EMILIE 1 - VITA

 

VORWORT

Der wohlbegründeten Meinung entgegen, dass die Nacherzählung der Familiengeschichte, genauso wenig wie subjektive Erlebnisse, weder als Kunst noch mit Interesse aufgenommen werden können, den Fall von Memoiren bekannter Menschen ausgenommen, stellt dieser Text dennoch den Versuch dar, anhand der persönlichen Geschichte eine Art Reisebericht zu verfassen, der den Leser in verschiedene Gegenden der politischen, sozialen und psychologischen Landkarte entführen will. Vor allem der Einblick in die Psyche soll dabei, weit von einem ´Seelenstrip´ voller Bekenntnisse entfernt, weniger Gesetze des Geistes zutage fördern, als vielmehr eine einigermassen ehrliche Demonstration sein, wie verirrt und individuell wir im Normalfall unsere innere Welt mit irrealen, phantastischen und gänzlich realitätsfremden Versatzstücken auskleiden, und dennoch gesellschaftsfähig bleiben, und mehr noch, diese fremde und exotische Welt meist erfolgreich vor den Augen der anderen abzuschirmen imstande sind; der Technik eingedenk, die manche Memoirenschreiber darauf verwenden, ihre wesentlichen Geschichten im nachhinein in ein günstigeres Licht einzutauchen, wird dadurch entgegen gewirkt, dass gerade die stärker kompromittierenden Punkte, vor allem die weiterhin verpönten Gedanken der Selbstüberschätzung und des Selbstlobes, aber auch Handlungen der Selbstherabsetzung, besonders hervorgehoben werden. Man wird allerdings zu Recht befürchten, dass die Ausführung bei weitem nicht an den Vorsatz heranreicht.

Zugegeben ist das Unterfangen gerade heutzutage keine besonders originelle Methode, ausgenommen vielleicht das Bestreben, der Welt keine übermässig zynische oder negative Hypothek anzulasten. Der Autor wäre zufrieden, wenn man ihn wenigstens als bescheidensten Zuträger dieses grossen Projekts der Moderne zurechnen könnte, welches in Marcel Proust einen seiner prominentesten Vertreter und bei Henry Miller in Wendekreis des Krebses, durch das Zitat Ralph Waldo Emersons, sein gültiges Motto findet: ´An die Stelle von Romanen werden schliesslich Tagebücher und Autobiografien treten – faszinierende Bücher, wenn ein Mann es nur versteht, aus dem, was er für seine Erfahrungen hält, das auszuwählen, was wirklich seine Erfahrung ist, und die Wahrheit wahrheitsgemäss aufzuzeichnen.´; da, so möchte man hinzufügen, dieser jemand, konfessionslos, ideologiefrei, ohne allzufeste Überzeugungen und Vormeinungen, aber dafür mit einem grossen Herz begabt, in einer Zeit lebt, die ihm gestattet sich auf die Weise zu entwickeln, um diesen Plan auch auszuführen.

´Bücher könnte ich mit meinen Fehlern füllen, und einige Seiten mit den Fehlern anderer.´ - Wo habe ich das gelesen?

 

JANUS BEGONGT

 

Wo ich lerne zu lesen unter den Weibern, schreiten unter den Männern und rechnen unter den Gerechten.

 

Bevor ich sprechen konnte, las ich schon mit den Augen meiner Mutter . Unermüdlich trug sie mir und meinem ein Jahr älteren Cousin, der sich oft in ihrer Obhut befand, sämtliche ihr erhältlichen Märchenbücher vor, und deren fanden sich viele, war sie doch die Tochter einer Bibliothekarin.

Doch ich bin ein Kind der Technik, das heisst der modernen Medizin; zu 90 Prozent; ein Kaiserschnittbaby. Die restlichen 10 Prozent schlage ich den rätselhaften Kräften der Natur zu, denn mitunter hätten sie mich doch irgendwie in die Welt hinaus befördert, hinaus in die kälteste Jahreszeit, den Winter den ich so liebe, die Philosophenzeit. Der Sommer, oder besser die Sonne, ist wie die Frauen: unwiderstehlich körperlich.

Jedenfalls war es im Nachhinein betrachtet sehr anständig von meiner Mutter, justament zum Anbeginn meiner Lichterblickung sammt mir beinahe den Bach runter gegangen zu sein. Denn ihr Blutverlust war in einem Moment der Geburt, das heisst, als ich aus ihr rausgeschnitten wurde, mit meinem schon damals zu grossen Kopf, überaus kritisch, wie sie durch die Nebelwand der lindernden Drogen nicht umhin konnte zu bemerken. - Wo ist das Blut! Wir verlieren sie!, rief der diensthabende Arzt. Sie selbst kommentierte später ihre damaligen Gedanken: Ich war in diesem Moment bereit zu gehen, was plagten sie sich so... -

Und wie anders als durch diesen allzu frühen Abschied hätte sie sich sonst den Stress mit diesem vermaledeiten Instrument verborgener Machenschaften, welches da in ihrem Bauch gewachsen war, vom Leibe halten können? Und anstatt dass wir beide in den Tod gerissen wurden erstand ich aus ihrem Leibe als ein Kunstprodukt, welches durch eine Laune der Wissenschaften, wie zu deren Ergötzung und Selbstbestätigung, erst technisch zu Ende gezeugt werden musste. Und wieder bewiesen die Männer der Wissenschaft ihre Nützlichkeit.

(Aber stimmt das? Hat man nicht Antonio Banderas als leichfüssigen Muselmanen in ´Der 13te Krieger´ ein falsch herum gedrehtes Baby auf die Welt bringen sehen, und muss ich folglich meine Chance anders rechnen? Nur war ich schon richtig im Bauch gelegen, aber entweder musste mein Kopf zu gross, oder der Geburtskanal meiner Erzeugerin zu klein gewesen sein.)

Wäre eine Sexualität wie die meiner Mutter, die ja ihr Endziel beinahe verfehlt hätte, in vormoderner Zeit überhaupt möglich gewesen, oder auch nur erlaubt? Pech, dass ihr letzter Mann unfruchtbar war, da ihr Kind ansonsten wohl kein unehelicher Bastard geworden wäre. Und war es bei diesen Zeugungsschwierigkeiten überhaupt ein Glück, dass, entgegen der vorherrschenden Meinung ihres Mannes und seiner Freunde, nicht sie die Unfruchtbare war, sondern dieser Superkünstler und Supersäufer, ein Mythos schon zu Lebzeiten, der kinderlos verstarb bald nachdem ich meine ersten Schritte auf der Welt gemacht hatte? Und war er überhaupt unfruchtbar? Die Statistik stimmt zu. Meine Mutter beschloss jedenfalls, sich nie wieder mit einem Trinker einzulassen.

Und was hatte dieser wohl damals von uns gehalten, als er uns Hand in Hand auf der Strasse antraf, meine Mutter in die eine Richtung müssend, ich sie, aus reinem Widerspruchsgeist, in die andere ziehend, ohne auf ihr gutes Zureden, eilig, denn sie hatte es eilig, aber doch liebevoll, zu achten? Hatte er schon damals den Ruch des Fehlens des Vatergesetzes bei diesem Würmlein seiner ehemaligen Frau spüren können, diesen Mangel der später unübersehbar wurde, spätestens als ich meinen ungläubigen Freundinnen im Kindergarten von der abgetrennten Hand erzählte, die auf meinem Nachttisch lebte? (Dieser Nachttisch übte aber tatsächlich eine starke magisch - ästhetische Anziehung auf mich aus, wie so viele Gegenstände meiner frühen Jugend, mitsamt ihren Arrangements. In dem Fall war es die Kombination aus Bett, Nachttisch, der eher ein geschickt plaziertes, mit hellem Stoff bespanntes Brett war, und der Taschenlampe, alles zusammen in einer Nische, in der ich mich ausgesprochen wohl fühlte.) Die Geschichte über den Tod dieses Künstler - Gatten welche ich am meisten mochte war wohl die, dass er betrunken Wasser in den Fernseher geschüttet hatte, was diesen zum explodieren brachte. Meine Mutter machte jedesmal wenn ich darauf zu sprechen kam, mit verzerrten Mundwinkel: äeh!. - Meine Wissbegierde fand in ihren Erzählungen selten Befriedigung.

Jedenfalls wurde aus meiner Wenigkeit, Gangmitglied Janus, ein weisser, männlicher Sprecher einiger Standardsprachen. Also das, was nach landläufiger Meinung, mit Millionen weiteren Vertretern dieser ´Gattung´, bestimmt sei, über die Erde zu herrschen. Insoferne war es den ganzen Aufwand vielleicht doch wert gewesen. Dennoch schlug ich, oder besser die Anstrengung mit mir, meiner Mutter manches mal so zu Herz, dass sie wohl noch einige Male Gelegenheit hatte, dieses Moment stoischer Ruhe, wie zum Zeitpunkt meines Auf-Die-Welt-Kommens, zu erleben. Aber wie mit allen Sachen ist es auch mit der Ruhe so: Sie gleicht einem flüchtigen Schemen, der die meisten nur in solchen Augenblicken der äusseren Not streift, um danach wieder einer weniger geruhsamen, man mag sagen aktiveren Denkungsart zu weichen.

Meine seit Jahren ehelose Mutter war oft geschäftlich unterwegs, eine für mich teilweise freudige Angelegenheit, denn sie brachte mir jedesmal ein Geschenk mit, um meine Angst vor dem grossen Verlassen - Werden zu dämpfen. Da gibt es einmal ein Geschenk welches mir nicht gefällt. Kann mich an eine grosse Heulszene erinnern, meine Mutter völlig baff, nachdem sie uns diese grossen bunten Masken gezeigt hatte, die sie von ihrer letzten Reise mitgebracht hatte, aber ich wusste dieses mal mit dem lieb gemeinten, vielleicht sogar gewagten Geschenk nichts anzufangen, doch war ich trotzdem sehr bald neidisch auf meinen älteren Kousin, weil der sich der Masken annahm und ihnen anscheinend doch etwas abgewinnen konnte.

Es war so oder so eine verzwickte Sache mit mir. Zwar war der Sozialismus, unter dessen Auspizien diese Alltagsgeschichte zunächst ihre Fortsetzung fand, den ledigen Müttern und ihren Bastarden weitaus wohlgesonnerer als vergleichbare Gesellschaften des Westens, in diesen eisigen, verstrahlten 70er Jahren, dennoch konnte auch der kindergartentechnisch durchaus reale Sozialismus wenig bis gar nichts für die Sitten und Gebräuche seines Schützlingsstaates, eines konservativen und katholischen Polens. Ein Bastard - Poet ward geboren worden, und das gehörte gerächt. Ich war aufopferungswillig; doch zunächst einmal in Liebe mit meiner Mutter, und ausserdem noch ungerichtet geil.

 

A-GEIL

Letzteres äusserte sich zum Beispiel folgendermassen: Zu meinen frühesten Erinnerungen zählt ein ausserordentlich klares Bild eines 3-5 jährigen Janus, der unter einem enorm gross wirkenden Tisch in einer blauen Latzhose, oder eher einer blauen Hose mit Hosenträgern, steckte und aus diesem sicheren Versteck heraus seine Lüste erprobte, indem er sich das rote Hemd zwischen den Hosenträgern herauszog, sodass an mehreren Stellen die nackte Haut sichtbar wurde. Dies war sicherlich mehr ein Reiz psychischer als physischer Natur, resultierend aus dem schamhaften Verstecken der ersten autoexhibitionistischen Gehversuche, dennoch wuchsen in mir Phänomene ähnlicher Natur, nach einer kleinen Pause, zu einer beständigen Quelle der Aufmerksamkeit heran. Der Ursprung dieser frühreifen Versuche liegt im Dunkeln.

Denn schon bevor ich mich erinnern kann steckten meine Mutter und eine ihrer engen Freundinnen mich und meine Freundin, die Tochter dieser Freundin, gemeinsam in die Badewanne. Sie hofften und planten augenscheinlich früh. Wir schliefen in einem Zimmer, spielten in einem Bach und tollten auf einer Wiese herum. Vielleicht war es nur natürlich, dass ausgelöst durch die Nähe, in der wir eine Zeitlang lebten, auch unsere Körper zueinander fanden.

 

TRANSIT. FLUCHT O->W.

 

Doch zunächst war meine kleine, um ein Jahr ältere Freundin nicht mehr da, nachdem wir eine Zeitlang zusammen mit einem grossen, rotgoldigen Aufziehfisch mit beweglicher Schwanzflosse in der Badewanne herumgespielt hatten. Bald darauf traf ich sie wieder in einem anderen Land, denn es war in meinem Mutterlande der Kriegszustand vor der Türe, worauf beide Mütter, meine zog jetzt nach, während des Anbeginns der Revolutionskämpfe, des Kriegszustands, in ein anderes, sicheres Land flüchteten. (Das war nicht schwer, denn keine starken Lasten hinderten ihren Weg.) Was mich und meine Mutter betrifft, war die Auswahl an Fluchtmöglichkeiten enorm. Zumindest Belgien und Frankreich sind mir in Erinnerung geblieben. Es war, als ob meine Mutter für alle Fälle schon viel früher in jedem zweiten europäischen Land eine Flucht-Zweigstelle errichtet hätte. Dabei war es nur das normale polnische Netz, das sich sachte durch Europa wand. Und das erklärte auch, warum wir nicht in einem Land unserer Wahl, sondern einem Land blieben, wo es einen Mann für meine Mutter und einen Vater für mich gab. Ich glaube, sie hatte die Schnauze gestrichen voll von mir, besser gesagt, die Kunst mit mir fertig zu werden die stockte scheinbar. Daheim war es schwierig geworden, nicht nur waren die Regale der Geschäfte leer, patroulierten Panzer auf den Strassen, wurde eine Ausgangssperre verhängt, sondern genas meine Tante, die Schwester meiner Mutter, während dieser Zeit auch eines weiteren Knäbleins, der, da er anscheinend der engen Verschwörung, die mich mit meinem Cousin, auch er ein Jahr älter, verband, so sehr im Wege stand, dass wir seine tapsenden Versuche mit denen er unsere Nähe suchte manchmal mit Spielsteinen vergalten, welche wir in seine Richtung schmissen, während wir uns vorstellten, dass uns ein Feind aufspüren will, oder zumindest eine wilde, lallende Bestie.

 

Nach Himmelsfahrten im belgischen Atomium, nach Baguette mit Milch auf den Stufen von Sacre Ceur, wir lebten in der kleinen Wohnung einer Freundin meiner Mutter, sie war völlig in Grün gehalten, erreichten wir schliess lich die Neuheimat.

Was wir in Paris die meiste Zeit taten wenn wir zuhause waren lässt sich leicht erraten: zu meinen Lektionen in Monatsnamen, den damit in Grossbuchstaben bekritzelten Zettel bewahrte ich mein ganzes Leben auf, die Monatsnamen allerdings, auf polnisch, sollte ich niemals lernen, bedurfte meine Bärenfamilie, es waren drei kleine flauschige Puppen, das absolute ästhetische Highlight dieser Familie war das winzige, dunkelbraune Kind mit geschmackvoll gemachten wirklich winzigen weissen Tatzen, einer mobile Schlafgelegenheit, Decken, eine Lagerstatt, kurz gesagt, wir schneiderten und nähten den Dreien kleine Schlafsäcke aus dünnem dunkelblauen Stoff, der mit einem weissen unregelmässig fliessenden Rauchmuster bedruckt war. Ausserdem war ich durch Mutter angeregt, die Sehenswürdigkeiten aufzuzeichnen, in ein Notizheft mit roten Blättern, die gehalten wurden durch Ringe wie in einer Ringmappe. Der Eiffelturm fiel allerdings so schief aus wie der Turm zu Pisa.

 

Und zuletzt erreichten wir sie doch noch, nach einer monatelangen Odyssey, in einer Winternacht, um 1 Uhr Nachts, meiner Geburtsstunde, die Neuheimat, vage repräsentiert durch einen, durch den richtigen, Mann, meinen zukünftigen Papa, taschenlampenerhellten grünen Zaun, in einem von einem anderen potentiellen Mann gesteuerten gelben Toyota Jeep, dessen Geländetauglichheit, die ich damals selber erleben und demonstriert bekommen durfte, meinem Geist noch einige weitere Winter lang Nahrung lieferte, vielleicht zum grössten Teil deswegen, weil ich einen verschwenderisch aufgemachten Toyotakalender in Din A2 Format bekam, in welchen ich gemeinsam mit meiner Mutter die Festtage der Familie und Freunde mit kleinen, halbtransparenten roten Toyota - Autoaufklebern markierte. Ein Kind aufzuziehen das war anscheinend Detailarbeit, die eine Mutter alleine nur schwer bewältigen konnte, dazumal mit einem so schwer handhabbaren Kind wie mir, und ohne genügend Geld zu haben. Auf der Reise war ich ins schulreife Alter reingewachsen, vielleicht schon so gestartet.

 

Allerlei Geschichten über meine frühe Sozialisation verblieben noch in der alten Heimat, bis zu den Zeitpunkten ihrer Heimholung unter die Schädeldecke ihres Protagonisten, was zum grössten Teil ermöglicht wurde durch die Erzählungen mutternaher Frauen. Meiner Mutter selbst hatte scheinbar das Leben die Sprache verschlagen, ich verstand nie, was an der Geschichte unserer Familie zu geheimnissvoll sein sollte, dass sie sich weigerte, darüber zu erzählen, über Dinge also, die mich am meisten interessierten. Auch ihre exzessiven, nicht enden wollenden Lachanfälle wurden mit den Jahrzehnten immer seltener. Wegen diesem ganzen hin und her gefahre schlug ich schliesslich nirgends Wurzeln, ich bemühte mich auch nicht, mir die Strassennamen ums Eck wo ich gerade wohnte zu merken, zu viele Wohnungen waren es schon gewesen, zu unterschiedliche Städte und verliess mich deswegen auf der Strasse allein auf die haptisch-taktil-visuelle Orientierung, wie sie sich durch die Gewohnheit dort zu wandeln ausformte, indem sich meinem Gedächtnis die jeweiligen Charakteristika eines Ortes eindrückten, ohne diesen bei seinem Namen zu kennen.

 

 

ERSTE PHILOSOPHIE: DIE RELATION

 

Durch den glücklichen Umstand eines gut genug funktionierenden kollektiven Dritt-Gedächtnisses ist es möglich, den traurigen, babylonischen Fall meines ersten Wortes, meiner ersten sprachlichen Äusserung zu rekonstruieren. Es geschah ziemlich spät, denn meine Mutter drängte mich anscheinend nicht. Ich verblieb damals alleine mit meiner Tante, einer durchwegs auf traditionelle Weise ambitionierten Frau, was man allein daran erkannte, dass sie noch immer und ewig ihren Mann hatte, dem sie zwei Söhne schenkte, eben meine zwei geliebten Cousins.

Und so war es auch sie der es gelang mich zum Sprechen zu bewegen (zumindest ist das ihre Version). Sie drohte mir mit Schlägen, wenn ich nicht sofort irgend etwas sagte, denn sie wusste anscheinend, vielleicht durch die Erfahrung mit meinem ein Jahr älteren Cousin, dass ich sprechen konnte. Ich verstand ja alles. Und ich verstand anscheinend auch sehr wohl was sie meinte denn ich war mir nicht zu schade, wenn auch mit bitterböser Miene, dem Standard - Gesichtsausdruck meiner gesamten Kindheit, durchaus bestimmt "Jajo" zu sagen, was auf polnisch Ei bedeutet. Über diesen Fehler der vorzeitigen Aufgabe meiner Determination, meiner Hartnäckigkeit, bin ich lange Zeit künstlerisch nicht hinweggekommen, was besagen soll, dass ich, ähnlich wie Grass in der Blechtrommel, lange mit dem Gedanken kokettiert habe, was passiert wäre, hätte ich damals mehr Rückgrad gezeigt und meinen Mund gehalten, als kleinen literarischen Witz.

 

Nun könnte man diesem meinem ersten Wort, da es ja gleich so ein universelles war, rund und mit köstlichem Inhalt gefüllt, irgendeine Bedeutung zumessen, was ich niemals tat. Ja, ich wollte vielleicht sogar die Geschichte darüber gar nicht hören, oder wie es eben mit solchen Geschichten bestellt ist, man hat eigentlich keine Wahl zwischen hören und nicht hören, nachdem einmal die Wissbegierde gesiegt hatte. Es passiert einfach und man bekam Sachen zu hören, die man sich mitunter, wenn überhaupt, in der Phantasie viel schöner vorgestellt hatte. Was dieses Ei des Kolumbus meines Erstwortes betrifft, so förderte eine Recherche nach meinen intensiven Anhaftungen der damaligen Zeit den durchaus plausiblen Fakt an den Tag, dass ich damals nicht nur mit meiner Mutter gemeinsam den Gemischtwarenhändler besuchte, in dessen Feinkostauslage neben den normalen Hühnereiern die viel kleineren weissen, schwarz gepunkteten (schwarzen, weiss gepunkteten?) Wachteleier in beeindruckenden Mengen dalagen, sondern wir diese ästhetisch so viel faszinierenderen winzigen Eier oft erwarben, um sie gemeinsam zuzubereiten und zu verspeisen. Ich war ein Eierfan, vor allem von Wachteleiern, umso mehr, als ich zu dieser frühen Stund Philosoph der kleinen Dinge war, anscheinend als Antwort auf meine eigene Kleinheit. Und sobald es etwas nicht nur in normaler Grösse sondern auch in Miniatur gab, fühlte ich mich sofort für diese mir so gerechte Grösse kompetent bis zur Vereinnahmung. So geschah es etwa mit der kleinsten Einheit des Schlagzeugs (Perkussionsanlage) einer mit meiner Mutter befreundeten Band, und es wurde meine un/praktische (materialistische) Philosophie auch respektiert, zumindest bis auf die Zeitpunkte der musikalischen Aufführungen. Lebte ich doch wie alle Kinder und Philosophen in dem Glauben, dass uns, als Freunde der Götter, alles gehöre (Diogenes).

So gesehen scheine ich recht bald zu einer ersten umfassenden Welterklärung, besser: einem universellen Schema, gefunden zu haben, welches ich sowohl lebte als auch, zumindest in meinen Augen, verkörperte, der Philosophie der Relation Gross - Klein. Aber was heisst schon ich: allein meine Mutter konnte auf die subversive Idee einer so einleuchtenden Kleinkindphilosophie kommen und mich darin bestärken. Wurde mir damals nicht auch mein Heinzelmännchentraum erfüllt, als ich eines Abends für diese ein Legohaus unter den Schrank schob, und es am nächsten Tag verschwunden war?

Meine Philosophie fand später ihre Fortsetzung in einer Ästhetik der Miniatur, einem ja durchaus geläufigen Phänomen. Es gab anscheinend sonst keinerlei vorgefertigte Schablone für mich, etwa das Gesetz des Vaters, welches sich überall sonst um mich herum so reichlich über meine Altersgenossen ergoss, oder etwa ein Muttergesetz, das ja, da Frauensache, auch nur für Frauen gelten konnte. Mann ist schliesslich Mann und Herrscher, der, vor allem in Polen, alleiniger Gesetzgeber ist. De jure, nach dem Philosophen Gilles Deleuze gelernt, sagen wir einmal, denn man sagt schliesslich auch, dass so mancher Herrscher unter dem Pantoffel stehe, was also bedeutet, unter der Herrschaft seiner besseren Hälfte.

Meine Mutter hätte sich sowieso eine Tochter gewunschen. In diesem Fall wäre es auf eine normale Frauenverschwörung hinausgelaufen. So aber traf ich sie anscheinend völlig unvorbereitet, jedoch sicherlich ungeplant. Und als es ein männliches Kind wurde verliess meine Mutter jeder Plan und sie beschoss, nach meiner privaten Mutmassung, aus mir, der ich schon ein Kunstprodukt war, ein Kunstwerk zu machen. In ihrer künstlerischen Freiheit und Grosszügigkeit hätte es ihr nicht einmal etwas ausgemacht, ein schwules Kunstwerk zu schaffen, sie kannte viele nette Homosexuelle und respektierte sie, und aus dem Ton, in welchem sie mich an diesen Teil unseres frühen gemeinsamen Lebens erinnerte, hörte ich sogar den leisen Wunsch danach heraus. So betrachtet war sie von Männern vielleicht doch ziemlich enttäuscht.

Doch ich war ein Sturkopf und so durfte ich denn zusätzlich zu meinen Pflichten und Aufgaben auch gegen meine Mutter einen Guerillakrieg führen wie Achill gegen die Amazone Penthesilea (bei Kleist). Sie setzte mich denn auf die Fährte meines Grafiker - Onkels und geschichtsbewanderten, phantomimenden Kalligrafen - Vaters, die mich alle paar Jahre mal in die Arme schliessen durften. Sie waren mir recht, sie waren mir lieb. Vor allem waren sie in ihrer Stadt und ich in meiner. Sie gingen mich nicht viel an.

 

KRIEG

Doch so ganz ohne Beispiel für mein zukünftiges Leben war ich auch nicht. Wie eine Nicole Kidman in Dogville war ich, da vaterlos, schutzlos, nutzlos und hilflos, ein willkommener Märtyrer für das Gemeinwohl und ich übte mich schon mit meinen Spielkameraden im polnischen Kindergarten während eines oft wiederholten fiktiven Zweiter-Weltkrieg - Szenarios, es gab diesen Blockbuster, Vier Panzerfahrer mit Hund, und ich bin über meine Manie für Panzer erst viel später hinweggekommen, fleissig darin, für das Vaterland zu sterben, mit der brisanten Spitze, dass ich, da ich als polnischer Spion eine deutsche Uniform trug, die natürlich nur in unserer Phantasie bestand, von den eigenen Kameraden irrtümlicher Weise erschossen wurde. Tja, zwei Fliegen mit einer Klappe, und das noch 30 Jahre nach den tatsächlichen Ereignissen, die wir nachspielten. Vielleicht war es aber auch mein persönliches Drehbuch, welches ich damals spielen durfte, entwickelt ohne äusseres Zutun, denn noch später erschien es mir durchaus passabel, mit einer so gearteten noblen Geste der Aufopferung meine nagenden Schuldgefühle ob meines Daseins zu beruhigen.

Was soll man sonst über das Slavenland meiner Geburt während des kalten Schismas, des Krieges mit diplomatischen und Stellvertretermitteln sagen? Es war ein insektoides Schwirren der Radiowellen und in ihrem Einzug die schweren Maschinen, Diesel, Batterien, Atomkräfte, über Land und unter Wasser. Wir vertrieben uns die Freizeit im Kindergarten auch damit, Flugzeuge (und Schiffe) aus Papier zu basteln, auf deren Rümpfe wir mit Filzstiften Swastikas, genau die damals feindlichen also, geil rumgedrehten, zeichneten. Das war eine grosse Mutprobe, denn wir konnten uns kein grösseres Verbrechen denken als Verrat. Und deswegen, um die anderen zu frappieren, ergänzten einige von uns, nachdem der Unmut einmal entfacht war, die Enden der Hacken mit ihren nächstgelegenen Ausgangspunkten am Kreuz zu einem ausgekreuzten Quadrat und füllten in dessen Inneren zwei diagonal gelegene Felder aus. Voila, es waren daraus die polnischen Farben geworden, Fahne, populous, populi, populo; oder Wade, Wade, Wade wie Gombrowicz vielleicht gesagt hätte, aus dem Sohnland Argentinien. Das unter der Fahne versammelte Wehrvolk am Marsfeld, dank sein den Geschichtslektionen.

 

Dieses ganze Kriegsgehabe: Wenn man auch die Chance, oder ein Mandat hat auf Weltvereinigung, wie heute die muslimische Welt, dann kämpft man mit unter selbst dann noch, wenn der stärkere potentielle Weltvereiniger einen vernichten kann. Lieber untergehen, als zu akzeptieren, von der Gegenseite einverleibt zu werden und damit die kulturelle Identität zu verlieren, die einem im Grunde genauso wichtig dünkt wie das eigene Leben selbst. Wie eingebildet, kurzsichtig und narzistisch. Lauter Mimosen. Nur die kleinen Drittvölker ergreifen ihre Chance, in etwas grösserers aufzugehen, sofort, oder sie werden mit Gewalt in den neuen Kreis eingezwungen.

Also strebt wieder alles auf die Weltvereinigung zu, Alt + Neu, schon wieder versucht? Im 19. Jahrhundert war Paneuropa schon so sehr ersehnt worden, im 20ten, nach Machtkämpfen (äh, hüstl), in immerwährender Verwirklichung. Deutschland ist halt das älteste Rom in statu: Kein Wunder, dass man jedem seiner möglichen Ansprüche auf Menschenvereinigung, wie zur Zeit von den Engländern und Amerikanern betrieben, mit zwei grossen Kriegen begegnen musste, um das einmal Erreichte (? Commonwealth) zu sichern.

Das Judendillema/Kriegsdilemma: Konservativ wie sie sind, waren sie auf seiten Deutschlands, also der zweitstärksten Weltvereiniger. Das haben sich die neuen Kräfte (Anglosaxen, Freidenker, Franzosen) nicht gefallen lassen: Notfalls mit Gewalt mussten sie, da offensichtlich den Weltvereinigern zugeneigt, in das neueste Rom überführt werden. Aber unter welchen Opfern! Letztlich haben die Amerikaner mit solch angagierter Hilfe das Sozialistische Bruderschisma aufheben können, mit Hilfe der Juden und des polnischen Papstes, na prost!

 

MARINE

Einfach zu pervers lustig, die Juden: Der Club der Freunde der Weltvereinigung schwimmt zu Lande (Über die Länder, wie man über die Meere schwimmt, auf einer grenzenlosen glatten Fläche)! Eine Weltvereinigung durch die Deutschen wäre auch zu blöde gewesen, weil nicht maritim. Landmacht ist per se, von Haus aus, dumm. Die Engländer sind die wahren Griechen, sagt Deleuze, sie waren Jahrhunderte lang schiffahrende Empiristen. Und heute ist alles eins: Man fliegt zu Land oder zu Wasser, sowohl zu Fuss als auch per Bike oder Motor. Die Österreicher allein, die Kakanier wie Musil sagte, sind wie üblich schon ganz wo anders: Hierzuland wird gebeamt. Aber so auch die Moslems: Was ist an ihnen schon maritim?

Mit Erstaunen musste ich feststellen, dass ich irgendwann einmal anfing zu bedauern, dass das jüdische Volk als einziges, abgesehen noch von den sogenannten Zigeunern, imstande gewesen sein soll, eine kulturelle Einheit ohne feste Landesgrenzen zu bilden, und das erstaunlichste dabei war, dass ich in meinem Erstaunen allein war. Für meine Umgebung war es anscheinend fraglos richtig, dass die Scholle, auf welche das Leben sie beziehungsweise ihre Vorfahren nun einmal verschlagen hatte, ihnen und ihresgleichen gehörte, ein Vorurteil, welches sicherlich den Schwierigkeiten und Opfern, sich darauf zu behaupten, geschuldet ist. Ich hingegen, entwurzelt schon im zartesten Kindesalter, fühlte mich nirgends mehr heimisch, weder empfand ich Solidarität mit meinem Mutterland, noch mit meinem steifväterlichen Vaterland, der Neuheimat, ich war der ewige Jude geworden, verbannt aus dem einen Land, unheimisch im anderen. Ich fand meine wahre Heimat in den Büchern, im geistigen Land, letztlich also genau wie es sich, auf jüdische Weise, für einen Polen gehörte.

 

Und da stand ich nun am Rande des Gezeitenwechsels, der den Sozialismus implodieren lassen wird, klein und dunkel dachte ich, niemandem vertraute ich, grossherzig war meine Liebe zu den Menschen allein und vor allem zu meiner Mutter, in die ich ein grenzenloses Vertrauen setzte, welches sie auch niemals wirklich enttäuschte. Sie war der Stein, auf dem ich allzeit bauen konnte und das rettete mich für die Liebe zu meinen Nächsten und Fernsten.

Aber um noch kurz bei meiner ersten und vielleicht letzten Philosophie zu verweilen glaube ich, dass diese sehr positivistisch war, empirisch, das heisst aus den harten Fakten der Wirklichkeit geschmiedet, nämlich der einzigen Konstante die ich mangels Vatervorbild finden konnte, und zwar meiner damaligen Grösse, und aller anderen Grössen, Kleinen, etc. Mittleren, bis zu Symmetrien und so weiter. Was ich sehen konnte also, oder besser, was in der Anschauung ins Auge stach, dem vertraute ich. Ich war klein, die meisten Menschen rund um mich waren im Vergleich zu mir Riesen. Doch war es wie es mit Philosphien zu sein pflegt ein rein theoretischer Zweig meiner Gedanken, der, ausser dieser vereinnamenden Haltung gegenüber kleinen Dingen, eigentlich keinen Einfluss auf mein Alltagsleben ausübte. Denn trotz dieses Mangels an Grösse hielt ich in Wirklichkeit diese Kinderwelt und mit mir alle anderen Kinder für die eigentlich reale, wirkliche Welt. Es war mit meinem Eindruck wie mit dem allgemein bekannten Mechanismus meinschlicher Selbstkonstrukte, der darin besteht, dass man sich selbst in seiner jeweiligen Konstitution auf alle Fälle für überlegen befindet.

 

Theoretisch habe ich mich, seitdem ich darüber nachdenken konnte, gefragt, ob ich über diese meine erste Intuition, die mich zum Empiristen machte beruhigt sein sollte oder nicht. Ein Empirist, der von Elfen träumt: Wie kühn. - hätte der Philosoph Gilles Deleuze gesagt, wäre ich Samuel Butler, ein Empirist der Philosophie (Erowhon?).

Schliesslich bin ich bei meiner einmal getroffenen Ansicht geblieben, dass zu allen Zeiten alle überall Empiristen, Positivisten waren, und zwar eher weil sie sich als solche benahmen, nicht weil sie sich dafür hielten. Im Gegenteil, es wurden mit Etiketten wie Positivist, Empirist oder Nominalist (Gegenteil von Universalist) lediglich verpönte Randgruppen des sozialen Korpus bedacht, gleichsam als benennbares Analogon, Gegenstück zu im Gesellschaftskörper gelegenen, möglicherweise zweifelhaften Werten, derer man sich schämte.

Und wenn Jesus sagte, sein Reich wäre nicht von dieser Welt, dann konnte er doch nur diese Welt in dieser sozialen Fasson gemeint haben, was zumindest für einen weiteren Freispruch durch uns späte Nachfahren hinlangen würde (G.Grass, Blechrommel). Ist nicht das gesamte Christentum eine römische Erfindung zur sklavenfreien Weiterführung der mediterranen Welt, eine Erfindung die, nachdem sie ihre innovative Rolle bald ausgespielt hatte anschliessend durchexerziert wurde bis zur Vergasung?

Es mutet an wie die frühe Geschichte der Videospiele: Nachdem einmal das Konzept des elektronischen Hockeys oder Tischtennis´ in der Form von Pong, in der Atari- Version, vorlag, verwechselte der überwiegende Teil der aufkommenden Spieleentwickler Pong mit Videospiel überhaupt, was zur Folge hatte, dass der Markt für elektronische Spiele eine zeitlang wie ein Markt für elektronisches Ping-Pong ausgesehen hatte. Und später wiederholte sich das als Space Invaders Welt. Damals waren ja die Möglichkeiten der Computer noch sehr eingeschränkt und man programmierte um die Beschränkungen des Speichers und der Grafik herum, im Gegensatz zu heute, wo die schier unendlichen Möglichkeiten der Darstellung den Entwicklern ermöglichen ihrer Phantasie freien lauf zu lassen, sodass sie uns auch mit einer nicht enden wollenden Flut verschiedenster Schiesspiele aus der Ego- Perspektive beglücken, nebst dem Haufen immens realistischer Sportspiele.

Ach, welch im Grunde traurige Geschichte da herangezogen wird um einen banalen Vergleich zu ziehen. So trist war es um das Christentum ja wohl nicht bestellt. Es hatte seine grosse Zeit, und es hat letztlich triumphiert, wenn auch anders als gewollt, durch seine noch grösseren Kinder, die Techniker, mitsamt ihren Spielzeugen und ihren Substituten für Sklaven- und Frauenarbeit. Ich kann zumindest nicht behaupten meine Mutter wäre keine Jüngerin, oder technikfeindlich: sobald es irgendwie möglich war, schafften wir uns eine Spühlmaschine an, die von uns Kindern regelmässig entleert werden durfte. Sie ging mit uns Sonntags sogar in die Kirche, bis es sich herausstellte, dass wir Kinder das auch alleine konnten, jedenfalls solange bis wir herausfanden, dass, vorausgesetzt man bewahrt einen kühlen Kopf und lenkt die Schritte dementsprechend, die Schillinge zum Spenden sich auch in Süssigkeiten verwandeln konnten, anstatt als Zubringer dieser sonntäglichen Fastenspeisungen beim Sakrament zu dienen, diesem mir doch unangenehmen Ritual, denn ich sah mein Mutter auch niemals zu diesem Behufe vor das Kirchenschiff treten, Gott allein weiss warum. So endeten unsere Kirchenbesuche, auch wenn wir noch eine Zeitlang jeden Sonntag pünktlich um 9.30 h zwecks derselben aus der Wohnung verabschiedet wurden.

Noch vorher gelang es meiner Tante, mir noch in Polen einen weiteren interessanten Entwicklungsschub bezüglich der Erforschung meiner Interessen zu ermöglichen. Es geschah in dem Wartezimmer der Musikschule die damals für mich ausgewählt worden war, denn meine Tante war als Frau eines anerkannten Muskers für diesen Fall die beste Wahl um mich vorzustellen und ich war vor unserem Transit in den Westen auserkoren Musik zu lernen, dass ich von ihr eine Vergatterung für die gleich anschliessend stattfindende Aufnahmeprüfung bekam, die darin bestand, mit mir die möglicherweise auftretenden Fragen durchzugehen. Und anscheinend verhielt ich mich ´kooperativ´ bis zu dem Zeitpunkt als Tante fragte was ich sagen wolle wenn ich gefragt werden würde welches Instrument ich künftig hin spielen wollte. Meine Antwort war klipp und klar die des notorischen Neinsagers, unterstrichen durch die trotzig bis böse Miene: "Keines". - Aber so sicher konnte ich mir da nicht gewesen sein, meine Tante spührte offenbar dass es da noch eine geheime Leidenschaft gab und so war es auch. Und nachdem sie mir nach mittlerweile bekannter Manier Schläge angedroht hatte, Schläge auf mir bis heute nicht bekannte Körperteile, gestand ich ohne weiteres Zögern ein, es sein das "Trompette". Das entfuhr mir nach slawischer Art im Diminuitiv, also als "Trompetchen", was aber bei uns durchaus keinen komischen Klang hatte und vielleicht sogar das Fachvokabel im Unterschied zur Tuba oder so war, und darob meine Tante auch völlig zufriedenstellte.

