das einzige Korsett der Disziplin.

Welche Wahrheit ist denn universell? Wir mögen schon die Hitlerfigur als Inbegriff des Bösen verehren, doch man braucht nicht weit in ein beliebiges aussereuropäisches Land zu gehen, schon dreht sich sie Wahrnehmung der Guten um. In Ägypten, einem anderen verknechteten Büttel der Römer, der Franzosen, und der Engländer wird also dieser Kleinösterreicher mehr oder weniger als Inbegriff der Freiheit verstanden, als Widerstand gegen die über Jahrhunderte so überaus siegreichen und edlen Engländer. Natürlich, dort zu lande ist man zum grössten Teil Moslem, da ist sicherlich jede christenfeindliche Ideologie hoch im Kurs.

 

 

YANG FUDONG

 

Die nächsten Tage verabrede ich mich mit Vron um in eine Ausstellung im Museumsquartier zu gehen. Vorher im Savoy mit ihr "beneide" ich den Homosexuellen, blond, Ohrring ist mir schon aufgefallen, doch tatsächlich um "seine Frau" (Asiatin, jung, hoch und würdig; erst Vron muss mir meinen Irrtum erklären: War doch ein Schwuler!, - mit verzogenem Gesicht). Irgendwie erwartete ich mir einen ähnlich stilvollen Kunstgenuss wie von Shoni oder so in Ber. Das Motto der Ausstellung war absolut schön: Don´t worry, it will be better...

Auf dem Weg in den ersten Ausstellungsraum habe ich ich zu Vron gesagt: Sie, Yang, ist 2 Jahre älter als ich! - lächle. Vron versucht sich auf die Aussage einzustellen, liest die Einleitung, zwei zweisprachige Spalten, vertraut. Im erste Saal mittlerweile auf dem Büchersitz, nachdem sie das Datum geprüft hatte, fragte sie: Du bist 51 geboren? Ich dachte du bist 30. - Ich, plötzlich leicht getroffen, dass sie zumindest vorgibt es nicht mehr zu wissen, zeige ihr meine Eselsbrücke: 51 + 5 = 56 (ihr Datum), 5, also eigentlich 4.5 Jahre sind zwischen uns. Eigentlich war meine Aussage ganz unschuldig gemein, eher narzisstisch. Ich wollte mich (vordergründig?) nur künstlerisch vergleichen. Aber da ich schon mit Vron über meinen Harem gesprochen habe, hatte alles einen Hauch Prüfung, Taktieren, Möglichkeiten zu Verletzen, Verletzungen zu zeigen, überhaupt.

Danke Yang. Eine Ausstellung mit so viel Aufmerksamkeit für mich. Im ersten Saal sagte ich zu Vron: was ich an Videos so störend finde, dass man sie nicht mit einem Blick streifen kann und sich dadurch für ein längeres Verweilen nicht selbst entscheiden kann. In Ber bei der anderen Asiatin, Shoni, das fesselte mich augenblicklich und ich schaute es mir zweimal an - In den zweiten Saal, nachdem ich reingeguckt hatte, zog ich Vron beinahe ungeduldig rein und sagte, die Arme ausbreitend: Voila!. Sie fühlte sich durch die ganze Ausstellung mehr oder weniger von mir gezogen, ich hatte sie gebeten mitzukommen (mit einer Frau an meiner Seite traue ich mich überall rein, scherze ich oft). Der dritte Raum war ein Kinosaal und damit endlich wie Shonis (? wenn es Shoni war) kleiner Beamer-Medienraum, obwohl das damals eher einem Videoclip glich, diese Prinzessin, unterlegte chinesische Engelsstöhnern, im Wald dahin eilend, Shinto, stand am Eingangstext, ein grell bemalter Tempel blinkte auf einem kleinen Platz unter einer steilen Felswand mit einem schmalen, aus grosser Höhe stürzenden Wasserfall, wo sie ankommt und tanzt, mit einer Erhabenheit und Pathos wie in Kill Bill die Szene mit der Japanischen Gangsterin und ihrem Clan, wie sie so belustigt die Treppen ins Odergeschoss des Restaurants paradieren..

Hier der gelbe Berg, wenn auch meist s/w so doch als erzählender Film, Kurzfilme, es waren zwei Episoden. Der gelbe Berg, ich erinnerte mich dann an Tiger&Drachen. Die Anschauung des A-Lochs a la femmes. Ich weiss nicht, ob ich spontan gutgeheissen habe, Sex als Kunstthema mitzunehmen. Die Zusammenfassung von ihr habe ich jedenfalls nicht gekauft.

 

Im improvisierten Filmsaal sitzend dachte ich, Vron zugeneigt, als Yang ihre Behauptung machte, wahre Liebende seien getrennt: Schau Vron, selbst hier (legerer, beinahe wippender Tribüne, wir sitzen/liegen auf den obersten Stufen, polsterbewehrt, hab Vron beworfen) sitzen wir extra weit auseinander.

Und nachdem ich die Führerin, mit ihren Ausführungen im zweiten Raum zu der einen Projektion, sie war in s/w gehalten, nicht hören wollte und deswegen schnell in den Kinosaal weiterging, wo sie mich mit ihren zu lauten Ausführungen weiter abgelenkte, ich schrie irgendwann einmal rüber: BITTE etwas leiser!!, und der Typ mit den lauten Schritten sich niedergesetzt hatte, oder ging, wurde ich durch ein Vibrieren des obersten Tribünenteil, an dem ich gelehnt sass, stimuliert nach der Quelle der Bewegung zu suchen und entdeckte oberhalb der leicht zusammengekauert liegenden Vron ein Jungengesicht, wurde sofort eifersüchtig und danach dachte ich folgenden unbewussten Monlog: Wie lustig. Ich werde eifersüchtig. (Das reflektierte ich noch. Dann die liebende Güte, die metta:) Na schön, wenn du weiterwippen willst dann bitte schön, aber nicht zu viel. Überhaupt, ich will mich konzentrieren. Schaute den Film weiter an - Und dann war ich nur noch heilfroh als seine Freundin auftauchte,dachte: Uff, zum Glück hat er eine Freundin. (So viel zu dem Teilen - Wollen meiner Frau). Vorher, als die Führerin auf meinen Ruf hinauf nicht leiser wurde krabbelte ich zu Vron, beugte mich über ihr Gesicht, das seitlich, von oben betrachtet im Profil, auf dem Polster dalag und flüsterte ihr zu, während ich ihre wohltuende Wärme genoss, ihr Ohr kam mir klein und interessant gewunden vor: Glaubst du, das ist ein Fernseher der so laut aufgedreht ist, und ich habe mich getäuscht, als ich herumschrie? - Sie: Nein. - Sie musste schmunzeln, wenn ich das in dem fahlen Lichtschein der Leinwand richtig wahrnahm. Der Film war s/w, doch auf ihrem Gesicht spiegelte sich das Licht rosa-gelb sie hatte die Augen geschlossen. Irgendwann wurde es dann still, ich dachte: Wie schöön, endlich!

Ach, diese Führerin durch Yang Fudong (Vron hat mir erst erklären müssen, dass sie grad einer Dreiergruppe die Ausstellung zeigte, im zweiten Raum, ich dachte sie wäre eine Privatperson und mache sich im Freundeskreis wichtig, das wäre mir vertraut gewesen): So schlau, macht es sich so leicht. Bindet den Menschen bei ihren Führungen einen Bären auf, oder auch nicht. (ca: Etwa die Antiquiertheit des s/w - Teils im zweiten Raum, dem Viel-Screener.) Was für ein schönes Leben, leicht, und doch bei der Kunst. Aber eine Frechheit wie sie absichtlich laut wurde und blieb, beinahe hysterisch schrie sie ihre Leierlektion, denn schliesslich hatte ich gezahlt, es war mein Geld kraft dessen sie da war und mich störte. Naja, typisch Österreich: Sie hat sich mit einem Beamten verwechselt.