Die Mühle meines Schicksals hatte anscheinend schon lange vor meiner Existenz begonnen sich zu drehen und mich zu zermalmen, und allein General Jaruselski, oberster Pole seiner Zeit aus Russlands Gnaden, drehte noch fleissig an allen möglichen Stellschrauben und ermöglichte mir letztendlich, über den Umweg der Panzerauffahrten und Schlägermobs, von denen meine Tante später, als wir schon geflüchtet waren, bei einer Rückkehr vom Einkaufen, eines übergezogen bekam, denn diese uniformierten Jungmänner konnten schliesslich, so voller aggressiver Aufputschmittel, das waren wohl die berühmten Ost-Blocker, nicht mehr Freund von Feind unterscheiden ,den Austritt aus dem angestammten Schwerefeld, einer Brühe aus Herrenwahn und Sklavenmentalität, die sich seit den Zeiten Georg Forsters nur durch die Attacken des Faschismus und dann des Sozialismus bewegen konnte. (Zur Vertiefung der Charakterstudie der polnischen Mentalität sei an dieser Stelle noch einmal auf das Werk von Witold Gombrowicz verwiesen.) So scheint es wohl auch kein Wunder dass, wenn diese Rekruten im Einsatz nichts bewegliches fanden zum Eindreschen, sie sich an Ampelmasten und Hydranten wie besinnungslos aussliessen (frei nach Tantchens Erzählung).

Meine Mutter ging von Polen weg. Wir hatten ja auch schon so viel erlebt, uns so gut auf das hin und her gefahre vorbereitet, denn oft begleitete ich meine Mutter wenn sie beruflich unterwegs war, im Flieger bereisten wir die verschiedensten Städte in diesem schönen Binnenland, wir gewöhnten uns daran bei Freunden oder in Hotels zu leben, ich bewunderte sehr letzterer gestärkte Laken und Zimmerservice, und Mutter unterstützte mich dabei, und in ihrer Freizeit tollten wir wie selbstverständlich auf den Extremplätzen dieses seit dem letzten Krieg so grossen Landes herum, zwischen ihren Beinen lerne ich Schifahren und am Strand der Ostsee fing ich elektrische Quallen, kleine Medusen die leichte Stromstösse verteilten, en masse wurden sie manchmal ans Ufer geschwemmt, nicht ungefährlich war es in der knöcheltiefen Gischt nach ihnen mit dem Schmetterlingsnetz zu jagen.

Fröhlich entdeckten wir beide gemeinsam die Welt, manchmal war ich unerträglich wissbegierig, in ihrem Arm ruhend wies ich auf einen Gegenstand nach dem anderen und fragte danach: A to? - Sie ging hin, wir schauten uns das an, sie sprach den Namen aus, und oft ging es schon weiter: A to? - und obwohl sie ihrem frei komponierten Erziehungsprogramm einer Entwicklung in alle Richtungen und dem vermeinden von double-binds, so gut es eben ging, und sie war in diesem Aspekt eine Künstlerin zu nennen, zeit meiner Herankunft treu blieb, verzweifelte sie wie erwähnt des öfteren ob der Last, die ich für sie, Alleinerzieherin, darstellte.

Und von innen sollte ich eine Musikschule erst wieder in der Pubertät zu Augen bekommen. (vorher Flöte, zur Geige musste ich hartnäckig überredet werden, zähe Verhandlungen, ein ferngesteuertes Auto spielte im zweiten Jahr eine Rolle, ein miniding, süss, wir kämpften dann damit gegen sowas wie Transformers-Figuren die wir aus England mitgebracht haben, eher war es eine Serie Drachen, d.h. Dinosaurier, Tyrannosauros war wirklich der Hit, mit seinen zeit Beinen lief er viel runder als das fusslahme Mammut, es waren metallgestängige Robotergefährte, mit winzigen Cockpits für die Steuermannschaften, meist ein oder zwei Männeken oder Weiblein, unter transluziden roten Plastikkuppeln, und wie sie batteriegetrieben gingen und kreischten, wie schön, tiefes -und-blasses Weinrot das Cassis und grau die Verbindungsstangen und Räder, Knochen, Gelenke. Wir kauften die Dinosaurier in England, vor Ort waren sie nicht zu haben.

Zu diesem späteren Zeitpunkt hatte ich schon längst die Musik in den viel berufeneren Händen meiner Kousins belassen, um mich umso eingehender den darstellenden Aufgaben des Lebens zu widmen und musste deswegen manchmal, zu künstlerisch- musikalischen Zwecken, bestochen werden; mit Lego vor allem und Comics; Bücher.)

 

Und im Neuland fand ich gleich meine Freundin und ganz selbstverständlich nahm sie mich auf und unter ihre Fittiche, in der Schule, sie war in der Zweiten, und unserem zunächst gemeinsamen Zuhause, diesem ZweiMutterHaus, mit zwei weiteren Männern, Papa-Sohn, zeitweilig. Letztere Beiden sollten für mich Permanenz gewinnen. Und einem dritten zweitweiligen Mann.

 

DOKTOR SPIELE (H-GEIL)

 

Von da an, im Neuland, ab circa dem 6ten, 7ten Lebensjahr litt ich am "hässliches Entlein" Syndrom. Jedesmal, wenn ich damals in den Spiegel schaute, ärgerte ich mich über meine nirgens einzuordende Fresse: dunkle Haare, braune Augen, dicke wulstige Lippen - völlig anders als meine Cousins, Familie Freunde, aber Ebenbild meines Vaters, der weit, weit weg war, Turk- Mongole aus Russland schloss ich, cool. Dabei hatte ich, abgesehen meinem milden, sich cholerisch gebenden Stiefvater, keinen Anlass zu einem verminderten Selbstgefühl, ganz im Gegenteil. Denn damals blühte zwischen mir und meiner um ein Jahr älteren Jugendfreundin eine zarte Liebe, die geeignet war, uns alles andere vergessen zu machen. Sie, A. war ein geiles Ding so wie ich, aber von ihrer Mutter viel freizügiger erzogen. Wir konnten nicht genug voneinander bekommen. sobald sich eine Gelegenheit ergab drängten unsere Körper zueinander. Ich kann mich an einige Szenen erinnern: Wir spielen im Bach, in Badehosen, sie setzt sich ins seichte Wasser mit gespreizten Beinen und wir beide wissen, sie tut es nur, um nachher in meiner Gegenwart das nasse Höschen ausziehen zu können. Oder, wieder im Sommer, gehen unsere Eltern einkaufen, während wir im Garten spielen. Kaum sind sie aus dem Gartentor sind wir schon nackt und kuscheln uns Geschlecht an Geschlecht in einen Liegestuhl. unsere Freude sind unsere Körper und besonders unsere Genitalien, wir können sie nicht genug bestaunen, anfassen und küssen. genau kann ich mich an ihre kleine Fud erinnern, der kleine unbehaarte spalt der in meiner Gegenwart ständig glüht, wenn man es daran bemisst, wie sie darauf fixiert ist und wie es mir geht. unsere frischen Leiber liegen also über- und nebeneinander im Liegestuhl, wir flüstern uns unendlich zärtliche Liebkosungen zu wobei wir uns siezen, um erwachsen zu wirken. unser Umgang als Liebespaar ist von einer Zärtlichkeit und Rücksichtnahme, wie sie wohl nur kleine Kinder aufbringen können, die sonst keine Verpflichtungen und Probleme kennen. wir küssen uns, pressen Lippen auf Lippen, das ist der ungeschickteste Teil unseres Liebesspiels und ich mag es nicht besonders. da wir die Münder geschlossen lassen scheinen die Lippen durch den Widerstand an den Zähnen abzurutschen und hin und her zu wabbern. Wir lösen uns aus unserer Tuchfühlung um uns zu zeichnen. A. holt den Zeichenbedarf, nackt stehen wir uns gegenüber und zeichnen. Die Bilder sind so wie Zeichnungen von Volksschülern halt sind, nach A. hab ich sie perfekt getroffen. (dann stellen wir uns, mit Papier und Blei 4m gegenüber, nahe dem Sonnensessel auf und zeichnen uns gegenseitig. Ich mag die Zeichnungen nicht besonders, Gekritzel. kann mich nur an ihre Zeichnung erinnern, hoffentlich nicht, hihi, sie ist eine ausgezeichnete Zeichnerin und Malerin.)

Unsere Lieblingsstunden brechen an, wenn es ins Bett geht. wenn es warm ist dürfen wir manchmal nackt schlafen, was uns um das Abenteuer des Ausziehens bringt: sonst, um unseren Mut zu beweisen und die Aufregung zu steigern, werfen wir unsere Unterhosen möglichst weit ins dunkle Eck. wir tanzen aneinandergepresst (vorher habe wir die dritte Mutter, die diese nacht über uns wacht, knapp neben der Tür, beim Fernseher ober der Treppe, gefragt, ob wir die Unterhosen offiziell ausziehen dürfen. Sie macht ein angewidertes Nein, oder vielleicht viel sanfter sagt sie gar nicht viel, für uns: nein. gut so?), machen uns Komplimente, jeder Satz scheint nur dazu gemacht, den anderen wohlfühlen zu lassen, ihn seiner Schönheit zu versichern und die Liebe spüren zu lassen. besonders angetan schien sie von meinem Schwanz zu sein. wir sitzen uns mit gespreizten Beinen gegenüber, A. bewundert die Kunststücke, die ich mit meinem kleinen Pimmel machen kann, ein wenig lässt er sich schon aufrichten. mit einem bedauernden Blick an sich herab beneidet sie meine Potenz. In ihrer suche, was man mit ihrer Semmel, wie sie ihr Geschlecht probeweise benennt, machen kann, vergleicht sie es mit einer Trommel, nicht zu unrecht, denn ihre Schamlippen wölben sich schon kräftig über dem Schamhügel, sie versucht, das gespaltene, weiche und haarlose Fleisch zum klingen zu bringen. ich verstehe sie überhaupt nicht, und versuche meine Vorteile runterzuspielen. Nachdem wir aus dem Haus ihrer Mutter ausziehen übernachtet A. noch oft bei uns, wegen umbauten duscht sie mit ihrer Mutter öfters da.

Manchmal ist auch mein Bruder Vern bei unseren Spielen mit dabei. A. liegt im oberen Stockbett. Im unteren liegt die vierjährige Ag. schon schlafend (ich kann mich an sie nicht genau erinnern, nur weiss ich, dass ich am Boden und mein Bruder auf der couch liegt - es kann also nur Ag. unten gelegen haben).

A., schon nackt, richtet sich im dunkeln hoch oben im Stock des Betts, auf den Knien auf und um uns (d.h. vor allem meinem Bruder) zu zeigen, dass sie sich vor uns nicht schämt, fordert sie uns auf, mit den Taschenlampen auf ihre Fud zu leuchten. Es war schon ein toller Anblick, sie hatte sich schon vorher das Nachthemd über den kopf abgestreift (oder zog sie es nur über den Bauchnabel?), 1 Meter über mir, mich von oben frontal anschauend, als ich, und mein Bruder seitlich, in einem 80 grad Winkel zu ihr, genau auf die ausgeleuchtete Stelle, die sie möglicherweise noch mit ihren Händen, ein grösseres Oval, markierte, hinaufschauten, lange, denn wir hatten damals viel Zeit und sie zeigte sich uns mehr als gerne, wir pochten, unsere kleinen Herzen sehr vor einer allgemeinen Erregung. nachdem auch unsere kleinen Schwänze genügend ausgeleuchtet wurden geht mein Bruder aufs ganze und spaziert nackt herum und kann sich, als Mutter überraschend hereinkommt, nicht mehr schnell genug ins Bett zurückflüchten, um einem klaps auf den Hintern zu entgehen.

Auf diese besessene Weise war ich nie wieder gemeinsam mit jemandem so unschuldig und schamlos vernarrt in unsere Geschlechter.

Wie und warum unsere Körper voneinander liessen, das kann ich nur vermuten. Jedenfalls kam es durch gewisse umstände, die mir nicht zum Ruhm gereichen und über die an anderer Stelle zu sprechen sein wird, dazu, dass sich unsere Familien seltener sahen. und dann war da noch das letzte mal: Wieder lag A. im oberen Stockbett. Unten war die kleine Ag., schlafend, ich lag am Boden. sobald es uns sicher schien, kletterte ich nackt zu ihr und legte mich auf sie, das war etwas, was sich bei uns eingespielt hatte. Ich kann mich genau erinnern, wir lagen Geschlecht auf Geschlecht aufeinander und ich, auf den Armen aufgestützt, rieb mein Becken gegen ihres. wir waren beide sehr erregt und sprachen wenig und keuchten leise. und während dieser Stimulation bemerkte ich, dass sich in mir etwas zusammenbraute, das mir neu war. Es war, als ob sich vom Schwanz ausgehend Strahlen von ungeahnter Intensität über meinen Körper ausbreiten würden. ich weiss nicht, warum ich plötzlich in Panik geriet. Noch immer auf A. liegend horche ich, als ob ich aus dem Zimmer der Eltern ein Geräusch gehört hätte, obwohl mir A., sichtlich verärgert, ja in angst über die Störung, den möglichen Abbruch, versichert, sie habe nichts gehört: Weiter, weete a, ooo! ihre Beine leichtes Oval, die Knie auf der Decke, bzw. zusammen, wir pickten und zuckten ja von Bauch bis Fuss zusammen, dennoch stieg ich, nachdem wir noch eine weile bewegungslos stillhielten und lauschten, von ihr, die Betttreppe runter flüchte ich in mein Bodenlager. Was sollte sie auch sagen, diese herrliche Pritsche?

 

A-GEIL

Es war, als ob aus heiteren Himmel meine Latenzphase ausgebrochen wäre, die bis zur Maturareise andauern sollte, zumindest was fremde Körper betraf. Oft habe ich diesen Abbruch unserer Beziehung bedauert, und es muss einige Zeit später gewesen sein, vielleicht ein oder zwei Jahre, als ich die nächste Chance, unsere Geschlechtlichkeit wieder aufblühen zu lassen, vorüber gehen lies. Damals übernachtete meine Familie im Haus von A.s Mutter, meiner ehemaligen, ersten Bleibe im Neuland. Ich hatte mittlerweile allein herumexperimentiert und Onanie, das Wichsen entdeckt. in dieser frühen Zeit, als ich noch nicht abspritzen konnte, war das Gefühl, bevor ich kam, fast besser als der Orgasm selber. Es wurde daher ein regelrechtes Ritual, auf das ich mich einstimmte und das ich möglichst lange hinauszögert. Ich war schon im Bett, und erregt weil ich nur Pyjamahosen trug. als ich gerade fertig damit war, die wegen der Hitze unnötige Decke zu einem u über dem Polster zu arrangieren, wie Riesenkopfhörer, kam A. ins Zimmer um mir eine Gute Nacht zu wünschen. Sie kam gerade aus dem Bad und war nackt die Treppe zu unseren Zimmern (ich in ihrem, sie im zweiten grösseren, wo wir nackt tanzten, früher) hinaufgestiegen. Doch ich war anscheinend so mit einigen Teilaspekten meines Körper beschäftigt, dass mich ihr milchig weisser kleiner, mit der deutlich sich abzeichnenden Spalte, sie stand zu meinen Füssen, spreizte leicht ihre Gummi-Fohlen-Beinchen, lasziv, indem sie, Hüften andeutend, ihren ganzen Körper hin und her, zum Sprachrythmus, wiegte. (ob er schon einen Brustansatz zeigte weiss ich nicht mehr aber eher nicht) mich nicht mehr erregte. Nein, Sie, nein, eigentlich schon, aber die Möglichkeit war aus meinem Kopf verbannt. Auf mein beinahe natürlich gespieltes Erstaunen, sie nackt zu sehen antwortete sie, dass ihre Mutter ihr erlaube, nackt zu schlafen. es war, als ob ich das vergessen hätte, als ob ich alles vergessen hätte (ich redete mit Mams nicht über sowas). So wünschten wir uns eine Gute Nacht.

Aber auf jeden Fall blieben wir ein Dream Team. Unser Meisterwerk damals bestand in ganzen Bergen aus plastilingeformten Nahrungsmitteln in Miniatur, schön glänzten die öligen Farben, wir kombinierten sie mannigfaltig, schnitten sie auf, verteilten sie, mit Gedecken und Kochgeschirr auch dazu, Brötchen, Obst, Torten, wir verfütterten sie wohl an die Puppen, Quadratmeter nahm das im zweiten Zimmer oben weg, die ganzen aufgereihten vollen Gedecke. Wir schnitten die dicken Brote auf, Sandwiches, Stullen oder Kromki, belegte Brote waren besonders schön, doch schwierig, wenn die einzelnen, verschiedenfarbigen Schichten, Brot, Butter, Gemüse, etc, zu sehr aneinanderpickten, dann konnte man sie nur mit scharfen Gegenständen wieder von einander trennen, manchesmal war uns das trennen dann auch egal, bei Spiegeleiern zum Beispiel, oder ganzen Malzeiten auf Tellern. Leider bekam man beim Verkneten verschiedenfarbiger Stücke nur graue Klumpen heraus die abscheulich anzusehen und zu nichts mehr zu gebrauchen waren.

 

Doch war ich vom H- (non-Auto-) Sex geheilt. Ich sah sie immer wieder, immer war sie in den darauffolgenden Jahren leicht milde enttäuscht wenn ich, schon in erneuter Ansehung ihrer, mich dennoch immer wieder aufs neue entzog, sie bot sich in immer erneuter Hoffnung an, in der Badewanne, wie schön waren ihre Schultern, im durchsichtigen Nachthemd, mittlerweile hatte sie schon enorm schöne spitze Brüste und einen herrlichen Hintern, war gross gewachsen, reif, bald wohl auch erfahren.

Sie aber ist mir irgendwie zum Opfer gefallen, von ihren Schwestern -Müttern früh zum Frass vorgeworfen worden, 60er Jahre- Generation kann man wohl sagen, und konnte nicht zurück.

 

Ausserdem wollte ich Schriftsteller werden. Warum nicht? Ich dachte nicht, aber skizzierte bald eine kleine Mad Scientist Geschichte, als die Genies noch alleine grosse technische Erfindungen machen konnten, meine schaute aus wie grosse auf dünnen Stangen aufgespiesste Melonen auf grossen Schreibtischen in kleinräumigen ocer und orangefarbenen Labors, blaues Licht lief entlang der Schaltungen dieser sogenannten Elektronengehirnen, ein Computersystem ungeheurer Leistungsfähigkeit, ich weiss nicht wie ich die etraordinäre Rechenleistung wissenschaftlich stützte, irgendetwas mit Inflation des Raums, extra dicht geschaltete Kreise. Schön war auch die Geschichte Claudia gs, süss prall, meine Princesse des Lettres, das Buch Simulakron3 referierte sie in der Klasse, und ich baute eine Welten- Simulation in diesem geheimen Superkompi, es waren etwa Steinzeitkulturen, viele verschiedene Welt- Oberflächen mit unterschiedlichen Startbedingungen waren geplant, miteinander vernetzt, oder auch nur eine, meine Phantasie reichte nicht weit, und ich diskutierte deshalb die Pointe die mir halt einfiel: Sollte ich anfangen, die Komputermännchen zu quälen? - Was besseres viel mir nicht ein, es war auch so mühsam genug, die Gedanken beieinander zu halten. Ich träumte viel und zeichnete viele dieser neumodischen Taschenrechner-Minicomputer, manche haben mehrere Zeilen, bald auch Grafik jenseits des Ansi Zeichensatzes, meine schauen aus wie die heute schon wieder veralteten Psion Handhelds zum aufklappen, mit vielen vielen Knöpfen auf beiden Klapphäften. Mein wirklicher Microcomputer von Sharp hat eine Schriftzeile, es war knapp kalkuliert, 1000 Schis kostet er, zirka 70 E also.

 

Ich fand aber noch andere Spiele.

 

HASTINGS

Janus-T-mod 'ur, uruk, keine- Comics- Pharao der vier Erdteile Echnavivton hat mir gezeigt, in Hastings, ein Monat lang: Das Aufklärungsbuch mit detailierten, wenn auch schlampig ausgeführten Zeichnungen, seine ganze grosse Bibliothek stand mir, Spielecke inklusive, im Wohnzimmer mit dem grosszügigen Küchen- und Esseck, allein oft, zur Verfügung.

Ferner zeigte er mit seine kleine braunhäutige Tochter Esa, die nebst Juniorjanus in seinem Hause daheim war, und sie liebte mich bald heiss, sie war damals mein.

Beinahe nur noch in der Betrachtung, des, für mich, geilen Buches, auch ein wenig ihrer kleinen süssen hellbraunen Mutter, den lustigen Auslandsstudentinnen, eine gab mir zum Abschied einen Kuss, Lipstick, ichschaubös, kurz im Mittelpunkt, überglücklich, sie waren einfach riiieessig!, aus Frankreich, und so schwieg ich zu den sich monoton wiederholenden öffentlichen Deklamation meiner süssen Kleinen: Esa loves Janus, - deutlich ist unser Altersunterschied, mittlerweile bin ich 11, doch deutlich geringer als der zu den In-Der-Höh-Studenten-Schülerinnen, so gross, die zwei. Wische den Lipstick von der Wange fort, den mir die eine als Abschiedsgeschenk drauf gedrückt hat, extra zog sie dazu vor meinen Augen mit dem Grossen Roten ihre Lippen nach (retro(uve) PL, Vor allem der Ehefrau Radioohrwurm, Madonnas Papa don´t Preach, Who's that lipstick on the glas?, ich glaube polnische Künstler, 80er Jahre.). Ein würdiger Abschied von Janus der Fliege, die Pharaonenfamilie vor Ort lacht glücklich, kein einziges Mal bin ich pünktlich zum Frühstück erschienen und durfte jedesmal die schon längst erkalteten Toastscheiben essen, dieses weisse Ekelbrot der Engländer, verwichst und müde stand ich erst auf, als das Leben im Haus schon längst begonnen hatte, als die Kinder, ich spürte sie in Unterwäsche neben meinem Bett vorbeihuschen, für 9 in die Schule geschickt worden waren.

Voll Heimweh bin ich einmal zum Strand hinuntergegangen, und dort habe ich so lange in die Brandung geschaut, bis mit einem Lichtblitz die Augen sich vor der Überlastung schützten. Mir gefiel der Flash, aber wiederholt habe ich ihn nicht, zumindest nicht besonders in diese Richtung gestrebt.

Und ständig wechselt mein Schlafplatz, zusammen mit Esa nebeneinander auf dem Dachboden dicht bei der rückwärtigen Wand, unter einem schrägen Fenster, finden sich unsere Körper mühelos beim Raufen. Da ich mich immer von Verwicklungen fernhalte und gerechnet ihre Liebe zu mir findet sie, wesentlich jünger als ich, darin wohl ein Mittel der Initiative. Doch ganz ohne Umwege geht das nicht, ich bin Gymnasiast, wenn auch erst nach der ersten Klasse, sie ist in der zweiten oder dritten Klasse der Elementarschule, und wir erfinden also das Spiel, uns abwechselnd aufs Bett zu stossen oder zu ziehen, wobei wir uns an den Händen, oft an den Gelenken, halten. Und während wir uns mit untergeschlagenen Beinen gegenüber sitzen leuchtet das Mondlicht ihren nackten Schoss mit dem kleinen Spaltansatz aus. Zeit meines Lebens hatte ich ein besonderes Faible für die doppelte Rundung eines Mädchens, dass die Beine angezogen hat, die geknickte Hüfte, wie ein Dreiviertelvoller Ball, und die Elliptische Rundung der Beine, wenn sie in den Knien gebogen sind. Esa trägt beim Schlafen immer nur ein Hemdchen, welches knapp ihr süsses, volles und rundes Bäuchlein bedeckt. Ich schubse sie mühelos um, oder ziehe sie, manchmal unterstützt sie mich mit einem Sprung, auf mich. Wenn ich auf ihr liege verschwindet sie fast völlig unter mir, ganz dicht sind unsere Gesichter zueinander, wir keuchen und lachen uns an: U like that wha? - flüstert sie glücklich, doch erregt und unsicher, ich kann nur grinsen, wir richten uns wieder auf und mit einem Stoss schubst sie sich auf mich, liegt auf mir während ich ihre Gelenke halte, sie höher auf meinen nackten Bauch ziehend, ich habe nur Pyjamahosen an und ihr nacktes Geschlecht schmiegt sich an den ausgebuchteten Stoff, nur leicht reiben wir uns aneinander, es muss ein Spiel für mich bleiben. Beim nächsten mal ziehe ich ihr das Hemd rauf, während ich sie an den Seiten haltend auf mich werfe, nackt und heiss liegt sie auf mir, Haut auf Haut, nur leicht an den Seiten streichle ich ihren kleinen Popo und ihre Flanken, sie umarmt meinen Kopf: Esa loves that. Esa loves Janus! - SIe gibt sich mir also deswegen hin und ich sonne mich in ihrer Liebe, es ist mir aber auch peinlich, besonders da ich mich nur für ihren süssen Körper interessiere, meine Spielkameradin ist sie, wie A., es ist wie damals mit A. nur ein weiteres Spiel, wenn ich mir auch seiner aussergewöhnlichen Qualität bewusst blieb sowie meiner Anhaftung, aber viel stecken wir auch Lego-Steine zusammmen, unsere Vertrautheit stammt in erster Linie aus der Spielecke, wo wir gemeinsam konstruierend, sie baut sehr elementare Formen, der Musik aus dem mütterlichen Radio lauschen. Wie geniesse ich sie, und wenn sie schläft schmökere ich im Aufklärungsbuch, errege mich, nackt durchs Zimmer laufend, und stelle mich zu ihrem Bett, sie und Janus Junior schlafen schon fest, er auf der Seite, sie am Rücken, ohne Decke, und ein einziger Blick in sie hinein, sie schläft auf dem oberen Stockbett, leicht spreizen sich ihre polynesischen Beinchen, mein Gesicht 30 cm von ihrem Schoss entfernt, genügt damit ich orgasme, und hätte ich abspritzen können, ich wäre genau über Junior im unteren Bett gekommen.

 

Der Englandaufenthalt verhilft mir in der zweiten Hochschul- Klasse zum einzigen Einser auf eine english- Schularbeit ever. Doch schon im zweiten Halbjahr nur mehr 5er, keine Nachprüfung, ich war innerhalb eines Jahres sprachlich von 100 auf 0 gekommen. Rien ne va plus. Nach wie vor hallt in mir Mutters Befehl zu Beginn der ersten Klasse in den Ohren, wir waren auf der Alserstrasse in einem grossen Laden Schulzeug kaufen, ich müsse jedenfalls in Englisch Einser schreiben. Ich hatte andere Sorgen und Nöte.

 

SPIEL

C64 - 1987

 

Mit meinen Kousins war alles besprochen. Sie spitzten zwar eher auf einen, polnisch-stylisch, Atari 800XL, aber bitte: Ich war im Deutschsprechland: Nach einigem Suchen fand sich ein Sonderangebot: ein C64 II um 2.700 österreichische Schilling, nicht ganze 200 E, statt den 3 Blauen, um die er sonst in jedem Herlango oder Niedermayer zu haben war. Es war eins dieser Geschäfte auf der Mariahilferstrasse, die man heute, zumindest dort, selten sieht: zwischen Jeans und Geschirr lagen Taschenrechner und Uhren. Ein proto-Türk-Inder wie man ihn heute noch in Paris findet. Mein Vater half mir beim Einkauf, es dauerte ein Weilchen, bis alles bereit war. Das Floppy-Laufwerk 1541 kostete wie üblich 2.990 oes, es speicherte auf den grossen, weichen 5 ¼ Zoll Disketten 170kb auf jeder Seiten, zum lochen der Rückseite benutze man gewöhnlich eine Schere oder einen speziellen Diskettenlocher. Während wir warteten, das Geschäft war erstaunlich gross, es wirkte wie Gerngross ohne Stöcke, Hofer- Stil könnte man jetzt sagen mit den halbhoch gestapelten Waren, schlossen wir Bekanntschaft mit einem Freund des Ladenbesitzers und seinem Sohn, Österreicher. Er war ein freundlicher Mann in mittleren Jahren, stämmig und leicht ergraut, es fehlte ihm das äusserste Daumenglied seiner linken Hand. Auch die beiden hatten vor kurzem den C64 erworben und sie luden mich ein, sie am nächsten Tag zu besuchen. Nachdem der C64 samt Diskettenlaufwerk im Auto untergebracht war besorgten wir für die grafische Ausgabe einen 36 Zoll Fernseher beim Niedermayer, den gibt es, leicht versetzt noch immer, der neben dem Antennenstecker auch Chinch-Eingänge hatte. Insgesamt kostete das ganze System um die 10.000 Schilling, ca. 650 E. Von den ganzen noname und marken Disketten, meist abgepackt zu 10 Stück, ganz zu schweigen.

Ich bin nur einmal, am nächsten Tag, bei dem Freund des Ladenbesitzers gewesen. Sie wohnten gegenüber dem Importgeschäft in einer dunklen kleinen Altbauwohnung. Zuerst zeigte er mir Anfänge eines in der Programmiersprache Basic geschriebenen Programms zur Sprite-Bewegung. Ein kleines einfarbiges graues Wohnwagensprite huschte schnell von einer Ecke des Bildschirms zur anderen, durch die Fenster war der grasgrüne Hintergrund sichtbar. Mir wurde erklärt, das werde eine Landkarte, die zwischen den Urlaubsvideos die Routen des echten Wohnwagens demonstrieren soll. Unübersehbar klar war die Rolle des Familienvaters, der plant, während sein Sohn mit den ausführenden Aufgaben beladen wurde, sei es am Bildschirm oder im Camp, und der wirkte dementsprechend gelangweilt (augenzurollend, mir). Wir beide allein gingen dann schnell zu den Spielen über. Der blasse Sohn hatte, unvorstellbarerweise, ´Defender of the Crown´ ein kürzlich für den Amiga entwickeltes Spiel, welches B -Movies, etwa Ivanhoe und vor allem Robin Hood, imitierte. Ich hatte nur von der Amiga- Version gehört, die wunderschönen Burggraphiken in Magazinen gesehen, sie waren fast so gut in einem Film, immerhin 320x300 Pixel bei 32.156 Farben, nur um einiges statischer und steifer, die Animation der Figuren, das heisst sämtliche Bewegungsabläufe mussten Bild für Bild gezeichnet und gespeichert werden, 3- Dimensionale Grafik mit ihren flüssigen und speichersparenden Bewegungsabläufen war noch lange nicht in sicht. Ein IBM-Compatibler PC fuhr damals oft noch vier-Farben-CGA Grafik und der C64 schaffte nur knapp mehr als die Hälfte der Amiga-Auflösung, in 16 Farben. Die ersten Amigas hatten 256kb RAM, damit liess sich noch nichts anfangen und so bekamen sie bald ab Werk 512kb RAM mit, das auf 1Mb oder gar 2Mb aufgestockt werden konnte. Ein C64 hatte immer nur 64kb, minus Betriebssystem waren davon 38kb RAM netto für die Anwendungen verfügbar. Dementsprechend anders nahm sich das Spiel aus, und doch war es im Vergleich zu den anderen C64er- Spielen grafisch und spielerisch herausragend. Das lag vor allem an dem guten grafischen user-interface (GUI): ein kleines Menü mit untereinander aufgelisteten Handlungsoptionen, wie *make tournament*, *go raiding*, *move army* ganz ähnlich dem des legendären Pirates!, nur dass es sich über einer politischen Landkarte Englands im 13. Jahrhundert befand, und nicht in der Caribik des 17ten. Auf der Mappe waren die kleinen Wappen und Pferde als Icons über die Provinzen verteilt, um welche ein sächsischer Fürst (der Spieler) mit seinen Genossen im Norden gegen die Normannen, die Eindringlinge von Hastings 1066 im reicheren Süden des Landes, stritt, bis das Land wieder geeint war und Robin Hood mit der zwischenzeitlich versteckten Krone herausrückte.

Ein interessantes Thema wählte da der Jankee Bob Jacobs, der Chef der Softwarefirma ´Cinemaware´, welche ´Defender of the Crown´ produziert hatte, für sein Spiel-Debut auf dem Software- Markt. Das war auch etwas holprig zustandegekommen: nachdem er das Konzept mit seiner Frau ausgearbeitet hatte beauftragte er Programmierer mit der ursprünglichen Amigaversion, während er mit den Vertreibern bereits einen fixen Auslieferungstermin vereinbart hatte. Als Jacobs davon nur noch 2 Monate trennten und sich seitens der Programmierer, die mit dem damals neuen Amiga, einem Grafikwunder, und dem neuartigen, technisch aufwendigen Design des Spiels völlig überfordert waren, nichts rührte, gab er einem bekannten Programmierer viel Geld, damit dieser in zwei Monaten mache, was seine Vorgänger in einem halben Jahr nicht geschafft haben. Dementsprechend viele Feinheiten gehen der Amigaversion ab, die zum Beispiel in der C64 Version verwirklicht sind, vor allem im Feinschliff der strategischen Benutzeroberfläche und im Handling der zwei Action-Sequenzen. Obwohl das auch an der Amigamouse lag, welche ebenfalls neu im Spielgenre war, beim Schwertkampf klickte man nur wie besessen die linke Mousetaste, es war wie bei den damaligen Sportspielen. Aber eine Amiga hatte ich damals noch nicht. Ohne Anleitung und nur mit einem Joystick in der Hand fragte ich lang und breit Ursula R. (nie Uschi; dünn, fohlenschlacksig, blond, grosse Brille, cremefarben - meine Mädis), eine meiner Freundinnen mit heller Stimme, über die Spielweise, sie spielte es auf dem Amiga ihres Bruders, mit der Maus und versuchte das Spiel lediglich mittels des Tournaments, da war die Mouse echt brauchbar, zu gewinnen. So dauerte es eine Weile bis ich bei dem Spiel mitkam, das english shakespearisch angehauchte, schwer für mich Banausen, und feierte einen kleinen Triumpf (Wochen, Monate, Jahre später?) als ich mal dann mal gewann, ca. inner 2 1/2 Stunden Session.

Cinemaware und Bob Jacobs waren in jeder Hinsicht Vorreiter. Als die Spiele noch lange Zeit auf Disketten und Kartridges, das Standard- Format der Spielekonsolen, ausgeliefert wurden begannen sie, Spiele für CDs herauszubringen, zu einer Zeit also, in der die meisten Spieleentwickler dem damals neuen Medium noch skeptisch gegenüber standen, denn auf CDs war in den 80er Jahren nur Musik erhältlich. Und verschuldeten sich und bankrottierten. Es dauerte dann zirka 15 Jahre, bis Fans von Cinemaware die Firma neu gründeten und ein ´Defender of the Crown´ in 3D produzierten, ein Experiment welches gelang, und so können wir uns noch auf viele Neuauflangen der alten Spiele freuen.

 

Aber die Geschichte des Amigakaufs ist noch wilder. Ein Gerät mit verschiedenfarbig getupftem Limited-Edition Design, lauter Pastellblasen, oder -ballons, es gab noch das eckige Design, bekam ich durch Zufall, wie auch Beharrlichkeit, v.a. seitens Paps.

 

Überspringen wir einiges, Schule, viel Fasten v.a., und kommen wir zum nächsten langen Festen:

 

VRON

 

(Begegnung beschreiben)

 

Und als ich mal damals, viel früher, so einen besonders geilen Punkt bei Vron erwischte frage sie dann, verblüfft: was hast du gemacht (ratlose Miene, kleines oo ihres Superschmollmunds, in Dicke meinen Lippen kongenial, uu wie frass ich seee)? - Ich, schulterzuck. Ich wusste es ungefähr, ich habe sie wieder einmal sehr lang, sehr zärtlich untersucht, jeden Millimeter, ich glaube jeden Nanometer ihres zweiten Rosas, innen einige Zentimeter, diese interessanten breiten inneren Auspolsterungen, aussen sowieso, gefühlt gedrückt, geschmiegt, gepocht, mit dem Finger, Fingern, Ballen, Hand, sehr sehr genossen, Sie. Und sie auch, wir waren sehr sehr vertraut, ich glaube es gab keine Stelle vom Nacken aufwärts (da sicher. aber vom Nabel, hm, noch tiefer eigentlich) , die ich nicht geküsst, befühlt habe bis dahin, ihr A- Loch nahm ich aus, aber auch gern bettete ich meinen Kopf in ihren Schoss, Hautnahaufnahmen, die gleiche Distanzlosigkeit mit ihren Schenkeln wie Gesicht zu Gesicht, Hände. Ihre Hände liebte ich immer, schlank, elegant bis zum Verzücken, pures immerwährendes Studium manus, ihre Füsse, Schenkel, Waden, Fesseln, kleine Füsschen, wenn es ging, das hat sie auch irritiert, pedophob, aber sie hatte es doch recht gerne, und immer nahe am KizikiziKitzel, das konnte sie nicht gut vertragen, oft tat ichs nur, sie kitzeln, um ihren Körper von alleine schnellen zu sehen, Sohlen, Rückenstellen, Flanken, sie verdrehte dann nämlich ihren herrlichen Körper besonders weit. Sie dann: Pfauch, auio, hh, schiiia - Jedenfalls: Ich habe nie wieder danach gesucht, mit ganzem Herzen. Es war mir peinlich (wie lustig!). Wenn sie es selbst nicht wusste! Ich glaube, sie ist da das erste mal mit mir tatsächlich über die potentielle Steigerung des Ausmasses ihre Geilheit erschrocken gewesen. Sie hat mich auch nie danach gefragt, nur wortlos gefleht und ich musste es immer auch verbal mit ihr treiben, ansonsten fühlte ich mich gelangweilt. Also musste ich einfach weg von ihr, konnte nicht mehr. Ich glaube ich habe sie verraten, weil sie mir zu früh ihre körperlichen Genüsse im vollen geschenkt hat. Nach einem Jahr, es war trotzdem zu früh, ich drängte sanft, sie mich halten wollend, mittlerweile 18 geworden, kauften wir in meinem Billa unsere erste Schachtel Kondome, standard, rote Schachtel.

 

Martin g hat es geschafft, Vron und mich auseinander zu reissen, zu dem Zeitpunkt, als wir für einander Gift geworden waren. Der zweite, richtige Bruch, nach dem Sex. Der Sex stimmte nicht, und ich war so in ihr gefangen dass ich anfing, sie zu hassen. trotzdem konnten wir uns nicht trennen, wegen meiner Liebe und Vrons Trägheit, da zu dieser Zeit Vrons Liebe aus o.g. und vielen anderen Gründen schon abgekühlt war (Ich zu ihrem Onkel-Gastro: Ich werde wahnsinnig!, lautlos: "wegen dem Geld rund um mich, ich wollte sie, nicht was ich sehn muss!!", grosse glasige Augen, vom Sex gejagt, Geldjagd, tret tret). Tja, so sind wir Lustigen, sweet. Manche muss man aufzwängen, manchen Offenen muss man zeigen wie, sehr singulär, Einstellungssache, Einfühlung.

 

Als Vron mir Botho Strauss gab (von Judith?), sagte ich im Brustton der Überzeugung: Jetzt brauch ich nicht mehr zu schreiben, schau, alles da (das SCHREIEN!). Aber wie so oft denke ich auch an die Canetti Geschichte: Elias kommt, in ihrem Bücherschrank, ganz hinten, endlich auf den Georg Büchner (konnte er ihn wirklich nicht gekannt haben?). Veza: Musste ihn verstecken, weil wie hättest du sonst noch schreiben wollen oder können?

Und Vron schleppte mich mit, wohin ich nicht gewollt habe vor ihr. Aufgesogen hab ich´s: Lokale, Freundeskreise ausserhalb meiner Spieler, Tarantino- Kino, das Englisch war auch schwierig damals.

 

 

UNIVERSITAS

 

Als ich im Oktober 95 auf der Uni Wien inskribierte, war es nicht viel mehr als die für kurze Zeit unterbrochene Schulzeit, die ich eher zufällig wieder aufnahm. Zufällig war der Ort, nur eine halbe Fahrtstunde von dem Wohnort entfernt, wo ich die letzten 15 Jahre meines Lebens verbracht habe, und genauso weit entfernt von dem neuen, einer zwei Zimmer Wohnung eines Freundes, den ich in der vorletzten Klasse des Realgymnasiums kennegelernt habe.

Trotzdem war vieles anders. Ich hatte die Matura mit viel Mühe geschafft, hatte einen sieben monatigen Abenteuerurlaub beim österreichischen Bundesheer hinter mir und nicht zuletzt war ich das erste mal in meinem herangewachsenen Leben in kontinuierlichen engen Kontakt mit einem Mädchen getreten. Auch habe ich nach Beendigung des Bundesheeres fast ein halbes Jahr im Dienste einer Leihfirma verschiedene Industriebetriebe unsicher gemacht, um den regulären Beginn des Studienjahres im Oktober abzuwarten, ich versank dabei zwischendurch in die Anschauung der grossen, verschobenen Warenmengen in Lagern, Fabriken und Werkstätten.

Ich betrat also die Universität als jemand, der fest verwurzelt in einer Stadt und in Freundeskreisen, die sich während der Schulzeit und während der Maturareise herausgebildet hatten, war. H.C. aafochso, mit dem ich fast während der gesamten Oberstufe im so nicht genannten *Loosers-Club* assoziiert war, diese Spaltgruppen der Klasse bestand im Kern aus jeweils einem Sprach-, Mathematik-, Gedächtnis- und darstellenden Künstler, dabei war ich wohl der Clown der Runde, der Courier. Er führte mich also behutsam in den Universitätsbetrieb ein, in welchem er sich kurz zuvor mühsam zurecht gefunden hatte. Mir ist ein Erforschen auf eigene Faust wie immer erspart geblieben, nie durchdrang ich Sphären des Gesellschaftlichen, in die ich mich nicht von anderen einführen liess. Ich erlebte deswegen nie die Unsicherheit eines frischgebackenen Studenten, wie so viele andere, vielleicht auch aafoch selbst, ein zäher Knochen, und dauernd begossen wir unsere Siege mit fliegenden Fahnen. Ich befand mich aber auch nicht zwecks irgendeines besonderen Auftrags da, keine Allüren die mit wie auch immer gearteten Statusveränderungen einhergingen. Für mich war es damals eine klare Sache, dass Bildung zu den Grundrechten der Menschen einer zivilisierten Gesellschaft gehörte. Hm, es war wohl der sozialistische und kindliche Zaubermantel. [Fischgott Geschichte]. Manchmal wird scherzhaft bemerkt, es gäbe nur zwei Industrien: Die Hervorbringung der Güter, die zur Befriedigung der Grundbedürfnisse dienen, und die Unterhaltungsindustrie. Nach einem solchen Schema zählte für mich damals die Universität eindeutig zu ersterer.

Nichts desto trotz war ich mir meiner unmöglichen Situation bewusst. Eindeutig nicht auf dem Wissensstand eines durchschnittlichen Maturanten eines Gymnasiums, geschweige denn eines angehenden Studenten, ohne ausreichende finanzielle Sicherung seitens der Eltern, war ich nicht angetreten, um den Status Quo der Familie aufrecht zu erhalten. Wenn es überhaupt möglich war, meinen Status zu beschreiben, dann war es der eines homo novus, ein Ausdruck, der mir noch von der Cicero-Lektüre in der Schule geläufig war. Aber passender war Privateer, denn ich erstrebte nicht Würden und Positionen, die mir wegen meiner materiellen Lage angemessen gewesen wären, und die mir etwa lediglich aus Mangel an Angestammtheit bislang verwehrt gewesen waren. Es war eine doppelt unmögliche Position, in die ich mich mit aller Gemähligkeit hineinmanövrierte. Immerhin war ich mittlerweile 21 Jahre alt und hatte, wie erwähnt, weder das geistige noch das materielle Rüstzeug für einen längeren Aufenthalt in der geschützten Stätte der Universität, dieser Eliteschmiede. Ich war es hinlänglich gewohnt, als ein bescheidener Affrond überall anzuecken und meine einzige Entschuldigung für den eingeschlagenen Bildungsweg war, dass ich es schlichweg nicht anders wusste. Schon meine Mutter hatte ein Studium angefangen, die meisten meiner Freunde waren in irgendeiner Weise mit dem akademischen Leben verbunden, entweder als Studenten oder als Abkömmlinge von Akademikern. In der Tat legte ich an meine Freunde immer ganz andere Messlatten als an mich an. Wahrscheinlich in der unbewussten Hoffnung, auch einmal mit eben diesem Mass gemessen werden zu können.

Was war denn nun das Rüstzeug, mit welchem mich das Leben gewappnet hatte, als ich da in der Warteschlange zur Erstinskription, Zulassung zum Studium, stand, unter den Fittichen und begleitet von den fürsorglichen Argusaugen aafochs? Die Schlange war übrigens nicht lange, da es ziemlich früh war, sowohl von der Tageszeit, als auch von der Inskriptionsfrist her. Auch später ward ich niemals mit den Beschränkungen einer Massenuniversität konfrontiert. Ich habe niemals Warteschlangen kennengelernt, ebensowenig wie zum Abwinken volle Vorlesungssäle. Es schien, dass ich die Massenuni, welche erst mein Eintreten in eben diese ermöglichte, immer nur von der bestmöglichen Seite kennenlernen sollte. Philosophie ist schlicht nicht überlauffähig.

Mein Wissen setzte sich zunächst einmal aus dem Pflichtkanon der Schule zusammen, welchen ich rudimentär beherrschte. Ich habe Imperium Romanum genossen, mir bei Caeser, dem Demokraten, und Cicero, der Kichererbse schwer getan, aber bei Ovid, Dichter, bin ich durchgefallen. Latein und etwas, das sehr nach Poetik roch war einfach zu viel. Dass meine damalige Frau Latein-Professor mit mir ein offenes Wort über Disziplin gegenüber Lehrkörpern wechselte, zähle ich nicht zu meinen Verdiensten. Viel mehr war ich zumeist mehr auf Seiten derselben, die mich mit ihrem Wissen beeindruckten. Vom Leben, denn dass sie ihren Lehrstoff beherrschten verstand sich von selbst. Latein konnte ich also nicht, hatte aber zumindest schwarz auf weiss, vier, (eigentlich) fünf Jahre damit konfrontiert gewesen zu sein. Deutsch war auch immer lustig gewesen. Zum Vor- oder Nachteil traf ich immer auf recht laxe Interpreten, doch der Faust hatte Spuren hinterlassen, auch der Horvath, doch sonst nichts mehr. Vielleicht noch Bachmann, wenn die Bekanntschaft auch oberflächlich blieb. Warum jemand Fische in der Luft schweben liess konnte und wollte ich nicht verstehen, und mit Celan. Erst viel später hab ich erfahren, dass sie mit einer Zigarette im Bett Autodafe gespielt hat. Solche Ding sind viel eher geeignet, Respekt zu verschaffen. Wer nicht abwartet, dass sein Werk nicht nur Anfang und Mitte, sondern auch Abschluss bekommt, und trotzdem bekannt ist, muss verdammt gut sein, das war beinahe nicht mehr aristotelisch.

Die immantente Logik sogenannter mathematischer Kurvengleichungen war behaglich, eigentlich wirklich schön, die Kurven, was jedoch keine Gründe waren, die Hausaufgaben zu machen oder über ein unbestimmtes Minimum hinaus im Mathematikunterricht aufzupassen. Es genügt zu wissen, dass manches im Leben schwer zu errechnen ist, sich nichtsdestotrotz manchmal ausgeht. Lieber hätte ich von dem erbarmungslosen Kampf gehört, den Newton, augenscheinlich ein schrecklich einflussreicher Mann, Leibniz geliefert hat, ersterer als Vorsitzender der neu gegründeten Royal Socielty nicht nur Okkultismusfan sondern was mensch so einen beinharten Naturwissenschaftler nennt. Da ihm die Principia Mathematika eh schon Ruhm sicherte, konnte er nicht wenigstens die elendige Differenzialrechung auf Leibnizen beruhen lassen? Doch so ist es wohl schon immer gewesen: wer hat, will noch mehr, Matthäusgesetz, Bibel, zu Mathildagesetz: Wer arm ist, dem wird noch genommen. - Aber ich verstehe schliesslich auch, warum interessante Streitigkeiten, die die Mathematik plötzlich so human zu machen verstünden, in der Schule ausgespart werden: Einerseits ist es schon eine beachtliche Leistung, uns Kinderchen das ABC des kleinen Einmaleins nahezubringen, sammt all der Hoch- und Tiefpunkte, andererseits ist dafür nach der elementaren Schulausbildung noch genügend Zeit, und es kann wahrlich nicht gesagt werden, dass niemand von diesem Angebot gebrauch machen würde.

Schliesslich ist das Rechnen auch im weiteren Leben unentbehrlich. Einmal war ich in einer Bank gewesen, um im elterlichen Auftrag Geld zu beheben. An die Summe kann ich mich nicht mehr erinnern, es waren aber recht viele Scheine. Als die Kassiererin diese vor meinen Augen von den anderen abtrennte, konnte ich mangels anderer Beschäftigungen nicht umhin, still mitzuzählen. Zu meinem grossen Erstaunen überreicht sie mir die Summe aber nicht sofort danach, sondern wollte das Geld noch einmal mit mir durchzählen, ein Usus der anscheinend verpflichtend zu sein scheint. Auf meine Beteuerung, das sei nicht nötig, ich hätte schon beim ersten Abzählen mitgezählt, schien sie beleidigt und meinte, das sei ganz und gar unmöglich gewesen (bei ihrem Tempo, meinte sie). Da ich niemanden in ihrem Glück beeinträchtigen wollte, blieb mir nichts anderes übrig, als die Schultern zu zucken, worauf die Prozedur zum Vergnügen aller Beteiligten wiederholt wurde. Seitdem bin ich jedenfalls mit einer Eigenschaft mehr, auf die ich stolz sein kann, durch die Welt gegangen. Es gang sehr einfach, eigentlich, ich zählte nur bis 10 und merkte mir die einzelnen Zehnerschritte, man kann den 10er noch in 5er aufteilen und dann beim 10er ein virtelles Hackerl in Geiste machen, rythmus machen, ta-ta, locker machen, oder mit den Fingern, tausend Methoden gibts und ich habe, da Lego-Baukonstrukteur, immer sehr, sehr viel gezählt, unbewusst, und bewusst machen konnte ich mir das erst viel später. Das Zählen ist in der Tat sehr wichtig, auch bei der Mengenlehre, welche ein wesentlicher Bestandteil der formalen Logik ist, welche von Volksschulbeinen an geübt und wahrscheinlich deswegen den Gymnasiasten erspart wird, in der primitiven Form des Äpfel und Birnenzählens. Vielleicht ist es auch nur weise Voraussicht, denn Logik ist etwas für Angelsachsen, höchstens noch für Informatiker, aber nichts, womit auf einer so ehrwürdigen Stätte wie der Universität Vienuvo Staat zu machen wäre, prof. hhs Lektion, pater panther modern des Komputerraums des Instituts. Logik wird hier von seltsamen Käuzen, und/oder von Ausländern, Deutschen, Amerikanern meist, gelehrt, die dann versuchen, diese mit ihren Zöglingen kurzzuschliessen, in dem sie etwa das transitive Verhältnis von Antigone und Ödipus herausstellen, d.h. Ficken über den Kopf des Vaters, möglicherweise schon gemordet, hinweg, oder aber die substitutio salvae veritate “Der Morgenstern ist der Abendstern“, also die Venus, immerhin eine Leistung der Babylonier, erwähnen. Na gute Nacht, oder besser: Hut ab!

Sonstige Naturwissenschaften sind mir auf den Wecker gegangen. Ausser für die Relativitätstheorie, die in den praktischen Auswirkungen durchaus erstaunlich, dagegen in der rechnerischen Ausführung unmöglich war, konnte ich mich durchaus für die Evolutionstheorie begeistern. Denn was für einen Zweck sollte es schon haben, die konkurrierende Schöpfungstheorie zu behandeln, die eh jeder von Kindesbeinen an auswendig kennt, ich aus Kinderbüchern, zum Beispiel der Wal und Janos oder so, der war cool leuchtend gepinselt, grosses Coverbild, er schon im Walbauch, zum fürchten war das. Angeblich hat Darwin ja von den sozialen Gegebenheiten seiner Zeit auf die Entwicklung des Lebens geschlossen. Sei es wie es will, jedenfalls schien mir damals ein Fakt bemerkenswert: Das Leben erzeugt immer mehr, als notwendig wäre. Ein Satz, den ich seitdem hinlänglich bestätigt gefunden habe. Anders wäre es auch gar nicht einzusehen, warum ein einziger Mutant jeweils so weite Verbreitung finden könnte: Er vermehrt sich einfach wie die Pest, welche mittlerweile auch in ihrer Rolle als Motor der Entwicklung erkannt wird. Man spricht neuerdings in gewissen Salons von Bakterienteppichen, zum Beispiel in und um den Rachenbereich, überall eigentlich, eigenartiges Substrat, das Bakterien produzieren und in welchem sie leben, sich reproduzieren, und über Botenstoffe kommunizieren, Schutzzeltschlick, Schleim. Ja, alle Kriege können so erklärt werden, mit der schlichten Tatsache der Überreproduktion. Schliesslich kann man nicht von Vernünftigkeit auf Zurückhaltung schliessen. Eine Aussetzung des Urteils, bis etwas adequateres passiert, tieferes Verständniss zum Beispiel, das wär alles noch zu sehr Sache der Vernunft allein. Wie ein chinesisches Sprichwort schon sagt: In der Not werden Schweine zu Prinzessinnen, eine profane Binsenweisheit, die hierzulande viel vornehmer mit dem fliegenfressenden Teufel wiedergegeben wird. Doch gänzlich wird mich die Evolutionstheorie erst überzeugen können, wenn sie technisch reproduzierbar gemacht wird. Dabei spreche ich nicht von einfachen Computerprogrammen der Art Spiel des Lebens u.ä., sondern von ansgewachsenen Maschinen - Mutanten, mögen sie auch Milbengrösse haben. Aber es war nicht Neal Stephenson, der ein witziges und unserer Zeit in gewisser Weise vielleicht sogar angemessenes Zen-Koan formuliert hat, sondern ein gewisser Ken Wilber: Hat ein Computer Buddha-Natur? - Bei meinem jedenfalls will ich es bezweifeln, er kann sich ja nicht einmal entscheiden, ob er unter Windows oder unter Linux schlechter laufen will.

Der philosopische Einführungsunterricht gereichte meiner Schule durchaus zur Ehre. Nicht nur wurden wir erstmalig mit einer Wissenschaft konfrontiert die nicht vorgab, unsere Speicher mit noch mehr an Wissen füllen zu wollen, sondern die sich darüber hinaus nicht schämte, auch Fragen offenlassen zu wollen, sei es aus einem Unvermögen oder Zeitmangel, sei es aus einem gewissen Desinteresse heraus. Uns wurde die absurde Situation des Sisiphus geschildert, das verstand ich gleichsam sofort und ohne darüber nachdenken zu müssen, die immer wieder erneut angestrengte und jedes mal aufs neue vergebliche Bemühung, einen Stein den Berg hinauf zu rollen. Das Höhlengleichnis bedurfte schon einer grösseren Abstraktionsleistung, denn es ist nicht ohne weiteres einzusehen, warum Menschen ausgerechnet in Höhlen gefesselt leben und diesen Zustand auch noch normal finden sollten.

Bei Kant hatte ich dann den ersten intellektuellen Aussetzer, doch bestand ich auf ausführliche Erläuterung, bis alles sass. Heute weiss ich, dass dieser Aussetzer bloss ein grammatikalischer war, denn trotz der Einführungen in Deutsch, Englisch und Latein war es mir bis dahin noch nie einleuchtend gewesen, warum eine Kategorisierung wie Subjekt und Objekt von irgendeinem Interesse ausserhalb der Grammatik, und die wurde nur bei Schularbeiten und Tests gebraucht, sein sollte, und wie sie denn überhaupt wirkte und griff, das alte Problem von Verb, Zeit- und Hauptwort, Substantiv, und erst auf der Universität wurde mir bestätigt, dass mein Miss- und Unvertrauen in diesen Dingen kein Hirngespinst gewesen war, sondern sozusagen ernsthafte und würdige philosophische Probleme der moderneren Zeit anbetraf. Wobei ich keinesfalls behaupten will, ich wäre deswegen damals in dem seligen Zustand eines Einsseins mit den Dingen gestanden, vorausgesetzt, sowas ist überhaupt möglich (Denn das bestritt doch der gute Kant, der alte Herätiker. Nun, er lebte ja in einer Zeit der tiefsten Dunkelheit, und ein Aufstieg der Aufklärung war noch lange nicht in Sicht. Kurz nachdem er sein berühmtestes Buch geschrieben hat, beschlossen viele, dass, nachdem nur einer würdig gewesen war, über ihre Freiheit zu herrschen, sie lieber doch nicht frei sein wollten und den Weg von er Revolution zur Restauration gingen, nachdem eine Million Franzosen für unsere modernen Bürgerrechte gestorben sind. Aber auch das wird später zu erörtern sein). Ich tat mir bei Kant sehr schwer einzusehen, warum ein Tisch nicht einfach ein Tisch sein sollte wenn wir die Religion einmal ausser acht liessen, die ganz eigene jenseitige Welten postulierte, und damit basta. Warum musste sich da ein mysteriöses Ding an Sich einmischen, welches noch niemand gesehen hat und nach kantscher Prognose niemals jemand zu Gesicht bekommen würde? Das einzusehen bereitete mir solche Schwierigkeiten, dass ich beschloss, soferne ich bislang noch irgendwelche Zweifel gehabt habe, Philosophie zu studieren. Vielleicht war der späte Zeitpunkt bezeichnend. Nachdem ich den Zustand der übrigen Wissenschaften zum besten bestellt wusste, konnte ich mich nicht davor drücken, dort anzupacken, wo es augenscheinlich noch so manches Missverständniss gab (Heute weiss ich, dass genau das Umgekehrte der Fall ist: es scheint doch die Philosophie die einzige unter den Wissenschaften zu sein, die keine Probleme hat, ich allein hatte welche. Oder Lösungen, sagen wir es mit dem Künstler der ready-mades Marcel Duchamps: eigentlich gibt es die Lösungen ja nicht, weil c´est le monde sans probleme, oder so, frei übersetzt, es gibt keine Probleme). Die Versuche, des Professors des korrespondierenden Wahlpflichtfaches, mich für Kolakowski, meinen Landsmann, zu begeistern schlugen fehl. Seit jeher hatte ich ein tiefes Misstrauen gegen den Kommunismus gefasst, und für mich gab es damals keinen Saulus, der zu einem Paulus werden konnte: Entweder-Oder, wie eine Figur aus Asterix einmal gesagt hat. Jedenfalls ging ich damals streng nach Einstein: das Ding an Sich war Energie (eine platte Auffassung, die eines Philosophen unwürdig ist, wie mir später gesagt wurde, doch auf dem Geschichtsinstitut kam ich damit durch).

Im übrigen war ich damals gerade eben an eine Weltauffassung geraten, die zwar zunächst wissenschaftlich dokumentiert wurde, ihre Wirkkraft jedoch hauptsächlich in der Lebenswelt entfaltete. Die Vorgeschichte dazu ist schnell erzählt: In meiner zweiten siebenten Klasse, der vorletzten, die für mich auch im übrigen ein Segen war (die frühere hat bei den Schulwahlen, einer durchaus spasshaften Parallelaktion zu den Nationalratswahlen, wir hatten grad sehr publizistische Kameraden, eine erstaunliche Antizipation des Wahlerfolges der Freiheitlichen von 99 vollzogen wenn nicht übertroffen) lernte ich Bej kennen, und über Bej die Kinder der ehemaligen Kommune des Ottomanen, und auch einige Erwachsene. So sehr ich mit der Zeit die damals schon vergangenen Methoden der Kommune selber für ziemlich zweifelhaft zu halten gelernt habe, was nicht aussergewöhnlich ist in einer Welt der kriminellen politischen wie auch wirtschaftlichen Systeme, so sehr lernte ich die daran Beteiligten als interessante Menschen kennen und schätzen. Jedenfalls schloss ich Freundschaft mit ihnen und durch Edo wurden mir Die Lehren des Don Juan von Carlos Castaneda empfohlen. Ich verstehe bis heute nicht, warum meine Freunde so genau wissen, was für mich verdaulich ist und was nicht. Denn bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich zwar eine rudimentäre Vorstellung von Zen und so, doch witterte ich hinter allem, was nicht Wissenschaft war sofort einen Pfaffen (Was im übrigen kein Grund war, etwa den Religionsunterricht zu schwänzen, doch Grund genug für Zweifel). Also sah ich in all diesem, ob Religion oder nicht, Esoterik im pejorativen Sinne des Wortes, abwertend, und bis heute tue ich mir schwer damit dieses Wort anders zu gebrauchen. Andererseits vertraue ich meinen Freunden fast vorbehaltlos und schlimmstenfalls war es wieder ein Roman mehr, und davon konnte ich eh niemals genug bekommen. Die Lektüre von Castanedas Büchern entfaltete sich zu einer der schlimmsten Süchte seit Karl May, dessen gesamtes Ouvre ich fast auswendig kannte, bevor ich die Volksschule verliess. Es war auch schlimmer als meine Leidenschaft für Frank Herberts Wüstenplanet (mit diesem hatte es zumindest den Eintrag im Handbuch der Rauschdrogen als einschlägige Literatur gemeinsam), eine Si-Fi-Sage von sechs Bänden und es war schon gar nicht vergleichbar mit der Flusswelt der Zeit, oder der schier endlosen Mark Brandis Saga, alle frei verfügbar in dieser herrlichen öffentlichen Bibliothek, welche sie später noch schön ausgebaut hatten, und wo ich auch die Herr der Ringe Bände auslieh, es gab auch erstaunlich viele Noname-Romane, welchen ich dann zu meinem Erstaunen in Filmen wiederbegegnete, so die Geschichte dieser konkurrierende Indiana Jones Asien Saga etwa, die mit Tom Selleck gefilmt wurde. Jedenfalls galt, je mehr Bände ein Werk umfasste, desto lieber war es mir. Die Lehren des Don Juan umfassten damals immerhin 9 Bände und ich ruhte in dieser Spätphase meiner voruniversitären Büchervernarrtheit nicht, bis ich alle kennengelernt hatte. Langsam erst verstand ich die Faszination, die davon ausgeht. Castaneda beschreibt darin seine Lehrzeit bei mexikanischen Schamanen.

 

Bislang hatte mir die Wissenschaft als Religionsersatz gedient und besonders die Science Fiction. Ich kannte Stanislav Lem, Douglas Adams, Brunners Morgenwelt, Do Androids dream of electric Sheep, die Neuromancertrilogie und anderes. Von Asimov las ich nur "Der Mann von drüben", die iRobot - Vorlage, und ich schaute lediglich kurz in Lems Robotermärchen rein, ich fand sie damals allen Ernstes zu kindisch! Was für eine späte Entdeckung der Iion Tichy dafür war!

Carlos Castaneda war eher schon der Fantasy- Literatur zuordenbar, da kannte ich durchaus weniger, es war eine neuere, eigentlich erst durch Tolkien entstandene Gattung. Aus dem Gedächtnis schrieb ich zwei Texte thematisch dazu. "Wege mit Herz", auf English, liess es von meinen englischen Mädis kurz durchschauen, und den "Tisch", schon auf der Uni, fast reine Nacherzählung, overcrossed mit Deleuze/Guattari - Philosophie:

 

Das Bild Don Juans: der Tisch, ein Ausgangspunkt.

Unser Bewusstsein stellt sich als Tisch in einem Restaurant auf. So ein Tisch wird bevölkert, von Geschirr, Gewürztöpfen, Kerzen, was Man will. Angenährt aber ist das Ganze des Tisches den anderen Tischen des Restaurants. Die Anordnung auf den einzelnen Tischen mag variieren, sie ähneln sich im Ganzen. An diesen Tischen wird gegessen, parliert, "heterogene Serien" (d/g) Essen – Sprechen, Sprechen – Ficken, und was man sonst will. Man mag über den Gegenständen kontemplieren (d/g), über den Tisch oder das Restaurant (die vielgepriesene Distinktion der Klassik – "Man sagt nicht guten Tag, Theodoros, wenn Theaitetos vorübergeht", aus d/g). Man mag über die Gegenstände reflektieren (Kant – die Richterin), man man über sie diskutieren (Husserl).

Man kann aber auch den Tisch ordnen, das Urteil über die Dinge aussetzen. Man stellt die Dinge zusammen und entdeckt, dass eine grosse Fläche übrigbleibt. Die nunmehrige Anordnung der Dinge auf dem Tisch wird uninteressant. Es ist egal, ob man sie ins rechte oder linke Eck stellt. Die Fläche ist da, und man kann sich überlegen: sich daraufstellen (um wieder eine Rede zu halten?), oder drauflegen, um ein Schläfchen zu halten? Man kann sogar unter den Tisch kriechen. Aber immer sieht man nur das Restaurant, wie es die Gewohnheit unserer Zeit diktiert. Die leere Fläche zwingt zum Denken. Ein Lichtbild unter anderen. Man wird aus dem Restaurant hinausgezogen. Mitsamt dem Tisch, man kann ihn am Buckel tragen - "die kleine Krankheit" (Schriftstellerkrankheit, nach d-tbc/g). Um dem Restaurant zu entkommen pflanzt man den Tisch im Gebirge auf. Ein kleiner Tisch der schlecht zu unterscheiden ist inmitten der Wüste der Berge. Und da entdeckt man, dass man am Tisch klebt. Alles rundum ist unmenschlich. Die kleine Krankheit reicht nicht mehr. Oder klebte der Tisch an einem? So beginnt man, da man mit dem Tisch zusammen nirgends mehr hingehen kann, die Umgebung zu erkunden. Die wenigen, zerrauften wilden Pflanzen die am, beliebigen, Standpunkt des Tisches wachsen. Man legt sich auf den Tisch und beobachtet die Pflanzen darunter, und die Steine, das Holz, das Moos und das Wasser in den Lacken. Allmählich lernt man, sich einige Schritte weit vom Tisch wegzubewegen. Man wird mutiger, doch der Tisch ist klein und gerät leicht ausser Sicht. Doch darf man den Tisch nicht verlieren, denn wie sollte man sonst in das Restaurant zurückgehen können, wenn nicht als Tisch? Und manchmal will man zurück ins Restaurant, wenn man sich nicht mehr auskennt, wenn das Chaos der Berge zu stark wird. Und wenn man nunmehr auf dem Tisch tanzt, fragt man sich: Wer ist das, der da tanzt?

 

Das war auch schwierig: die jugendlichen Besäufnisse, Vron und Castaneda auf eine Reihe zu bekommen. Ich war noch nicht reflektierender Paradoxymane (frei nach Deleuze, Logik des Sinns). Auf der Uni hatt ich auch sonst viel Spass, ich wechselte bald in eine Fächerkombination. Ich arbeitete viel, was blieb mir anderes übrig, aber erst die Studiengebühren schmissen mich aus dem Uni-Rythmus. Lakmus. Rausmus. Aber das war viel später. In der Zwischenzeit begegnete ich sehr vielen faszinierenden Frauen. Unter den beeindruckendsten war Bebe.

 

Ich hatte mir damals einen guten Job rausgesucht, wir fuhren Komputerputzend duch ganz OstÖsterreich. Auch den Teemeister Helmji lernte ich dabei kennen, als Arbeitskollegen bei Pictobello . Wir sahen von den Sporen bis zum Caput eines Betriebes die gesamte Vertikale eines Betriebes während nur eines Tages. Sehr lustig war der junge Profilchef, damals noch Ecke Schwedenplatz, wie er freudeübermannt von seinem Hund begrüsst wurde, als wir oben zur Sache gehen, man sieht ihm richtiggehen dabei an, es ist im peinlich, sich sowohl über die im geschenkte allgemeine Aufmerksamkeit zu freuen, als auch, diese Freude spielen zu müssen. Und mit Bebe begann seit dem Zeitpunkt unseres ersten Aufeinandergeratens eine lange Bekanntschaft. Es gab da eine Szene, die mir besonders im Gedächtnis verblieben ist.

 

BEBE 2001 (NS 2003)

 

In der Mittagspause verteilten wir uns auf zwei Tische im Gastgarten des McDonald´s, irgendwo am Land. Ich setzte mich zu den Mädchen und kam ausgerechnet neben Coeli, am Bankende, zu sitzen. Im Profil erinnerte ihr Gesicht mit den bleichen Wangen und dem starken Kinn ein wenig an eine hie und da glitzernde Mondsichel. Neben ihr sass Bebe, meine angebetete Bea, und gegenüber von uns waren Alla und die Schwangere Ama, die nicht ganz genau wusste, wer der Vater ihres Kindes war.

Eigentlich hätte ich mich zu Chef Robert, Jana, ihrem Freund und dem Tiroler gesellen sollen, aber mich drängte es zu der Schar der lustigen, jungen Mädchen aus der Rudolf Steiner Schule, die mir so bunt vorkam, obwohl wir alle die uniforme blau-weisse Arbeitskluft anhatten. Proustianisch unterscheidbar waren sie, in interessant, möglich, interessant, verändernd.

Seit Coeli in die Firma gekommen war, trug sie ihre Missachtung was mich betraf, aber auch gegenüber den anderen, offen zur Schau. Sie war (überhaupt oft grantig und) gerade dabei sich von ihrem Freund zu trennen, der einiges älter war als sie und viel trank. Das erfuhr ich aber erst später.

Vor allem hatte sie natürlich schon längst meine zunehmend gelähmte und impotente Begeisterung für Bebe mitbekommen, für ihre verschleierten Augen und ihren meistens leicht kokett lächelnden Mund. Es hatte etwas von, war aber eindeutig verschieden vom Verlieben, auch von nur Begehren, irgendwie. Wie sagt ich später zu ihr: weil wir uns so ähnlich sind! - Denn gleich am ersten Tag unserer Bekanntschaft bin ich Bebe, nach unserer gemeinsamen Arbeit, beinahe kühlen Blutes, um ihr, wie selbstverständlich, nahe zu sein, in die U-Bahn gefolgt, aber sie hatte einen Freund. Nur einmal war mir so etwas bis dahin passiert, mit demselben Ende des Wegs (sie hiess Kwiatkowska, aus der Slawistik, der Reiz der Polinnen..).

Mit Alla, deren Mutter einmal ein Puff betrieben hatte, verstand ich mich gut, auch wenn unser Verhältnis eher sachlich war, sie selbst verstand sich „ideell“ als Mongolin, ich auch. Da sass ich nun an ihren Tisch und wie üblich glänzte ich als zerstreuter Hanswurst. Alles was ich tat, war dümmlich in die Runde zu grinsen. Für Coeli war offenbar klar, dass, solange ich da war, es nicht lustig werden konnte. Bis dahin hatte sie mich nur mit verachtenden Blicken und Schweigen bedacht oder über mich die Nase gerümpft. In ihren Augen war ich ein hoffnungslos Verlorener und durch und durch unmännlich und so versuchte sie mich (sehr) bald mit einem (ziemlich eindeutigen) offensichtlichen Schubs und einem Kopfwinken zu verscheuchen. Ich tat, als ob ich nichts merkte, (wollte ich doch unbedingt bei ihnen sitzen), es erschien mir ganz wunderbar ihren hellen Stimmen und Körpern zu lauschen.

Es war wie die Situation des 30jährigen Gymnasiasten am Frühstückstisch der "modernen Pensionärin" in Ferdydurke von Gombrowicz, als die Verachtung der "jungen Pensionärin" unübersehbar geworden, und dadurch die Sticheleien der "gesamten Familie" gegen ihn auf dem Höhepunkt angekommen waren. Es fehlte nur noch das erlösende Wort, der Gegenschlag. Kurz, ich war durchwegs ein dostojewskischer Idiot im Kreise der Jepantschins.

 

Nun geschah es, dass Coeli die Geduld mit mir endgültig riss. Schliesslich hatte ich mich nicht nur unaufgefordert zu ihnen gesetzt, sondern meine Anwesenheit wirkte sich tatsächlich lähmend auf die wilden Mädchen aus. In meiner lauernden Gegenwart konnte man einfach nicht über ´coole´ Dinge palavern. Sie warf mir, nachdem sie mich ja schon wegzustubsen versucht hatte, mit einem Mal mit beinahe gequälter Miene, (ich quälte sie!) meine Unpassentheit vor, und ob ich denn gar nichts verstehe und mich nicht lieber woandershin setzen wollte. (Aber sie hatte deutlich genug gesprochen.) Aber ich blieb. Denn ich war durch die Gegenwart von Bebe und Alla so glücklich, und wie süss Ama mit ihrem beginnenden Bauch, dass ihr Stich wieder nicht durchdrang. Dazumal ich Coeli selbst sehr interessant fand, was sie durchaus wusste und sie in ihrer Herablassung mir gegenüber noch befeuerte. Und so erwiderte ich ruhig und mit einem Schalk in den Augen, über den Tisch gebeugt, beinahe hochmütig, dass ich durchaus verstehe, dass sie mich hier bei ihnen nicht will, und dass ich aber vorziehe der Aufforderung nicht Folge zu leisten so wie mir auch der erste Wink, der Schubs, nicht entgangen sei, aber ich einfach zu gerne bei “euch Mädels“ sitze.

Mit dieser nonchalanten Unbekümmertheit ob ihrer Gemeinheit, einer Ignoranz die an Dreistigkeit grenzte, nahm ich ihr augenscheinlich völlig den Wind aus den Segeln, denn sie blickte mich nur starr und irgendwie verblüfft an, als ob sie sich das beim besten Willen nicht erwartet hätte und ihre Gehirnwindungen zur Reevaluation der Lage erst neu einklinken müsste. Ich hatte mit gedämpfter Stimme über meinem fastfood, sie wenig anblickend, gesprochen und wollte mich wieder dem Essen zuwenden, nicht ohne auf etwaige Reaktionen gespannt zu sein.

Doch bevor Coeli noch etwas erwiedern konnte, lachte Bebe plötzlich laut auf, ihr schallendes, dennoch auch gutmütiges Mädchenlachen kontrastierte stark die gedämpfte Stimmung im landlichen Gastgarten. Sie klatschte mit beiden Händen auf Coelis Schenkel, wie um durch den Kontakt zur Freundin diese für ihr Lachen zu entschuldigen, denn schliesslich ging es auf deren Kosten, und legte schliesslich, da sie nicht zum Lachen aufhören konnte, ihren Kopf in Coelis Schoss und barg ihn in ihren Händen. Coeli liess es starr über sich ergehen. Man konnte Bebe unmöglich böse sein, sie war ein so fröhliches Mädchen und bekundete ja gleichzeitig Sympathie für ihre Freundin und Verständnis mit dem Opfer. Und während sie noch krampfartig versuchte ihrer Heiterkeit Herr zu werden und immer wieder “Oh Coeli, oh Coeli“ keuchte, dabei ihre Freundin liebevoll beklapste und streichelte, brach es aus Alla, die dem Treiben bislang mit böser Miene gefolgt war, wie im Stakkato hervor: “Also das ist wahr mich empört es wie du zu allen so unhöflich sein kannst an allen hast du was auszusetzen ich hab dich noch überhaupt nie ein gutes Wort sagen hören du beleidigst alle und entschuldigst dich nie es ist als ob du alle hassen würdest ....“ und so fort. Und wie Bebe nicht aufhören konnte zu lachen, so schien es als ob Alla nicht mit dem Schimpfen fertig werden würde. Die Vorwürfe prasselten auf die regungslose Coeli, die noch immer kein Wort sagen konnte. Es schien, als ob sie angespannt einer eigenartigen Lektion lauschen würde, einem schizophrenen Vortrag, der darin bestand, ihr in das eine Ohr Lachen, in das andere Ohr Schimpfen, einzuflössen. Und daneben ich, als Zeuge. Mich erstaunte die Heftigkeit von Allas Zornausbruch und völlig unverständlich war mir, wie man so einen unaufhörlichen Schwall an Vorwürfen so ad hoc produzieren konnte.

Mein Triumph war perfekt. Die Karten waren neu gemischt. Ich verkündete, dass ich mich nun vielleicht doch an den anderen Tisch setzen wolle. Und während Bebes Lachen langsam an Stärke verlor stand ich auf und kehrte Allas Geschimpfe, das mir immer mehr wie ein unerträglicher Lärm erschien, wir sassen uns direkt gegenüber, den Rücken. “Ich hab wohl was falsches gesagt.“ – mit diesen Worten setzte ich mich vis-a-vis zu Robert, unseren Chef, der mir mit fragender, leicht beunruhigter Miene entgegensah. “Also ich versteh´ auch nicht, was er immer daherredet.“ – sagte er in die Runde und sah mich verständnislos an. Jana guckte böse, d.h. Gelangweilt, die Jungs guckten kurz, schauten weg.

Von diesem Tag an wurde ich von Coeli geschätzt. Nicht nur, dass sich unser Verhältnis normalisierte, sie begegnete mir plötzlich mit einer erstaunlichen Sanftmut, weihte mich in Geheimnisse ihres Lebens ein und erzählte viele Geschichten über ihre Freunde. Mit einem Wort, wir waren Freunde geworden.

Ich verliess die Arbeit aber bald, wollte zwar neben meinem neuen Druckjob auch weiter mit ihnen arbeiten, etwa zwei mal im Monat, aber es ging sich nicht aus, die neue Arbeit nahm zu viel Zeit in anspruch. Und Bebe kehrte bald nach Salzburg zurück, meine süsse Mozartina. Coeli als Teamleaderin blieb noch , arbeitete und drängte und wurde, mit Jahresabstand, auf der Akademie der Künste aufgenommen.

Bebe schilderte mir Jahre später später ihre Gefühle während dieser Zeit des Computer-Putzens bei Pictobello:

Einmal etwa hat sie uns, als eine mögliche Teamleader- Anwärterin, über den langen, durch geöffnete Türen markierten Gang hinweg gerufen: "Janus, Alla, Ama!" -

Und sie erzählte dazu mit einer Wendung die ihr lieb war: "Ich war so verschreckt, dass ich nur noch grinsen konnte!" - Kein Wunder, denn schliesslich war das der Ruf einer möglichen Vorgesetzten gewesen. Ihr klang es wahrscheinlich wie ein Gottesurteil. Ich nicke: "Allah akbar .. Mohammed rasul..oder so" - Sie nickt heftig, irgendwie konnte ich mich an die Szene erst allmählich erinnern. Warum pointierte sie es so, es war zu lustig! Kein Wunder auch, dass sie beschloss, künftig sich anders zu behelfen, als sich als Vorgesetzte aufszuspielen, ein Rolle die einfach nicht zu ihrer lachende Nonchalance passen wollte.