Als wir rausgehen, fragt Vron zwar nach der zweiten Bücherei, von der ich ihr eigentlich anfänglich, beim durchhecheln meiner letzten MQ - Erlebnisse, erzählt hatte, weil anscheinend ein Studienkollege dort arbeitete und ich habe ihm noch nicht hallo gesagt, sie wusste bestimmt dass es diesen Buchladen gab, schön, wie im NIG ein offenes Durchzugsgebiet, dachte ich beim Besichtigen, aber jetzt hatte ich die neue Bibliothek nicht mehr im Kopf und fragte staunend: "Eine Zweite soll dort sein?". Sie rätselt, lässt es sein, während wir die Front des MQs abgehen in Richtung Mariahilfer Strasse; ist diese mannshohe kantige dunkle Statue neu? Dann fragt sie, vielleicht weil ich sichtlich beeindruckt von der Ausstellung bin: Na, und was macht sie deiner Meinung nach?" - Ich lasse mich nicht zweimal bitten: "Der Erste Teil war ästhetisch formal an der klassischen asiatischen Malerei angelehnt, mit ihrer Landschaft, in der künstliche Dinge und Menschen sehr klein integriert sind. Der zweite eher eine Nacherzählung ihres Lebens, ihrer Männer, und der Versuch, den inneren Monolog darzustellen, mit seinen vielfältigen Themen. Das historische Sujet, etc. Die Ähnlichkeit des Titelbildes des zweiten Teils, monochrom und die Aufnahmen vom gelben Berg mit den klassischen Tuschezeichnungen, Landschaften, Porträts, integrierte Schrift, etc." - Und ich frage sie abschliessend: Glaubst du, das reicht für den Standard? - Vron: Ich?, ich glaube schon (Ja, Ja). - Ich habe das ganze "gezwungen angestrengt zu antworten" gesagt.

 

Der "doppelte Irrtum" ist anscheinend ein beliebtes privates Sujet meiner ganz persönlichen Bühne: Zuerst denke ich nach, wie ein Wasser holen? Dann gehe ich zuerst ohne Gefäss. Kehre nach einer Bedenkpause vor den Hähnen zurück, warte, nehme das Glas und kehre zur Wasserquelle zurück. Wieder falsch. den grossen Behälter wollt ich füllen. Aber bevor ich das schaffe, schreibe ichs nieder. Weniger anstrengend, als sich von der Musik fortzubewegen?

 

Später in der Werkstatt begegnen mir Fliege, dann Spinne. Ich verschone erstere, obwohl ich eine gewisse Lust verspüre. Und dann baumelt einige Tage später vor den Wasserhähnen vor meinen Augen die Spinne, wie um mich an die Kompetenzenverteilung zu erinnern. Sie erinnert mich an eine schwarze Witwe, klein ist sie. ich denke auch an das Spiel "Black Widow".

Danach ist Greg gekommen, er erzählt vom schwierigen Los der Fischer, Fische fangend. Er hat mich auch erinnert, dass ich durchaus nicht so wasserscheu bin, wie ich mir gedacht habe, als ich in Mario64DS´ das Insel-Bild spielte. Es war auch nicht leicht gewesen, mit einem Yoshi-Ei den Vogel in der Luft zu treffen, für den letzten subStern. Er verführte mich dazu, mich sowohl an die Wellen in Griechenland und der Nordsee, als auch an meinen 8-10m Tauchgang im Stadionbad zu erinnern. Lobte die Wassergewissheit der Taucher. Er bemerkte, frisch vom Rad abgestiegen, dass die Heizung läuft. Ich: ja, wegen der existenziellen Kälte.

 

 

FROWEN

 

Beinahe mit Fusstritten jage ich die Mädels fort, auf dass sie ihre eigenen Erfahrungen machen können. Ich schenke ihnen die Freiheit (vor mir), selbst wenn es sie nach der pseudo-Knechtschaft verlangt (nicht zu vergessen, das Universum ist weiblich). Castaneda ist so ein metaphysischer Blödel, dass es fast egal ist, seine Lügen für bare, literarische Münze zu nehmen. Eine Kappe heute ist profane Blasphemie: Die Behaupteten haben sich einfach zu sehr schikaniert (bis WKII). Deleuze, der Philosoph mit Hut, ist wahrlich ein vollendeter Hexer. Und der Junge bei der Yang, er half mir, wo er konnte (Fragte mich gleich zu Beginn nach dem Anfang des Films, und fragte zum Schluss, an Vron gewandt, Gruppenbild mit dazugekommener Führerin an der Kassa, über die Hängeschlösser - Souvenirs zum runterschmeissen, am gelben Berg: Um sich zu versichern, - antwortete ich sofort: "Wie sagte sie: To reassure!" - Sein Gesicht hört nicht auf zu strahlen, schaut auf die Führerin, die ist glaub ich dadurch auch versöhnt, verblüfft ob meiner Unschuldsmiene, ich grinse sie an. Ich war also wirklich konzentriert, kann alles auswendig, instantly, als Spontanvortrag vor mehreren reproduzieren, dazu höchst pointiert, wie immer. Nur mache ich beim Improvisieren noch mehr Fehler als üblich).

Crouching Tiger & Hidden Dragon: Der Beste Schwertmann wird wegen zwei Frauen, von einer Dritten getötet. Er stagnierte. Und Wong Kar-Wei, der Zhang Ziyi in seinem neuen Film vorstellt, wann schau ich´s mir ganz an? 2046, die Imagination der Roboter- Liebchen. Die Ballerina ist sehr schön, wie gang nochmal ihr Trotz in Tiger&Dragon: Ich bin die unbesiegbare Schwertgöttin mit dem grünen Jadeschwert. Heute mische ich unter den Gesetzlosen auf, morgen im Tempel (wo gehurt worden ist, der Meister selbst!). - Sehr lieb, spielt auch in Hero, chinesischer Gründungssaga a la Troya, so cineasitsch noch am ehesten eingeordnet. Und Tadi ist also am ehesten durch meine Doktorspiele mit A wahnsinnig geworden. Die Welt ist dabei, sich des einst notwendigen Luxus (heterovermehrung) wieder zu entledigen (in vitro, Clone). Deswegen also dieser verzweifelte Kampf um mich und meinesgleichen, die Agenten der Männer (des Luxus). Zu Luxus: der Luxus als Reichtum bspw. wird gekappt, indem die Männer ihn gezwungenermassen den Frauen umhängen. Damit hat er doppelt gewinnend gewirkt: Er wird vor uns Luxuswesen in unerreichbarer Ferne aufgeführt und dient noch dazu, uns an die Frauen zu binden. Jetzt wo die Arbeit unseres Geschlechtes getan ist (es gibt Menschen und Zivilisation), müssen die Männer doppelt hackeln, um sich zu rechtfertigen. Prost!

 

JUENNE FILLES - das philosophische Thema Deleuze´.