 

A Pro Pos Ereignisse 2001: Die Amis in USA, unweit der Nips

 

Neuerdings scherze ich, um die hiesigen Landsleute zu unterhalten, die Amerikaner seien Indianer, mit ihrer komischen quäkenden Sprache, die mich so fasziniert. Damals 11/01, nach der Arbeit, ich hatte die Arbeit gewechselt, die lustige Mädchenrunde verlassen, war jetzt in einer Männerrunde, Druckerabteilung, wo das aeroplan-maritime Schlamassel, Mutter rief mich gleich an, auf dem kollegialen Webbrowser sogleich zu bewundern war, mit Ton aus dem Radio, wartete ich um 12 oder um 2 auf den (Nacht-) Bus, als eine Bande ausgelassener Amis lärmend in diese Stille der Wassernähe, einer von ihnen wurde in einem Einkaufswagen geschoben, vorübereilte, von einem Eck zum anderen, in dieser Penny-Gegend, leere, gähnende weisse Nächte in Asphaltschwarz, der ganze grosse Platz bei der Brücke, Umstieghäfchen bim-bahn-Bus. Ich spürte ihre verzweifelte Anstrengung, sich zu amüsieren. Gleich schoss ich einige Gedanke auf sie ab: Selbst Schuld, Idioten, u.ä.; Sofort wurden sie aggresiv, wie Viecher die sich bedroht fühlten. Ich beachtete sie nicht weiter, sie beruhigten sich. War ich aus dem Häuschen!

 

WKII - Zum 20. April zumsammenkompiliert.

Die Hitlermarionette Englands-Frankreichs. Und weil die Juden mit das Beste waren, was Deutschland hatte, mussten sie vor allem aus den europäischen Stammlanden verbannt werden. Reine, unschuldige bürgerliche Machtpolitik. Denn gerade eben war Deutschland, das alte Rom, eine Art Demokratie geworden. Dumme Zeiten. (noch fiktiverer Zusatz: Kein Wunder also, als dann im vierten Rom (USA, oder 5tes?) erwogen wurde, Deutsch als Amtsprache einzuführen.) Aber Englisch ist eindeutig süsser, wenn auch Deutsch rein ästhetisch tiefer ist, weil es mehr Zeit hatte. Die Engländer waren dazu auf See, wie sollte man da gross sprechen, wenn einem das Wort noch im Mund verweht wird; english = Philosophensprache; Deutsch = Poetensprache.

Und als die Engländer eine ganze Welt hatten wollte sie noch mehr und zerstörten ihre Vormachtstellung im englischen (II) Weltkrieg. und die Franzosen (Kondition des frz. Fin de Siecle siehe Dostojewskis Tagebücher), an ihrem Geld hängend, machten mit. Sie schickten ihre Polenschanis vor, um den Krieg offiziell zu eröffnen (Achtung! grob inkorrekt, aber sehr lustig). Und die Juden starben aus Liebe und Mitgefühl zu den Grossen, Engländern. Wer sich anschickt, die ganze Welt zu vereinigen, kann leicht der Korruption des Mehr-Haben-Wollens erliegen, denn er hat per se, wenn erfolgreich, die Oberhand. Siehe Amis: Sie haben das Schisma des Sozialism (Sozialsims) niedergerungen, jetzt sind sie grössenwahnsinnig. Wie repertiert man Lord Sowieso auf der Geschichte: Macht macht korrupt, absolute Macht macht absolut korrupt, das hört sich auf Deutsch fast schöner als im englischen Orginal an.

Man gibt ja den Herrschern (Vergeschwistern, grossen Umverteilern, das nach Richard Harris) ja buchstäblich alles, selbst sein Leben, allein dafür, dass sie diese Bürde auf sich nehmen, verzeiht man ihnen selbst den grössten, unvermeidlichen(?) Missbrauch. Das Interregnum des kalten Kriegs, d.h. Zeit ohne neues Rom, die Zersplitterung, musste aufhören.

(Na und als die Alt- Antisemiten Neuenglands aufstanden, um Atari zu vernichten. Ray Kassar vs Nolan Bushnell, lustig, literarisch).

Ein wahrlich Ungeglücktes Bewusstsein (entstanden aus dem Versuch, bei Cal-mi gelesenes hegelianisches "malheureuse conaissance" zu übersetzen? Zu frz.lernen), zu Sartres Entsprechung mauvais fois oder ähnlich, Kampitslektion (oder so, unglückliches Bewusstsein).

 

 

Der Telepath - geile Esoterik.

 

Nachdem Vron weg war, stürzte ich mich so richtig in die Wissenschaften. Schon kurz darauf war ich der Universität verfallen; naja, sie ist ja auch eine Frau: Alma Mater Rudolfina 1365. Meine langjährige Braut, auch sie habe ich später verlassen. Kein Wunder, dass ich mich nach ihr wieder stärker für andere Frauen interessierte. Vielleicht war das genau die Lektion, die ich noch zu lernen hatte, nicht die eine gegen die andere auszuspielen, bzw. in der einen Trost wegen der anderen zu suchen. Frauen sind ja lustig. Über die Seltenheit der Männer vergessen sie auf ihre Freundinnen. Das hat mir Nati gesteckt, unter anderem. Sie, die Kartenleserin, die Männerförderin mit der Mannshohen Magic Wand (Zauberstab), die uns an einigen Geheimnissen partizipieren lässt, einige, immer von ihr selbst Handverlesene. So betrügen die Frauen also ihre Freundinnen, freudig, da von der Seltenheit angestrahlt. Pech, aber Glück für uns, sonst gäbe es kaum noch Freiraum. Wie sagte sie: Keine Freundschaft! - Ich sage: Teile und herrsche, das alte Spiel der Patriarchen, wie langweilig.

 

Bald nachdem ich Student geworden war, gewöhnte ich mir endgültig an, unter freiem Himmel prinzipiell eine Kopfbedeckung zu tragen. Das war ein normaler Usus unter meinen Kousins, und schon früher hatte ich hie und da, oft, Kappen getragen, Barets probiert, alles unter ihrer liebevollen Aufsicht. Für Berets war mein älterer Kousin Mico Myo, ein grosser Fan des "Green Beret" Spiels, zuständig, für Kappen mein jüngerer, Krim Woy. Nie werde ich meine Larry Bird- Kappe vergessen, die er geerbt hat. Eigentlich war ich von Berets mehr eingenommen, doch fand sich nie ein passendes, und extra habe ich mir nie eins gekauft. Erst beim Bundesheer durfte ich als Jäger endlich mein "Green Beret" tragen, doch Ironie des Schicksals, hatte ich dort immer mit den Kopfbedeckungen zu kämpfen. Sei es weil wir eine kleine Kaserne in Kagran waren oder aus anderen Gründen, während meines gesamten Präsenzdienstes fand sich nie ein Kappe, die ganz auf meinen Kopf gepasst hätte, ausser sie war dehnbar. Zwar hatte ich in der Tat lange und abstehende Haare, ich vermute aber, dass die Bekleidungs-UOs genau meine Eitelkeit gespürt haben und mir deswegen ständig Kappen gaben, die zu klein waren. Ich trug sie dennoch mit dem ganzen Stolz, den ich ob dieses Schönheitsfehlers imstande war aufzubringen. Deleuze jedenfalls, der Vampir, war der Philosoph mit dem Hut. Und den langen Fingernägel. Wie Vron angewidert gestöhnt hat, als ich ihr von meinen Abenteuern in Sachen spitze lange Fingernägel erzählte, die ich mir während des normalen Bekauens derselben einmal einfallen liess.

(Die Kappen waren mitunter ein wichtiges Versatzstück für den Unfug der Alltagstelepatie. Ein Gefühl.)

(Ein Student, in einer Zeit der mässig betriebenen Menschenrechte, begann um seinen Verstand zu fürchten.)

 

Erstes Erlebnis

 

Als ich das erste Mal so unsanft aus meiner sicher scheinenden Festung der eigenen, ganz privaten Gedanken gerissen wurde, dachte ich mir nichts dabei. Schwerlich konnte ich damals schon daran gezweifelt haben, dass Gedanken frei sind. Es geschah eines Tages auf der Strasse am Nachhauseweg gen Abend, dass ich mir mal wieder über das Wesen und die Natur der Menschen ungerichtet Gedanken machte, als mir der Satz durch den Kopf ging, ich wunderte mich so manches mal:

“Die Menschen sind doch komisch.“. Und gerade in dem Moment rief sichtlich erbost ein Mensch, der sich auf der anderen Strassenseite an einem Kleinbus zu schaffen machte, aufschauend, in meine Richtung, er sah mich über die breite Strasse, es war eigentlich der Elternleinpatz, direkt an: “Komisch!“, und es klang wie “Unfug!“, es klang, als ob er mich nachäffen wolle, mir die Dummheit meiner Gedanken zu Ohren bringen wolle. Zweifelsohne hatte ich mich verhört. Denn sicherlich hatte ich kein lautes, sondern höchstens ein kleinlautes Selbstgespräch geführt. Oder war es einer dieser Zufälle gewesen, die bekanntlich vieles vollbringen können, was aber, selbst bei sorgfältigster Planung, willentlich unmöglich zu erreichen ist?

Jedenfalls war das Erlebnis für mich so unwichtig, dass ich es sicher bald vergessen hätte. Es gab so viele andere Gedanken die sich mir aufdrängten, weiss der Teufel, und sie hatten durchwegs mit realeren Erlebnissen zu tun. Überhaupt gab es wenig, das mich ernsthaft verstören konnte. Ich führte das zum einen auf mein Alter zurück, eine gewisse Abgebrühtheit, die mit der Gewohnheit und der allmählichen Abkühlung der Nervenbahnen zunahm. Zum anderen aber, und dem mass ich im Zusammenhang mit meiner Gelassenheit mehr Bedeutung zu, war es das Resultat langer Übung der Konzentration und des Selbstbewusstseins, ahh, dhyana.

Niemand erwartete mich, als ich meine kleine Wohnung im 16ten betrat und so begrüsste ich nacheinander einige Gegenstände wie sie in den Blick traten, hallo Rucksack, aha der Herr Regenschirm, nahm die Kappe, auf der in Grossbuchstaben NYC stand, ab, vor nicht allzu langer Zeit, es konnte sich nur um Monate handeln, hatte ich eine Kappe mit der Aufschrift <Bubble Gum> verloren, sie war Magentafarben, zartrosa auch und ich liebte sie sehr, wenn auch nicht so sehr wie das Mädl, mit dem ich sie zusammen verloren habe, entledigte mich der restlichen Strassenkleidung und schaltete den PC ein, gespannt auf Korrespondenz. Endlich allein, dachte ich mit Baudelaire, vorbei die Tyrannei der Menschengesichter. Ich nahm mich nicht ernst, genoss die Stille der Wohnung, die nur durch das Gelichter der erleuchteten Fenster gegenüber gestört wurde. Richtige Vorhänge bräuchte ich, nicht diese fadenscheinigen Deko-Girlanden, die abends, wenn das Licht brannte, nichts verdeckten, oder so zumindest hatte ich jeden Abend das Gefühl. Ich wunderte mich über meine Nachbarn vis-a-vis, einem wohlsituierten Pärchen in einer grossen Wohnung, die auf Vorhänge grösstenteils verzichteten, ich war jedoch in diesem Sinne kein Voyeur. Es war keine Post da und ich legte mich bald mit einem Buch ins Bett. >Ich gehe mit Dostojewski ins Bett<, scherzte ich dabei, lau. ( Damals gab es noch keinen NintendoDs- Gameboy, den man im Bett liegend einhändig bedienen konnte, könnte ich heute, bei der Korrektur scherzen.)

Und so ging für mich ein Tag zu Ende und ich ahnte nicht, dass ich die Manifestation eines seltsamen Phänomens erlebt hatte, das mich noch lange in Atem halten würde.

 

Bestätigung

 

Das Erlebnis beschäftigte mich weiter. Wenige Tage danach besuchte ich eine Freund, P, einen Bohemien, der wilde, farbenfrohe Bilder malte, die zumeist ein Netz ineinander verwobener, annährend geometrischer Gestalten aus kräftigen, farbigen Pinselstrichen darstellten. Persönlich hatte ich die Bilder recht gerne, sie befriedigten meinen ästhetischen Sinn, obwohl mir sonst das Abstrakte fern stand. Wir führten schon lange Verhandlungen eines seiner Bilder betreffend, es fiel ein bischen aus dem gesamt-Oeuvre heraus, ein Buch, deren Blätter (zer)flatterten. Er wollte sich partout nicht davon trennen, nicht um meinen Preis. P führte das relativ ausgelassene Leben eines jungen Erben, der es sich leisten konnte noch nicht an die Zukunft zu denken, und die Gegenwart mit geistigen Getränken und Gedanken anregend zu gestalten. Wir plauderten ein wenig, doch wollte kein anregendes Gespräch zustande kommen weil wir uns längere Zeit nicht gesehen hatten und beide in eigene Probleme vertieft waren. Ich verabschiedete mich deshalb bald und dann passierte es: Während ich im Vorzimmer die Schuhe schnürte dachte ich, gedanklich schon wieder bei meinem neuen Phänomen:

“Vielleicht kann ich meinen Wahn ja positiv sehen. Möglicherweise gehöre ich einer anderen, neuen Art von Menschen an.“ –

“Also das brauchst nicht zu glauben.“ – ertönte darauf sogleich, barsch, die Stimme meines Freundes, der hinter mir aus dem Wohnzimmer aufgetaucht war.

“Nein, nein, glaub ich eh nicht.“ – Erwiderte ich beim Aufstehen.

Die Worte entfuhren mir ganz unwillkürlich, bevor ich noch daran denken konnte, dass wir gerade ein Gespräch geführt hatten, das keinen anderen Gegenstand, als nur meine nicht laut geäusserten Gedanken, hatte.

Ich stolperte aus dem Haus auf die Allee und erblickte die jungen Birken, die hier am Übergang vom Stamm zur Krone seltsame knollenartige Verdickungen aufwiesen. Irgendwie beruhigten sie mich. P hatte mich einmal auf diese Verkrüppelung aufmerksam gemacht und gemeint, dass sein Elternhaus nicht zufällig hier stand.

Mein Blick ruhte weiterhin auf den seltsamen Bäumen, während ich mich vom Haustor meines Freundes entfernte. Ich blickte die Allee entlang und scheute ein bisschen vor den wenigen Passanten. Was, wenn auch sie meine Gedanken erraten konnten? Es passierte jedoch nichts. Und auf dem Nachhauseweg, aus Sentimentaliät streifte ich den Wurstelprater zumindest mit den Blicken, kehrten meine Gedanken immer wieder zu diesem erneut sehr merkwürdigen Ereignis zurück.

 

Reflexion, Vijana

 

Wenn das eine Form von Geisteskrankheit sein sollte, dann fand ich sie nicht sehr spassig. Trotzdem beunruhigte mich die Vorstellung nicht. Am wahrscheinlichsten schien es mir aber, dass es eine Form von Überspanntheit war, und im schlimmsten Fall die Wahnvorstellungen eines kränkelnden Geistes.

Immerhin meditierte ich seit einiger Zeit, nach der Zen – Methode, genauer gesagt nach einer Methode, die sich auf das Zählen der Atemzüge beschränkte, SOTO-ZEN wurde es genannt, eine von den zwei grossen, übriggebliebenen Traditionen des Ch´an. Der erste direkte Effekt, der mir dabei aufgefallen war, die Zunahme der Konzentration und ein dadurch subjektiv beschleunigter Gedankenfluss, da mir weniger Gedanken des inneren, ständigen Monologs entgingen, konnten allerdings mit diesen neuerdings aufgetauchten Erlebnissen zusammenhängen, ja, sie sogar ausgelöst haben.

 

Andere Einflüsse

 

Ich führte das Ganze aber teilweise auch auf meine Drogenerfahrungen in der Jugend zurück, dem Rauchen von Cannabis, dem Einnehmen von LSD – Trips. Vor allem letztere liessen die Raumproportionen durcheinander- und mich manches Mal in bestürzend grosse, manchmal winzige, Räume geraten, oder ich vermeinte im Bett liegend zu schweben, als ob sich von meinem Körper eine Art ´Astralleib´ gelöst hätte und dieser Doppelgänger, der einen halben Meter über dem Bett flog nun ich selber wäre, obwohl ich gleichzeitig fühlte im Bett zu liegen, damals, mit Walkman - Kopfhörern in den Ohren.

Alles in allem hatte ich also schon einige absurde Situationen erlebt, um nicht “aus dem Häuschen zu geraten“, wie ich in meiner Vorliebe für den Volksmund gerne scherzte. Es war ja schon eine Proto - Situation viele Jahre vorher geschehen, die, da nicht wiederholt, mir nur ab und zu einfiel: Es war passiert bei einem der ersten Male als ich Haschisch geraucht hatte. Plötzlich, wir sassen in Werns Zimmer mit Josi am Compi herum, Wern und ich auf dem Bett, ich hatte die Füsse angewinkelt und eine dieser Tabakpfeifen zum Rauchen benutzt, als ich plötzlich ganz deutlich eine auditive Halluzination in meinem Ohr erlebte: "Janus, Janus" - laut und hell rief die Stimme meiner Mutter wiederholt meinen Namen, sicherlich 10 oder 20 Mal. Ich bestätigte mich bei den anderen, dass es tatsächlich nur in meinem Kopf geschah. Aber Ich dachte nicht weiter darüber nach, wie gesagt war es eine einmalige Sache.

Bei Turgeniew, den ich zufällig gekauft hatte, wahrscheinlich wegen einer Anspielung aus einem Stück von Thomas Bernhard, ich kannte nur eines also war es wohl ´Die Macht der Gewohnheit´, las ich, dass Menschen, die stark mit einander verbunden waren, oft gleiche Gedanken teilten. Es gab überall reichhaltige Quellen für Telepatie, wenn man so wollte. Dass gerade die Stimme meiner Mutter sehr lange Zeit das einzige telepatische Phänomen blieb kann man so vielleicht auf die Tatsache der starken Mutter- Kind Bindung zurückführen.

 

Andere Beispiele

 

Schon während der Schule lernte ich einige Krankengeschichten von Menschen meiner unmittelbaren Umgebung kennen, die ihre Umgebung und die ganze Welt krampfhaft auf sich bezogen, in jedem Passanten einen Teilnehmer an einer Verschwörung sahen, oder ähnliches. Viele meiner Freunde oder Bekannten schienen verrückter zu sein als ich, selbst unter diesen neuen Umständen.

 

Bej

 

Einer von ihnen wurde es demselben Grund, man kann es nicht anders nennen, einfach verrückt. Bej hiess er und wir haben uns in der vorletzten Klasse des Gymnasiums kennengelernt. In diese siebenten Klasse gelang ich und zwei Kollegen, weil wir durchgefallen waren. Es war also unsere zweite siebente Klasse. Ich sass ganz vorne und hatte einen Tisch für mich alleine, der Platz neben mir war der einzige noch freie Platz in der Klasse. Hinter mir sassen meine zwei Kollegen. Eines Tages mitten im Schuljahr verkündete unser Klassenvorstand, wir bekämen zuwachs in Gestalt eines neuen Mitschülers und er würde neben mir sitzen. Wo auch sonst? Ich bedauerte diese Ankündigung weil ich sehr gerne allein sass und sagte zu jedem der sich dafür interessierte, dass ich diesen unbekannten Neuen schon jetzt nicht mag, weil er neben mir sitzen muss.

Und dann war er da, Bej, und entpuppte sich als grosser sanfter Blonder mit viel Humor und aussergewöhnlich offener Weltanschauung. Wir mochten uns von Anfang an und es dauerte nicht lange und wir fanden heraus, dass wir beide Cannabis rauchen, ach du fröhliche Jugendzeit. Bald lud er mich zu sich ein, er wohnte mit seiner Mutter nicht weit von mir entfernt. Diese war auch sehr weltoffen. Ich kann mich an meinen ersten Besuch gut erinnern, ich war von ihr wie von allen Erwachsenen eingeschüchtert und behandelte sie wie die Eltern meiner anderen Freunde das heisst respektvoll und unter Wahrung der altersbedingten, üblichen Distanz. Ich bat sie sogar aus Höflichkeit um das Rezept der Zwiebelsuppe, die wir gemeinsam assen und die wirklich gut war. Bald jedoch wurde unser Verhältniss kameradschaftlicher und ich verlor einiges meiner krampfhaften Zurückhaltung. Damals war ich Erwachsenen gegenüber sehr misstrauisch. Bej und ich wurden gute Freunde und ich war oft bei ihm. Wie er mir später erzählte war er sehr froh, so schnell einen Freund in der neuen Schule gefunden zu haben. Auch in die Klassengemeinschaft lebte er sich schnell ein und vor allem die wilderen und gewagteren Gestalten schätzten ihn.

Wie gesagt kannten wir beide die Wirkung der Cannabis Pflanze und wir wendeten sie auch oft gemeinsam an. Zusammen probierten wir auch unseren ersten LSD- Trip.

Das war so: Wir trafen uns am Nachmittag. Nach der Einnahme geschah zunächst nicht viel, die Wirkung entfaltet sich bekanntlich erst nach ein oder zwei Stunden, wenn die Substanz über den Magen absorbiert wird. Wir beschlossen Hasch zu kaufen und fuhren mit den Öffentlichen in den Stadtpark. Damals waren viele Dealer über diesen geräumigen Park verstreut und es dauerte nicht lange bis wir ein dünnes braunes Stäbchen des, wie ich es später nannte, Wiener-Standard-Dopes erwerben konnten. Noch im Stadtpark drehten wir einen Joint zusammen, auf den Steinbänken. Bis dahin hatten wir den Trip schon abgeschrieben. Da wir abwechselnd das Dope mit einem Feuerzeug angeheizt und auf den Tabak gestreut haben hatten wir auch beide nach Vollendung der Tüte braune Haschrückstände auf Zeigefinger und Daumen, welche wir mit den Zähnen abrieben. Und plötzlich setzte die Wirkung des LSD ein, wir aber, dessen noch nicht gewahr wunderten uns, von der geringen Menge auf unseren Fingern high geworden zu sein, denn die Wirkung von LSD lässt sich am Anfang mit der von Cannabis vergleichen, beide werden auch unter der Bezeichnung Halluzinogene zusammengefasst, nur ist erstere Substanz viel stärker und hält ungefähr fünf mal länger an, normalerweise und die 12 Stunden. Das Sprechen wurde uns schwer, doch wir blieben heiter. Die Bäume waren plötzlich in ein unheimliches blaues Licht getaucht, die Parkwege waren dunkel und unheimlich geworden und langsam wurde uns der Ort zu unsicher. [Geschichte weiter]

Insgesamt nahmen wir zusammen zwei Trips. Auch der zweite bewies mir, wie unlocker ich im Grunde war, zumindest im Verhältnis zu Bej, der währenddessen, zumindest in meinen Augen, viel gelassener bleiben konnte und während ich gar nicht rausgehen wollte darauf drängte unter Menschen zu gehen.

Unsere Freundschaft endete damit, dass ich zu ihm zog. Mittlerweile waren wir mit der Schule fertig. Während ich noch arbeitete, versuchte er sich auf der Universität in Philosophie, schied aber bald aus. Er war viel zu praktisch erzogen, oder veranlangt, und diese theoretische Ausbildung gefiel ihm nicht. Währendessen schrieb ich mich in Philosophie ein und blieb. Vron wurde meine Freundin und ich distanzierte mich von meinen Freundeskreisen, auch von Bej. Wir lebten zwar in einer zweier-Wohngemeinschaft, aber unser Kontakt beschränkte sich darauf, ab und zu einen Joint miteinander zu rauchen, oder einen Wasserpfeife, doch selbst das taten wir meistens getrennt. Wenn Vron mich besuchte sperrten wir uns in mein Zimmer, und achteten wenig auf Bej nebenan. Nachdem er in mir seinen zu der Zeit engsten Freund verloren hatte hielt er sich an die ein wenig verwahrlosten Bekannten die zu der Zeit unsere WG frequentierten, angezogen vom Cannabisrauchen und der Playstation- Spielkonsole, die sich Bej mittlerweile zugelegt hatte. Ich rümpfte zwar ein wenig über sie die Nase war aber viel zu verliebt und deswegen abgelenkt um zu bemerken, dass Bej unter meinen Augen sichtlich verfiel. Und dann begann er zu klagen, dass er Stimmen hörte die ihn anklagten wie schlecht er sei. Das war also genau das Syndrom, wie es sich plötzlich bei mir, viele Jahre später bemerkbar machte. Ich, reifer und gefasster, hörte zwar nicht nur negative Stimmen, doch überwogen sie durchaus, denn auch Spott und Spass werden oft als überwollend ausgelegt.

Bejs Schicksal nahm den üblichen Verlauf. Wie so oft nimmt man Klagen nicht besonders ernst, solange der Betroffene sich noch normal zu verhalten versteht und imstande ist seinen Alltagspflichten nachzugehen. Doch Bejs Zustand verschlimmerte sich bald so sehr, dass ein Arzt zu Hilfe genommen wurde. Seine alten Freunde aus der Kindheit versuchten sich verstärkt um ihn zu kümmern, Zeit mit ihm zu verbringen und ihn aufzuheitern.

Und ich fühlte mich schuldig wegen Bejs Zustand, aus Gründen die ich nicht genau nachvollziehen konnte, jedenfalls spielten unsere gemeinsamen LSD- Trips dabei genauso eine Rolle wie die Tatsache, dass wir uns beim Cannabis- Rauchen gegenseitig hochgeschaukelt hatten. Wer weiss, ob er zu dem Konsument geworden wäre, wenn wir uns nie so eng befreundet hätten. In einer neuen Schule war er froh einen Freund gefunden zu haben und war dazumal sehr beeinflussbar und ich, ohne es zu wissen, war und bin sehr beeinflussend. Doch damals wusste ich weder das eine noch das andere. Vielmehr hielt ich mich für den Beeinflussbaren und erst viel später wurde ich mir meiner Dominanz über Menschen bewusst und auch da erst, als andere es mir sagten. Doch meine Intuition war wahrscheinlich richtig und ich reagierte damit, dass ich aus seiner Wohnung auszog. Ich konnte seinen Zustand nicht mit ansehen, ich begann mich regelrecht vor ihm zu fürchten, seine sich steigernde Verlorenheit, seine Depression, war zu dem aufgeräumten Wesen das ich kennengelernt hatte in einem starken Kontrast getreten. Bekannte die ihn von früher kannten trösteten mich zwar, dass seine Kindheitskonflikte aufgebrochen waren, zum Beispiel sein Trotz, der als Kind übermässig stark gewesen war, übrigens eine Tatsache, die wir gemeinsam haben. Doch konnte mich das nicht beruhigen, ich empfand Schuld seinetwegen und das hat sich auch nie geändert. Erst mit dem Alter, als ich belesener geworden war und viele Biografien und Schicksale kannte die genauso schlimm oder schlimmer verlaufen sind, und auch, als es ihm nach unzähligen Jahren besser ging, wurden mein Gewissen etwas leichter. Damals jedoch verloren wir uns bald aus den Augen, dass heisst, nachdem wir nicht mehr gemeinsam wohnten wurde die Frequenz meiner Besuche bei ihm immer geringer, bis ich gänzlich aufhörte ihn zu sehen. Man kann sagen, ich verdrängte seinen Fall.

Wer konnte ahnen, dass ich so viel später, nachdem ich seine Verrücktheit von aussen kennengelernt hatte, plötzlich mit der Innenperspektive konfrontiert wurde. Und zu meinem Glück passierte mir dieses Dilemma nicht als Teenager der kaum der Schule entwachsen war, sondern als langjähriger Student der schon viel Erfahrung mit der menschlichen Psyche aufzuweisen hatte, sowohl aus eigener Anschauung als auch aus vielerlei Theorien zur Besänftigung des ruhelosen und egozentrierten Geistes.

 

Bejs Schicksal bleib nicht das einzige aus meiner nächsten Umgebung, welches ich nun wiedererkannte da ich es teilte.

 

Ro, ein anderer Freund hatte sich sogar wegen einer ganz ähnlichen Sache, dabei nutzte er, ausser ein wenig Alkohl, so gut wie gar keine als gefährlich angesehenen Substanzen der Jugendkultur, aufgehängt. Das Stimmenhören nahm bei ihm die Ausmasse einer gegen ihn gerichteten Verschwörung an. Auch das kam mir nun plötzlich unangenehm und unheimlich bekannt vor.

 

Aus meinen Erfahrungen und den Erlebnissen anderer kann ich schon jetzt sagen, dass der Wahnsinn der Telepatie genau umrissene Symptome aufweist und keinswegs mit jeder beliebigen anderen Störung verwechselt werden kann. Mir jedenfalls schossen keine göttlichen Emanationen aus dem Arsch, wie dem Gerichtspräsidenten Schreber und ebenfalls löste sich mein Gesicht nicht in einzelne Poren auf, wie beim Wolfsmann, den beiden bekannten Exempeln von Freud, wie sie von Deleuze und anderen aufgefrischt werden. Und weil ich mit der Sache relativ gut umgehen konnte beschloss ich mich als harmlosen Irren einzustufen, im besten Fall als einen Begnadeten, den man frei laufen lies und von seinen Pflichten entband, wie ehemals bei den Indianern. Noch dazu ich meinen alltäglichen Pflichten durchaus nachkommen konnte. Wie texteten wir Jahre später mit Greg: Den Akkordarbeiter muss man sich als glücklichen Menschen vorstellen.

 

feministin

Da ich öfters anwesend im dem Institut inkorporierten Komputerraum bin, fielen mir eines Tages die Schwierigkeiten mit dem Plastikschloss auf, den eine Frau hatte, Lederjacke, mit bunten Tüchern um den Hals, recht stark gebaut, deutlich älter als ich, oder jedenfalls wurde ich von ihr über Funktionen, Möglichkeiten und Verpflichtungen dieses schon so eingessenen heterogenen Pilotprojektes eines Linuxserver-Client Netzes ausgefragt, gab nach bestem Wissen und Gewissen Auskunft, sie wusste sehr viel, war auf jeden Fall Frauenrechtlerin, oder Organisatorin von Frauengatherings, sprach über Teilnahmen in Radio und Print, und wir schieden mit kooperativem Versprechen, sie werde öfters vorbeikommen.

Ich hatte mir pikanterweise gerade an dem Tag, vielleicht gerade zuvor ebenda, inmitten der Computer, vorgenommen zu einer feministisch angehauchten Philosophin am Institut vorüber zu spazieren, wenn auch eher aus persönlichem Sentiment, Neigungen, als ernsthaftem Studium. Meister H stopfte mich zu der Zeit mir Frauenlingusitik voll, d.h. sich, Kristeva, Judith Butler, es war interessant, La-can-can-ianisch oft, und viel Claude Levi-Strauss zwischendurch. Und auch I, ah ja, auch I war dort, sass ganz vorne.

Verspätet trollte ich mich von diesem Ort des Segens der Stille, denn das war der Computerraum mit seinen Linuxrechner damals für mich, nebenan waren die Zeugnisse, die Scheine, geordnet nach Namen in Fächern aufgebreitet aufgelegt. Ich ging ums Eck, und lange weiter den Flur entlang, vielleicht noch die Treppen zwischendurch runter, und ums Eck und war da, und trat leise gebückt in den kleinen von Studenten hübsch voll gesteckten, geordneten Hörsaal, und wunderte mich schon, dass gleich zwei Frauen, eine ältere und eine jüngere hinter dem Tisch vorne, oder vor der Tafel, standen, kurz erkannte ich sie nicht, oder erwartete es nicht, Gastvortag. Die Beine vor mir, verschränkt und in den Durchgang ragend einen Sitzplatz vom Eingang entfernt zwangen mich auf dem Weg aufzuschauen und zu erkennen, dass es Isis ist. Ich stosse ihre Füsse leicht mit meinem Fuss an, frage dabei: Hey, was machst du da? - Was für ein erfreuliches Wiedersehen!: Und du? - Ich wollte deine Mutter mal sehen, live. - Ich auch. - Während ich den Platz neben ihr finde erkenne ich I Tollrotschopf, pleine tomatenrotes Plastikhaar, wie versprochen vorne, wie unter Strebern eingeschlossen schmoren, kurz herzen Isis uns ich uns durchs Begrüssungsgespräch, und unterdessen lauschen wir dem Vortrag, ich komme nicht ganz mit, da vorne ist eine Frau in der Mitte ihrer Fruchtbarkeit höchstens die obscure Theorien erzählt, sie kommt mir bekannt vor, ich weiss nicht warum, aber ich muss bald irrsinnig lachen, und zwischen dem weiblichen Publikum sind auch einzelne Jungs, vielfarbig, wobei vor allem ihre Haarschöpfe von erlesener Ästhetik zeugen.

Aber nicht weil es die Frau ist, die ich eben vor dem Komputerraum kennen gelernt habe, fange ich plötzlich, ich bin sehr gut aufgelegt, dass ich Isis bei ihrer Mutter wiedergefunden habe, sondern weil sie Phrasen drischt, ich verstehe oder kann mich gar nicht erinnern welchen Inhalts, aber die Kampfrhetorik ist doch wirklich zu drollig, drillig, sie will da vorne stehend anscheinend ihre Schwestern in den Kampf gegen die Männer verschwören mit einer gehetzten Ernsthaftigkeit, die mich Lachen macht. Isis hält sich auch nicht länger zurück, und die Prof. nickt ein wenig würdig, wie Simone de B., traurig, gütig ein wenig, erinnert an all das Material, welches ausgehändigt wurde, auflag, ausgehängt stand, auf der Tafel, die internet Adressen, und der Vortrag ist zu Ende, ein wenig mühsam macht sich die Feministin zurück, zu uns, ah, es war ihr Platz neben Isis, auf dem ich sass, und irgendwie fanden wir, beide sehr viel kichernd, eine Sitzmöglichkeit zu Dritt auf 2 1/3 Sesseln, sie nahm, gross und schwer wie sie war, ohnehin den ihr gebührlichen Raum ein. Ich nickte wohl begütigend, irgendwie hatte ich sie noch immer nicht erkannt, vielleicht, und es gelang mir, nachdem wir uns ausgekichert hatten, Isis von den Lektionen wegzulocken. Ich nahm sie mit zum Arne Bö, der mittlerweile schon begonnen hatte. Viele Wochen trafen wir uns bei dessen Lektures regelmässig, sie sprach von seinen Begriffen als duftende Apfelkuchenschnitten.

Einige Tage später als ich Isis meine Darstellungen über die neuerdings mit mir passierenden Phänomene erzähle meint sie, während wir von einer Vorlesung kommend den Paternoster, den Aufzug, passierten, dass Telepathie als wissenschaftlich erwiesen galt. - Weisst du, als Kind habe ich gar nicht gewusst, dass ich einen Körper hatte!, sie lächelt ein wenig, erst später komme ich darauf, wem die Urheberschaft für dieses Statement eignet, denn h erinnert mich, es ist Warhol der Grosse.

 

Das Summen

 

Etwa ein halbes Jahr zuvor war ohnehin ein anderes Phänomen, zweifelsfrei eine Wirkung, möglicherweise eine Nebenwirkung der Meditationspraxis, aufgetreten. In Annährung an die richtige Haltung bemühte ich mich meine Wirbelsäule aufzurichten, die sich während seiner Jugend immer bedenklicher gebeugt hatte. Tatsächlich hatte ich viele Jahre gebraucht um mich erst alleine und dann in Gesellschaft aufrecht halten zu können. Selbst als ich die Gewohnheit darauf nicht zu achten aufgeben konnte viel es mir noch immer schwer mich gerade zu halten, wenn ich nicht allein war, ganz, als ob ich mich auf jeden Fall vor den anderen nicht vergrössern wollte. Die Konzentration war einfach schwieriger zu halten.

Die Beine verschränkt, die Füsse auf den Schenkeln ruhend, die Knie auf den Boden drückend und mit dem Kopf “gegen den Himmel stossend“. Das war nicht mehr Geistesübung alleine, da war auch das Kreuz, die Schultern, der ganze Körper daran beteiligt. Es nannte sich schlicht Shikantaza; Vortreffliches Sitzen, Einfach-nur-Sitzen.

Aber worauf mich niemand vorbereitet hatte, worüber ich nichts gelesen hatte, meine Quellenkenntnisse in diesem Punkt waren augenscheinlich minimal, war der Umstand, dass ich anfing Grillen, Zykaden, den “Sound der Welt“ zu hören, wie man es auch immer nannte, jedenfalls nannte ich es bald so, und es erstaunte und erfreute mich gleichermassen. Es schien mir ein Zeichen innerer Stille zu sein. Tja, die Bachmann und ihre Zykaden, langsam spinnte ich Verbindungen.

Das erste Mal war der Ton aufgetaucht, während ich alleine in meinem Zimmer meditierte. Dabei wusste ich sehr wohl wie der erste Punkt auf der universellen Zen – Checkliste lautete: "Übe nicht allein." - Aber das hier war wilder Zen, einer der unkontrollierten Sprösslinge dieser grossen überlieferten Hierarchie. Es war eher wie die Experimente der Beatgeneration, wie die vergessenen Versuche der Künstler- Philosophen der Renaissance, für sich neue Wege zu erkunden. Also was praktisch überall versucht wurde. Und ausserdem praktizierte ich nicht nur allein. Helm hatte mich nicht nur ins Zen/Cha - Do eingeführt, sondern auch weitergeführt.

Der Ton, es war eigentlich kein Geräusch, liess sich am ehesten mit einem abgedämpften, gleichmässigen Grillenzirpen vergleichen und noch mehr glich es dem verstärkten Summen eines Fernsehers, das man vor allem in der Kindheit, weil frische Sinne vielleicht, stark, sehr körperlich spüren kann, mit meinem Bruder waren wir in der Lage zu erkennen, ob ein Fernseher im Nebenraum lief, selbst wenn kein Ton eingeschaltet war und wir kein Mattscheibenlicht sahen.

In der Zenliteratur, soweit ich mich auskannte, kam das Geräuschphänomen nicht vor. Allerdings las ich nicht lange darauf von einem ähnlichen Fall in einer Kurzgeschichte von Ray Bradbury, den ich wegen ´Fahrenheit 451´ schätzte. Der Band hiess ´Die goldenen Äpfel der Sonne´. Dort spielte nicht die Meditation sondern ein Elektrizitätswerk den Katalysator, der das Summen in der bislang ignoranten Frau des Mannes der "hörte" auslöste.

Daraufhin hatte ich allmählich angefangen Fakten zu sammeln und mich an Fakten zu erinnern, die ich von früher her kannte. Eigentlich gab es viel Material, das in dem Zusammenhang interessant war. Ohm, Welttönen, Geist, vielleicht Ritornell, vielleicht sogar Hintergrundrauschen, das Phänomen konnte viele Namen haben. Ich bezeichnete es als Sound der Welt und ich wusste nicht sicher zu sagen ob es ein Fortschritt, eine Illusion oder einfach nichts besonderes war, und deswegen jedweder Aufregung unwert. Vielleicht hatte sich nämlich gar nichts verändert, und der Sound war schon immer da gewesen? Es war mir egal, so sehr interessierte es mich auch wieder nicht. Ich achtete nur genau, wann ich ihn vernahm, und wann nicht. Es hatte viel damit zu tun, ob meine Wirbelsäule ´wie an einem Faden aufgehängt´, das heisst gerade, war, oder nicht.

Ich überlegte, ob es in dieser Situation angebracht sei, weiterhin zu meditieren.

 

Der spirituelle Freund

 

Mein Freund Helm, der mich mit der Welt des Zen vertraut gemacht hatte und der schon jahrelang Taiji praktizierte, mein einziger richtig “spiritueller Freund“, wie der Fachausdruck lautete, schwieg zu diesen Geschichten oder liess mich seinen Zenstock, seine gna-den-lo-se Zunge spühren. Er machte eine offensive Taiji – Bewegung in meine Richtung und scherzte: ´Ich stosse dich gleich mit meinem Chi zu Boden, wenn du nicht mit dem Blödsinn aufhörst.´ - Wir waren darin übereingekommen, dass die Essenz des Zen nicht in Hokuspokus, und nicht in übernatürlichen Phänomenen bestand, sondern in Achtsamkeit für die alltäglichen sozialen, manuellen und geistigen Verrichtungen. Ausserdem klang die ganze Geschichte wie Angeberei, ich war jedes Mal beim Erzählen sichtlich stolz darauf. Doch die Erfahrung und die Lektüre hatten uns belehrt: Alles kann ein Irrweg sein oder dazu werden. An allem konnte man übermässig anhaften. Die Erleuchtung, falls es sie gab, hatte nicht viel zu bedeuten und war eher eine Art Bestätigung oder ein Wegstein von etwas anderem. Die Erleuchtung, das waren Einsichten, in ´das Wesen der Freiheit´, die oft wiederholt werden mussten.

Mein Freund vertrat mir in vielerlei Hinsicht die Rolle des Meisters. Er machte mich auf interessante Stellen in der Zenlitaratur aufmerksam, borgte mir unzählige Bücher und wir sprachen oft und ausführlich, meistens über Zen und Taiji. Ausserdem Castaneda.

 

Dabei waren unsere Begegnungen anfangs ein wenig turbulent verlaufen. Ich war verstört durch seine Anwesenheit bei der Arbeit, ich wurde einfach nicht schlau aus ihm, er riss beinahe lachend, in ländlicher Stimmung spielte es sich meistens ab, in den Pausen, oft beim Auto, alles an sich, was ich schon fest in meiner Hand glaubte, ich wurde ernsthaft eifersüchtig auf die Zeit, während er vor uns zu Teres sprach und sie zum lachen brachte. Sie war gertenlang, lachend, und unser beider einzige in Frage stehende Frau zu der Zeit, keusch, noch, Mormonin, wie unser Chef anfänglich, der Laienprediger, dabei jedem Spiel vertraut, kühn, frisch um uns werbend, um mich. Und ich war deshalb sehr skeptisch, er jedoch examinierte mich, unbarmherziges Kreuzverhör, dessen einzelne Fragen für den Zuhörer unter ganzen Bergen von Anekdoten und Kreuzzitaten unterzugehen schienen, wenn man ihre lange Frequenz, die langen Abstände die zwischen den einzelnen wie dahin geworfene Fragen unbarmherzig auf uns, oder sein Opfer prasselten, es war ihm gleichsam egal wer dabei war, seine Anliegen waren gerecht und staunenswert, es wirkte, als ob wir einem Publikationsmedium mit Responsfunktion begegnet sind, welches auch uns manchmal zu Wort kommen liess, wenn wir demütig genug angedeutet haben, dass wir uns zusammennehmen und keinen Unsinn quatschen. Das gilt natürlich vor allem für uns Männer.

Ich war jedoch, da beinahe bei der Stammcrew dieser Franchise- Filiale Salzburgs, schon mit Y verbündet, ein zäher, monochromer Geistmensch, technischer Sportler, oder sportlicher Techniker, negativ, wie schwarz zu Helms weissem Strahlen, zu dessen Variationen von gelb bis rotorange. Ich hätte mich auch öfters mit Y getroffen, wir waren gerade dabei uns zu verschwören um jugendlichen technischen Unsinn auszuhecken, totzulachen, prusten, prosten, hosten. Aber der Teemeister war schneller. Schon längst hatte er mir entlockt, im Auto, als wir durch die Gegend um Wien, in Wien, ausserhalb Wiens arbeitstechnisch herumgependelt wurden, dass ich: Castaneda lese, schätze, kenne auch alles andere, haha, Blödsinn, nicht?, - er würdigte es zwar sofort, sprach lang und breit über die Esoterischen Schmankerln, so fasste ich es auf, pha, was ist das schon gegen die Wissenschaften, nicht wahr Y? - Hihi, ghgh! - Und was gegen die Wissenschaftstheorie, die Metawissenschaft!, - Meister Helm schaut gekränkt, resignierend, verliert aber nie seine gute Laune.

Also passt er mich eines Tages auf der Uni ab, plötzlich stehen wir uns dicht beim NIG gegenüber, auf dem schmalen Trottoir, zwischen den Telephonbuden und Tragegetrüststangen, die Bauarbeiten erstreckten sich über meine gesamte Studienzeit, fakeln nicht lange und versprechen uns anzurufen, hier, auf neutralem Boden, man könnte sagen ich habe das q-PIG von vorne, er von hinten und darüber hinaus, bis zur Psychologie vis-a-vis, fest im Griff. Die Situation ist eine andere, ich sehe sie immer gerne, die Bekannten in neuen Kontexten, und bin ganz und gar zugänglich.

Zufall oder nicht, zu fuss wohne ich 5 Minuten von ihm entfernt. Diese knappe Meterspanne sollte sich für uns beide durch die Zeiten und Wohnungen noch oft wiederholen. Und so traf ich bei ihm ein und bestand gleich die nächste Probe. Ich wählte eine grünen Tee, statt des normalen Schwarztees. Dermassen den Fuss im Teeraum begann ich für Castaneda zu schwärmen, und Zen- Buddhismus als religiösen Blödsinn zu schmähen. Er lachte nur. Zeigte mir seine gut sortierte Sammlung an Castaneda - Büchern, der Band Die Zauberin war auch (bald) dabei und die Interviews, ich glaube, wir lasen beide alles noch einmal. Unterdessen begann der Teezauber schon zu wirken. Phoenix Dragon Pearl, die schönen Kügelchen, aus Pietät, ein Gedicht, mochte ich am liebsten des Teemeisters Lieblingsaufguss, Lung Ching, Drachenbrunnen. Die Drachen, Sieg-Symbol, Bejahung, nahmen mir, manchmal half ein weisser nach, jeden Zweifel an der Teezeremonie. Zu den zwein wurde auch viel Schwarztee getrunken, zwischendurch, bei den Spielen, oder Oolong. Das für meinen Teil, ich trank Liter davon, aus den kleinen oder grösseren Tässchen unter den besorgten Augen Helms: Na du hast einen schnellen Durchfluss, - scherzte er manchmal, dauernd rannte ich hinaus, und mich lobend: zeugt von einem gesunden Organismus!, - ich trank schnell, so auch den Wein, den er mir, Bier, Bierli anfangs, als ich noch ungefestigt und zerfahren auf ihn wirkte, servierte, er passte sich einfach ein wenig meinen Gewohnheiten an, obwohl er Alkohol nicht mochte. Er selbst trank in kleinen Schlucken, die Tasse, am Sessel zurückgelehnt oft lange in beiden Händen, nahe dem Mund, drehend, betrachtend, schnüffelnd, einsaugend, wenn er nicht gerade versunken war, in die Erzählung einer Geschichte aus dem Buch auf seinem Schoss. Wir kicherten uns von einer Episode zur anderen, von einem Buch zum nächsten. Das grüne Teebuch, was für eine filigrane Ausgabe, wir lachten über Rinzai und besprachen genau die Neu-Alten Methoden des Vipassana der südostasiatischen Randländer, Vietnam, Korea, staunten über ihr mediales Revival der Orginal-Buddha-Siddartha- Methode, Körperdurchkehrung, spitze Aufmerksamkeit, geschlossene Augen, es war alles sehr detailiert beschrieben, auch die Stufenleitern der Erkenntnisse. Seine Deklamationen waren oft begleitet von einem inbrünstig lachenden Mund, gehobenen Kopf und listig schmalen Augen, seine Rede hatte den Fluss aus der Schule, darauf die HTL, lang ist es her, er runzelt oft den Blick nahe am Buch, um in seinem monotonen, leicht stockenden Vortrag nicht durch das Vordeuten der Worte durcheinander zu kommen. Es ist immer interessant wie ungeübte Profis, oft gleichzeitig Meister des Wortgeklimpers, unter der Bürde des öffentlichen Vorlesens ganz und gar andere werden, Volksschulmienen aufsetzten und sich auch wie aus dem Kindergarten erstarrt konzentrierte Kindermasken gebärden können. Helms Vorträge erreichten manchmal diese Komik, jedoch waren sie formal mehr als genug würdig, vor allem wenn der Meister die Pointe brüllte und spielte, unter Schmatzern und Gelächter und dazu edle Töne schmetterte.

Es war an der Zeit, ernsthaft mit Zen zu beginnen. Ich wurde deswegen ab sofort als Deuter und Sager des Meisters zu allen Themen und Belangen die Carlos Castaneda und seine kontrolliert tolle Zauberinnenclique angingen und die den Meister interessieren oder ablenken könnten, erkoren, und er begann mich unterdessen auf das Dao und Do des Zen vorzubereiten. Wie er mich genau, allmählig überredete, ausser dass der Tee seine Wirkung tat kann ich mir nicht vollständig vorstellen. Wir tranken wie erwähnt auch viel Schwarztee, ich wurde zusätzlich zu meinen restlichen Verpflichtungen ausserdem noch mit dem ehrenvollen Titel eines Besorgungsmeisters betraut, da ich neuerdings auch für die Anschaffung neuer Vorräte zuständig war, oft auch Zubereitung, um die einschlägigen Geschäfte kennenzulernen, Haas&Haas, Cha-Do, der neue Laden bei Lueger etc. Ich wurde mehr oder weniger überlistet und war bald vernarrt in die köstlichen Narren des Zen, des Vipassana, und des Tai Qui. Die Daoisten, Dschuang Dse, ja, das ist Sprachfarbe, das verfilmen in Technicolor, den Knöterichbaum und Vogel Wunderbar. Diese Träume fing ich schon damals an zu hegen. Wir verbrannten viele, d.h. er, viel Räucherstäbchen, kadzidelka, Geschenke an die Götter, denen wir nicht huldigten und denen wir uns in diesem privaten Rahmen hingaben. Wir riefen sie mit unserem schallenden Gelächter und parodierten sie sogar, indem wir verschiedene Tiere, berauscht, durch Körper und Stimme, jedoch kaum aufstehend von den Plätzen am Teetischchen, der gemusterten Decke, den ganzen kunstvoll aufgeschichteten Miniaturen, Figuren, dem Teegeschirr, wo wir sassen, abgeschirmt gegen die Türöffnung nach Feng Shui Regeln, ich war froh die Aussicht aufs Fenster zu haben, diesen schmalen von Schorsteinen und Antellen angebrochenen Streifen Himmel, manchmal mit Mond oder Sonne. Ich schaute oft auf, von den Büchern zu den Pflanzen, und zurück. Seltener weilten wir am Balkon, doch auch hinausschauend auf diese verträumte kleine Mariengasse unterbrachen wir unsere Lektionen nur, um hie und da einen Scherz einzuwerfen. Zu meiner gut entwickelten Scherzkunst über mich selbst, Lacher garantiert, trat noch die Scherzkunst des Meisters über mich hinzu. Ich lernte viel, und mein manches mal überschäumendes Interesse an Tagespolitik hat mir auch einen weiteren Ehrentitel von Helm-ji eintragen: Derjenige aus Polnisch- Kurdistan. - Nun mag das vielleicht eine Phantasiekonstellation an Nationen sein, aber es hatte unausgesprochene Konnotationen, feine Schwingungen die etwas mit Landlosigkeit und Heimatverlust zu tun hatten, und auch mit der Art und Weise, d.h. Schnelligkeit, den Tee und andere angebotene Glücksgüter zu geniessen, mit denen er mich bei jeder Gelegenheit überhäufte.

 

Welche entfernten Länder hatten unsere Grossväter nicht zeitgleich bereist: Afrika, seiner mit Rommels Armee, meiner mit der polnischen Brigade der Engländer, in der Logistik. Vielleicht war es doch eine weise Entscheidung meiner Grossmutter, aus Vaterlandsliebe in ihrem Heimatland verbleiben zu wollen, mit den 3 kleinen Kindern, anstatt dem Drängen des Grossvaters mutterlicherseits nachzugeben, die polnische Heldengeschichte lag ihr wohl am Herzen, die mich manchmal, in Gestalt von allerliebsten Schachteln und Miniatur - Pferden und Harnischen, an die alte Heimat erinnerten. Ich hatte sogar eine entzückende Miniatur- Büste des aktuellsten polnischen Politik- Helden vergangener, kapitalistischer geprägter Zeiten, und auf dem Höhepunkt dieser Art Spiele, in Vermischung mit unseren normalen halbprivaten Kriegs- und Schiesspielen, wir die höchsteigen im Zentrum des Hauptplatzes Kras erworbenen Stock- oder Spitzhäckchen in unserem Eifer zu pump-guns umfunktionierten, in der Phantasie, mit welchen wir denn auch fleissig herumschossen, uns gegenseitig beschossen, im Perlstrom der Touristen, Beschäftigten und Müssiggängern, auf dem Hauptplatz, dessen Grösse durch die wie vereinzelnd wirkenden, nackten repräsentier- Gebäuden, die mir immer wie hingeworfen vorkam, der übrig gebliebene Rathausturm beispielsweise, an dessen glatten Wänden die punks in den vergangenen grauen Tagen der 80er auf dessen durchgängigen und grosszügigen Steinbänken lümmelten, als noch nicht die Gastgärten die frühere Leere im Stadtkern belebte, nur unterstrichen wurde. Des Pater familias also, der im Hinblick auf seine nach-Kriegs- Dekoration im stande war, in das Land, an dessen Seiten er gekämpft hatte, nicht nur sich nieder zu lassen, sondern seine Familie nach zu holen, kehrte in seine alt-neue Heimat an der Weichsel zurück mit unter anderem dem Resultat eines polnischen Begatters für meine Mutter, niemals hätte ich sonst aus dem Leib meiner Mutter geschnitten werden können, oder hätte, wenn durch einen seltsamen Zufall doch ein ähnlich geneigtes Inselkind entstanden wäre, diese Geschichte dann wohl nicht in der poetisch so erschöpfenden deutschen Sprache schreiben können.

 

Dem Auftreten des Summens jedenfalls war einige Wochen oder Tage zuvor ein Wochenend- Retreat, eine dreitägige Klausur unter des Teemeisters Aufsicht, vorangegangen.

 

Retreat

 

Dabei hatten wir meinen Meditationsplan laut dem Muster eines Klosters in Südfrankreich, welches im Anhang eines Buches und im Internet zu finden war, erstellt. wir bügelten allerdings gemeinsam einige Härten aus, vor allem das frühe Aufstehen. ( Als Arbeitsersatz zwischen den Meditationsphasen hatte ich mir die Durcharbeitung eines Buches von Deleuze über den englischen Philosophen David Hume vorgenommen. ) Nach der Einteilung übertrug ich den Tagesplan sogleich in den Palm – Handcomputer, der zu allen festgelegten Abschnitten des Tages ein Signal geben sollte. Denn es gab hier keinen Klostervorsteher oder Abt, der den Gong hätte schlagen können. Mein Palm erleicherte mir deswegen die Klausur enorm, wie ich fand. Der Alarm war dem Intercom der Enterprise nachempfunden, ein “ti-di“-Sound, der Teil eines im Internet gefundenen, 50 kb grossen Star Trek – Themas für das Palm- Userinterface war. Der Teemeister drohte zwar scherzhaft mit dem Taiji - Schwert, einem schmucklosen Ding aus hellem, lackierten Holz, dennoch freute er sich beinahe, dass sich der von ihm verachtete Palm wenigstens einmal als nützlich erwies. Und am ersten Abend trug er mir die Taiji – Schwertform vor, langsam, den Tanz aus fliessenden Bewegungen die dem Atemrhythmus angepasst waren, Yinyang-Form, Nackenspirale, Verwurzelung, und das Schwert schweifte langsam, meist parallel zum Boden, herum. Ich beobachtete das Schauspiel genau und empfand es wie ein Geschenk es miterleben zu dürfen, denn ich wusste, dass es nicht zu meiner Ergötzung, sondern zur Stärkung der Praxis, des Wegs diente, uns beiden. Taiji stammte aus dem Taoismus sowie dem Zen. Aufmerksamkeit, Atem und Körperhaltung waren die sensiblen Punkte. Immer waren runde Formen gefragt, auch bei den dazugehörigen Chigong – Übungen. Ich erinnerte mich an das Dao – De – Ging: Da ich seinen Namen nicht kenne, nenne ich es Dao. Das was benannt werden kann, ist nicht der Weg. - Das war lediglich der Ausdruck der zugrundeliegenden Philosophie und ich hatte damit auch nie viel anfangen können, im Gegensatz beispielsweise eines Ken Wilber, Kentaurenbewusstsein wie lustig, aber der Alltagsgeist der Praxis hatte seine jeweils spezialisierten Methoden, es gab hier wie überall sonst auch viele viele Zugänge. Auch die Shaolinmönche meditierten und bauten Chi auf. Ihre Gliedmassen fühlten sich nachher wie aufgebläht an, was ich mir aus einer Sendung über die Shaolin gemerkt hatte, und da ich dergleichen Filme, der frühe Jacky Chan im Affenstil, die Filme im mittelalterlichen Sujet waren für mich allein ästhetisch ausgereift, aus der Kindheit kannte. Sei es durch das viele Lesen, sei es durch die Tagträumereien, denen ich mich sooft reglos hingegeben habe, auf Besuch im In- und Ausland habe ich oft einfach verkündet, mich "zum Herumträumen" zurückziehen zu wollen, fühlte ich manchesmal, es wiederholte sich, meine Arme wie ausgedehnt, aufgeblasen, als hätten sie ihre Grenzen wie ausserhalb der Haut auf doppelten und dreifachen Armdurchmesser vergrössert, allerdings nur solange ich mich still verhielt, und das Fliessen nicht störte. Und obwohl ich früher nicht darüber nachgedachte, was das zu bedeuten hätte, war es mir immer sehr angenehm, oder jedenfalls interessant erschienen, und ich versuchte die Zustände zu prolongieren. Jedoch waren sie bewusst nicht herbeizuführen, ich dachte nie über sie nach, und sobald ich mich zuviel auf sie konzentrierte verschwanden sie sowieso. Manchmal waren mehrere Körperteile daran beiteiligt, und manchmal so obskure wie der Gaumen. Darüber sann ich also nach, während ich mich auf die Meditation vorbereitete.

Wie viele Erfahrungen bleiben ohne Konsequenzen, weil wir sie nicht zu benennen wissen, wie viele Wörter bleiben leer, weil sie nicht im Alltag ihren Grund haben. Und von wie vielen Gemeinschaften müssen wir lernen, bis wir auch die Informationen aus Büchern und anderen Medien nützen können? Das hatte ich schon oft gedacht, in der Unizeit. Es war mir beigebracht worden so zu denken. Vor allem von den Theoretikern der sozialen Systeme nach N. Luhmann, ich mochte diese neuen Franziskaner, wie sie sich manchmal auch scherzhaft nannten.

Die Klausur schliesslich, unter des Teemeisters gestrenger Aufsicht, war nicht zum Lachen. Die Praxis des Soto – Zen, das Zählen der Atemzüge, auf japanisch Su – Soku – Kan, praktizierte ich, indem ich sowohl Ein- als auch Ausatem zählte, die kürzeren Pausen liessen weniger Zeit zum Denken, als wenn ich nur beim Einatmen oder nur das Ausatmen gezählt hätte. Das alles war genau beschrieben, in allen Variationen, in einem der beschreibenden Systeme oder im anderen, lauter Anleitungen, volles Stückwerk das Informationensammeln. Es war schwierig genug, sich auf das Zählen zu konzentrieren und nach 10 nicht weiter zu zählen, sondern von vorne zu beginnen. Diese Grundzüge standen in jedem praktischen Zenbuch. Ich fühlte mich reif genug für einen ernsthaft gemeinten Versuch.

Am ersten Tag in der Früh hatte ich müde in der Meditationshaltung dahingedämmert, nachdem ich kaum aufgestanden war. Nach 25 Minuten, der traditionellen Zeit die ein Räucherstäbchen zum Abbrennen braucht, machte ich eine Pause und trank den schwarzen Kaffee den der Meister, gerade erwacht und sehr wortkarg, aufgebrüht hatte. Jeweils eine knappe Stunde Sitzen in der Früh, zu Mittag und am Abend, mit weiteren 25 minütigen Phasen dazwischen. Zu allem Überfluss waren meine Zigaretten rationiert, auch wenn ich ab und zu eine zusätzliche einschmuggelte, ich hatte auch Ausgang, die ich dann am Balkon rauchte.

Aber am zweiten Tag geriet ich schliesslich so in Fahrt, dass ich nach der Mittagsmeditation, die wie gemeinsam bestritten, freiwillig länger sitzen blieb. Mein Freund war das erste Mal sichtlich mit mir zufrieden. Als sie am Abend bei einem Drachenbrunnen – Tee sassen, gewährte er mir zusätzliche Sakshimis, wie wir (er!) die Zigaretten in Anlehnung an das Vokabular der Teezeremonie manchmal nannten und lobte ausführlich die erbrachte Leistung. Länger sitzen zu bleiben war kein Zuckerlecken. Er las mir eine Zengeschichte vor:

Als sich der Adept, nachdem er sich vom Meister vom Berg nicht verjagen lies, nach wochenlanger, schweigender Meditation das erste Mal mit diesem austauschen konnte, fragte er ihn:

>Heute während der Meditation hörte ich plötzlich einen Donner und es war, als ob die Welt verschwände. Was bedeutet das?<

>Du brauchst darauf keine Rücksicht zu nehmen.< sagte der Meister. >Das passiert mir oft und dennoch muss ich noch Jahre hier sitzen, will ich Freiheit erlangen.<

Obwohl meine kurze Klausur gänzlich unspektakulär verlaufen war und ich keine aussergewöhnlichen Einsichten gehabt hatte, welche denn auch, stärkte sie mich enorm und liess meine Konzentrationsfähigkeit anwachsen. Ausserdem hatte ich den Humetext von Deleuze extrahiert, mit ein wenig Übung gelang das Schreiben am Palm recht gut. Bald darauf begann allerdings das Summen.

 

Diagnose

 

Aber der ´Sound der Welt´, die Chi – Stärkezustände, die geschärfte Aufmerksamkeit und das dadurch aktivierte Gedächtnis, oder der leichtere Zugang dazu, waren die eine Seite, sozusagen positiven Früchte der Praxis, zu denen ich mich entschloss auch das Summen zu zählten, da es harmlos war. Es gab jedoch genügend Hindernisse. Im Buch eines japanischen Zen – Meisters aus der Gegenwart, der sehr an der modernen Technik der Gehirnwellenmessung zur Erforschung der Zustände während der Meditationspraxis interessiert war, fand ich weitere mögliche Gründe für einen Abbruch der Übungen. Sie trafen teilweise auf mich zu. Der Meister beschrieb mehrere Fälle aus seiner eigenen Erfahrung, in denen die Praktikanten unangenehme Situationen erlebten, sie hörten Stimmen und bekamen Paranoia. Die möglichen Störungen der Psyche, die vielen Verwirrungen der Menschen empfiehlt er daswegen pragmatisch, so sie unangenehm werden, besser durch sachgemässe Behandlung zu kurieren. Zen war kein Mittel gegen Wahnsinn, eher konnte es bei labilen Charakteren diesen hervorrufen. Und mich plagten und erheiterten im zunehmenden Masse ja aussergewöhnliche Ereignisse, die nicht normal waren.

Meine vorläufige Diagnose ergab, dass ein Ereignis – Cocktail aus Drogen, Unterentwicklungen und Stillständen seiner Gesamtpersönlichkeit, die bis zu Schädigungen reichten, es half nichts, sozialer Deprivation und regelmässiger Meditationspraxis, unsachgemäss oder nicht, vielleicht auch durch Überschätzung oder Nichtachtung seiner Kräfte, die Symptome Wahnvorstellungen, wenn auch Einsichten, von harmlosen Begleiterscheinungen wie dem Summen im Ohr, dem mutmasslichen Ohm, begleitet, was zeitlich vorausging, all das hervorgerufen haben könnte. (Verstoss a 2?) Das beunruhigte ihn nun doch ein wenig. Er konnte sich schon den ärztlichen Befund vorstellen; >Der Patient ist jedoch kommunikationsfreudig und kann mitlachen.< Das stand jedenfalls bei meinem Freund h.c. aafoch.

Ich beschloss, mit dem Meditieren aufzuhören. Ich war so weit gekommen, dass ich darüber zu schnell geworden war; offensichtlich. Während meine Konzentration wuchs, hatte ich nicht bedacht, wie viel Schwierigkeiten mir der Umgang mit Menschen bereitete. Das konnte mit keiner Meditation bereinigt werden, nur durch realen zwischenmenschlichen Kontakt. Das Hinderlichste für jedwede Entwicklung ist die Soziopathie. Hat man schon einen Mönch allein gesehen? Das waren Ausnahmen. Einen Menschen konnte man sich eben nicht alleine vorstellen. Ja selbst den Teufel nicht. Wie sagte Deleuze: >Der Teufel ist vielleicht der Beelzebub, aber nur als Herr der Fliegen.< War das eine Anspielung auf die berühmte Geschichte, in welcher die Kinder sich gegenseitig die Hölle bereiteten, oder Götzen, Der Herr der Fliegen? Ich wusste es nicht mehr, es war ein Schulklassiker gewesen, ich verstand damals gar nichts, es wiederte mich regelrecht an. Hingegen glaubte ich, dass ich doch gerade dabei war, von der krankhaften Soziopathie des notorischen Miesmachers, wenn man es überspitzt formulierte, zu der harmloseren Variante eines wohlwollenden Narren, herumzuschwenken. Und gerade jetzt fingen diese Wahnvorstellungen an! Ich beschloss, nichts auf sie zu geben, sondern sie vielmehr zu übersehen wo es ginge und sich zu amüsieren, wenn sie sich aufdrängten.

 

Pornos

 

Ich onanierte nun häufiger. War es Baudelaire oder ein anderer Schriftsteller, der, nachdem er zum ersten mal erotische Zeichnungen gesehen hatte, schwärmte welche tolle Sache das doch wäre und von den guten Effekten träumte die sich ergeben könnten, wären solche Werke allgemeiner zugänglicher, zumindest für Künstler. Nun, ist nicht jeder Künstler?

Während ich die Pornos in und aus dem Internet betrachtete, hatte ich das Gefühl von meiner Nachbarin vis - a - vis beobachtet zu werden. Ihr Freund hingegen, oder ihr Mann, was wahrscheinlicher war, lehnte sich in letzter Zeit eher drohend hinaus und betrachtete mich scheel. Wirklich hatte ich in letzter Zeit, vor allem im Sommer, meine Hauskleidung vernachlässigt und war sogar betont lässig nackt in der Wohnung gewesen. Es erinnerte mich an meine letzte Liebe, die einige Male bei mir gewesen war. Ich wünschte undurchsichtige Vorhänge zu haben, half dem Zustand jedoch nicht ab. Regelmässig lies ich mich von den Frauen und den Künstlern der Pornobranche erregen und sah an einem Tag bis zu mehrere Duzend gefilmter oder gezeichneter Frauenkörper in verschiedensten Stellungen und Arrangements. Der bequemste Weg schnell viele Bilder zu sehen war zu den nach Themen sortierten pages, die häufigsten waren Teens, Blacks, obwohl schwarze Frauen die posierten seltener waren, und Lesbos, die in verschiedenen Ausführungen und wechselnder Qualität und Zuverlässigkeit auf den Servern diverser Low – Profit – Unternehmen, oft Liebhabern, täglich neu zur Verfügung gestellt standen, zu surfen. Es waren das durchwegs was man als ´harte Pornos´ bezeichnete, mit in klassischem Sexoutfit der 90er Jahre gestylten Damen, nämlich rasiert und auch die Männerausstattung war oft von Haaren befreit, was alles in allem einen recht kindlichen Eindruck machte. D.h. eigentlich waren es meistens recht softe Bilder, ohne Penetrationen. Mein Interesse reichte nämlich bis in die Details, die sich dem Blick allerdings sehr offen darboten. Die gewagtesten Bilder, die noch legal sich aber an der Grenze zum Kinderporno bewegten, waren unter den Nippon - Comics, den Mangas zu finden, Hentais oder so. Sie waren von der Faszination für Schulmädchen gekennzeichnet, die manchmal als kaum pubertierende, kleine Mädchen mit knospendem Brustansatz dargestellt waren. Die Japaner hatten auch gehäuft inzestiöse Themen sowie Erstes – Mal – Erzählungen, in denen Lust und Schmerz abwechselten. Ihre Vorschauen und kostenlos zugänglichen Bilder waren meistens mit kleinen, wenig verhüllenden Balken zensiert, die mich störten. Die amerikanisch – europäischen hingegen karikierten oft bekannte Comixhelden und es gab viele von De Sade inspirierte, orgienhafte Erzählungen.

Ich mochte die Tatsache, dass man, einen Internetanschluss vorausgesetzt, umsonst Pornos betrachten konnte. Mittlerweile finde ich das eigentlich nicht mehr praktisch.

 

Der Traum meiner Schulzeit jedenfalls war, so sagte ich, me myself and i, zu Yes, zu Mig und Matti, eine Performanz am Stephansplatz, öffentliches Wichsen. Mig fand das irre komisch, damals auf der Akademie.

 

 

Die Nachbarin

 

Wenn ich vor dem PC sass und onanierte achtete ich zwar darauf, dass mein Unterleib vom Tisch bedeckt blieb, trotzdem schien ich von den Nachbarn beobachtet zu werden, vor allem der Schatten der Frau blieb mir oft lange zugewendet. War da wieder mein Wahn im Spiel?

Die Situation änderte sich nach dem Besuch mcs. Mcs amüsierte sich über meine Wahnvorstellungen. Auch ich hielt sie für Angebereien. Wir plauderten bald über andere Sachen und tauschten Meinungen aus, welche Partei man heute noch wählen könnte. Mcs erzählte von einem Test in einer Zeitschrift, der Aufschluss versprach, welche Partei einen am meisten ansprach.

- Bei den Sozialisten hatte ich null Punkte, bei den Konservativen einen schmalen Bereich. Die anderen Parteien sprachen mich auch nicht an. Wenn man heute wirklich etwas anderes wählen will, muss man die KP wählen?, - sagte Mcs grinsend, seine Züge wirkten, vom Alkohol gerötet, infernalisch. Ich grinste zurück. Ich fand Politik irrsinnig komisch. Ich sah davon ab zu erwähnen, dass die Kommunisten meiner Meinung nach zu vorbelastet waren, denn ihre Plakate hatten mir gefallen. Ihre Rhetorik des Kampfes war jedoch nicht zeitgemäss. Ausserdem wusste ich, dass mein Freund es nicht gar so ernst meinte:

Ich wähle die Kleinsten, das erspart mir die Auseinandersetzung mit den politischen Programmen. - Wir lachten wieder.

Dann sagte Mcs, der gerne die grosszügig ausgebauten Altbauwohnungen gegenüber betrachtete:

Du, da steht eine Frau in Unterwäsche am Fenster. -

Ich sprang auf und sah hinüber. Wirklich stand dort meine Nachbarin und hackte sich langsam den BH auf. Ihr hell erleuchteter Rücken sah sehr glatt aus und wurde von den feinen, silbrig glänzenden Trägern des weissen BHs durchzogen. Sie drehte sich um, und, nachdem sie ihn kurz in der Armbeuge auffangend gehalten hatte, streifte sie ihn, wie mit einem entschlossenen Aufrichten ihres Körpers, ab und lehnte sich mit der Hüfte ans Fensterbrett, ihren Oberkörper vorbeugend. Sie schaute ruhig zu uns her, stillhaltend. Es war als ob sie nicht sicher war, ob sie sich exhibitionieren sollte, aber ihre Bedenken in den Wind schlug. Sie war sehr süss. Mein Herz fing wild zu schlagen an, auch M schaute andächtig hinüber. Noch nie hatte ich sie nackt gesehen, sie hatte kleine Brüste und wirkte mit den kurzen Haaren burschikos. Ich machte meiner Erregung Luft und rief begeistert:

Das sind die Früchte meines Exhibitionismus!, - und erklärte meinem Freund den möglichen Zusammenhang. Nachdem sie einem Weile dort gestanden war schlüpfte sie in ein Hemd und verschwand. Die Situation war so eigenartig gewesen, dass Mcs kurz zweifelte, ob es wirklich eine Frau gewesen war, doch ich war mir sicher, denn ich kannte sie ja. Wer sollte es sonst gewesen sein, die Fenster waren unverkennbar, zwei, oder drei, hell und hoch erleuchtet. Ging nicht später sogar eine Wendeltreppe in einem ihrer Zimmer einen Stock höher hinauf?

Aber wenigstens waren jetzt meine Befürchtungen beschwichtigt. Ich war nicht paranoid gewesen, sondern zu freisinnig. Und obwohl solche voyeuristischen Szenen oft in meiner Phantasie herumgespuckt waren, reagierte ich in Wirklichkeit relativ prüde darauf. Ich achtete darauf, bekleidet zu bleiben und nur zu onanieren, wenn das Pärchen nicht da war. Bald darauf verreiste es für einige Wochen und ich atmete erleichtert auf.

 

Weitere Situationen, Reflexionen

 

Trotz allem verstärkte sich mein Eindruck, dass Menschen in meiner Umgebung, also wohl Die Anderen, meine Gedanken hören konnten. Meine Gesprächspartner sprachen oft aus, was ich mir gerade gedacht hatte, die Menschen auf der Strasse wiederholten es, oder fingen plötzlich an, gegen mich gerichtete Andeutungen zu machen. Ich bin nicht böse, äh: schlecht, ja ich bin gut - dachte ich dann, nur brav jeden Ort als Tempel, und jedes Wesen und Wissen als erleuchtet zu betrachten. Man sah, ich hatte schon seit längerem begonnen, auch aus Büchern zu lernen und auf die Praxis übertragen zu können.

Einmal zum Beispiel, als ich in der Strassenbahn in meinem auf dem Schoss liegenden Buche eine Fussnote las, >Oh, eine Fussnote<, dachte ich dabei, nörgelte hinter mir eine Stimme:

>Der kann die doch gar nicht lesen, die Schrift ist ja viel zu klein.<

Ich geriet ein wenig durcheinander und konnte mich nicht mehr auf den Inhalt des Buches konzentrierten. Der Vortrag des Mitlesens war ohnehin nicht leicht gewesen. Ich glaube, ich prüfte ein D.H. Lawrence - Buch.

>Die Fussnote ist nicht zu klein.<, entgegnete ich im Stillen, >Aber es ist schon ein wenig anstrengend.< Ich war bemüht, solchen verwirrenden Situationen versöhnlich zu begegnen. Solange ich mich von meinem Wahn nicht verstören lies, stand ich ihm gleichmütig gegenüber. >Ich muss positiv bleiben.<, dachte ich. >Wie billig, sowas zu denken<, - gleichzeitig dazu, denn im Diskurs war es verpönt, das flache, oder oft von der esoterischne Seiten invadiertes Wort: positiv.

 

Trotzdem mochte ich den Gedanken nicht, dass die anderen meine Gedanken zerpflücken konnten. >Gedanken sind doch frei!<, rief ich innerlich. Aber wenn er das gegenteilige Gefühl hatte, dann war es doch hilfreich, ein heiteres aufgeräumtes Gemüt zu haben. Dieses zumindest war ich auf dem Weg immer weiter zu vervollkommnen. Und hatte ich nicht selbst geprahlt, oder war es erst danach, dass es mir egal seie, ob meine Gedanken frei sind, solange es mein Restkörper war?

Das war nicht immer so gewesen. Ich hatte jedoch im Laufe der Studien und des Älterwerdens (gab es da einen Unterschied?) erfahren, dass Ressentiment zu nichts gut ist. Rechtes Denken, rechtes Reden, rechtes Handeln, rechter Lebenserwerb war der Leitspruch der Zenisten. Es war die Frage einer amoralischen Pietät, weiss nicht woher das Wort, klingt wie Deleuze und der De Sade - Erotomane, anorm, da angeblich die sogenannten moralischen Angebote insgesamt in Verruf geraten sind. Heutzutage war man Eklektiker und pickte sich heraus, was einem gefiel. Wie Cicero, bei den Republikanern, der war auch philosophischer Wiederkäuer gewesen, nur Politik zählte, das Kaiserreich stand ante portas. In vielerlei Hinsicht gleicht unsere Zeit dem damaligen Anbeginn des augustäischen Kaiserreichs, auch dem nach-alexandrinischen Hellensimus, alles geht heute sagt man, die alten Heiratssitten verfallen, zur Zeit Ciceros heiratete nur mehr der Adel nach alter Sitte, es war wegen irgendwelcher terrestrischer Rechtsansprüche, es werden mehr Verknüpfungen zwischen alle den losen Enden hergestellt, als neue orginelle Philosophien, wenn man dem Diskurs glauben schenken will.

Jedenfalls war das Ressentiment eine bösartige Wucherung, reaktiv, passiv und vorurteils- beladen, anstatt aktiv und forschend zu sein. Die Schriftstellerin Ingeborg Bachmann hatte es hinausgeschrien, hinausgeschrieben und war doch so schüchtern gewesen, dass ihre Stimme bei ihrem ersten öffentlichen Vortrag versagte und sie einen Nervenzusammenbruch erlitt. Letztlich half nichts gegen ihre Selbstzerstörung. Gegen Ende war ihre Medikamentensucht so fortgeschritten gewesen, dass ihre unempfindlich gewordene Haut selbst Brandflecken von Zigaretten aushielt. Fünf Prozent Heilungschance, hatte man ihr gesagt. Wenige Monate später war sie tot. Die Bachmann hatte den ehemaligen Emigranten Robert Musil in einem Hörspiel zum Leben erweckt und es tat mir gut, dessen Stimme zu hören, nachdem er eigentlich schon lange tot war; egal.

Selbst Schmerz konnte zur Sucht werden. Als Kind hatte ich Nägel gebissen und meine Finger hatten davon ständig weh getan, doch war dieser Schmerz damals etwas anderes als beschrieben gewesen, etwas, das mich konzentriert hatte. Es war, als ob ich nicht gewusst habe, dass ich mir selbst Schmerzen zufügte. Das Warhol:"Hihi, ich wusste nicht um meinen Körper" -Dillemma.

>Alles vergeben, alles vergessen<, - formulierte ich oft provokant. Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein. Es gibt vielleicht Zeiten, die für “Gedankenverbrechen“ besonders anfällig waren, schien es. Warum müssen Gedanken denn frei sein, etwa weil das Herz eine Mördergrube war? Nietzsche, ein weiterer Todeskandidat, konstatierte seiner Gesellschaft die allgemeine Infektion mit Ressentiment, deren Prototyp er in den aufstrebenden Antisemiten sah, das war, bevor sie als faktische Kraft in Aktion traten. Die Sklavenmoral zeichnete sich dadurch aus, hatte er geschrieben, dass sie böse Andere brauchte, um sich selbst gut zu fühlen. >Ich fürchte um meine Geduld!<, hatte er einem antisemitischen Journalisten geschrieben, der ihn belästigte, auch daran erinnerten die Franzosen.

Ich hingegen war immer mehr imstande, alles gutzuheissen. Vollständige Bejahung! Das suchten doch alle, selbst wenn sie es nicht wussten. Was die sogenannte Positivität anbelangte, wusste ich über mich ziemlich genau Bescheid, denn ich verglich meinen Zustand oft mit den Beschreibungen. Es beschäftigten sich doch viele, die wir als Denker zu bezeichnen pflegen, damit und es ging sicherlich über das “think positiv“ hinaus.