 

Zunächst gilt den wirklich jungen Mädchen mein Desinteresse. Die eine der zwei im Eltern-Lift: Er nörgelt. - Ich stimme ja oft das Lied an: Geill!, geill! an, aber die jungen Mädchen habe ich mir nur selten in der Phantasie gegönnt, die jüngeren Schwestern, immer waren es zwei, meistens eine junge mit ihrer älteren, meiner normalen, Schwester aus meiner Kindheit heraus. Und mit meinen kleinen Nachbarinnen lebe ich seit je her auf Kriegsfuss. Ganz entzückend können sie schauen, liebevoll besorgt bemühe ich mich, sie nicht zu lange zu betrachten, diese möglichen zukünftigen Partnerinnen. Die zweite im Aufzug legte mir also wie eine Zauberin, so bezeichnete ich sie jedenfalls, als wir öfters einander begegneten, die Situationen und Worte auf. Trotzig sind wir drei herumgestanden, als sie sich plötzlich, wie auf ein geheimes Signal umdrehten und mich freundlich aber irgendwie höhnisch anblickten. Zweifelnd verzog ich den Mund. Wie cool sie waren. Zwei kleine Schönheiten. Mir gefiel aber die dritte, eine meiner nächsten Nachbarinnen, wahrscheinlich am besten.

Und heute im Morizshop, mit der schönbeinigen Zeugin: er zeigt mir neben der strengen Kammer die kleinen lieben Bärchen, so süss, meine Kindheit mit A. Ich lächle: "Die Cherishing Bärs". Er: Nein, die sind draussen! - ich: Klaro, war nurn Scherz. (Der unter anderem darauf beruht, dass die wirklichen Cherishing Bears recht grosse Plüschbären in der Auslage sind, weich und warm, am Fuss der Pyramide, die beinahe das ganze Schaufenster einnimmt, mit den sich drehenden Ladies, von denen ich schon eine erstanden habe, an der Spitze. Hier, hinter der kleinen Vitrine der innersten Chamber, die Plastikminiaturen kleine Bären paarweise in action dar, wirklich drollig.) Tatsächlich braucht man nur meine moralische Kraft. Deswegen ist die Makellosigkeit so wichtig (ach wie leicht, so langweilig wie das ganze Programm, muss ich lachen), die Kagemusha Lektion, dass, wenn der Schauspieler fehltritt, der Clan ausgelöscht wird, da der Wissende Allein nicht viel vermag. Die Moraal, die Moral, alle müssen wissen, dass ich nicht der Unbestechliche bin, wie h scherzt, in einigen Dingen, aber wiederum nicht bestechlich in anderen. Ich verlasse das Internetcafe mit der zweiten Vampirlady.

 

Wie schmeckte mein gestriger Triumph, nach der Ausstellung: Die Männer versteckten sich so gut sie konnten, nachdem sich schon die Nachbarn genug um mich bemüht hatten. Jedem ist seine Haut am nächsten, selbst in dem Moment, als die Männerwelt noch den Atem anhielt, noch während ich schon meinen Triumpfzug ging.

Sri erzählt nach meinem Triumpfzüge von seiner Arbeit am weiblichen Geschlecht: 15 Jahre mit einer Frau. Ich frage: And did U cheat on her? Er, mit schuldbewusster Miene: Nein. - Ich lache laut auf. Darauf er: Concerning me i didn´t ... (wir grinsen) ... But a 1000 times, - und lacht wild. Auch Cost beeilt sich zu versichern, er habe genug getan: Ich war einmal 10 Jahre mit einer, einmal wieder ... - etc. Seinen Engländerwitz verstehe ich trotzdem nur halb. Noch ist mein Wissen jung und ungefestigt (England = Reinheit (= ca. Frauen) = Pudel könnte man noch sagen, wie bei Schildkröte D.H.Lawrence, Deleuze wiederholt). Die Frauen mögen ihrer Liebe wegen ihre Geliebten retten und Verräterinnen werden, aber dafür hören sie nicht automatisch auf, andere zu offern (Asterixslang).

 

Aber du willst ja 10 Frauen heiraten, - sagte Vron als wir einige Tage später telefonierten. - Nein nein, nur ganz wenige, vielleicht 3, oder 2. Im Grunde will ich nur dich, aber es muss sein, vielleicht eine Zweite. - Hihi, wie Sartre. Hab Vron mal eine Simone d. B. geschenkt, ohne einen Blick rein zu tun, erinnerte ich sie? Sie hat mir über die beiden erzählt und uns darin wiedergefundenen, oder zumindest sich für uns ewas ähnliches gewunschen. Literarisch kürze ich meine Listen der Frauen auf 5. Und die Metaphysische: Siehst du, die Hälfte der Zahl, über die du dich beklagst, - sage ich zu Vron. Sie wägt: Da muss ich erst meine .. Mitstreiterinnen kennen lernen.

 

Nach YANG

 

Und irgendwann, als ich sage ich mache es wie er, sagt Sri La: Like a Monkey. - Ich: U-Ue! - und kratze mich unter den Achseln. Sie lächeln zu dritt.

Später: Die ganzen Tage standen unter dem envy- sign, der Neidprobe. Und Tage später steige ich rasend zu ihnen auf, Sri schaut mich fragend an, sage: "I Stop selling cheap." sri: "At least, U planned it for a long time, he?". Ich lache. "He is an alkoholic" ereifert er sich dann blabla. Ich protze: Nee, me dont like alk. Me have no I, no over-I, boor is just it. Chrisa lacht: "Over-I!!!". Trotzdem weine ich fast, er spürt meinen Zorn und ich richte ihn gegen ihn, will gehen bis mir Chrisa die Schüssel in die Hand drückt. wie schöön! . Nach dem Essen mit Cost und Crisa (weisse Schalen, Pasta mit grünem Pesto - Wie ich, Weiss mit grün. wHose, wSakko, grünes Hemd) kommt Sri wieder aus seinem Zimmer, man merkt, dass auch er knapp am weinen ist. Ich schneide ihm eine Grimasse. Ich lehne den Alkohol (grün-braun-gööser) ab und gehe. An dem Abend denke ich an den Film Akira. Tetsuo, wie er angefressen war zum Schluss, trotzig geschaut, Kopf gesenkt, mit der Stirn voran, zu seiner Freundin: It could have been just anyone. - Die ganzen Geschichten die mir Sri erzählt hat, wie er alles verschenkt hat, etc. fallen mir ein: "I couldn´t do it", im O-Ton). Wir waren uns sehr ähnlich, Jünger der Weltvereinigung. Die Alkprobe, na toll. Auf der Treppe runter denke ich daran alles hinzuschmeissen, doch schon auf der Strasse prahle ich wieder, es kommt mir ein Mädchen auf dem Fahrrad entgegen, weiss mit sehr dezentem gelb- weissen Sommerdress, sehr dezent, wie der Strohhalm, den ich Mutter, mams tempore immobile, heute zu reichen hatte. Erst nach der Reflexion bin ich wieder voll da. Ich beginne, am Unendlichkeitstag, der Niederschrift zu werkeln (tag drei, tag zwei?), zu werken.

Und wie ich nach der Yang vor ihnen geprahlt habe: Ich ergebe mich niemals dem Fe-Mi-Ni !(Mit erhobenem Zeigefinger im Takt, zu Cost), - scherzend. Cost neigt lachend den Kopf und vollendet die "magische Formel" " - ism" (; das weglassen von "-us", das "muss" vermeindend, ist eigentlich ein Philosophenscherz, erstmals von Andi (aus Kantzeit), Cost konnte unmöglich davon wissen. Übrigens bei Tadi noch ismus).

blind

Und ich liebe es aus der Erinnerung zu leben, wie ein Blinder. Die von mir aktuell durchmessene Wirklichkeit nehme ich nur schemenhaft wahr. Schon lange formuliere ich daran herum, das Buch Die Blinden war gut, die blinden Kämpfer, lange vor Cyl. Und Greg, nachdem ich den langen inneren Monolog übers philosophisches Blindsein geführt hatte, spricht kurz über seine guten Augen und testet meine Sehschärfe anhand der Taskleisten - Uhr. Nu, blind bin ich während der gesamten Volksschule genug geworden. Ich wollte sowieso in die Hauptschule, wie mein Freund Greggy, der Hostienbeschmutzer, was kicherten wir in der Kirche, die Oblate am Boden neben den weinroten samtüberzogenen Knieauflagen..