Die akkuratesten Beschreibungen und Klassifikationen des Selbstgefühls fanden sich bei den Asiaten. Dort gab es Jahrhunderte alte Traditionen der Vermessung der Psyche, ja des ganzen Körpers. Demnach empfand ich eine erste tiefe Befriedigung durch die Einsicht, dass ich still sein konnte. Dass meine Gedanken nicht so wichtig waren, als dass ich mich ständig in ihnen verstricken müsste. Es war schliesslich immer eine Frage der Achtsamkeit, die Konsequenz, die die Voraussetzung für jede Spitzenleistung darstellte. Konnte man das erregende Gedüdel seiner Gedanken bremsen war man frei für lohnendere Aufgaben. Und auf der anderen Seite stand die totale Verstrickung in die eigene Geisteswelt, wie sie dem Wahnsinn eignete. Natürlich kokettierten die Kreativen immer damit. Ganz schön Paradox: Erstens ist der Stillstand ideal, zweitens die Verstrickung genial. Genie und Wahnsinn, war das nicht immer schon schwierig zu unterscheiden gewesen? Mich stiess die Leichtfertigkeit ab, mit der man sich auf leichtfertige Spiele mit der eigenen Psyche einliess. Ich war in diesem Punkt schon genügend beunruhigt. Den faulen Zauber um den Begriff Genie fand ich altmodisch, er stammte aus dem 19. Jahrhundert, war aber im Gegensatz zu vielen anderen Dingen schon veraltet. Ich kannte mindestens fünf Definitionen davon und die ansprechendste schien mir zu sein, dass es keiner besonderen Fähigkeit bedarf ausser, seine Umgebung zu verlassen und sie beschreiben zu können. Das konnte ich, und das tat ich ja auch.

Alle Unangepassten sind Agenten eines Versprechens, das eine andere Welt verheisst. ich erinnerte mich an den Ausruf eines jungen bärtigen Mannes im Trenchcoat, der irr die Wartenden angrinsend, er war sichtlich berauscht, die U-Bahnstation nahe am Bahnsteigrand, die Säulen aussen nehmend, entlanggegangen war: >Die Leute schaun aber bös!<. Sehr trocken, sehr heiter - verrückt einen Tick. Ich hatte darüber schmunzeln müssen, vielleicht, weil auch ich den Mann zunächst argwöhnisch beobachtet hatte. Meine genauso irre Miene gemeistert habe, um ihn kühl anschaun zu können. Die Agenten der Fröhlichkeit waren oft selbst düstere Gestalten, als ob sie diese für sich nicht mehr erhofften und deswegen bei anderen nach ihr Ausschau hielten. >Übung macht den Meister.<, grinste ich selbstzufrieden. Mir fiel eine weitere Zengeschichte ein, die mir der Tee- und Honigbrotmeister vorgelesen hatte.

Der Meister schreit den verwirrten Schüler an:

>Geh hinaus!<, und als dieser sich zur Tür wendet:

>Nein, nicht durch die Tür!<. Der verzweifelte Schüler will durchs Fenster.

>Nein, nicht durch das Fenster! Geh einfach nur hinaus!<

Der Meister war offensichtlich ein lustiger Kerl. Was hätte er ihm auch sonst sagen sollen? >Hör mit dem Blödsinn deiner Gedanken, deiner Welterklärung auf? “Der Name welcher gesagt werden kann, ist nicht sein Name. Weil ich seinen Namen nicht kenne, nenne ich es Dao.“

Benennungen waren sowieso nicht sehr hilfreich. Wichtiger waren Handlungsanweisungen, waren praktische Beispiele und Anregungen, die das Ruder des willigen Adepten herumschwenken sollten. Der Meister aus der Geschichte hatte offenbar gespührt, dass sein Schüler reif war. Er versuchte ihm den letzten Stoss zu versetzen, damit er eine Einsicht machen konnte.

 

Und wo stand ich, fragte ich mich. Zweifellos war etwas mit mir im Gange. In letzter Zeit war auch das Summen stärker geworden. Früher ist es nur während der Meditation aufgetaucht. Seit ich damit aufgehört hatte schlich es sich immer öfter in Zeiten der Ruhe ein, wenn ich las, im Bett vor dem Einschlafen, beim Warten auf den Bus. Meine Haltung hatte sich sichtlich verbessert, das schien mir einer der ausschlaggebende Gründe zu sein, die gerade Wirbelsäule. Es summte immer stärker und öfter in/um mir/mich.

Ich fand es jetzt sehr witzig, gewisse Versatzstücke aus der Kosmologie der Alten nie begriffen zu haben. Seit der Antike stellte man sich vor, die Sterne wären auf konzentrischen Himmelssphären festgemacht, die, weil sie bei der Bewegung gegeneinander reiben, eine Ton verursachten. Die Musik und die Mathematik waren von je her verknüpft, das kam von den arithmetischen Verhältnissen der Harmonien und ähnlichem und war leicht verständlich. Aber warum reiten sie so auf den Sphärenklängen herum, die doch kein Mensch hören konnte, woher diese Grille? Jetzt, als eigenartiger Resonanzkörper, war ich wieder einmal froh, so viele Erklärungen, diesmal war es Philosophiegeschichte, Wissenschaftsgeschichte, dafür parat zu haben. Der Vorteil einer humanistischen Ausbildung. Ich stellte mir vor wie es jemanden gehen würde, der von solchen Sachen nichts wusste und in die gleiche Situation geriet wie ich.

 

Fallbeispiel Frankys Summen

 

Ich kannte so einen Fall. Franky erzählte mir mehr oder weniger im Vertrauen, dass er über ein Summen im Ohr beunruhigt wäre. Er war bei einem Facharzt gewesen, der ihm aber nicht helfen hat können. Das war vor meinen eigenen Erfahrungen gewesen und so beunruhigte mich die Geschichte des Freundes damals nicht persönlich. Kam es nicht allenthalben vor, dass Leuten die Ohren sausten? Wenn man einen Schlag auf den Kopf bekommt summt es, wenn die Musik zu laut war ebenfalls, es gab ein Duzend möglicher Erklärungen dafür. Höchstens erinnerte ich mich an den Film ´Arizona Dream´ von Kustorica, dort war ein Kind deswegen bei 120 Schulmedizinern gewesen, danach wurde es von einer Schamanin geheilt, indem diese ihm eine riessige Papiertüte ins Ohr gesteckt und eine Zeremonie aufgeführt hatte. Oder so ähnlich. Ich erinnerte mich vage an eine grosse gelbe Tüte im Ohr eines Kindes auf der Strasse. Der Film handelte meiner Meinung nach, das heisst, wenn ich gefragt wurde, von Initiationen. Aber erst als ich durch die eigenen Erfahrungen angeregt nach möglichen Erklärungen suchte, fielen mir die alten Geschichten ein. Franky war in der Tat, wie ich selbst, oft müssig und gab sich seinen Gedanken hin. Er hatte schon immer Schriftsteller werden wollen, trieb sich jedoch zumeist bei Freunden und auf Parties herum. Mehr oder weniger aus Rebellion gegen seinen Vater oft, ja gegen die Gesellschaft, hatte er das Gymnasium nicht beendet und alle Studien verachtet.

Schon bei mir selbst war die glückliche Lage, meinen Zustand erklären zu können, oder dies zu glauben, aus einer Kette von Zufällen entstanden. Ich interessierte mich für derlei Skurrilitäten, wohingegen Frankys Interesse, von der ein wenig mangelhaften humanistischen Bildung abgesehen, praktisch - lebensweltlicher Natur war, sie zeigte sich in seinem Faible für Bionahrung, gesellschaftlichem Umgang und Tagespolitik. Er verachtete das trockene Bücherwissen und nannte die Intellektuellen, zu denen er trotz allem gehörte, falls es sie gab, falls man so einen Begriff gebrauchen sollte, gern ´Intellelte´. Diesem Skeptiker eröffnete ich nun meine Vermutungen. ich erzählte ihm von den langen Traditionen, die die Beschäftigung mit solchen Phänomenen, wie dem ominösen Summen, hervorgebracht hatte. Franky hörte mich schweigsam an. Es war nicht seine Art bei allem sogleich nachzufragen, sondern Informationen erst einwirken zu lassen und sich mit der Zeit ein eigenes Urteil zu bilden. Während ich Franky über dieses vermeidliche Geheimnis vermeindlich aufklärte, kam ich mir vor wie der Einäugige, der den Blinden führen wollte. >Ich bin doch nicht der König<, dachte ich, >Nicht der Führer, der weiss wo es langgeht.< No teacher, maybe preacher? Das verlangte aber auch niemand von mir, zum glück, nicht mehr, auch das nicht mehr. ich war es doch, der sich allen mit meinen kümmerlichen Erkenntnissen aufdrängte. Aber wenig später hörte ich, dass Franky die Prüfungen für die Akademie der bildenden Künste abgelegt hatte. Endlich war dieser also auf dem ersehnten künstlerischen Weg. ich verbuchte das teilweise auf mein Konto, immerhin hatte ich dessen Ängste betreff des Summens beschwichtigt. Da ich die Veranlangung hatte, meinen Einfluss auf die Menschen überzubewerten (war das nicht auch Teil meines Wahns?), fand ich diesen Erfolg befriedigend. Es war solange in Ordnung wie ich nicht anfing ihnen mein ominöses autoeulogisch selbstlobendes Verdienst vorzuhalten.

 

Weitere Reflexionen

 

Die Intellektuellen von Heute, falls es überhaupt welche geben sollte, sagen nicht mehr wie wir denken und handeln sollen. Das besagten jedenfalls die modernsten Theorien, die ich kannte. Sie geben uns lediglich Werkzeuge in die Hand, oder zumindest Erklärungen, die wir benutzen können oder auch nicht. Das wusste ich, denn ich hatte mich gründlich umgehört, kannte die zeitgenössische Philosophie, die Wissenschaftstheorie, die Grundzüge der Geschichte, ich wusste um die Schwierigkeiten der Soziologen, eine verbindliche Gesellschaftstheorie zu formulieren, ich war vertraut mit den religiösen und spirituellen Strömungen, selbst mit der Homöopathie. Auch die Literatur war mir nicht fremd.

Zur Identitätsstiftung gehört immer ein Anderer, der man selbst nicht war, auch wenn es nur die Identität eines Wahnsinnigen war. Hatte sich Nietzsche nicht zum Sehenden erkoren, zum Sehenden in einer Schar Blinder, als der Philosoph mit dem Hammer? Bedurfte das Arbeiterproletariat nicht der Kapitalisten? Halten die entwickelten Länder nicht ihr Ethos den Schurkenstaaten und dem Terror entgegen? Was genau war die Sklavenmoral?

Indessen verschärften sich meine Wahnzustände. Wenn es stimmt, dass sich die Gesellschaft in einem Zustand permanenter Selbstverunsicherung befand, dann leistete meine Psyche hervorragende Arbeit. Wenn ich unter Menschen war, befand ich mich also nun in ständiger Unruhe, einer anderen Unruhe als früher, beunruhigt von dem Gefühl, von ungewollten Zuhörern meiner Gedanken umgeben zu sein.

Ich musste sich bemühen, in meinen Mitmenschen nicht Eindringlinge in meine Gedankenwelt zu sehen sondern Gäste. Dazu bedurfte es in meinem Zustand allerdings des kleinen Tricks, sich der eigenen Gedanken nicht zu schämen und keine negativen Gedanken zu haben. Aber das war leichter gesagt als getan, wenn auch kein Ding der Unmöglichkeit sagte der Zen: >Einen bösen Gedanken zu haben ist Krankheit, ihn nicht weiter zu verfolgen die Heilung.< - Das stimmte. Und in meinen krankhaften Zustand stimmte es doppelt.

 

Arbeitskollegen

 

Als ich eines Tages in der Firma angekam, in der ich einer unqualifizierten Arbeit nachging, sah ich schon von weitem meinen hauptsächlichen Kollegen MK, mit einer Kollegin im Gespräch. Diese hatte ich erst einige Male flüchtig gesehen, doch MK hatte mir schon oft von ihr vorgeschwärmt. Sicherlich war sie eine sehr schöne Frau, fand ich jetzt, wie sie hochgewachsen und schlank vor MK stand, der sichtlich angeregt mit ihr plauderte. Doch kaum hatte ich sie gesehen war ein Urteil gefällt. >Was soll denn diese Dauerwelle?<, dachte ich . Ihr Haar fiel in kleinen künstlichen Wellen steif und glänzend hinab. Ich mochte das nicht, es erschien mir gar zu künstlich. Sie hatte das nicht nötig. Oder besser gesagt, mir gefiel die Harmonie nicht.

Mit einem Mal wirkten die beiden verstört. Indessen begann ich meine Arbeit, auch ich war angespannt.

>Das sind doch nur Haare! Nur Haare!< schrie sie plötzlich MK an, mit dem sie gerade noch gescherzt hatte, und hielt ihm ihren Schopf, eine Strähne in der Hand, vors Gesicht. Dieser wirkte verduzt. Sie sprachen einige Worte die ich nicht verstand und dann hörte ich MK mit lauter Stimme sagen, dabei seltsamerweise mich anblickend:

>Ich bin nicht eingeraucht!< - mit Nachdruck.

>Ich auch nicht<, erwiderte ich in Gedanken für mich, >Nur müde, unendlich müde.<

Tatsächlich war ich übernächtigt und das verstärkte jedes Mal meinen milden Wahn. Die Situation normalisierte sich bereits, die beiden sprachen wieder über Geschäftliches. Dennoch atmete ich erleichtert auf, als sie ging. Ich sprach mit meinem Kollegen nicht weiter darüber, es war wie eine stillschweigende Abmachung, über unerklärliche Ereignisse einen Mantel des Schweigens auszubreiten. Nichts wäre einfacher gewesen als MK zu fragen, was die Kollegin denn so plötzlich mit ihrem Haar gehabt hatte. Vielleicht gab es ja eine ganz plausible Erklärung dafür. Jedoch war die Situation so merkwürdig gewesen, hatten alle dermassen wie Verschwörer gewirkt, dass es mir vor dem Gedanken, darüber noch ein weiteres Wort zu verlieren schauderte. Er wollte einfach nicht weiter darüber sprechen. Es gelang mir sogar, unserbeider angespannte Stimmung zu verscheuchen, indem ich aufgeräumt einen Scherz machte. Irgendetwas über sie und ihn, wer mehr Freizeit wo zu verbringen hätte. Es kam dabei ein Pool vor. Aus MKs misstrauischem Gesicht verschwanden die Sorgenfalten. Nein, ich wirkte durchaus nicht unter Drogeneinwirkung. Doch innerlich zitterte ich noch immer leicht, Gefühle schlugen mitunter in sekundenschnelle um oder intensivierten sich dermassen, dass sie wie körperlichen Formen der Interaktion wirkten, aufwühlend. Ich schob mein merkwürdiges Verhalten (hatte ich mich merkwürdig verhalten? Sicherlich war ich nicht besonders kommunikativ gewesen, hatte mich am Rand auf- und rausgehalten.) auf meine Schüchternheit.

Der Trick um sich nicht aufzuregen bestand für mich auch darin, sich als normale Psyche zu sehen, obwohl ich vermeidlich aussergewöhnliche Situationen, eigentlich nur lächerliche, erlebte. >Eitelkeit, alles meine Eitelkeit!< beschwor ich mich, wenn meine Gedanken wieder einmal nicht der Situation entsprachen. Ich kam durch Selbstbeobachtung dahinter, dass ich in so einem Fall mich oder andere in den Schmutz zog, oder sie verurteilte, so wie die Dauerwelle, und zwar ohne Humor. Wenn das eintrat bestand die erste Herangehensweise darin, es zu einem Scherz umzubiegen. Das war leichter als die Sache ganz abzutun, denn meistens handelten diese dummen Gedanken von dem gerade ablaufenden Ereignis, das ja weiterhin stattfand, ob man nun wollte oder nicht. Am besten gelang mir gleich eine Entschuldigung zu denken, die, ohne einer genaueren Adresse zu bedürfen, an die Welt im allgemeinen gerichtet war. >Sorry Jungs und Mädels!<, oder so. Das ergab sich jedoch selten, als ob in mir doch, und doch noch, ein Widerstand gegen derlei Zugeständnisse tätig wäre.

Doch diese Form des ´Coping´ eignete sich nur post – festum, wenn die Sache schon vermasselt war. Ich wusste nicht, wie ich die Gedanken von vornherein verhindern konnte. Ausserdem war dabei schon angenommen, dass ich es überhaupt mit Humor nehmen konnte.

Die Dauerwelle war aber ein ernster Fall. Ich versuchte es also mit Scherzen: >Bist eh ein nettes Mädel.<, dachte ich ihr zu und: >Sie ist eigentlich eine ganz schön coole Frau.< Ich fühlte mich immer besser. Sie war ohnehin wunderschön, es fiel mir nicht schwer, Komplimente zu finden. So gelangte ich schliesslich dazu, alles nicht so ernst zu nehmen. War die erste Formulierung noch spontan und unausgegoren, wirkte die zweite vollständiger, neutraler. Das war wie in der Wissenschaft, wo sich allein durch eine speziellere, verbindlichere Formulierung der Wahrheitsgehalt eines vagen Sachverhaltes erhärten konnte. Erste Aussage: A wurde wahrscheinlich durch Maschine X gemessen und produziert vielleicht B. Zweite Aussage: A existiert. Dritte Aussage: A bewirkt B. Punkt. Viele Zwischenschritte. Nun, vielleicht war es nicht ganz so einfach.

Ich hatte mir angewöhnt, im Stillen besonders dann wohlwollende Bemerkungen zu machen, wenn eine Situation anfing, unangenehm zu werden. In Diskussionen pflegte ich solcherart dem letzten Satz, den ich eben ausgesprochen hatte noch weitere Erläuterungen im Stillen nachzuschicken, die meistens der Entspannung der Lage dienten, oder weitere Konnotationen des Gemeinten erhellten.

Jedenfalls war diese Objektivität nötig, weil ich über einen möglichen Sexualpartner geurteilt hatte. Ich war befangen gewesen und es konnte auch nicht ausgeschlossen werden, dass mein Verhalten sowohl Vorsichtsmassnahme als auch Abwehr bedeutete, oder anbandeln.

 

Weitere Reflexionen, Mantras

 

Ich hatte meine Gedanken gründlich satt. Nach dieser Fortsetzung meines Wahns machte ich mir die intuitive Weise der Zerstreuung stärker bewusst, die darin bestand, sinnloses Zeug zu trällern, Liedchen zu pfeifen und ähnliches. ich brauchte mich nur auf das Formulieren harmloser oder zusammenhangloser Wörter zu konzentrieren, durch einfache Reime und Wiederholungen, diese zu einer Art Mantras zu machen, und auch dabei zu bleiben. So reisst man sich leicht von unnötigen Gedanken los, zerstreut sich und sammelt Kräfte. Ich war mit Theorie und Praxis von Mantras nicht gut vertraut, am ehesten noch kannte ich mich mit den Koans des Zen aus, unzählige kannte ich, ihre Struktur und auch unzählige Haikus, diese kleinen, zarten Gedichte, sie waren oft von Zenpraktikanten verfasst, und die Bedeutung der Kunst im Buddhismus. Jedoch stellte ich mir das auch nicht anders als das mir wohlvertraute Zählen der Atemzüge vor, und zwar als eine Form der Konzentration.

 

Weiter Vron

 

An diesem Abend piepste mein Fernsprecher, eines der seltenen SMS war eingetroffen, von meiner lieben Freundin, die in Berlin für einige Semester Fuss gefasst hatte und mir auf diesem Weg ihre neue Telephonnummer mitteilte. Zufall oder nicht, ich hatte an dem Tag viel über sie nachgedacht, darüber, dass sie sich schon lange nicht gemeldet hatte.

Nachdem ich lange nachgedacht hatte, was ich ihr schreiben solle antwortete ich am nächsten Tag: “Geht gut, ja? Alles Liebe!“ Obwohl wir einander sehr mochten, hatte ich immer den Eindruck, dass wir uns ausser Alltäglichkeiten nichts mitzuteilen hatten. Und Kunst. Aber schaffte nicht gerade Belangloses ein Gefühl der Verbundenheit? Ansonsten unterschied sich meine eigenbrötlerische Existenz allzu sehr von ihrem aktiver gesellschaftsbezogenen Leben. Dennoch verbrachten wir öfters schöne Zeiten miteinander. Nur unser Briefverkehr schleppte sich mühsam dahin und war von monatelangen Unterbrechungen gekennzeichnet. Trotzdem hatte ich den Tag über nachgedacht, warum sie sich schon so lange dagegen wehrte, mit mir per email zu kommunizieren. Teilweise wusste ich schon den Grund, unser Verkehr hatte einen besonders vertraulichen Charakter. Wenn wir uns schrieben war das oft eine Form von Liebesbriefen, die eben nach altertümlicheren Methoden verlangten, einmal waren es tatsächlich Liebesbriefe gewesen, und obwohl wir schon lange nicht mehr zusammen waren bestand ein enges Band zwischen uns fort.

Darüber sann ich im Bett liegend nach, als das SMS abgeschickt war. Ich strich sanft über die Seiten des Buches, das ich gerade las, es war Musils ´Mann ohne Eigenschaften´ Teil zwei, dessen druckfrischer Duft die schier endlose Folge von Geruchseindrücken neuer Bücher fortsetzte, die ich jemals gelesen hatte.

Ich sinnierte auch darüber, das das SMS wieder so eine Koinzidenz war. Es war zwar nicht ungewöhnlich, dass Vron sich gemeldet hatte, das hätte sie früher oder später sowieso getan, aber warum war das SMS gerade an dem Tag angekommen, an welchen ich über sie besonders viel nachgedacht hatte? Es war wie so oft eine kleine Sehnsucht. Ich dachte nämlich keineswegs jeden Tag an sie, weil wenn das der Fall wäre, hätte man nicht von einem aussergewöhnlichen Ereignis sprechen können.

Denn oft scheint uns etwas zufällig zusammenzutreffen, das sich beim näheren Besehen als unaufhörlich angestrebt entpuppt. So lenken wir oft unsere Schritte wie unbewusst in die Nähe dessen, dem wir begegnen wollen und sind dennoch bei einem tatsächlichen Treffen erstaunt, was der Zufall scheinbar alles vermag.

Aber dem war nicht so. Meiner geübten Aufmerksamkeit wäre es mitunter nicht entgangen, wenn ich an V auch in letzter Zeit gedacht hätte. Aber gerade an dem Tag war eine spielerische Einsamkeit in mir gewesen und ich hatte mir vorgestellt, wie es wohl wäre mit Vron zu leben. “Du weißt doch, dass wir zusammengehören.“, dachte ich jetzt. Viele Freunde die uns zusammen sahen meinten, dass wir Geschwister wären und wir scherzten auch selbst über unsere ´Geschwisterliebe´.

Ja, das war es am ehesten: Die Vertraulichkeit einer Verwandtschaft. Aber rechtfertigte die Innigkeit der Bindung diese weitere Koinzidenz, dass sie mir schrieb als ich an sie dachte? So fragte ich mich und meine Hand ruhte auf dem Buch, dass eine andere Geschwisterliebe erzählte, von Ulrich und Agathe (hiess das nicht ´Die Gute´?). Doch war diese Verbindung von vornherein auf den >Anderen Zustand<, angelegt, was immer das war, dieses Orginalzitat, und die Geschwister strebten nach einer Befreiung vom Urteilen. Ich hatte es erneut zur Hand genommen, nachdem mir ein Freund vom ´esoterischen´ Gehalt des zweiten Bandes erzählt hatte. Schliesslich war das auch meine Freizeit - Forschungsrichtung. Aber bei mir und Vron war ich mir nicht so sicher, was den anderen Zustand anbelangte. In Vron waltete uneingeschränkt das Ressentiment, mit dem so frauenhaften Gefühl der zu kurz Gekommenen, vom Leben zum benachteiligten Geschlecht Geschlagenen in einer gefühlvollen Intensität, die sie sehr beherrscht, gehemmt, handhabte. ´Shaken´ auf einer Tanzfläche konnte sie, diesem Bewegungs- Universal. Zustand, das war allerdings nur Spekulation, denn im Grunde waren wir uns ähnlich in unserer oft melancholisch gefärbten Passivität aus der wir durch andere herausgerissen werden wollten, wie der Jack Keruac in ´On the Road´ vom Elan eines Dean Moriarty, den Draufgänger. Aber was war eigentlich mit dem dunklen, feuerroten Maelstrom, in den Vron sich einst hineingezogen gefühlt hatte, wie sie mir erzählt hat, und von dem ein von ihr gemaltes Bild in ihrem Zimmer hing? Ein Strudel aus dicken, schwarzroten Streifen, die sich in des Zentrum reindrehten; künstlerisches Spiel?

 

Ach Vron, in einem Yayori Kusama finit-raum habe wir wieder mit einem riessigen, Grosssen zusammen gespielt. Ich nahm ihn, blutrot, gepunktet (blau?) in beide Hände, in einer Umarmung, er schleifte hoch aufgerichtet an der Decke des blutroten, (blau) gepunkteten separees, wo ich ihn aus der Verklemmung rausgerissen hatte, neigte es, Birnen-Ballon-Ding, und ging damit auf Vron los, die schon auf mich zutänzelte im tiefen Samba, Arme ausgestreckt, schlänkernd, tacktend, mit freudeverzerrtem Geheul, wir sahen einander gar nicht viel und prallten gleich zusammen, auf dieses Luft-Ding, polsterhaft und ich hörte nur ihr wildes Geschrei, Ach,a,a,aA wie es alle hörten und ich rööööhrte dazu (noch in der alten Kunsthalle, gen Schluss?). Höchstens unsere Hände fanden sich, dingumschlingend. Man sah (wir waren allein), eigentlich nur uns und ROT-BLAU (violett?) auf rot-blau, aber alles zitterte, wir: hüpf,hüpf, - das Ding: dong, doing,uoan,uoag (uit,uit,kr,kr - das Plastikmaterial). Und ich konnte mein/das Ding grad noch zurück hochstecken, in die Decke, als schon die Aufseherin die Tür öffnete. Gott zum Gruss, küss die Hand, frool, gemma, wir gehen weida. Beide rot von der Anstrengung, strahlende Gesichter, beinahe Hand in Hand, sehr glücklich, mal ein Luft-flik-flak, was ganz neues!

 

 

 

Robert Musil

 

Und warum sollte ich mich, sollte ich uns, in Ulrich und Agathe, dem ´guten´ Paar und nicht in Walter und Clarisse wiedererkennen, dem ´schlechten´ Paar? Schliesslich war es Clarisse, die alles auf sich bezog und mit der Zeit wahnsinnig wird. Zumindest in Musils Entwürfen für den dritten Teil. Mit Ulrich verband mich nur die Mischung aus Technikinteresse, Sinnbild einer neuen Zeit, und was man gemeinhin eine humanistische Bildung nannte, und, am wichtigsten, vage Ambitionen für etwas, das der Si-Fi Autor Neal Stephenson ein “interessantes Leben“ genannt hat. Im Stillen nannte ich mich scherzhaft Mann ohne Gedächtnis. Immerhin waren Probleme mit dem Gedächtnis eine Spezialität der französischen Gegenwartsphilosophie. Und es gefällt mir jedenfalls besser als Kaurismäkis Titel, Mann ohne Vergangenheit. Was Musil so interessant für mich machte war nicht nur die Bestandsaufnahme des esoterischen Erleuchtungswahns mit quasi wissenschaftlichen, also neuen Mitteln, sondern auch der seltene Versuch, an das Thema aus der Perspektive beider Geschlechter gleichzeitig heranzugehen. Ulrich und Agathe waren die beiden guten Protagonisten, denen die Freiheit, die Erleuchtung, mehr oder weniger zufällig passierte und die trotz mancherlei Schwierigkeiten nicht von den merkwürdigen Koinzidenzen und Wahnsinnigkeiten, die mir (Clarisse) so zu schaffen machten, geplagt wurden. Die Fragen die die Protagonisten umtrieb waren folgende: Kann man die Erleuchtung erlangen? Dauert der Zustand und was passiert dabei? Wie geht es danach weiter? Und neben diesem beinahe idealen Paar beschrieb Musil gleichsam als Gegenstück Walter, den gescheiterten Künstler und Clarisse, die prüde, ambitionierte Gesellschaftsdame, beiden war der göttliche Wahn nicht zuteil geworden, obwohl sie ihn ersehnten. Daraus entsteht bei ihr die krankhafte Neigung sich im Mittelpunkt des Geschehens zu vermeinen und ständig auf sie bezogene Zeichen erkennen zu glauben, Illusionen also, die in abgemilderter Form jeder einmal erlebte und die ich selbst so gut kannte. die Beschreibung ähnelte sogar frappant meinem Wahn, wenn z.B. beim Besuch des Serienmörders Moosbrugger die übrigen Irren Clarisse scheinbar als eine der ihren erkennen und sie respektlos anredeten, also die Zufälle nicht nur in ihrem Kopf sind, sondern es sogar zu realen Situationen kommt. Sympathisierten nicht sogar die Clochards, die Sandler mit mir? Und den Wahsinnigen unter ihnen konnte ich noch allemal zeigen, wie wahnsinnig ich zu scherzen imstande bin, manchmal wenn ich das tat wurden sie kurz vernünftig, als ob ihre Darbietungen im Vergleich dazu ihnen plötzlich zu gewöhnlich gesund erschienen.

Dieses ergänzende Resümee war bitter, befand ich, obwohl es eigentlich nicht neu für mich war. Musil hatte seinen Charakter Clarisse unbarmherzig auf den unwiderruflichen Weg des Wahnsinns hin angelegt. Bei mir selbst war ich dessen nicht so sicher. Jedenfalls war es unfruchtbar sich mit dem schlechten Paar zu vergleichen. Denn es waren Ulrich und Agathe die fast systematisch die Erforschung des anderen Zustands betrieben, sogar Meister Eckehart wurde dabei ausgegraben, und sie versuchten die Gleichartigkeit der Erfahrungen, wenn nicht gar der Geschwister, unter dem Deckmantel verschiedener kultureller Praktiken aufzudecken.

 

Dummer europäischer Zwang, das Thema auf gleichsam naturwissenschaftliche Weise erforschen zu wollen, beurteilte ich Musil milde, es ähnelte Wittgenstein. Immerhin war zu ihrer beider Zeit der logische Positivismus eines Wiener Kreises gerade im Entstehen, die Wissenschaften waren im Aufstieg und vor jeder gröberen Enttäuschung stehend, wie sich bald herausstellte, denn es waren noch keine Atombomben gefallen. Das Buch war in einer Zeit erschienen, die andere Probleme kannte, wie den Kanonier Ullrich. Aber was Musils Held den alten Quellen vorwarf, dass sie den anderen Zustand nur propagierten und diesen lediglich innerhalb ihres religiösen Systems mit primitiven Vergleichen, etwa dass sie Gott begegnet wären, beschrieben (wie höhnt auch Castanedas Don Juan über die ´enermessliche Erfahrung´ des menschlichen Prägestocks, dem man als scheinbar göttliche, meist männliche Gestalt begegnet) , konnte man das auch ihm selbst vorwerfen. Im besten Fall beschrieb Musil den angestrebten Zustand gar nicht, oder beschränkte sich auf wenige Andeutungen, dass man sich “Jenseits von Gut und Böse“ fühlte. Das war jedoch verständlich. Ulrich und Agathe waren wie zwei Adepten, die an die geheime Trickkiste des Meisters gehen wollten. Das war auch der springende Punkt, sie waren auf sich selbst angewiesen und standen erst am Anfang. “Übe niemals allein.“ – das musste Musil trotzdem irgendwie eingeleuchtet haben, das Geschwisterpaar war wie die Urzelle einer spirituellen Freundschaft. Als Autorität hatten sie nur die Aufzeichnungen der Alten und den erotischen Faden, mehr als dünn, langgestreckt und sich vielfältig windend wie Diotima. Um allerdings Wissen aus Büchern zu gewinnen, musste man erst viele Praxisgemeinschaften durchlaufen, viel Erfahrung haben, das wusste ich noch immer. In diesem Lichte war Musil ein Theoretiker, allerdings einer, der wie ein Komet vor einem nichtssagenden Sternenhimmel seine Bahn zog, um einen philosophiegeschichtlichen Begriff von Deleuze, auf die italienische Philosophensituation gemünzt, zu entlehnen, ein Einsamer in der gesellschaftlichen Wüste, die verbrannt und verwüstet von sozialer, politischer und wirtschaftlicher Agitation war. Er hatte sein gesamtes Vermögen während der Wirtschaftskrise verloren und seine literarische Arbeit wurde vom Kreis der ´Freunde des Mannes ohne Eigenschaften´ unterstützt, bis diese, grösstenteils Juden, vor den Nazis in Deutschland flüchten mussten. So viele waren während des Krieges gestorben, Virginia Woolf, Stefan Zweig, und auch Musil. Ich fragte mich, ob eine Fortsetzung des grossen Romans sinnvoll gewesen wäre, und nahm mir zu diesem Zweck vor, den Nachlass genauer zu studieren. Es gab noch ein Buch das ich besass, aber noch nicht aufgeschlagen habe: >Musil Lesebuch. Versuche, einen Menschen zu finden.<. Naja, kommt Zeit übt Rat.

Aber hatte ich mehr als nur Bücher? Da war mein spiritueller Freund und Meister des Tees, der Milch-, der Honigbrotmeister des Taichi, mit dem ich üben und diskutieren konnte. Da war die Zen - Gemeinschaft am Fleischmarkt die jeden Sonntag Einführungsveranstaltungen abhielt, mit Sitz- und Gehmeditation (Kinhin?), und Essen, für einen Obulus. Ich war tatsächlich besser dran als die alten Meister, es gab mehr Angebote, nicht nur von entsprechenden Büchern sondern fast aller Praktiken, angefangen mit Yoga, verschiedenster Kampfkünste und anderer Bewegungsarten, über die vielen Spielarten des Zen bis zu allen Arten mehr oder weniger gefragter esoterischer Schulen, Freimaurer und Rosenkreuzer. Die Zeit war eine andere, nicht nur für die Wissenschaften. Mich sprach der Zen die meiste Zeit an, weil dort die Beschreibung von Musils ´anderem Zustand´, falls es den überhaupt gab, zumeinst mit Naturmetaphern geleistet wurde und ohne Gottesvorstellung auskam. Auch gab es schöne, unzählige Einteilungen der Erkenntnisstufen, was immer eine heikle Sache ist, weil es dazu verführte, sich darauf allzu sehr zu fixieren, vor allem die Einsichtsmeditation (Vipassana) und die Tibeter leisteten hierbei erstaunliches. Doch war jede Einteilung eben nur ein Hilfsmittel. Mir persönlich reichte das castanedische Schema der vier Feinde Angst, Klarheit, Macht und Tod, das sogar Eingang in die moderne Philosophie gefunden hatte. Mit einem dermassen einfachen Schema verlor man nicht die Dimensionen aus den Augen.

Ich wusste, was die ´zivilisierte Welt´ am Buddhism, genauer gesagt, bei mir, am Zen, hatte. Ein Werkzeug. Nichts weiter als ein Tool, das man am geeigneten Objekt, sagen wir dem Herz-Geist-Körper, ansetzen konnte. Im Grunde war es so einfach wie der pythagoreische Lehrsatz. Wenn zwei Seiten eines rechtwinkeligen Dreiecks gegeben waren, konnte man sich die dritte ausrechnen. Vorausgesetzt natürlich, man konnte rechnen und war nicht zu faul dazu. Pythagoras war unter anderem ein Mystiker gewesen, der eine esoterische Sekte geleitet hatte, jedenfalls nach Meinung hs. Aber das war ein anderes Kapitel, obwohl mir der Zusammenhang zwischen Mathematik und Mystik gefiel. Es war wie bei Musil. ich habe sowas nie verstanden.

Ich errechnete also aus einer anderen Formel: Gegeben meine Psyche und meinen Körper folgten mit Hilfe des Zen Aufschlüsse über meine affektiven Anhaftungen. Aber an den Affekten, eigentlich auch an den verschiedenen Gefühlen war im Grunde nichts auszusetzen, auch nicht an den negativen. Man musste mit ihnen umgehen lernen, genauso wie man mit den Beinen lernen muss zu gehen, wie man sprechen und rechnen lernt. Es ist nichts falsch mit unserem Körper, durchfuhr es mich plötzlich heiss, der Gedanke hatte einen Affekt ausgelöst und das Blut schoss in meinen Kopf. “Halt!“ wollte ich meinen Mitmenschen nach Art von Prentice Mulford zurufen, lasst alles liegen und stehen und ´geniesst´ das Leben. Natürlich darf man niemandem etwas befehlen, und ausserdem wäre ich mir als >Moralapostel inspiré< in Wirklichkeit ziemlich lächerlich vorgekommen. Und schliesslich ging ich ja auch nicht mitten in der Arbeit weg oder hielt getroffene Vereinbarungen und Verabredungen nicht ein.

Meine Gedanken waren noch viel zu unklar, eigentlich war ich noch gar nicht aus dem Erstaunen herausgekommen, was alles mit mir geschah. Warum tauchte, neben den Erkenntnissen die mich glücklich machten, relativ Glückselig, variierte ich eine der gelesenen Erkenntnisstufen im Geiste, ein im Grunde miserabler Zustand, denn er war zwar verführerisch, aber nur ein Wegstein, musste also, leider!, wieder verlassen werden, dieser andere Kram auch, das Summen, die Stimmen, diese ganze so einseitige eselartige Pseudo - Telepathie. Natürlich, ich war zu schwach, aber das durfte ich nicht akzeptieren, weil dann war das Spiel gelaufen und ich hatte nicht viele andere.

 

Weiter Freundin V

 

So lag ich weiter müssig auf dem Bett herum, nachdem mir diese Gedanken durch den Kopf gezogen waren und wünschte mir noch eine Nachricht von V, wartete richtiggehend darauf. Und tatsächlich: “Piep piep“, meldete sich das Telephon, das ich auf das aufgeschlagene Buch gelegt hatte, es war wirklich eine weitere Nachricht von V angekommen: “Gib mir deine @-Adresse, falls es Sinn macht, bussi V.“ Es war zum verrückt werden. Nicht nur war mein unmittelbarer Wunsch in Erfüllung gegangen, es war auch, als ob sie meine Gedanken über den möglichen email - Verkehr, eine Abwandlung der Kafka-Liebesmethode, mit mir, geahnt hätte. Trotzdem lief sogleich die Rationalisierung an: Sie hat vergessen, beim ersten SMS danach zu fragen. Da sie jetzt im Ausland ist, und nicht nur im Ausbundesland, will sie mir eben per email schreiben. Was spielte es für eine Rolle, dass ich mir das erst Tags zuvor gewünscht hatte, genauso wie ich mir gerade eben gewunschen hatte, dass sie mir noch einmal schreiben solle? Wäre es nicht eingetroffen, hätte ich meine Wünsche, es gab ja hie und da welche, längst vergessen, durch andere ersetzt. Aber war das alles?