Solange Menschen kein Mittagessen im Bauch haben, zumindest ein symbolisches, sind sie ungeniessbar, der Vormittag. Habe ich gehört; aber nie bestätigt gefunden. Doch wer weiss, man kann nicht vorsichtig genug sein. Ich lebe aus Büchern und dem Gedächtnis.

Entweder wusste ich was ich wollte, oder ich handelte unbewusst. Letzteres ist wohl der einzige Fall, wo man sagen konnte, ich hätte experimentiert. Denn entweder wusste ich was ich tat und was ich damit wollte, oder ich liess es von vornherein, vor allem wenn ich es nicht wusste. Ein langweiliges Leben voller verpasster Chancen.

Ist es nicht unmöglich, in der Literatur zu lachen, oder Lachen auszudrücken, im Gegensatz zu Humor? Schon deswegen kommt sie mir so gar entfernt vom Leben vor.

Die Älteren sind immer die genialsten. Auf ihren Schultern spielen wir uns, und springen ab in die Höhe. Doch wieder gelandet, vor ihnen, erkennen wir unsere Kleinheit. Schöner Fortschritt (Vorhüpf)! Paraphrase aus Ecos 60er-Postmodernism (bis zu Name Rose)

Wir benehmen uns wie Kinder: Testen die elterlichen Grenzen mit unserem Keinkram. Harmlos.

 

INFIN 3

 

IBOT & JUKI immerfort

 

Einige Wochen nach dem glorreichen Infinity Day versuchte ich die Kagemusha - Lektion des Regisseurs Akira Kurosawa zu vertiefen, dass also der Wissende nichts vermag, der Schauspieler aber über seine Rolle hinauswachsen kann (jedenfalls bis er stolpert, das ist: vom Pferd ertappt/abgeworfen wird, er, der die Menschen narren konnte). Dazu besuchte ich Ibots elektronische Freizeittempeldisco Alfred e. Mümmler bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit.

Auf der grossen Strasse suchte ich den Eingang. Ich war ziemlich auf der richtigen Höhe eingebogen, richtete meine Schritte stadteinwärts, und war beinahe da als ich plötzlich ich einen tiefen Bass hörte, es war mehr wie das Fühlen eines Windes, der aus dem grossen Hausdurchgang über meine Sohlen strich. Wenn es hörbar gewesen wäre hätte es sich wie ein ´Boum´ angehört. Ich war angekommen.

Ich überreichte Ibot gleich nach dem Eintreten sein Exemplar der infin1CD an der Bar ab, um seinen zweiten DJ, Chr kennen zu lernen, den ich als ersten, gleich beim Eintreten, in den Blick bekommen hatte, neben der Bardame mit dem kaum vom gespannten T-Shirt - Ärmel verdeckten blauen Oberarm-Tatoo, dass entweder eine kniende Frau, sehr fliessend, oder einen Drachen, möglicherweise beides vorstellte. Sie fipste mit einem kleinen Gluckslaut nachdem wir vier so schnell warm geworden waren, sodass ihr Oberkörper mit einer Wellenbewegung kurz das Kreuz durchdrückte, ihre dick schwarzumrandete Brille kurz die Visuals spiegelte, durch die Bewegung wirkte die Spiegelung auf der dunklen Brille, sie war in ihre Haare gesteckt, als ob sie durch einen Tunnel fuhr, Leuchtzeilen- Reflexe, und fragte: Seid ihr alle drei DJs?, - E s ging um die Freibiere, Ibot hatte eben, als sie die Bestellung holte, angefangen, C hr darüber zu unterrichten, - "Debut, ici?" - fragte ich C hr, er: "Nein, äh, ja, hier.". - " - Und er ganz unschuldig zu Ibot: - "Ich habe gar nicht gewusst, dass hier auch CD-Spieler sind?" - Ich fühlte mich geehrt, denn es wirkte, als ob er zu dieser Äusserung meine CD betrachtete, aber wahrscheinlich brachte sie ihn nur auf eine Idee, anscheinend hatte er nur an die Vinyl- Technik gedacht. Wahrscheinlich lag die Verbindung auf der Hand, ein Musikmedium in einem Musiktempel, ich kam nur nicht dahinter, weil ich wieder gänzlich private Träume hegte und pflegte. Ibot antwortete mit einem würdigen Nicken, den Mund spitz, grosse Augen und hochgezogene Augenbrauen, und lächelte, ähnlich wie Marcus es getan hätte. Würdig und eifrig bezahlte ich mein Bier, wir strahlten uns an. Ibot sagte zu mir: Das sind Visuals von mir, - und ahja, ich schaute die Wände an, mache mich an die Inspektion: auf hellen neonfarbenen Wänden lauter weisse Linien, gerade und gebogene Linien dicht neben einander gesetzt, sodass sie grosse Strecken und Keise, Halbrunde und geschlängelte Wege darstellten. Die Hintergrundfarben wurden mit der Zeit dunkler. Im nächsten Raum setzte sich die Bar fort, es war der Verbindungsraum, und darüber hing ein Monitor der Musikgeräte zeigte, eine Slideshow aus skurillen meist schwarzen Geräten mit vielen bunten Schaltern und Drehern, auf weissem Hintergrund. - Ah, die hast du mir gezeigt, prahlte ich, ich drehte mich um und sah in den Querraum hinein, mit seinen niederen Sitz- und Tischquadern wirkte er sehr orientalisch, beinahe leer, und dadurch, dass er fast höher war als breit, klein im ganzen, fühlte ich mich dort drinnen wie vergrössert. Aber die meiste Zeit hielt ich mich in den dritten Raum auf, am Ende war das Pult der DJs, niedrige Tische, rechts Barhocker und schmale Pulte. Eine Tanzfläche gab es nicht, der kleine Raum in der Mitte war sehr bald mit Publikum bevölkert.

Nachdem ich auf kurz Freunde in der Nähe besucht hatte war es bei der Rückkehr schon ziemlich voll, in allen vier Räumen tummelten sich eine menge bunter, meist junger Menschen, sie waren sehr schön anzuschauen. Marcus war da, ich setzte mich zu ihm, wir sassen auf der niedrigen Sitzgelegenheit an der Wand, ganz nahe bei den DJs. Chr war schon längst am Werk, mit sehr grossen Kopfhörern aufgesetzt hantierte er am Mischpult. Wir tranken fleissig, irgendwoher war ein grosses Glas, voll gefüllt mit einer durchsichtigen Flüssigkeit, - Wodka, sagte Marcus mit Unschuldsmiene und reichte es mir. Viele grosse Schlucke nahm ich anfangs davon.

Auf der grossen Leinwand unter unseren Köpfen waren Videoclips zu sehen. Rotierende Maschinen, maschinelle Wesen, ich kannte sie, Ibot hatte also die unsauberen genommen, dachte ich mir, prahlte still vor mich hin. Monocrome Zirkuswesen, stahlblau und grau, mit Spitzen und Kanten, Räder und Zähne, Teile die Übereinander und Nebeneinander aufgeschlichtet und aufgereiht waren, Verdopplungen, Vervielfachungen von gespiegelten und gedrehten Körpern.