 

Ereignis V und I

 

Plötzlich fiel mir ein, dass schon vor zirca einem Monat eine dieser merkwürdigen Koinzidenzen mit V passiert war, die sich für mich sogar viel konkreter ausgewirkt, ja sogar meine Handlungen beeinflusst hatte. (Nichts, nichts war passiert! Dennoch: ) ich hatte damals eine Nachricht von I bekommen, des Inhalts, dass sie in ein paar Tagen in der Stadt sein würde. Ich war darüber sehr erfreut gewesen, denn ich begehrte sie sehr und hatte sie so früh nicht erwartet. Während ich an demselben Abend auf die Strassenbahn wartete, war ich ganz in mein Glück vertieft. “Ich will mit dir wohnen“, dachte ich, “mit dir leben, dich lieben.“, ganz irreal, es waren reine Tagträumereien, in Wirklichkeit kam sie nur für ganz kurze Zeit. Aber hatte sie mir nicht sogar ein verhülltes Angebot gemacht? Das Telefon riss mich aus diesen Träumereien, es war V.

“Halihalo, wie geht's denn so?“, jubelte ich direkt in das Sprechteil. Ich freute mich dass sie anrief, ich freute mich überhaupt sehr. Alles war wunderbar. Doch was war das für ein jammervoller Ton am anderen Ende der Leitung, der:

“Geht so ..“, sagte? Wenn V sich beklagte schien ihre Stimme tief aus der Kehle zu kommen und hörte sich quäckend an. Aus einem undefinierbaren Grund liebte ich es, wenn sie so sprach, vielleicht erinnerte es mich an mich selbst, so hatte ich mich wahrscheinlich die längste Zeit meiner Jugend angehört, als ich unbewusst allzuviel beklagte. Vielleicht weckte es auch einen Beschützerinstinkt in mir, jedes Mal wollte ich sie dann in die Arme nehmen und ihr diese einfachste aller gesellschaftlichen Formeln zuflüstern: “Ist ja alles gut. Ich bin ja da.“

- “Aber, aber, was ist denn?“, fragte ich stattdessen noch immer gut gelaunt.

“Weißt du, ich habe mir überlegt, was für eine ideale Beziehung wir gehabt haben, und vielleicht sollten wir es wieder versuchen?“ –

Sie kam immer sofort auf den Punkt, wenn sie sich einmal ein Herz gefasst hatte. Ich hörte auch den Alkohol dahinter.

“Also das erstaunt mich jetzt gar nicht, dass du so was sagst.“ - es stimmte, sie waren wirklich ein ideales Paar gewesen, und tatsächlich war ich nicht erstaunt über ihre Eröffnung. Vieles hatte in letzter Zeit darauf hingedeutet, dass einer von uns mal wieder den anderen einlädt, auch ihre permanenten Beschwerden über ihre jetzige Beziehung. Und ich hatte es nicht hören wollen, weil ich nur an I denken konnte.

“Jaa....?“ –

“Torschlusspanik, was V?“ –

“Jetzt wirst du gemein.“

Ihr Tonfall erlahmte gänzlich. So fragte ich sie aus und es gelang mir sie aufzuheitern, ohne sich festlegen zu müssen, ob das eine geschlossene Beziehung sein müsste, sie ahnte mein geteiltes Interesse. Ich war eben ein Idiot, die Chancen zerronnen unter meinen Händen wie dem Idioten aus Dostojewskis gleichnamigen Roman, weil ich mich nicht entscheiden wollte, Fürst Myschkin, den Keine richtig wollte, den aber jede unter Umständen genommen hätte. Beide oder keine. Doch ich liebte V, hatte nie aufgehört sie zu lieben. Ich blieb heiter, die Strassenbahn kam lange nicht und wir plauderten viel und zum Schluss beteuerten wir uns unserer gegenseitigen Liebe, selbstverständlich ganz unverbindlich. Was wir uns mit Wörtern nicht alles trauen, dachte ich, die Realisation hingegen war etwas ganz anderes.

Ich wusste, das würde dann alles noch einmal gemacht werden müssen, die Versprechungen waren für die Katz, solange wir uns nicht sahen. Wenn wir uns das nächste Mal treffen würden, würden wir uns ein Küsschen geben und so tun, als ob nichts ist. Nur würde ich mich dann nicht einmal mehr trauen sie bei der Hand zu nehmen wie so oft. Die Wörter bewirkten bei uns das Gegenteil ihrer Absicht, sie entfernten uns voneinander. Sie würde sich erst bei mir einhacken müssen, unter Umständen. Ich kam mir wieder wie ein Meisterredner vor, ich konnte einfach alles zerreden. Da fuhr ich nun nach Hause und wiegte mich noch in einem scheinbaren Erfolg. Ich wurde geliebt, begehrt, gebraucht. Doch die Koinzidenz war unübersehbar. Noch nie hatte ich mich nämlich so festgelegt wie eben vor dem Telefonat, wenn auch in Gedanken, ich hatte mit I gerade leben wollen, es war keine Spekulation gewesen, sondern ein starker Wunsch, wenn auch vielleicht nur ein Traum, wie man eben träumt, vor dem Fernseher etwa. So weit war ich noch nie gegangen, wenn es auch nur in Gedanken und narrenhaft war. Und gerade dann musste V anrufen und mich an sich erinnern, das war der blödsinnigste Zufall! Drehte sich mein Leben immer nur um diese zwei Frauen, die sich scheinbar andauernd im Weg standen, was mich betraf? Die Konsequenzen dieses Gesprächs zeigten sich schon eine Woche später.

 

I

 

Das Wiedersehen mit I mündete vorerst in lauter kleine Vorgeplänkel. Ich wollte nichts von ihrem Typen aus Paris wissen und wollte doch. Also erzählte sie nicht viel und wir sprachen wie immer über Wissenschaft, Kunst, unsere Projekte. Ich wusste, dass sie mich bei aller Wertschätzung nicht wollte, im Moment vielleicht nur, und dieses Bewusstsein war wie eine schwärende Wunde allzeit in mir. Deswegen hing so viel von meinem Verhalten ab. Die erste Chance bekam ich nachdem wir im Rhiz gewesen waren. Wir hatten angeregt geplaudert, das heisst, sie hatte mir viel erzählt und ich mein Wissen dann und wann eingestreut. Wie so oft wurde man an den Nachbartischen auf uns aufmerksam, auf mich, auf uns, beide spornten wir uns zur Dreistigkeit an. Ich kannte das, es war eine Mischung aus Neugier und Übelwollen. Dieses Auffallen konnte ich mir nie ganz erklären, es war als ob meine Ignoranz für die Umgebung, die aber auf meine Schüchternheit zurückzuführen war, ich konnte Unbekannten kaum in die Augen schauen, während ich mich an den Freunden sattsah, die Menschen aufregte. Dazu kamen die Themen, über die wir sprachen, immer über Kunst, Film, Philosophie. Als ich auch den Namen “Godard“ fallen lies, hörte ich undeutlich vom Nebentisch:

“Auch noch Godard ..“, es war beinahe eine Spur feindselig gesagt worden. Das alles verlieh mir einen gewissen Nimbus, der auf I anregend gewirkt hatte. Ich überhörte aber ihre Anspielung gänzlich, sie sagte, sie wolle ihrem Liebhaber eines auswischen, ihrem ehemaligen, ja ich missverstand sie. Sie wollte nicht erklären. Wenn ich so dumm war.

Schliesslich lud sie mich zu sich ein. Ich ging mit dem Bewusstsein hin, dass ich sie verführen wolle. Es war 22 Uhr, ein warmer Sommerabend und sie trug ein enges T-Shirt und ganz kurze, anliegende Sportshorts, was einen starken Eindruck auf mich machte, denn ihr Körper war, obwohl jugendlich schlank, beinahe schon zu weiblich gerundet. Ich hatte einen Kloss in der Kehle. Ich wusste, wenn sie auf dem Bauch lag, dann wölbte sich ihr Hintern in einer Weise hervor, die ich einmal im Scherz als obszön bezeichnet hatte. Und ihr Gesicht strahlte in diesem charakteristischen Glanz, der mir wie immer ganz unfassbar vorkam und den ich so liebte, ihre leicht geröteten Wangen sandten ein weisses weiches Licht aus. Ich wusste nicht woran das lag, aber ihre glatte Haut schien dann tatsächlich zu leuchten, sodass ihr ganzer Kopf strahlte, als ob er von einem Heiligenschein umgeben wäre. Ich hatte das bislang nur bei ihr bemerkt, oder so genau schauen können, aber vermutlich war es nichts weiter als die Energie ihrer Jugend. Ein gesundes, junges Mädchen voller Tatendrang. Wir strahlten uns bei der Begrüssung an. Aber schon meine erste Handlung besiegelte mein Schicksal. Begleitet von ihrem erstaunten Blick, der auf den Platz neben ihr wies, liess ich mich schwer in den Korbsessel vis-a-vis fallen. Wir tranken Wein, sie erzählte von den Buch und Wein Geschäft, wo sie ihn gekauft hatte. Ich bewundert ihre langen, eingezogenen Beine und kam mir wie ein Ehebrecher vor, weil der Anruf von V mich nicht loslies, Narr der ich war. Liebte ich denn I, fragte er sich. Einmal hatte er es getan, mit einer Intensität des Gefühls, die ihm damals neu gewesen war. Aber da war V. Warum nur war bei ihm Liebe und Sex so verbunden, dachte er. Wir wollen es doch beide. Ich begann im Stillen an ihr herumzukritteln. Was waren das für Linien auf ihrem Po? (Da waren aber keine, merkte ich wieder später) Wirkten ihre Füsse und Hände nicht ein wenig plump?

Es ist doch zum Heulen, dachte ich, ich will doch und schaffe es nicht mich aufzuraffen, es sich nur zwei Meter, die unsere Körper trennen. Dann riss es ihn, als sie lächelnd sagte: “Aber wer wird denn da heulen?“

Das war zuviel, ich konnte keine Gedankenübertragungen mehr verkraften. Denn meine Miene war gleichmütig gewesen, dessen war ich mir sicher. Oder hatte ich wirklich so jämmerlich dreingeschaut? Nun gut, vielleicht ein leichter Tränenansatz war sichtbar. Jetzt war ich endgültig erstarrt. Sie startete einen letzen schwachen Versuch und klagte über Schmerzen im rechten Bein, war es geschwollen, fragte sie mich. Ich machte nicht einmal mehr Anstalten aufzustehen, mich zu bücken um nachzusehen. Schliesslich schmiss sie mich raus. Recht geschah mir. Es war ein so vertrautes Gefühl es vermasselt zu haben, dass ich mich nicht einmal besonders bedauern konnte. Und da war noch was; Mein Wahn. Ich musste die Menschen fliehen, wenn sie scheinbar errieten war ich dachte. In diesem Zustand konnte ich mir körperliche Nähe schon gar nicht vorstellen. Obwohl wahrscheinlich genau das fehlte. Wie ging Castaneda: Die leutenden Energie- Eier der Menschen rollen sich, wenn zusammen, ein.

“Begreift er denn gar nichts?“ – hatte sie zum Schluss ausgerufen.

Doch, ich begriff einiges, dass sie mich nicht lieben wollte, dass sie sogar Angst davor hatte, vor Liebe überhaupt, dass sie etwas anders von ihm wollte, dass Sexualpartner für Menschen wie sie beide es waren nicht auf Bäumen wuchsen, Menschen, die bei aller Sinnlichkeit so intellektualisiert waren und so stolz, dass sie Gefahr liefen nie zu handeln und sich leicht lächerlich machten. Ich konnte mich ihr umso weniger nähern, je mehr die Koinzidenzen zunahmen, mein Wahn immer mehr Tribut von mir forderte. Doch während ich heimging begann gleichzeitig auch schon die Rationalisierungsmaschinerie anzulaufen: Es ist wegen V, beruhigte ich mich. Ausserdem liebt sie mich nicht. Was glaubt sie denn, in Paris zuerst den einen und dann hier mich. Und wen, wenn sie in ein paar Monaten wieder wegfährt? Ziemlich lächerlich, was ich dachte, immer das gleiche. Aber das alles verblasste hinter der Ahnung, dass mir gerade das fehlte, dass etwas vom alten Rein – Raus – Spiel, Burgess beflügelte meine Metaphern, am besten geeignet war, meinen Wahn zu mildern. Mit jemandem ins Bett zu gehen der noch lebte, nicht mit toten Dichtern. Mit diesem köstlichen Mädchen, dem ich so sehr glich, das den Kopf voller französischer Romane, wie Puschkin geurteilt hätte, und den Körper einer Göttin hatte, wie ich einmal bei Gelegenheit zu ihr gemeint hatte, - lang und ausgestreckt lag sie im orangeroten Halbdunkel, in meiner schmalen Nischen, wo ich sie auch verführt habe, dreht sich zu mir, und die so "flink und vorlaut war, und nach allem griff, immer in Gefahr, sich die Finger zu verbrennen" (cit verloren). Vorwärts Juliette, noch eine Anstrengung mehr! (Sade, abgewandelt) Ich brachte es nicht bis zur Rage. Zorn war der Bruder der Wehmut.

Das Leben ging unterdessen weiter und ich stand vor der Aufgabe, mich ins Haus zu stehlen, ohne meinen Nachbarn zuviel von meinen Gedanken zu verraten. Der Weg zurück runter, eine lange Gerade sich der Stadt nährend, der Bimweg. “Sum sum, di dum, um hum, jum“, summte ich deswegen leise vor mich hin. Kranke Gedanken nicht fortzuführen war die Heilung. Ich zog schliesslich eine saubere Fluchtlinie die Treppe hinauf. Endlich wieder allein. Ich rekapitulierte. In meiner Panik hatte er ihr sogar aus dem Pessoa, den ich ihr geborgt hatte, vorgelesen, von der unbedingten Rücksichtnahme, dem Respekt gegenüber anderen und lauter weitere Unpassentheiten die ich zufällig fand. Nein, ich war kein Fernando Pessoa, der lissaboner Hilfsbuchhalter, der vor lauter Kummer über sein “Gesichtchen“ und über die Welt sich im Leben nie eine Frau angelacht hatte. Ich war vielmehr stolz auf meine Männlichkeit und eitel. Und eine leicht wahnsinniges Muttersöhnchen.

Weitere Reflexionen

 

Es kam mir immer mehr vor, als ob mein Leben nicht mehr mir gehörte. Die Leute machten damit was sie wollten und wenn ich es genau bedachte, war das im Grunde eine universale Wahrheit. Drückt jemand auf den berühmten roten Knopf, verglühen die Unschuldigen im Ascheregen. Mischt jemand Kühlflüssigkeit in den Wein den sie tranken, verenden sie qualvoll. Kalkulierbares Risiko, das stimmte! Aber wenn sie bis in meinen Kopf eindrangen, mir die Flügel meiner ganz privaten Gedanken stutzen konnten? Dann blieb nur noch das Irrenhaus. Es war das ein ungesunder Gedanke. Ich brauchte mehr Disziplin, mehr Aufmerksamkeit. Vielleicht sollte ich wieder zum Meditieren anfangen? Vielleicht sollte ich eine gemeinsame Praxis üben? Eine Zen-Geschichte fiel mir ein.

 

Geschichte

 

Ein Mönch verliess nach vielen Jahren das Kloster, in welches er als Junge eingewiesen worden war, weil er keine Fortschritte machte. Er stolperte in der unbekannten Stadt direkt ins Rotlichtviertel und wurde von einer Prostituierten verführt. Und auf dem Höhepunkt erlebte er endlich die solange vergebens ersehnte sogenannte Erleuchtungserfahrung.

Diese Geschichte hatte ich vor längerer Zeit gelesen. Auch so was stand in der Zenliteratur. Der Mönch gründete eine Schule, die den Koitus zur Methode machte und hatte viele Schülerinnen. Es war vielleicht dumm, auf so etwas Vagem wie Sex zu bauen. Die 60er Jahre hatten es versucht. Allerdings kann es diese Sekte noch geben. (Verstoss a 2?)

 

Zwei Erklärungen

 

Mein Wahn erschreckte mich nicht an und für sich. Ich hätte mich mit einer Welt, in der Telepathie und Mystik Realität und anerkannt waren, leicht abfinden können. Vielleicht wünschte ich sie sogar und das war der geheime Grund für meine Verwirrung. Aber diese Erklärung war zu einfach.

Was mich wirklich verstörte war seine Rolle in einer solchen Welt. Es war alles zu sehr auf mich bezogen, oder vielmehr, ich bezog alles zu sehr auf mich. Das war das krankhafte daran und es missfiel mir. Aber man konnte die Koinzidenzen, die Simultanitäten, wie C.G. Jung es genannt hatte, auch anders betrachten.

1.

Liesse man die Welt wie sie war und einen Glauben an gewisse Praktiken die, sagen wir einmal, den Herz-Geist-Körper als Anwendungsgebiet hatten, wie etwa Meditation oder die Kampfkünste gelten, entschied man sich mit einem Wort für ein magisches Universum dann konnte man sich durchaus damit versöhnen, ja man konnte darin agieren.

2.

Als zweite Möglichkeit konnte man ohne weiters auch dem sozialen Leben allein in seinen tatsächlich Gegebenheiten eine dermassen feine Ausformung zugestehen, dass Stimmungen argumentierbar werden die es ermöglichen, gewisse Situationen vorauszuahnen und Menschen manchmal zu durchschauen, weil eben Stimmungen und Ereignisse die Eigenschaft haben sich zu zeigen, in der Luft zu liegen, dazumal die Möglichkeiten und Kombinationen begrenzt waren, es war das alles nicht so viel, nicht so schwierig, so neu.

Diese zweite Betrachtungsweise war höchst einfach und tatsächlich für viele Situationen auch wahr. Ich erlebte oft, wie ich allein durch das aufmerksame Zuhören erriet, was mein Gesprächspartner sagen würde. Doch war es immer so? Dann waren die Koinzidenzen lediglich Ausdruck eines Zusammentreffens von einigen möglichen Elementen und vorhersehbar. Wenn man jemanden beleidigte, dann war dieser Jemand zornig. Oder? In der Weise würde man sich lediglich vorstellen, was sowieso drauf und dran war zu passieren, oder was zumindest denkbar war. Und da die gesellschaftliche Sphäre nicht nur ausdrucksstark und äusserst verfeinert, sondern selbstverständlich auch sehr wirkungsvoll war, hatte ich eben auch im üblichen Reigen der Menschen mitgespielt. Ein Gesicht wie eine Landschaft, beides beeindruckte mich tief. Ich hatte mich nur ungewöhnlich stark konzentriert und so war mir, als ob viel mehr Eindrücke auf mich einprallten, viel mehr Gedanken, obwohl ihre Anzahl objektiv gleichgeblieben war. Ich beobachtete um so schärfer, als ich meine gewöhnlichen Ängste und Sorgen abgestellt hatte, ich geradezu ernüchtert geworden war. Ich lebte nicht wie im Dauerrausch eines Süchtigen unablässig die Sorge um das Selbst. Der erste Feind, die Angst war gestellt, aber nicht besiegt. Ich stand ihr Aug in Aug gegenüber und lernte ihre Schwächen und Stärken kennen, während wir uns gegenseitig umkreisten. Die Angst war sozusagen keine vage Nebelwand mehr, die ungreifbar, überall war. Was man kannte, damit konnte man versuchen umzugehen. Oder davor weglaufen, in die Gegenrichtung, sich auf den Atem konzentrieren, und (oder oder) erkennen, dass es gar keinen Feind gab, oder erklärbar, wenn nicht erlebt. So hoffte ich jedenfalls. Vielen, die verrückt waren oder wurden, musste es so ergehen. Irgendetwas hatte sie konzentriert, sie von den angelernten Pflichten und Sorgen weggehoben und sie der Angst gegenübergestellt. Wie sollten sie damit umgehen, allein? Ich kannte erstaunliche Berichte von Schizophrenen, zu denen der einzige Zugang einzig und allein über das langwierige Begreifen und Nachvollziehen ihres speziellen Zustands führte. Doch ich wusste auch, dass insgeheim alle ein Ressentiment gegen die Verrückten pflegten. Es war doch ohnehin schwierig genug sich durchzuschlagen, niemand war gefeit gegen die Morbitäten des Lebens. Warum sollten sich gerade die Verrückten davonstehlen können?

 

Die Kühe

 

Und das nächste seltsame Ereignis lies nicht lange auf sich warten, doch diesmal hatte es nicht mit Menschen zu tun.

Er war bei seinem spirituellen Freund zu Besuch, um ein Wochenend – Retreat zu machen. Es war an der Zeit weiterzumachen, wo er bei Meditieren aufgehört hatte. Er konnte auf seinen Wahn nicht ewig Rücksicht nehmen, und vielleicht half es ihm ja im Gegenteil dabei, wieder normaler, ruhiger, weniger exaltiert, zu werden.

H hatte am Land ein Haus, seine Eltern wohnten dort, und es war ein magischer Ort. Wenn man spazieren ging folgten einem die Hauskatzen, und weiter oben beim Wald gab es einen zeitlosen Platz, von dem man kein Zeichen der Zivilisation sehen konnte, sondern von Natur umgeben war, Heiden, Wälder, Berge, Himmel.

Gleich nach seiner Ankunft traten sie den traditionellen Spaziergang zu diesem Wald an. Noch vor dem Haus weideten träge rund ein Duzend Kühe, sie standen ihnen beiden mitten im Weganfang, kaum aus der Tür getreten. Er bekam so grosse Tiere selten zu Gesicht, als Kind hatte er regelrecht Angst vor Kühen, und absichtlich ignorierte er sie, diese Wiederkäuer, er tat es tatsächlich aus einer spielerischen Bosheit ihnen gegenüber, die ihn so offen anstarrten, als sie beide sich ihnen nährten. Er tat einfach wie gegenüber allem Ungewohnten: Er übersah es. Der Effekt lies nicht lange auf sich warten. Aus heiteren Himmel begannen sie allesamt, gleichzeitig zu muhen. Als ob sie über sein Verhalten bestürzt wären - Nein, aufgebracht über diese doch so seltene, sich in versäumniss befindliche Gelegeheit, die Fauna in ihrer Gestalt zu ehren.

Es war ein wirklich schöner Tag und wie es am Lande die meiste Zeit ist, seht still. Nur die neu gebaute Autobahn summte und flimmerte, ein dünner, vielfarbiger unscharfer Schnitt in die Landschaft weit weg, am Bergsaum, aber die hatten wir im Rücken. Und dieses aus zirca ein Duzend Kehlen in diese Stille hereingebrochenes Signal war immens laut, ähnlich wie ein Nebelhorn klang dicht neben einer verschlafenen Hafenstadt. Es brachte ihn ein wenig aus der Fassung. Er zweifelte keinen Augenblick, d.h. nachdem er noch einmal geguckt hatte, ja, sie schauten ihn, den Fremden unverwandt an, folgten ihm mit dem Blick, dass sie über ihn so aufgebracht waren, eindringlich schauten sie mich alle an, ohne Ausnahme, nur Helm kümmert sich nicht weiter darum, es waren schliesslich die Hauskühe, mal im Freien. Eine ganze Sippe und der Eindringling. Doch wirkte auch der Teemeister irritiert. Es war eines dieser Zeichen, die zum Denken anregten, tatsächlich ein Schock. Er musste was unternehmen. Und so wandte er sich um, sie waren mittlerweile knapp an den Kühen vorbeigegangen, es war wie ein mehrreihiges Spalier, sie hielten untereinander gleichen Abstand und wirkten wie ein durchlässiger Quader, wohlgeordnet, wie zum abholen bereit, und er grinste sie also freundlich an, winkte doch tatsächlich mit der Rechten hoch über dem Kopf, ihnen zurufend: “Ja Hallo! Ist schon gut, sevus, wie geht´s denn?“. Tatsächlich beruhigten sie sich auf der Stelle; Ein seltener Erfolg. Wir sprachen nicht weiter darüber, die Situation war offensichtlich absurd gewesen. Ereignisse dieser Art waren so unglaublich und dabei so unnütz, als ob seine Wirkkraft in der Welt, wenn es eine solche gab, flüchtig wie Alkohol war, gänzlich untauglich, in harte Münze geschlagen zu werden. Eine Gunst der Stunde, ein unnachahmlicher Augenblick, in dem er fühlte, dass die Sprache unvermögend ist solche Ereignisse zu fassen, auch im Nachhinein, in vijana, der Reflexion, dass das was ihn so oft unerwartet traf nicht in die gebräuchlichen Aussagegefüge passte weil es irrelevant war und zu singulär, um es zu verallgemeinern, sicherlich gab es einen Mangel an passenden Begriffen. Deswegen gab es ja so viel Text. Alles musste, im Detail, immer und immer wieder besprochen werden, wer konnte wissen, wann welcher Punkt gerade benötigt wird. Ich war mit Stummheit geschlagen und das war gut so, denn ich musste damit alleine fertig werden. Seine Freunde durften nicht anfangen, ihn für einen Verrückten zu halten, ich hatte ohnedies die Genugtuung, dass sie oft Zeugen der Koinzidenzen und dadurch gleichzeitig heimliche Mitverschwörer wurden. (Achtung, häufiger Verstoss gegen Autoeulogism R 1: nicht - Er - Form)

 

Epilog

 

Ich wollte mein ganzes Leben, dass man meine Gedanke lese damit ich nicht Sprechen müsse, jetzt da das Werk am Rollen ist, widert es mich an. Das Kafkabuch (literature mineure, D/G): Distanznähe - Nähe-Distanz : Proust - Kafka. Deleuze (Pour une littuerature mineure) so schön und Slotti legt mir wahrhaft die wuchteln auf. Überhaupt gibt es viele Wege für liebe, Slottis, Deleuzes, jenseits der Altspatzen, auch Wittgensteins, Einsteins, Adornos.

 

Aber wissenschaftlichen Lektionen bis dahin hatte ich auch viel genossen. Es war mit mir immer, wie gesagt, als ob man sich die Gesellschaft gemeint hätte ich bin sowieso verbranntes Fleisch, also arbeite für uns und bekomm eine Chance. Ich hatte kein Vatergesetz weiterzutragen, es herrschte, wenn auch kalter, Frieden in meiner Kindheit, Kriegsdienste waren also nicht gefragt, und so war ich frei ein Experiment aufgetragen zu bekommen, alles anders weiterzufangen. Wir opferten meine Kindheit, die Jugend, mit ungewissem Erfolg. Die Jahre zogen dahin. Ich notierte mir meine Lektionen:

 

Was bisher geschah:

 

winter 1995

Janus registers with the help of senior student andy, an old friend from school. philosophy and history seem not to be a mystery. learning about Kant, old greeks and even older babylonians.

summer 1996

attending first proseminar (Lektor Reitter - very funny guy, getting known to Elias Canetti, a deep thinker born in the habsburgian empire. He wrote *Crowds and Power* after WWII. falling in love with this book and referring about the first 100 pages
Winter 1996/97

Feeling like Turing because of a right guess during a modal logic introduction: there are links between human intelligence and computer capabilities! Introduced to by prof. Kampits, not very impressive. Still no interests in reading primary literature, instead carthographing the corpus hermeticum of his girlfriend.

summer 1997

Student riots (no casualties) and hopeless intervention from the base of the system shorten this period, most professors do passiv collaboration with the state, wishing the extraordinary high student rate to diminish. boryz isn´t impressed by the rumours, still he wishes luck to the young Lektors and students fighting the Leviathan. far more impressive is Wittgenstein, who gave a shit about worldly affairs. Trying to get fit in analytic philosophy, he writes a Proseminar- work about the famous

 

Winter 1997/98

 

Gedanken zur franzoesischen Revolution, geäußert von Gelehrten der damaligen Zeit (Arbeit fürs Proseminar Geschichte NZ bei Prof. M. Klemun ).

Sommersemester 1998

bei prof. zu besuch:

 

Ein kurzer Beitrag zur Diskussion, inwiefern Menschen mit Computern kommunizieren

 

Fortsetzung der Gedanken: Anregung, Interaktion in virtuellen Welten zu denken.

Summer 1999

Learning about , an intellectual spy in the duty of his majesty Queen Elisabeth I (prof. Heinrich , another panther modern).


Danach besuchte ich die Uni nicht mehr fulltime.

 

August. 1999

 

Es ist närrisch zu glauben, die Befriedung der Erde führe zu keiner Veränderung im Denkverhalten. Ja, es ist ganz anders, wenn zumindest potentiell *bekannt* ist. (Auf dem Erdrund)

 

Wann die Einsamkeit verlassen müssen? Wann zurück auf die Strasse, zu den Menschenjägern, den Blade Hunters? Ja, endlich allein, Baudelaire und Henry Miller sei Dank, dass ich mich deswegen nicht verstecken muss, ihrer Lobsehymnen auf die Eisamkeit wegen. Die Sucht nach Einsamkeit in der sinniert werden kann, Pläne für die nächste Zukunft und Studien betrieben werden können. Wo könnte sich ein Computer, das angemessenste Werkzeug, zumindest für theoretische Studien, besser machen?

Neal Stephenson sah 1991 das *Metaverse* via Glasfaser übertragen, da über Funkwellen die Bandbreiten nicht erreicht werden. Heute ist zumindest ein Funksystem geplant, das breit genug für Life-Video ist, angeblich. Ein weiterer Beitrag zur Bedeutung des Telephons: Zunächst der Kabelsalat, dann die Zelle.

 

Weiter UNI

 

Meine Lehrzeit am Musterflügel rechts mitte war jedenfalls endgültig vorbei, als mein Senior aafoch die Diplomprüfung summa cum laude bestand, er hatte über Levinas, den Konkurrenten Heideggers und Mentor Derridas geschrieben, jetzt war ich auf mich allein gestellt, zumindest auf der Geschichte bin ich schon mehrmals aus dem rechten Rahmen geflogen, ich genoss sie alle, und spätestens auf der Soziologie spielte ich mich nur noch, meist durch Ausrufe, sofern vorhanden, mit den beiden Flügeln, die ja ah so politisch sind. (Ich sitze links mitte, in Geschichtevorlesung, über Kinderarbeit in der Neuzeit, kommt eine Sozi auf Gastvortrag, von der gerade vortagenden ähm-Prof. eingeladen, diese strahlt über meine Aussage, ich repetiere lediglich eine Lektion aus einer benachbarten Fakultät: Nu gut, dann gibs halt ein Arbeitslosenproblem Also warum benenn ma sie nicht um, die Arbeitslosen, in ..." - Ich wiederhole das gelernte Wort, wahrscheinlich aus den Luhmannlektionen. Uff, wie langweilig. Der Prof. verdanke ich den Oblomov von Gontscharow den ich da hüte, muss mal rinschaun, in die Geschichte vom Faulpelz, doch einem melancholischen, das schreckt mich und verdirbt die Freude darauf.

 

Bum bum Bum. Solange die Schriftgelaarten immer noch in den Klassenzimmern, in den Saloons, in den Zeitungen, in den Büchern herrschten (Das 20 Jh. dauerte bis 1918, das französische Mittelalter bis 1789, unsere Persönlichkeitstruktur datiert von 1794/1, wie Slotterdijk scherzt, Fichte und Mozart Requiem), da war die Welt des Krieges allemal in Ordnung, unter dieser letztlich monochromen Zylinder -Partie, Büttel der Macht, der Macht hinterher, speichelleckerisch, der Erziehung, dem Staat, den alten Gefügen der Macht, diesem ersten und beinahe einzigem Herrschaftsinstrument, sozialem Kommunikationsmittel, bis zu den Kriegen hat sich das gehalten, man siehe die dadurch zu Tode gekommene Virginia Woolf, ihre zarten Pastelltöne in dieser Freundesaga, Die Wellen, das mit dem irren Sonnenaufgang am Meer beginnt.

Der Aufstieg der zweiten, der neuen Geldmacht vollzog sich nach diversen politischen Revolutionen erst allmählig, wir leben in der Morgenröte der aufgehenden Kraft des zweiten Mittels, des Geldes als universal kommunizierbares Massenmedium, nach denen die Uhren unserer sozialen Systeme, mittlerweile auch der politischen, ticken und sind des Gelds doch schon dermassen müde, wenn wir die unaufhaltsame Zerstörung der Lebensgrundlage aller Wesen ins Visier fassen, der Ohnmacht des Geldes, keine anderen neuen Mittel als nur schreierische Farbmittel, ästhetische Designkulinaria und einen Tabubruch nach dem nächsten in Anschlag zu bringen, ins Gesicht blicken, dass wir entweder schreien: Aus!, Zurück!, zum alten Morden und Machthaben!, - oder aber verzweifelt wie Wiesel herumspringen im Bemühen all diese civilen Errungenschaften die sich eingeschlichen haben um den neuen Härten des Geldes zu begegnen, Selbsthilfegruppen, Grüne Stückchen Friedensrufer, NGOs, UNOs, den Klubs, der Musikszene, den Irren und Sexbesessenen, den Fressern und Couchpotatoes die Hände zu reichen, sie zu verknüpfen und auszudehnen und ihnen eine neue, wissendere Sprache zu schaffen, Citizen Kane ist der cineastische Ausbruch aus dem tollen Aktionskino zur Zeitreflexion hin sagt Deleuze, Marktschreier des Wissen, der dritten Kraft, verkaufen wir das Gegenwissen häppchenweise wie Polemiker, Sophisten, Kyniker, Dadaisten, überfluten die kargen Leeren versteinerter Intenstäten, erstarrt vor lauter Kriegs- und Lustgreuel, mit Wortschwällen, geballten Subwoofer - Fanfaren und Tonnen und Hektoliter Farbe, auf die Kleidung, auf die Haut, auf Innen und Aussen des Raums, auf Lippen, Geschlechter, Haare, Augen, Zähne, mit Ketten, Leder, Ringen, Zwei und Vierrädern. Stechen, kratzen, drucken, tippen, schürfen, schlingern, schlingen, berauschen, an irren Geschwindigkeiten, nein die sind nicht direkt schädlich, am Drönen im Kopf, in der Disco, in den Lautsprechern vor, auf den Ohren, stecken uns Vibratoren rein, für Geil, fürs Herz, strecken uns auf Vibrierenden Sesselhunden aus, schlucken alle Medizin aus Gottes Apotheke zum Frühstück und lassen an uns wie in der Gerberei herumschnippseln, walken, färben, tönen und liften. Springen von hoch, von sehr hoch, fliegen hoch, und runter, lautlos oder leise, laut, zu Wasser und zu Lande, Rauschkinder. Nur an der Sprache gebrichts, mit Trotz allein retten wir vor den Mund Geschlagenenen unsere Intensitäten in dem wir sie aggressiv verteidigen, den Alten trotzen, mit ihrer alten Humbugsprache der Dualitäten, gut schlecht, böse, verklemmt, süchtig, verwahrlost, für nichts was uns interessiert haben die Eltern nur einen Funken Konzept, sie kennen nur entweder die 60er Jahre oder die Konservative ablehnung der Verschleuderung, und wir sind unter der Bedrohung der Atombomben aufgewachsen und nicht erst reingewachsen wie unsere Eltern, zu unserer Kindheit ist die Atombombe schon Realität auch in der Schule, im mainstream - Diskurs, wir scheissen drauf, wir scheissen auf die Alten Wörter die sich unter dieser Knute krümmen wie ohnmächtige Büttel, aber locker, wie Beckett, auf Biegen und Brechen. Direct von der Macht zum Wissen, unter Umgehung des Geldes, vielleicht will man das zu unrecht? (verstoss a 1 u. 2)

So war ich, wenn ich es aussprechen, ja denken konnte. Aber ich handelte Blind. obwohl ich noch längst meinem Gespühr nicht traute, und so verliess ich mich auf die Langweile, einzige Konstante einer aufregenden Welt, die Mädchen strahlten und Strahlten, ein anderes Strahlen als meine altemverschlagenden Flammenhandlungen, wie ein Buschbrand loderte ich im Irgendwo auf und verzehrte rasch das trockene Reisig und Steppengras.

 

 

H - GEIL

I lernte ich weniger kennen, wir stolperten vielmehr aufeinander, und mussten noch einige male zufallig aneinander geraten bis wir bereit waren dem Zufall der uns bunt durcheinandergewürfelt hatte stattzugeben. Schliesslich begannen wlr einen e-Briefverkehr.

Das erste Mal trafen wir uns bei einem Filmfestival, es lief Film um Film, es war stockdunkel und Matti und ich hatten uns gute Plätze ln dem kleinen Saal gesichert, in der Mitte, nahe am Eingang, gemütlich mit ana tschick. Sie war wegen 'Das Fest des Huhns' gekommen, sie ist auf dem AA-Institut, Afrika-Asien, Doppelkontinent, ich kannte den Film schon aus dem Fernsehen, schön, Soziologie, eine langweilige Reise durch Bayern, stylisch-schwarzafrikanisch in Einbäumen, Gegen-Ethnologie, Gegenwissen, und sie stand, verfrüht, mit ihrer Freundin knapp neben meinem Knie, und alles was ich von ihr mitbekam war ihre Stimme, mit der sie von oben die Sitzsituation laut, sie sprach oft laut und offen unter Fremden, einschätzte, verfluchte, es gab nämlich keine Sitzplätze mehr. Mir gefiel ihre Stimme anscheinand sehr, und gewahr, dass wir uns ziemlich auf der vielleicht doch genug geräumigen Couch ausgestreckt hatten rückten wir ein wenig zusammen und ich bat sie und ihre Freundin, doch Platz zu nehmen. Wir tratschten ziemlich ausgelassen, zumindest dafür, dass wir uns noch nicht einmal gesehen hatten. Sie sprach viel und ich fühlte mich unter dem Geplätscher ihrer Stimme sehr wohl, klug und verständig war es, und in einem irren Tempo hechelten wir diverse Themen durch.

In einer Pause begegne ich den Beiden an der damaligen Kinotheke, uh, hoffentlich ist es die Schönere. Sie ist es, aber wie gross sie ist, überragt mich doch glatt um einige Zentimeter. Schon allein dieser Fakt wird unser Verhältnis ziemlich trüben, kommt zu den ganzen Ansprüchen die sie sowieso schon hat dazu. Mit Matti will ich aber noch ins Flex, spreche davon, vielleicht später zurückzukommen, es wird aber nichts daraus. So endet der erste Tag unserer Bekanntschaft.

Wir treffen uns wieder weil wir beide die Unigegend unsicher machen, immer bei der Universität, in der U2 tauschen wir Adressen aus. Sehr jung ist sie und dauernd am beschweren. Irgendwann geht sie dann nach Paris, ein wenig bedauere ich schon, mich noch immer nicht mit ihr eingelassen zu haben, sie schimpft so über die Männer, über ihre Freundinnen, Familie, Frankreich wird ihr gut tun. Wir sehen uns zwar nicht besonders oft, führen aber einen angeregten und interessanten Briefverkehr. Während der Unruhen, welche Demonstrationen waren das, studentische, oder wegen Schwarz-Blau, demonstrieren wir mit halben Herzen mit, treffen uns ab und zu.

Jahre später kommt sie zurück. Noch immer beschwert sie sich über die Männer, obwohl sie mit einem Pseudokünstler aus einem besetzten Haus was hat, einem Schwarzen, die Weissen hat sie zu der Zeit wie aufgegeben. Einmal, ich erinnere mich genau an ihre Empörung, sie war gerade im Krankenhaus für die Pille danach, sage ich ihr auf den Kopf zu, dass sie selbst schuld ist, wenn sie irgendwelche Trottel ranlässt. Wie sagte sie: Er schaute nur auf sich. - Mittlerweile liebe ich sie schon ein wenig, eine lange Zeit kennen wir uns nun. Sie hat Freundschaft mit einem Homopärchen geschlossen, redet darüber, dass es unter Schwulen keine Treue gibt.