Ich wurde Genoma vorgestellt, Ibots Freundin, gross und schwarz angezogen war sie, und während ich sie musterte dachte ich an Tobis Freude an Cels Gesellschaft und wie sich die beiden Frauen doch unterschieden. Aber schnell entschied ich mich, ihre dunklen, kleinen und runden Halbstiefelchen, mit leicht erhöhtem Absatz zu mögen, und ich bewunderte sie also, und glaubte darauf eine Stimmung aus der Umgebung zu vernehmen die wie zu sagen schien: Also doch! - Ich fühlte mich beschwingt, doch war sie mir gegenüber ein klein wenig reserviert, ihre vielen Spitznamen störten sie auch, Genom, Gene, weil ich sie fragte wie sie denn hiesse, oder zumindest wie sie gerufen werden wolle. Und dann begann Ich über das eine Bild von ihr zu reden, das ich einige Tage zuvor kennengelernt hatte, als ich Ibots Festplatten umkopierte, doch sie wusste zunächst nicht welches Bild ich meinen könnte: Das Rote, das mexicanische, wo so ein Mädchen mit Poncho drauf ist, mit einem kleinen Gesichtchen und sich nach unten pyramidal verbreiterndem Körper, mit lauter Streifen die quer darüber verliefen, mehr waagrecht als vertikal. Während ich mit ihr sprach betrachtete ich oft das Grübchen in ihrem starken Kinn. - Das will ich genau wissen, sagte sie und wir standen auf um Ibot darüber zu befragen. Mit einiger Mühe rekonstruierten wir das Bild in einer für alle Drei korrespondierenden Übereinstimmung. Auf dem Bild waren auch keine Streifen auf ihrem Gewand gewesen, und sie waren schon auf gar keinem Poncho, vielmehr waren es Rauten, lauter aneinandergehängte Vierecke die wie ein Schachbrett oder wie Pflastersteine aneinander gereiht waren, ein Motiv, welches sich in vielen ihrer Bilder wiederholte. Die linienförmigen Visuals hatte wohl meine Erinnerung durcheinander gebracht.

Die indirekte Wahrnehmung ist es, weswegen die Sprache immer gebraucht wird. So wird zumindest behauptet. Weil die Reizleitung unserer Sinnesorgane, sofort rückgekoppelt mit dem Gedächtnis und verstärkt durch die Erinnerung, immer eine Interpretation liefert. Bei Luhmann- Lektionen bekam man das sogar auf einer schönen einfarbigen A4- Kopie. Ich glaube, das ich auf der Uni selten diese blau-violetten Abzüge zu Gesicht bekam.

Unter Ibots Freunden war auch ein grosser heller Garcon mit seiner Freundin. Ich kannte ihn vom Sehen, eine Zeitlang haben wir gemeinsam studiert. Nachdem ich ihn an unsere gemeinsame Herkunft erinnert hatte fragte er: Ich habe das Studium in 4 Jahren beendet, Mindest- Studiendauer, aber was mache ich jetzt? - Selbstständig werden! Devenir liberte! Ich habe 8 Jahre lang studiert, durchaus mit hiessem Begehr, aber als ich die Diplomarbeit schreiben sollte stellte sich heraus, dass ich nicht schreiben konnte.

- laberte ich, mein schlechtes Französisch erprobend: ich bin im EDV- Bereich, aber es läuft nicht, eigentlich, keine Aufträge, und unsere Programme werden nicht fertig, - und schaute dabei Marcus lächelnd an, als ob ich die Schuld dafür bei ihm lokalisieren wollte, - nein, ich bin zu langsam, - korrigierte ich mich. - Wirtschaftlich läuft zurzeit gar nichts gut, erwiderte er. Was blieb mir übrig als zu nicken. Er wirkte fatalistisch.

Wir betrachteten die Visuals, hier waren verschiedene Muster auf die Wände geworfen, Die Decke war gewölbt, und über einen Tragevorsprung, ein weisser Balken, war ein Kreis ausgestrahlt, natürlich aus lauter Linien konzentrischer Kreise. - Schau, sagte er: Wenn dieser Kreis da ist, eingeschaltet ist, sind die Leute nicht so gut drauf. - Das ist so wie mit mir, scherzte ich: Wenn ich da bin da geht die Stimmung runter. Vor unseren Augen beschrieb ich mit der Hand einen flachen Sturzflug: Büüüüh. - lachte, doch er lachte nicht viel mit. Er kannte das anscheinend schon von der Uni. Meine lauernde Weise unter Menschen war tatsächlich peinlich. Wenn das passierte konnte sich meine Aufmerksamkeit nirgends mehr bündeln, ich betrachtete die einzelnen Menschen und wirkte dabei ratlos, planlos und nicht zugehörig, ganz wie ein Klotz am Gesellschaftskörper. Und hatte dazu oft wirklich abgeschmackte Gedanken. Aber wenigstens konnte ich mich damit entschuldigen, dieses Verhalten zur Akribie der Beschreibung zu gebrauchen, welches ich auf die Niederschrift der Ereignisse verwandte.

 

Über die Anzahl der DJs jedenfalls war das Bardamsellchen anscheinend informierter als ich, denn als Amon, ich nannte ihn nach seinem Ramones - T-Shirt unter der schwarzen Rockerjacke so, weil wir nicht zum Reden kamen, als Dritter im Bunde hinter dem DJ-Pult verführerisch eine grosse, fette Schwarz-Schellackplatte mit weinrotem Rund, inmitten einer Drehung mit beiden Händen erglänzen liess, wie als ob er das Pult mit einer Kreissäge bearbeiten würde , hatte ich ein Bild von meinem Kousin im Kopf, diese Zeitschrift, wo er mit der Schallplatten- Kettensäge ordentlich Späne in die Luft wirbelt, es war eine Fotomontage. Ich befragte Ibot über die tatsächliche Anzahl der DJs, schalkhaft und naiv zugleich: Ich habe geglaubt, ihr wärt nur zu Zweit? - Ibot lächelt amüsiert zurück: Zu viert! - Mir hatte die Aussage zu genügen. Noch später, im Mittelraum sollte er dann sagen: 8! Im Nachhinein betrachtet hätte ich zur Not, um auf die 16 zu kommen doch glatt meinen iPod mit der Random - Playlist in eines der Teile mit den grossen LED-Anzeigen stecken können.

 

Währenddessen war ein filigranes Mädchen gekommen, oder zumindest setzte sie sich auf das Tischeck des uns nächsten Tisches, frontal vor die Leinwand, aber rückwärts.

Hinter ihrem Gesicht wurden neue Clips gezeigt, die Überfahrt über die dunkle Landschaft kam mir bekannt vor. Ich verspührte eine grosse Lust sie zu fragen ob sie die Künstlerin sei. Unterdessen tippte sie lange in ihr Telephon herum, es war ein schon älteres Modell und auch deswegen in seiner abgerundeten Klobigkeit, Leuchtend blau mit orangen Seitenstreifen, ich kannte das Nokia- Modell beinahe wieder gut. Noch vor kurzem hatte ich gleiche. Als ich Ibot in den Blick bekam bat ich, ihr vorgestellt zu werden, mittlerweile hatte sie sich nahe bei Genoma gesetzt. Wir alle kamen immer wieder in dieses von uns eingenommene Eck zurück. Mir gefiel es vor allem auf dem Unterteil des DJ- Pultes zu sitzen, das aus der Hälfte eines neonfarben angemalten regelmässigen Hohlbaumes zu bestehen schien, der oben eine gerade genügend flache Seite hatte, dass das eigentliche Pult Platz fand und man darauf sitzen konnte.

Wir setzten uns. - Deine Sachen erinnern mich an Akira, und an noch etwas, - riet ich, - Englisch please! - mahnte sie. - An Ghost in the Shell. - Es ist auch davon inspiriert, - antwortete sie leicht. Hm, - dachte ich, das ist ja interessant. Aber sie sagte nichts dazu. Dafür hatte ich noch einiges los zu werden: Kennst du den Film Kagemusha, von Akira Kurosawa? Ich bemühe mich gerade, die dort enthaltene Lektion zu verstehen... Wenn man nicht schauspielern kann, ist das ganze Wissen nicht viel wert. Also bemühe ich mich, möglichst gute Rollen zu spielen, des Wissenden zum Beispiel. Ich bin von Japan begeistert. Wie sagt ihr: Ni-ppo. - Was! - Nippon. - Ja! - fuhr sie auf, plötzlich kurz interessiert und bestätigte die Wahl: Und nicht, - sie verzog den Mund arrogant nach oben: Japaan! - Wie sagt ihr nochmal? - Mir kam es auf den Klang an. Leise wiederholte sie den Namen ihrer Nation, - Wie?,- hackte ich nach, sie hatte so leise gesprochen, die Musik war auch sehr laut. - Nippon, - wiederholte sie erneut, aber noch leiser, oder zumindest konnte ich auch diesmal nicht gut verstehen obwohl ich mich zu ihr beugte, sie versteckte ihren Kopf in ihren Händen, die auf ihrem Schoss lagen. - Nips, wie euch die Amis nennen, - ergänzte ich im Geiste: Wie repetierte Stephenson in der Geschichte von seinem Grossvater: Nie werden US- Amerikaner mehr Buchstaben benutzen um etwas zu bezeichnen, wenn sie mit drei auskommen können. - Ich war begeistert. Es war Zeit, wieder ein wenig von ihr abzurücken. Zudem war das augenscheinlich nicht der Augenblick, um Nationen und Rassen zu besprechen -

Also Kagemush, - setzte ich dennoch mein Lieblingsthema fort: Du weisst doch, - aber sie schaute ziemlich desinteressiert, und so brüllte ich plötzlich leise, nach Art der männlichen Nips, tief aus der Kehle, mit vibrierenden Stimmbändern, im hinteren Gaumenbereich formulierend und ohne die Lippen dabei viel zu bewegen: KAGEMUSHA! - Und das fuhr ihr direkt in den Körper, und mit einem Ruck hob sich erneut ihr Oberkörper, ihr Kopf fiel in den Nacken und sie lachte kurz und abrupt auf: Hi- HiHiHiHiHi. - Ich fiel ein: Hahahahahahahaha und lachte viel länger. - Nippon hält seit 20 Jahren seine schützende Hand über mich! - rief ich. - Wie?, - fragte sie verwundert. - Mario. Super Mario. Jubiläum! Nintendo! - Sie winkte ab. Das war ihr zuviel.

 

Lasar und Karin kamen. Breit lachend rief er: Janus! - ich verstand nicht gänzlich, warum das für ihn so eine besondere Freude war. Ich kam erst später drauf, als ich anfing mehr herumzuspringen. Sein Freund hatte schon geschlafen als ich das letzte Mal zu besuch war. Auch da, am Unendlichkeitstag, war ich sehr ausgelassen gewesen. Wir sprachen darüber, und über die damit thematisierten Vereinigungswünschen, schliesslich hatte ich die beiden seitdem nicht wiedergesehen. Sein Freund sagte: Ich bin aus dem Osten. Wir mögen die Russen nicht. - Ich werde auch die Russen aufs Boot holen! - Wir lachten, - Ich will als nächstens Russisch lernen, anyway, my droogis, Dostijewski halber und wegen Gogol, nee, nicht unbedingt Tolstoj, aber Lermontov: Die Tscherkessen! und die Tschetschenzen! Und Gorki vielleicht? Den halt ich noch nicht aus. Und dann Chinesisch! -

Und da lachte Juki ein zweites Mal kurz hell auf: Hi- HiHiHi, - sie, die Japanerin. Sie hatte sich wohl in meinen Intentionen getäuscht, als ich so viel von Nippon schwärmte.

 

Ibot 2squ2, so schien mir in dieser kurzen Zeit meines Aufenthaltes, trat nur noch der Ehre wegen hinter die Plattenteller, als ich schon halb im Begriff war, das Haus zu verlassen.

 

Und Laser drehte derweil die Anlage auf maximale Lautstärke. Er wollte den Boxen, er hatte sie beigesteuert, den Rest geben. Ich war sehr hitzig geworden, flitzte quasi ein wenig zu schnell zwischen den Gestalten herum. Karin betrachtete mich mit kritischen Blicken. Ich sprang auf den Sitz neben ihr, beugte mich zu ihr und sprach: Du bist doch Französin.., - ich wollte sie, einem schelmischen Spiel folgend, fragen, ob sie nicht ihre Sprache mit mir teilen wolle. Ich wollte so gerne eine Französischlehrerin. Aber ich kam gar nicht dazu. Sie wendete sie entrüstet ab. Trotzdem wurde ich das Gefühl nicht los, dass sie irgend etwas an mir interessierte.

 

Vis-a vis von mir, gegenüber am Tisch, hing Marcus mit gesenkten Liedern im Sessel. Der Übermut riss mich erneut mit und ich fasste den Plan, ihn sofort auf dem Luftweg zu erreichen. Und im selben Moment fuhr sein Kopf auf, belustigt guckte er mir entgegen, und schon sprang ich vom Sitz, und mit einem Schritt war ich über die niedrigen Tische hinweg gestampft und warf mich zu ihm auf den Sessel. Wir lachten los, ich umarmte ihn an der Taille und gemeinsam schüttelten wir uns in brüllendem Gelächter.

- Siehst du!, rief er: Die Partytherapie! Das ist die einzige Therapie die ich kenne!

- Waas! Das nennst du Therapie! Was denn? Was macht ihr denn da? Entspannen?, - Ich war beleidigt. Klar, alle Kunst konnte als Therapie gesehen werden, oder als Medizin, ´Dringende Arzneiwaren´, aber gerade das? Ich begann mich zu distanzieren: Also ich weiss nicht. Ich brauche das nicht. Ich nicht!, - ich wurde trotzig. Ich langweilte mich. Und stand auf, trotzig drehte ich eine Runde und wurde nicht müde, meine Meinung hinaus zu posaunen. Die allgemeine Aufmerksamkeit bündelte etwas Konzentration auf die Beantwortung der Frage, warum ich dann hier sei, überall schwebte sie in den Räumen. Ich war nicht lange um die Antwort verlegen, es war der Künstlerin Yang Fudong Antwort: To Reassure! Um mich zu versichern. - ich sprach, gar nicht mehr zu irgendwem bestimmten, mitten in den Raum: Hier unter den Geschwistern brauch ich nicht sein, läuft doch alles prima, wa? Von Zeit zu Zeit versichert man sich eben. - Und wieherte weiter: Hiiii! Hi Hi Hi Hi! - Zwischendurch machte ich einen Knicks vor einem anderen mir vom Sehen her bekannten Adepten der Schriften, dem schwarzen Magister, wie freundlich er schaute. Aber einmal losgetreten die Aufklärung, forderten sie noch eine Antwort: Von wo das Lachen? - Was?, - Warum das Lachen, dieses Lachen, also eigentlich eine meiner verschiedenen Lachweisen? H behauptete früher, es klänge mädchenhaft. Ich dachte nach, es wurde mir untergeschoben: Mozart! - Natürlich, vor nicht allzulanger Zeit habe ich ihn erneut gesehen, und darüber gesprochen, M. Forman, und ich drehte mich herum, schaute in die Freundesrunde wem ich das sagen konnte, ich versuchte mich zu erinnern wer mich gefragt hatte, ich bekam Lasar in den Blick, weit weg wirkte er, und ich gab es auf, ein weiteres Mal irgendwem zu erzählen, was ich denn gerade über mich herausgefunden hätte. Aber die Antwort wurde mir stattgegeben, ich erzählte später Stefan davon. Er schenkte mir das Requiem. Sehr schön.

 

Das Bardamsellchen verweigert mir schliesslich das Bier, nicht zu unrecht. Ich habe gesagt: "An Kinder und Betrunkene keinen Alkohol," - Sie: "Na dann." - zweifelnd wer jetzt wen gehindert hatte am Ausschank, aber standfest. Angestrengt runzelte ich die Brauen über dem langen Blick hinter sie auf den Kühlschrank: Dann will ich zwei Redbull! -verlangte ich, besorgt um den 5er, hatte sie ihn? (Er befand sich 10 cm unter meinen baumelnden Händen, im aus leuchtend weissen Plastikabtropfgitter bestehendem, relativ trockenen, leeren Teil des Nassbereichs der Theke, ich hatte so viel unter nicht geschaut, gar nicht geschaut, auch auf sie selten, sie hatte dann eine Kollegin, sie zog also den 5er dort erst als sie meine Bestellung ausgibt wieder hervor. Ich dachte zunächst: "Sie verweigern mir Alkohol (oo.k.), aber sie geben mir nicht einmal das Geld zurück! Ich, auf diese Panik hinauf: "Aber auch das Rückgeld!", ich hatte zwei Flaschen äh, angedeutet, sie gab mir eine.

Wie gütig. Aber ich wurde sogleie rausgeschmissen als ich weiter herumstänkerte, ein freundlicher Kerl nährte sich und fragte: Willst du hinausgeschmissen werden? - Seit Stunden!, erwiderte ich pathetisch, und er beförderte mich sanft am Kragen durch den Mittelraum und dann löste ich mich und fiel Karin vor dem Eingang theatralisch vor die Füsse und trat ohne weiteres getrue raus und schmiss, in einem flachen, weiten Bogen, das Red Bull, nachdem ich ordentliche Ausschütter, zunächst einen kleinen in die Bar, dann grosse Wellen auf den Asphalt, ausgegossen hatte, vor mich wie beim bowling, schön zerschellte sie, und ich war wieder am Boden, suchend, nachdem ich auf den Anruf des Pärchens das grad nach mir rauskam: "Und wer hebt das auf?", - geantwortet habe: "Ich, von mir aus .." - und suchte schon die Scherben, nahm den Flaschenhals, drehte ihn um und sortierte darin die grösseren Stücke zu einem grünlich-schwarzen Bukett, soo schöön! versank ich einen Moment erneut in eine ästhetische Anschauung, schon wieder als Schauspiel auch, und beinahe resignierend war das Pärchen abgezogen, glaub ich, und ich sagte darauf schon wesentlich leiser, langsam kam ich mich dem Aufsammeln durcheinander: "Aber nur die grösseren Stücke." - und entdeckte daneben an der Wand lehnend ein Billasackerl das schon mit Leergut gefüllt war, und schlichtete, nicht ohne ein Zögern, die Scherben obenauf. Schauts, - dachte ich: hab das Teil doch glatt neben das richtige Sacki geschmissen. - ganz sinnlos.

 

Das Gut-Sein und sich wohlfühlen im Erd- und Gesellschaftskörper und schliesslich im eigenen Körper ist tatsächlich nicht dazu da um sich einfach nur gut zu fühlen. Sondern es ist ein Mittel zur Erleichterung, zum Schweben und zum Beschleunigen. So gesehen ist Langsamkeit sicher keine Sünde. Aber sie ist das Pech oder Glück der vorgeblich Bösen.

 

TITEL

Imobilenaut - für mich, für die Freunde. Sesselhüpfer, Tischschlitterer, Tischschwimmer, oder kosakisch ÜbertischStampfer, IndoorHürdenläufer. pono-mettre: Setzen, stellen, legen (föhnen). Ich habe mich immer weiter gegen meine Gene aufgelehnt, gleich wie gegen meine Genien.

 

YOGA-NAND

 

Eine weitere Vermessenheit beging ich am nächsten Tag, bald nach dem ersten verspäteten Herausgehen unter die Sonne. Als der zweite Yogi mir direkt auf dem Boulevard seine Dienste anbietet, Handlesen, mehr habe ich nicht verstanden, er sprach so leise, erwiderte ich, schon im vorbeigehen, über die Schulter: I´m better than U ... in these things; locker, nonchalant. Dabei habe ich noch den Tag zuvor gedacht: Die Yogis wünscht ich mir an meiner Seite. Ich steh eh mehr auf Zen, da gibt es keine Konflikte. - Ah, Yogananda am Everest, da müsst ma sein, in den Bergwäldern!

Er hatte mich auf offener Strasse erwischt, in einem Moment des Fluchtverhaltens aus dem 6ten und damit zeigte sich, dass ich noch nicht bereit bin für die Öffentlichkeitsarbeit. Und ausserdem, suggerierte er nicht mit seiner Frage, dass wir inkompatibel sind, dass er nicht weiss, was ich will? Das war, nachdem der Junge Yogi mir die Zukunft prophezeite, nicht unweit vor dem Billa haben sie mich abgepasst, dick, ich wunderte mich ob der Male in seinem braunen Gesicht, und mir Glück, inklusive Kraftholzbällchen, fast dunkel elfenrot, reichlich verziert, ein Kehlenchakra - Ding, wie er es glaube ich so vorhielt, mir unters Kinn, und in seinen Notizblock schrieb er, die Zahlen flossen reichlich, durchgestrichen, neue, dann ein Foto der Waisen, süss, klein und gross in Saris, oder so Gewänder, rot-gelbgolden, schenkte, fürn 5er, ich hatte nicht mehr zu geben, er war hartnäckig, fragte nach Change, Metallgeld. (Und den anderen gibst Du? - hörte ich ihn scherzen, hinter seinem besorgten Gesicht.) Sie zogen ab, den zweiten, kleinen und dünnen Adlaten nahm ich erst dann überhaupt wahr, er war von Yagananda abgeschirmt gewesen, von dem Breit wie ein Hügel, und genauso tief.

Und das dritte Mal als ich ihnen begegenete winkte ich ihnen beinahe, in meinem Eifer sie zu bemerken, breit lächelnd, die Augen fielen mir fast raus vor lauter Gucken und Beachten, als die Yogis gemeinsam, generationenübergreifend, mit Frauen, auf der andern Strassenseite vorüberzogen, Yogananda, zuletzt flanierend, schaute mich an, die Augenbrauen zusammengezogen sein Mund bewegte sich nicht, um dann erneut, mit einem bpff-mässigen Umstülpen seiner Lippen genau in die Richtung weiterzudampfen, die er vor unserem Zusammenstoss inne hatte.

 

Marcus ruft an: Dieser Deleuze, Philosophenkünstler, was warn das für einer? Der hat sich 94 umgebracht. Darauf stehst?

Ich: Ja, war aner Lungenmaschine angeschlossen. Tbc, krank, 20 Jahre lang, jeden Tag einen Pillenstoss, - ich zeichne mit dem Finger, er kanns durchs telefonieren nicht sehen, auf das Fensterbrett eine handtellergrosse Pyramide, immens, staune über die Grösse, zu gross, - War 70, oder 75. Würdiger Tod, wa?

Marcus: ... Ja. -

Ich Und mein Text? -

Marcus: Ja. Hat Stellen. -

Tja, scherte sich nix, in der späten Jugend, sagen wir etwa 30-38, der zweiten Gymnasialzeit, nach Gombrowicz.

Aber seine Tochter Emilie ist Regisseurin geworden, und das beweisst vielleicht, dass manche Denker- und Elternsein gleichzeitig auf die Reihe bringen. Nicht nur hat sie diesen Frauenunüblichen Beruf ergriffen, die verwöhnte Doktorentochter, nein sie führt auch die Philosophie Papas mit cinematografischen Mitteln fort. Zweimal habe ich sie schon zu Gesicht bekommen, jedes Mal während der Viennale, wie fröhlich sie lachte, die Reiterin, analog durch und durch, früher Feste und Pferde und Fernsehfilme, heute Kino und Pferdefilme. Wenn das nicht ein Akzent des französischen Films ist ist.

 

Wenige Tage später spaziere ich an den Zwillings- Museen vorbei: Dreckig, - ich schimpfe. Gehe über das "Bildungsrep.haus", wo ich denke: Na gut, die Erziehung ist schmutzig, dann biege ich zum Parlament ein, hinter einen übermannshohen Zaun ist es verdeckt. Mein Scherz, das Parlament wird renoviert, besser gesagt wird die Athene restauriert, deren Fundament bröckelt: "Na hoffentlich ist die Restauration bald abgeschlossen, das ist ja untragbar, diese Mauer... Servus Muster" (Plakate, die mechanisch wechseln, der Tennisstar, das andere Bild zeigt diese schöne neue grünliche Werbung mit Asiaten von axe.) Dann sehe ich die Sichtfenster, durch sie sieht es aus, als ob Pallas Athene inmitten eines Trümmerhaufens stünde. Ich: Na wenigstens etwas, man sieht rein. Wie lustig, die Demokratie bröckelt, hihi. Das "unnötige" Parlament, hihi. Marcus ist mal auf sie drauf, hihi, Marcus, du warst doch dabei. - Marcus: Waas! Die Demokratie, Schwachsinn! - Ich: Pallas, die Göttin von Krieg und Frieden, Gesetz und Fruchtbarkeit. Potemkische Demokratie! Und wirklich Wurstbude sagt ihr? Nein, wiiie lustig! Ah, der slawische Diminuitiv, die Verkleinerungsformen, und das hier beim Osttor des Tabaks, Small Apple ... petite pomme! Nein, zu lustig, hihi. -

Das Glück des weissen Rings. Und was erst als ich das erste mal die neu- Uni in ihrer vollen Pracht examiniert habe, eines Abends beim spazieren. Das q-PIG wie aus verschiedenfarbigen Marmorblöcken zu Einem gehauen, seitlich Riesenschriftbänder auf leuchtendem Weiss-Plastahl, und vor dessen neuer Glanzschönheit, des NIGs, breche ich von Trauer getroffen zusammen, schon unter den groben quadratischen hohen schwarzen Marmorsäulen am Eck angekommen, wie Blöcke, eindeutig Bauhaus und nicht archaisch sind sie, in cremiges gelbes Licht, aus den den Säulengang beleuchtenden, aus der Höhe herabhängenden runden Zilindern aus milchig weissem Rauchplastik, getaucht, ich lehne mich an, als ob ich mich stützen müsste, lehne den Kopf auf den kühlen Stein. Die Nervenheilanstalt, die manche auch das philosophische Institut Vienuvo nennen, ist in Ordnung und nur weil ich in der Verbannung davon lebe bedeutet es nicht, dass es keine Rückkehr gibt. Ich desertierte weil es an der Zeit war, meine Schuld an den Künstlern abzutragen. Es gibt für mich ein Leben - auf der uni vie zb.

 

Und um mich auf diesen einen der Gedankengänge vorzubereiten war ich anscheinend gezwungen, eine tour durch den Prater und die Unigegend zu machen. Im Prater existiert beinahe nur noch meine Lieblingsspielhalle (nik, nik).

 

Traum Lasar&Karin,

am Abend, als ich nicht zu Lasar u- Karin gang (0-2): Lasar stand inmitten eines wie dunklen und blätterbesäten, leicht nebelig schwankenden Bodens, wie ein Kameraausschnitt wirkte das Ganze, und er mass zirka die Hälfte der Vertikale, und war auf den ersten Blick eher matt strahlend, wie der dunkle Untergrund selbst, nur leicht anders koloriert und leicht weisslich- durchsichtig, und ich suchte die strahlende Neonästhetik und fand sie bei seinem Bauchnabel lokalisiert, in Gestalt eines kleinen grellorangenen Dreiecks, das mit der langen Spitze nach oben geneigt wie eine Zunge seiner Körpermitte entsprang, gleichzeitig wie rotierend, während die gesamte übrige Gestalt wie ein hauch transluzid, wie windgezerrt schien. - Schau, auch Lasar leuchtet. - staunte ich, oder hörte ich, oder: aha, er leuchtet. - Und er verschwand und Karin war da und genauso wie er, nur rosa, ins violett, es leuchtete eigentlich ihre gesamte Hüfte in sanftem purpurnen Schimmer in einer hellen milden Aura, vor allem hinten der Arsch besonders ins Violette hinein scheinend. Und amüsiert posierte sie ein wenig, leichte Drehung auf die Seite, Hintern raus, die Hande aufgestützt auf den Schenkeln, zurückgedreht, sie lacht leicht, glücklich, frei, Süsse erklärend. - oh wie sie leuchtet, auch sie.

 

Und dann feierten die Franzosen eine weitere Revolution und stimmten gegen die EU- Verfassung. Der Auftakt für die Banlieuer Unruhen. Ich schämte mich ein klein wenig. Monate hatte ich die Franzosen beschimpft, kaum dass ich einige von ihnen kennen gelernt habe und mir dieser scheinbaren Länderkenntnis halber anscheinend zutraute über sie zu schimpfen, die Jungs und Mädels waren zwar eigentlich toll, aber über die Nation schimpfte ich, vor allem über die Zeit des Fin de Siecle, denn die bei Proust gelesene Dreyfuss- Affäre steckte mir noch in den Knochen als ich in Paris die entsprechenden Plätze und Strassenbenennungen wiedererkannte, in der Nähe der schmalen, in die Häuser eingelassenen Stele mit fremder Schrift, gegenüber des feinen Cafes, in welchem ich Bier trank, sowie Dostojewskis Einsicht, die Franzosen als Protokapitalisten setzen Geldhaben und Menschsein in eins. Hatte es mit meinen Freunden nicht auch ein kleines Missverständnis wegen Geld gegeben?

 

Wir erwarten uns die Veränderungen immer von den Taten, aber daraus werden sie wohl nicht herrühren können. Am heutigen Handeln ist nichts verkehrt, nur unsere Beobachtungen, welche meistens sprachlicher Natur sind, reichen leider nur an antike und mittelealterliche Masstäbe heran, und sind überhaupt nicht neu, selbst bei der Betrachtung neuer Tatsachen.

´Maybe in time You won´t be mine.´, Gorillaz?

b_ryz@yahoo.de

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