Nachdem wir im DeFrance Amores Perros angeschaut haben, sie will mit mir über die Ästhetik der Kameraführung sprechen, ich habe nur einen Kopf für den Inhalt des Filmes, wir sprechen darüber im Blauen, küsse ich sie also auf der kleinen Strassenwiese, während wir am Schottentor auf ihre Bim warten. Ich weiss nicht genau warum, ausser dass ich ein bisschen verliebt bin, ich will mir die entgangene Chance nicht noch einmal entgehen lassen. Sie reagiert sehr zurückhaltend, und ihre Bim kommt gleich darauf.

Per email klären wir die Lage, sie: Ich bin nicht verliebt (Wann war sie es mal?) - Ich: Ich weiss, schnüff,deswegen musste ich ein wenig weinen. - Nichts bleibt mir erspart, selbst auf die enorme Länge ihres Liebhabers, typisch!, weisst sie mich hin.

Einen der nächsten Tage zeige ich ihr einen Film den ich gemacht habe, da einmal ist sie von etwas von mir offen begeistert. Wir sitzen auf der Matratze, die in der Schranknische mein Bett mimt, denn ich benutze einen kleinen Sony-Monitor der dort steht als Videoscreen. Wie sie da, einige Zentimeter entfernt von mir aufgestützt mit dem Arm halb liegend dasitzt kommt sie mir begehrenswerter denn je vor. Ich beuge mich zu ihr und küsse sie, es funktioniert, meine Hartnäkigkeit macht sich bezahlt, trotz ihrer Zurückweisung mache ich es, sie hat mich ja auch breit und erwartend, lasziv beinahe, angestrahlt. Ich beginne sie auszuziehen, endlich, endlich nach alle den Jahren. - Ich habe die Regel, stört dich Blut?, fragt sie. Ich verneine. - Na gut, dann warte, ich gehe nur kurz zum Lavour. - Hm, ok, mir solls recht sein, mittlerweile hat sie nur noch einen schwarzen Spitzenslip an, auch den BH hab ich ihr ausgezogen glaub ich, ihre Brüste sind sehr voll, genauso wie sie unter dem Hemd ausgeschaut haben, solche Wunder habe ich live noch nicht erlebt. Überhaupt prallen ihre Kurven in einer Weise die so stark mit ihrer hohen schlanken Gestalt kontrastiert, dass einem schwindeln will. Sie geht rüber, ich bleibe und frage mich, wie das Blut wohl aussieht. Sie kommt nackt zurück, den Slip muss die liegengelassen haben, dunkel glänzt ihr Busch im Dämmerlicht als sie auf mich zutritt. So schnell will sie also zur Sache, warum nicht, kennt anscheinend nicht viel, aber wir sind immerhin schon eine Ewigkeit im Rückstand mit dem Ganzen. Ich bin enttäuscht, da ist gar kein Blut, nicht einmal ein Tampon zum rausziehen, gänzlich trocken ist sie. Und ich werde nicht besonders geil, frage sie tatsächlich zunächst einmal lang und breit, ob sie eh vorsichtig war, in Paris, während sie vor mir ausgestreckt lehnt, ich betrachte ihre Beine die zu mir weisen, dunkel zeichnet sich ihre Spalte ab, - du weisst, Aids und so. - Nun gut, sie ist gerade unfruchtbar, an Aids glaube ich sowieso nicht ganz, aber trotzdem, Ich habe Angst, vor allem, sie zu schwängern. Wir probieren uns also nach der ganzen Abgeilung wieder auf einander einzustimmen. Sie pickt zusammen wie einzelne Baklava-Teigschichten, ich bringe ihn fast gar nicht hoch, und beinahe gar nicht rein, kaum angekommen schrumpt es noch weiter zusammen. - So wollt ich das nicht, - sage ich. Sie: Ich auch nicht, - wir lassen es sein.

Schon am nächsten Tag kann ich mir per email ihr Gemecker anhören, sie hat mit ihren Freundinnen darüber gesprochen, eine hat gesagt, ich kenne sie vom Sehen, süss, aus der "Und Dann?" - Partie, metaphysische Lesbe: Wenn er nicht kann dann bringt er´s nicht. - I lädt mich ein, mit ihren Freundinnen am Abend ins Otto-Wagner zu gehen? Na klar, gemma. - Derweil bin ich bei h.c. aafoch und wir sind schon ziemlich betrunken, während wir bei diversen Thomas Bernhard "Scherzhard" Interviews vor Lachen schon fast schreien, auch hier wie jedes Mal. Aafoch macht Pernhard einfach genial nach. Ich rede auf ihn ein, bis er mitgeht, so viele Mädchen und nur ich, ich schaudere. Irgendwie schaffen wir es dort hin, bald kommen das Mädchenrudel aus den Vorstädten und nachdem wir uns gesetzt haben mustere ich sie mit dem Bewusstsein, ein wenig kenne ich sie ja schon, dass I ihnen alles, d.h. eigentlich recht wenig, aber brühwarm erzählt hat. Ich amüsiere mich prächtig, nur Aafoch bleibt sehr zurückgezogen, ich spiele ein wenig Amor und will ihn gleich mit einer süssen, ins feiste neigenden Person aus unserer Runde warm machen. Empört winkt er ab. Ich bin ein wenig enttäuscht, er ist von uns allen am wenigsten lustig, wir beide trinken aber weiter fleissig, er geht, irgendwann sind alle gegangen, gelangweilt haben sie sich auch, und ich torkle mit der voll bei Bewusstsein gebliebenen, gereizten I ins Kunsthallencafe, tanzen kann ich in dem Zustand schon gar, selbst wenn ich es gekonnt und gewollt hätte. In dieser Nacht verliere ich meine von ihr sehr kritisierte, Blicke, Bemerkungen?, <Bubble Gum> Kappe, auch wenn sie um mich zu trösten aus der Arbeit eine madige Klangbogen- Werbekappe mitbringt, leider ist der Schnitt mehr als schlecht, es hat grössere Ähnlichkeit mit den lustigen kleinen Papst,Kardinal, oder Judenkäppis als mit einer Ausgewachsenen Schirmkappe. Ich kaufe Kondome ein.

An einem der nächsten Abende ist sie wieder bei mir. Etwas langsamer als letztes Mal gehen wir es an, sie hat keine Regel mehr, ich bin geil. Sehr sehr bald nach dem Eindringen komme ich auch schon geräuschvoll, sie: Aha! - Sie ist schliesslich auch Hobbysoziologin. Wie lange war ich nicht mehr in einer Frau, ich fühle mich gar nicht verstört, irgendwie war es unvermeidlich, ich erinnere mich an diesen kleinen bescheidenen Film, in dem der Mafiaknacki von seinem Boss diese süsse Schlampe zum Spielen geschenkt bekommt, gespielt von einer jungen sehr aufreizend angezogenen Michelle Pfeiffer, und als er sich endlich überwindet passiert ihm das gleiche wie mir gerade, dann erzählt er, wie sie im Gefängniss gelernt haben lautlos zu kommen, darin war ich in meiner Jugend auch Experte, so habe ich es anfänglich gelernt. Die Rolle von De Niro ist beinahe die Proto - Szene zu seiner Rolle in Jackie Brown, der Raubeinige Stil, auch ein Ex-Häftling.

Wir liegen unterdessen entspannt nebeneinander, I ist ein wenig unzufrieden, ich entschuldige mich für diese Kunstpause, sie schnippst meinen kleinen Schwanz von der einen Seite zur anderen, schulterzucken, doch sie weiss mittlerweile was sie zu erwarten hat, mehrer Male sind wir bis dato schon gekommen, auf die eine oder andere Weise stimuliert, zusammen, als wir lediglich unsere Körper aneinander rieben. Wir verstehen uns sehr gut, unsere Körper passen perfekt und ich staune beinahe über die Mühelosigkeit ihrer Geilheit. Unvorstellbar, dass sie so auf die Männer schimpft, Trottel, alle. Einmal spreizte ich spielerisch die Beine, während ich sie sich auf mich ziehe, und während sie sich an mir mit fast geschlossenen Beinen reibt, flüstere ich ihr zu: Fick mich ,mein Bürschchen - es ist ein kleiner spontaner Scherz, mir gefällt er sehr, wie oft klagt sie darüber, dass man sie mit einem Jungen verwechsle, vor allem die Omas im Theater, aber das kann ja nur von ihren kurzen Haaren herrühren, das Abspreizen der Beine ist ganz schön mühsam, ungewohnt und sie sagt: Siehst du. - schaut aber trotzdem leicht böse auf mich herab. Als ich mich das erste mal behutsam in ihren Schoss getastet habe und sie koste, stöhnt sie auf noch bevor ich sie benetzt habe, nicht vor Erregung sondern vor der Überschreitung, klar, bin eben ein versauter weisser Junge, wie muss das literarisch den Schwarzen Stängeln wehtun, jedenfalls bin ich diesem Erstaunen, der dem atmenraubendem Effekt einer oralen Überschreitung folgt, Tabubruch, trotzdem, oder besser Intimbruch, öfters begegnet, wie lustig, immer das gleiche, musste ich lachen. Aber bei ihr ist es was anderes: Wie hat sie vor mir, vor langem, nach dem Frauenarzt geflunkert: Hypertroph. - Jetzt sehe ich und verstehe, beinahe keuche ich auch, diese Grösse, es erinnert mich an die Tigerin, aus Emanuelle, der Säugerin.

In der Früh rauche ich erstmal einen, sie steht mal wieder bei meinem Bücherregal am Matratzenende, ich glaube das Sortiment hat sie irgendwann endgültig von einer gewissen Würde an mir überzeugt. Sie versöhnt sich in dieser Zeit gerade mit ihrem Vater, dem Weichei, schenkt ihm meine kleinen Brechtgeschichten, hab sie doppelt, und bringt mir diesen wundervollen Handke im Austausch, Kinderbuch, Lucie im Wald mit den Dingsda... Ich umarme sie rauchend, leicht wiegen wir uns zum hiphop, ich singe ihr ins Ohr, - Hey, du kannst es ja auswendig, - bewundert, ich wehre ab, - ach, höre schon seit meiner Jugend, streife erst mir die Unterhosen ab, doing, dann ihr, heiss, und sie lehnt sich dann, Füsse auf der Matratze, gegen die Hinterwand des Kastens, der die Schlafnische bildet, mich an der Hand hinter ihr herziehend, anscheinend will sie mir eine gewisse Variation bieten, damit es endlich richtig klappt, vielleicht auch einfach nur aus Lust am Experiment. Als ich mir das Kondom überstreifen will droht meine Geilheit wieder zu verschwinden, wie eine Mutter zu ihrem Kind, mit spitzem Mund macht sie ihren Befürchtungen Luft: Aaber wer wird denn.. - Pscht, mache ich, presse mich an sie küssend wärmen wir uns auf, ep, dringe ein, wie mühsam das im Stehen ist, ich stöhne und ziehe sie aufs Bett. Perfekte Melange, Engelssex, nach ein wenig versuchen haben wir den Dreh schnell draussen, es ist teilweise unglaublich, wie sie sich gehen lassen kann, in einer geschützten Werkstätte, man merkt, eigentlich ist ihr Geilheit nichts fremdes, kein Wunder, dass sie so lange hat warten können. Und du meine Güte war das denn wirklich so schwer? Sie deutet mir andere Möglichkeiten an, so etwa wie sie von ihrem Schwarzen ungefragt hinterrücks penetriert worden ist, ich frage: Und? - Sie: Ja, doch. - Sie ist jung und wild damals noch, aufgereizt durch ihre Schwulenbekanntschaften und noch nicht ganz überzeugt von den normalen Wegen zwischen Mann und Frau, immer wieder muss ich mich wundern wie man im Bett mit ihr irgendwas falsch machen kann. Aber, natürlich, es ist alles im Kopf, und wenn die Situation nicht entspannt ist, wenn man sich nicht fallen lassen kann, oder zweifelt, nützt wohl alles nichts.

Aber ich habe meine Rolle schon gespielt, ein kleines Meisterwerk abgeliefert, wieder eine Lanze für die Männer, für die Väter gebrochen. Und Vron ist mittlerweile zu Besuch in unserer Stadt, deswegen gibt es Ablenkung, Verstimmung zwischen uns, ich habe Schwierigkeiten mich auf sie zu konzentrieren, beim Spazieren mit Vron picken unsere Hände zusammen, sie ist durchwegs mit mir zufrieden, überfällig war´s, sie hatte sich schon sorgen gemacht, und ich steh auf sie, immer, gleich in der Früh als I noch bei mir lag hat sie mich zufällig angerufen, es erraten, ich stotterte wie ein Ehebrecher bei der Begrüssung herum: Komisch, ich bin gar nicht eifersüchtig, - unschuldig ins Telefon geflötet, ich erzähle später dann I davon, sie wirkt unzufrieden, schreibt: Pah, das Begehren da und dorthin zu tragen. - Wir tollen noch ein wenig herum, lange, sehr lange bleibe ich einmal in ihr, wir robben, es ist wieder Früh, in die Mitte des Zimmers, ich drehe sie um, schön schaut das aus, ihre vollen wippenden Brüste hängen schwer herab, dieser Arsch ist mir ein Quell ununterbrochener Freude. Draussen bemerken wir die/einen Bauarbeiter einige Male auf dem Gerüst das meine Hausfassade ziert herumspazieren, es ist Arbeitszeit, in 2 Meter Entfernung sehen wir sie/ihn, etwa in Richtung Fenster, eigentlich parallel zu ihnen, auf dem Boden kniend, wie als ob sie vor dem Fenster in der Luft an uns vorüberspazieren würden. Wahrscheinlich waren unsere Geräusche eh schon im ganzen Stock dieses dünnwand-Altbaus hörbar. Es ist nicht so, dass sie uns stören, ich bin in die Betrachtung ihres perfekten, fleischfarben-gelbrosigen A-Lochs vertieft, ganz symmertrisch schliesst sich die Schleimhaut zu einer Schleuse wie in der Nautilus von Kapitän Nemo das Bullauge zusammen, ich massiere es leicht mit dem Daumen. (Wie sagte Yang Fudong viel später im Kunstfilm: aber geil, kein Wunder, dass man euch "schmutzige Männer" nennt.)

Doch es ist schon spät, ein ganzer Tag wartet auf uns, ich ziehe mich zurück, wir richten uns zum Rausgehen zurecht, lange denkt sie nach, ob sie sich bei mir nicht duschen soll auf die schnelle, lässt mich an ihren Fingern schnüffeln, was ist das für ein Geruch, das ist doch deiner. Ich: Nein, kenn ich nicht, deiner. - Wir streiten uns ein wenig darum, ich glaube sie ist ein wenig stolz, so abgekämpft und duftend ihrer Familie vor die Augen zu können. Als wir bei der Haustüre rausgehen erwartet uns ein ganzes Begrüssungskomitte aus Nachbarinnen und Bauhacklern, im Halbkreis um meine Pforte herumstehend, ich grüsse, schiebe I vor, sie tritt auf den Gang wie eine grosse, strahlende Göttin der Liebe. Ich bin auch froh, die Nachbarn müssen sich schon um mein ungesundes Junggesellenleben sorgen gemacht haben, so wohlwollend schauen uns alle an. Ich zucke entschuldigend die Achseln, war ich halt mal laut gewesen, kommt nicht wieder vor. Wir trennen uns beim Otto-Wagner-Stadtbahn Aufgang, genau in der Mitte, kleines Glück, jeder geht seiner Wege, sie nachhause zum Prahlen, ich zu h-mineur zum Prahlen. oder Eltern, hab I paps vorgestellt, vorher schon.

Doch nach unserer Fahrt durch ber nach Paris, sie bleibt dort, grausam beherrscht ist sie bei unserem Abschied, hohntriefend, nicht nur heimgezahlt hat sie´s mir, oh, wie sich sich an meinem Unglück weidet, sondern auch froh ist sie, ihren Stadtrand los zu sein, mich los zu sein, immer weiter. Ich erhole mich die nächsten Jahre nur zögerlich von ihr.

Wir machten weiter, wo wir anfangs angefangen hatten: Beim Briefverkehr:

 

Email an I,

Dienstag, 18. September 2001

 

Yo!

 

wie immer wünsche ich, dass es dir gut gehe und erwarte mit spannung neuigkeiten von dir. Du bist/warst wieder woanders?

Was sagst du zum anschlag in den staaten? Heftige sache, und jetzt wird versucht, eine verfehlte politik mit waffengewalt zu vertuschen. Bravo. Ich kann nur zitieren: N – 1 machen; von jeder vielheit den einen abziehen, der überkodiert. weg mit dem general und anderen stellvertretern gottes auf erden. Diesen bitteren scherz mach ich z.Z. öfter.

ansonsten habe ich das rätsel des „versprechens“ gelöst. Entscheidend war wohl dein tipp im letzten mail bzgl. Tobias´ vermieterin: die angestrebte einsamkeit bezog sich auf das von dir so „gefürchtete“ alleinwohnen, nicht auf beziehungen. Macht nichts, war nur meine selbstverliebtheit – bzw. liebe. wollte wohl noch mehr nettes von dir hören J ma difference. Durch Godard verstehe ich auch besser, warum es nichts macht, zu lieben. bzw. was es ausmacht. In 'Tout va bien' besprechen J.Fonda und Y.Montand ihre beziehung. Während er es auf gemeinsam wohnen, essen und pempern beschränkt sind das für sie merely basics zu denen sich ihre beschäftigungen, ihre arbeiten hinzugesellen. Darüber zu sprechen, sich helfen. Aber er will nicht über seine arbeit sprechen, macht nur mehr commercials, weil ihn die kunstfilme zum rotieren bringen (alter ego Godards?, fragt, behauptet h.) J Jedenfalls denke ich da nochmals an deinen vorwurf mit der inspiration: dich nur als lover sehen und so. und unsere beziehung gründet ja eigentlich auf besprechen, aussprechen, der erlebnisse, vorkommnisse. Auf gemeinsamen interessen und orten, uni, filme. Und den auch darin ausgedrückten differenzen, die wir beide auf verschiedene weise (denen wir auf der spur) sind. Alles andere ist mein problem, innere sensationen. Na ja. Je non sais pas, peut-etre. Oder wie geht das?

Was es sonst noch gibt: bin noch immer filmschauend, schon sechs Godardfilme überspielt. Sie rufen mich zu einer gründlicheren beschäftigung. Erst jetzt seh ich, wie müde ich der filme gewesen war. Kenne beinahe schon das gesamt mir zugängliche euvre von Godard. Einen unbekannten Wong Kar W. entdeckt, im mittelalterstyle, ganz toll. Der ‚problemsolver' über eine schwertkämpferin: manche sind so stolz, dass sie sich nicht eingestehen können, eifersüchtig zu sein.

Die wichtigste beschäftigung aber ist schreiben lernen, versuch nr.? versuche jeweils eine seite zu Proust, Castaneda, Hume, Jeun Filles (bon mere), etc. zu verfassen. Wirklich schwierig. Eigentlich müsstes so gehen: wenn das dann das und darum das usf. lediglich die zitate verbinden, erklärend und mit beispielen unterlegt. Darf ich dir vielleicht was zeigen? Du hast mir ja dann doch nichts von dir zu lesen gegeben, fällt mir wieder ein.

Bin draufgekommen, dass ich Phillip ganz schönen schwachsinn über ‚Q´est-ce que la philosophie?' erzählt habe. Kannst du mir die genaue adresse geben, damit ich ihm ein kleines briefchen schreiben kann? Dann frag ich ihn auch wegen dem Abcdarie, das er mir überspielen wollte. Wahrscheinlich hat er mich auch schon vergessen, aber ein versuch ists wert. Die kommunikation mit Tobias ist funny, wenn ich seine sätze lese höre ich ihn direkt sprechen, genauso wie damals in Paris ist das J Cal hat sich auch gemeldet, scheint im unistress zu sein, dazu die arbeit in der gallerie. Hat noch kein internetconnect bei sich und mailt also von cafes.

Muss auch die ganze aufmerksamkeit auf die richtige haltung richten, weil leichte probleme im linken hüftbereich, wenn ich in alte verkorkste haltungen zurückfalle (hab ich das schon erwähnt?).

Ich hoffe, dein schweigen ist nur das übliche “im busch sein“ oder so und nicht eine kommunikationsmüdigkeit, die ich aber verstehen könnte ...

Keep straight, grande dame,

Lg,

J.

 

Ich hatte mit ihr sogar Eltern besucht. Paps war da. Wir überspielten lang und breit ihren Film. Löschten versehentlich einen Teil vom Anfang. Die Verstimmung legte sich, fast vergassen wir die Kamera mitzunehmen, die wir gedachten einzusetzen und mit der wir uns dann die nächsten Tage vertrieben.

Einige Tage darauf (?) waren wir nach einem Spaziergang am Kanal wieder in unimmelbarer Nähe der elterlichen Wohnung. Es war ein sonniger Tag, obwohl vereinzelte Wolken immer wieder drohten, mit Regen niederzukommen. Direkt am Wasser des Kanals waren wir, das Meer, wie Karin 001 es nannte wie Vron kolportierte, am niederen der zwei Wege, direkt beim Aufgang zur Strasse, die uns vom elterlichen Wihnblock trennte. Wir waren sehr verliebt und ich küsste sie am Ende der dreiviertel- mannshohen Stufe zur Böschung des nächsthöheren gepflasterten Weges, und wir lehnten uns an diese Mauer, die mit einigen unregelmässigen Steinen an den Rücken von I drückte, als ich sie dagegen stiess, und begann mein Becken gegen ihres zu pressen, lächelnd küssten wir uns, gerieten in Fahrt, schön eingespielt aufeinander wichsten wir gegeneinander durch unsere Hosen hindurch, sie war wunderbar, wie sie dem Moment einfach stattgab, ein wenig wohl auch hingerissen von meiner Ungestühmtheit. Aufgeregt und lustvoll beäugte ich gerade genug die Treppen und den Abgang, um einen Mann mit Hund, - Nachbar, kenn ich vielleicht, dachte ich, ein wenig angeberisch auch, zu bemerken, er war bald weg, und ich merkte Is Erregung und genau so wie ich es ihr unter uns allein besorgt hätte tat ich es hier auf eine fast schon legale Weise öffentlich, unter freien Himmel, in der Stadt, wenn auch auf der ehemaligen Gestätten, der Müllhalde, wo man die Abfälle mit dem Flussarm entsorgte, und sie kam auch sehr bald und voller Lust, mit geschlossenen Augen, während ich sie genau beäugte, und gut fühlte sie sich an, eingeklemmt zwischen den Steinen und mir, der gegen sie gekippt war. Unser direkter Hautkontakt beschränkte sich grösstenteils auf unsere Köpfe, obwohl ich mit wenigen Griffen ihr Shirt und Bh nach oben veschob, sodass sich ihre vollen Brüste meinem Zugriff leichter darboten, ihre Kleidungsstücke umspannten ihren Körper viel enger als meine.

Glücklich lösten wir uns von einander. Ein wenig wurde meine Freude und mein Stolz, den ich für sie hegte, allein durch die Tatsache gedämpft, dass sie da einfach so wie nichts gekommen war, kein Zweifel, ich fragte sie gleich, als ich von ihr ablies, es fing an zu tröpfeln: Wirklich?! - Ja, erwiederte sie knapp und lasziv, so weit sie das in ihrer kämpferischen Einstellung überhaupt imstande war darzubringen, doch sie lächelte, so viel wie in dieser Zeit habe ich sie nie lächeln gesehen. Ich hegte einen kleinen Neid, der zu meiner Liebe hinzu kam, in die sich mein Stolz mischte, solch ein unbändiges Wesen für einen kurzen Moment der Liebe weich werden zu sehen, zugänglich und, was am natürlichsten bei ihr, sie war für Abenteuer zu haben, wie immer, jedwelcher Natur, und also von hinkunft auch erotischer.

Das tat auch viel besser als der hartnäckige Auswahlprozess dem wir uns mit einer erbarmungslosen Härte gegenseitig hingegeben haben, dessen Zwang wir immer und bei jedem unterlagen, selbst als wir so weit waren, es mit einander zu treiben.

 

 

B-GEIL

Unterdessen fragte ich Vron auf einem Open-Air-Festival um ihrer Meinung zur Homosexualität. Wir küssten uns im Gehen lang und tief, schliesslich war das die Free-Parade, während wir umschlungen die Biegung der Menschen und Autos auf Schwedenplatz zu nachvollzogen. Und dann erzähle ich Vron, dass ich mit Franky die Walpurgisnacht sehr lustig begangen habe.

 

VRON GEBURTSTAG

Irgendwie verdiente vor allem sie es zu hören denn bei ihr fing es irgendwie an. Es war ihr Geburtstag, von Vron damals, bislang Langhaar, schöne orangebronzerote Strähnen flossen ihr noch vor kurzem vors Gesicht, aber das war beinahe schon vor unserer gemeinsamen Zeit, und ich kam verspätet mit einer kleinen Partie an, die da waren Franky, Paul der Bohemian, er schlief bald ein, seine langen Beine ausgestreckt in den Raum, und Wern, ihn nahm ich manches mal zu Geburtstagen mit.

Und als wir etwas verspätet auftraten in der Wohnung ihrer Eltern, die Studenten des Lebens neben diese Maturantinnen-Partie, da hätte man schon Angst bekommen können da, als Eltern, wie in La Boum 2 vor dem klavierspielenden Supermann im Abendanzug, wären die Jahrgänge im Gymnasium durch unseren quasi-Schulklub nicht eh schon bunt durcheinander gemischt gewesen. Es befanden sich noch ältere Semester als wir vor Ort, viele waren da, die später in einem unserer Leben Bedeutung gewinnen sollten, dennoch war es eher ihre Partie, von mir möglicherweise leicht missachtet, ich wusste es nicht genau, mit zwei der anwesenden Jungs wird sie später noch was haben.

Und wir zechten, es wurde noch ein Bierfassl von der Tanke geholt und irgendwann fletschen Franky und ich gegenseitig die Zähne: hey, du Geiler - Was ist? Du traust dich doch eh nicht, - wir sassen dicht beieinander, inmitten einer kleinen Traube Gäste, an der Wand, und es wurde breit und genüsslich über Frankys Kindheit gestönt. Er: Ich bin bi, mir macht es nichts aus, Männer zu küssen. - Ich trau mich wetten, du traust dich nicht? - Und wie zwei Gockel mit erhobenen Köpfen, die Münder schon offen verzerrt reizten wir uns gegenseitig. - Na gut! - Ich fuhr vor, traf seinen Mund und wir fingen an uns zu küssen, unserer Zungen trafen sich. - Iiih, wie kalt seine Zunge war, wahrscheinlich von dem vielen Flaschenbier in seiner Hand. Ich fahre zurück, mit gespielt angewidertem Gesicht: Du Schweeiin! - Und schon schmusen wir erneut heftig, fast brutal weiter, es ist ein lustiger Flash, und plötzlich lichtert Vrons Gesicht neben unseren, und sie fordert: Iich will auch! - Na komm Süsse. - Und ich löse meine Lippen von Frankys und schliesse unseren erweiterten Kreis indem ich sie wild küsse. Und dann küssen sich die beiden, einige Zentimeter vor meinen Augen und ich bin glückselig, meine Freundin!, ich halte ihre Nacken und treibe sie einander entgegen, und küsse ihn wieder und so geht das abwechselnd, dass wir Drei uns gleichzeitig küssen funktioniert nicht, und wir stehen auf, dicht umschlungen sind dabei unsere drei Leiber, und torkeln herum.

Und kurze Zeit später befinde ich mich auf einen Sessel mit herunterhängenden Kopf, ich bin einfach zu berauscht, fertig, und Pal beugt sich zu mir und sagt: Du, die küssen sich. - Was? Wo? - Er führt mich ums Eck, Da stehen, züchtig in 20 Zentimeter Entfernung voneinander, sich an den Hüften haltend und ganz lange, langsam, küssen sich Vron und Franky, zärtlich, ich liebe sie sehr, wie süss die Beiden sind, doch mir ist der Spass vergangen, und ich trete auf sie zu, sie erwarten mich, um unsere Liebesspiele fortzusetzen, doch ich trenne sie sanft, bestimmt wiederhole ich: So, jetzt küsst niemand niemanden mehr. - Sie lassen voneinander ab, ah, welche Süsse, doch ich darf, wir sind im Vollrausch jetzt lange verhandeln, verhindern, denn die beiden wollen gemeinsam zur Tankstelle gehen, Sprit kaufen, doch ich bin jetzt eifersüchtig, will nicht, verbiete es den beiden, fühle mich plötzlich wie ausgestossen, ungeliebt, dabei habe ich doch den Schwanz eingezogen.

Unser Spiel wird noch Jahre später auf die anwesende Partie Beispielwirkung ausüben, und noch mit zweien, die dabei sind wird sie schlafen, zu meinem grossen Ekel und Verachtung, dabei hatte ich sie mit meinem Werben aus den Händen der grössten, doch wie süssen Dummis gerettet, aber nur zweitweilig, später wird sie es doppelt schlimm treiben, während ich als freundinloses Häuflein Elend stärker werde und stärker, wird sie schwächer und schwächer, ihr Verfall in all den vielen Jahren, ihr Stillstand lässt mich kalt, wie ihre Idiotenficker es immer getan haben. Mein Ekel wird irgendwann so immens dass ich ihr anbiete zurückzukommen, zu mir, weil ich das nicht mehr mitansehen kann, tatsächlich scheint ihr nächster Liebhaber schlimmer als der letzte zu sein, ich sage ihr ins Gesicht dass sie mit so einer Wahl bei mir durchgeflogen ist, nie wieder!, und den Schlussstrich ziehe ich mit meiner Ankündigung, dass ich keine Kinder will, das endlich überzeugt sie, dass ich nichts für sie bin, will keine Kinder und somit auch keinen Sex, bin ja auch kein Vielfrass, wir sind bei ihr zur ars electronica, ich hasse sie so sehr dass es mit schwer fällt ein Wort an sie zu richten, denn Wochen vorher, als ich sie das erste Mal im Abendkleid sah war ich erstarrt, nachdenklich den Kopf wiegend, ich dachte in diesen Sekunden aber an gar nichts, sondern mein Begehren und meine unauslotbare Liebe zu ihr schlugen mich mit Bewegungslosigkeit, ich war so sehr ihr, dass ich anfing mit einer Freundin zu flirten, was sie rasend eifersüchtig machte, wir küssen uns unendlich lang zum Abschied, ich flüchte Hals über Kopf, und will und will nicht von meinem Vorsatz abgehen, nie wieder, einmal Ex, nie wieder a Hetz. Ich hatte mich auch nicht viel weiter entwickelt, was das Begehren und die Liebe angeht, nichts ging über meinen Trotz und Stolz, verletzt geplant und durchgeführt, ausnahmslos, immer, da konnte die Eisenbahn drüber, lieber ging ich ein, als irgendeinen lieb gemeinten Strohhalm zu ergreifen, zu schade war ich mir, beim Idiotengewäsch mitzumachen. Dann lieber verkümmern, trocken und heiss in der Eiswüste, auf dem Zweisitzer neben Neitzsches Schanis.

Und derweil, mit solchen Aktionen des zuviel oder zuwenig, manövriere ich mich über die Monate ins Aus unserer Beziehung. Wie bin ich eifersüchtig, als die beiden sich später zu einer Fotosession treffen, s/w, mir gefallen die Fotos, die er von ihr geschossen hat sehr, Porträts, sie schaut darauf wie ein kleines, besonders süsses Schweinchen aus, geblähte Nüstern, wahnsinnig begehrenswert, doch die Bildtafeln gehen verloren, auch der Scan den ich mache, auf irgendeiner riessigen scsi-Festplatte schlummern die Daten vielleicht noch, bei Franky geht zu der Zeit vieles verloren, oder kaputt.

 

FREEPARADE

So schauen die Dinge also aus, als wir auf der Free-parade tanzen, sie tanzt, ich bewundere ihre lockeren Drehungen, Windungen, ihren Körper, ihr strahlendes Gesicht, und bei der Universität scheint ein knallroter Schopf aus der Menge, steht erhöht sichtbar, ich schaue, klar, es ist I, wir kennen uns schon zu dem Zeitpunkt, sie wirkt sehr genervt als sie uns da ausgelassen frohlockend sieht, offensichtlich steht sie da so aus der Menge stechend erhöht da um von irgendwem bemerkt zu werden, sichtlich nicht von mir, aber unsere zufälligen Zusammentreffen zu der Zeit häufen sich. Wir zwei ziehen weiter. Vron ist von der Homostory nicht weiter erstaunt.

B-GEIL

Und das geschah so: Mittlerweile bin ich in Ottakring beheimatet, wohne mit Wern ebenerdig, gut fühle ich mich im kleinen Zimmer neben den Nassräumen und eine lange, schmale Küche mit Tisch beim Fenster haben wir dort.

Franky ist auf besuch, es ist Walpurgisnacht, wir kennen uns schon so lange, ich war ein Zwischenmann seiner ersten Freundin, auf der Maturareise passierte es mir, und ich habe schon ein halbes Jahr in seiner Garconniere gewohnt, eine gute, turbulente Zeit war das im 2ten, als ich den Naschmarkt verliess, der auch mit so vielen Erinnerungen an Vron zusammenhing.

Franky und seine Probleme, als Kinderbetreuer auf die kleinen Mädis losgelassen benahm er sich beinahe unzüchtig, auch er hatte als Kind geile Geschichten erlebt, mit dem älteren Teenager, bei dem er wohnte, der sich so sehr um ihn kümmerte, auch von hinten, dass er in einem freudianischen Trauma seine Jugend verlebte, immer auf die Vergangenheit starrend, Mutter weg, der Vater schlägt, kurz, mir war es um eine Therapie zu tun. Wir strahlen uns an, ich will ihn endlich verführen, ich kann noch nichts mit einer Frau haben, meine Herz schmerzt ununterbrochen, so wie andere Sexsüchtig sind bin ich in meiner andauernden liebeskrankheit beinahe bürgerlich, ritterlich, der unendliche Aufschub ist es der mir den intensiven Kick gibt, ich bin trotz allem vor allem total kindisch und will mich auch nicht anders.

Franky gefällt es, hie und da läuft zwar eine kleine Geschichte, im Grunde sind wir, was die Weiblichkeit angeht, ziemlich unausgelastet.

Eng ist unsre Freundschaft zu dem Zeitpunkt also schon, zusammen erleben wir vieles, habe viel Spass. Einmal, nachdem wir im Flex getanzt haben, er: Nicht vor den Leuten, - schaut bös unter gesenktem Blick, denn ich stellte ihm auf der Tanzfläche nach, ohne grund, nur des Tabubruchs halber, gehen wir Richtung Schwedenplatz zurück, ziehen uns die Schuhe aus und gehen auf dem Gras, neben dem schmalen Pfad des kleinen Steinparks, vorbei am (potthässlichen - h) Denkmal einer verjährten Machtzentrale, nahe an der Uferstrasse, hält er mich an und weist auf eine der Werbetafeln die damals den schmalen Weg zieren, - schau, die ist leer, los wir machen da was drauf. - Ich bin begeistert und während er anfängt, er will Dichter sein, Sprüche, Gedichte und Geschichten auf der linken Seite aufzuzeichnen, mit seinem Kuli, entwerfe ich spontan im Geiste ein zirca 1 mal 1 Meter grosses Bild und beginne es zu skizzieren, entweder mit meinem Stift, oder er hat einen, oder seine zwei Freunde die dazukommen, sich auf den erhöhten, begrünten Steinsims setzen, uns zuschauen, mittlerweile auch Franky, denn ich kann, da barfuss vor der Leinwand stehend gar nicht aufhören das Gemälde zu erstellen. Es wird eine Frau, sie sitzt mit untergeschlagenen Beinen im Nichts, eine, oder zwei Brust lasse ich frei unter dem Behang, die Wellen sind es auch, die mir nicht recht gelingen wollen, mit nackten Beinen, und ihren Unterarm, den Oberschenkel, höhle ich aus wie bei Terminator und lasse im inneren, wo eigentlich die Knochen sein sollten metallisch wirkende Gestänge spielen, wie ein verletzter Bioroboter ist sie, schön, wenn ich auch manchmal die Perpektive des Umrisses verfehlte, es ist eine reine, mit filigran dünn wirkenden Kugelschreiber - Strichen gezogene Umrisszeichnung, ein schönes Gesicht hat sie, ich werde für die Kunst bewundert. Wir bleiben lange, ich schreibe auch ein Motto: Nature or Creature, choice is (seldom) yours, neben das Bild, und ich unterschreibe: LSD, La naussee, die Sorge, leider Diametral verrückt. - Ich liebe das Bild, erzähle stolz davon, es wird von Edo extra begutachtet. Friedlich lebten wir eine Zeitlang nebeneinander. Das umstrittene Pseudonym benutzte ich dann mindestens 7 Jahre nicht mehr. Ich hatte mich artistisch endgültig ausgetobt.

 

Wie auch mit Vron, sahen I und ich uns oft in den Jahren dazwischen, vertieften gegenseitig unsere Lektionen, reizten uns gegenseitig, manchmal bis zum verletzen, immer intensiv, oh, wie ich ihren intensiven Hass auf die menschen einsog, ihre Lust zu Leben, ihre Entwicklungen, ihre Kommentare.

 

I 202

20.08.2002

 

Um circa 13.30 läutet die Sprechanlage in meiner kleinen Wohnung über dem Gürtel hinaus, die Zenklause einen Stock höher meiner ehmaligen WG mit Ro, dort wohnen mittlerweile ein nette Jungspritzer-Familie und Friends, bunt und hippig sind sie, wir helfen uns aus. Da kommt sie wieder aus Paris zurück in meine kleine Klause, meine grosse Frau, wau, ich ignoriere die Sprechanlage, vage aber doch sind wir verabredet. Als es laut an der Tür klopft stehe ich ein wenig schlaftrunken auf, ich kann mir schon denken wer das ist: I? - Zustimmende Antwort die ich in ihrer vollen länge nicht verstehe, irgendwie brummen durch die Tür, - Sofort! - rurfe ich und suche eine Unterhose und öffne ihr dann. Sie begrüsst mich mit ihrem undefinierbaren Lächeln: Schlafmütze! - Ich hatte gestern Nachtschicht murmle ich, die Worte wollten noch nicht so richtig. SIe hat ein Trägertop an, das erste mal sehe ich sowas an ihr. In der Hand trägt sie Arne Bös "Versuche zu einer Sprache der Freundschaft. - Eine Anspielung auf das von ihm vorgetragene Politik der Freundschaft Derridas, ich las weder die Bücher der Passsagen Edition noch seine mehr. Ich ziehe ein Hemd über. Sie bekommt ine Glas Wasser, sitzt am Gymnastikball. Sie will ein Fotoalbum kaufen für ihre Fotos, später wird mich Yang Fudong an ihre maritimen und terranen Eindrucke aus Afrika erinnern, ein schönes Foto von I habe ich ja schon, ein Geschenk, der schmale Streifen Strand mit Fischerbooten, ein breiterer Wasser und viel Himmel, schöne Farben, satt, oh wie mich die kleine Werke meiner Möchtegern Bobos, mehr oder weniger bürgerlichen Bohemians stimuliert, ich liebe sie sehr, finde immer wieder Plätze um die Orte an denen ich mich aufhalte damit auszuschmücken. Als ich zum pinkeln in die Vorzimemrküche gehe folgt sie mir, dann bemerkt sie was ich mache, schüttelt sich, - Bäh! - und geht zurück ins Zimmer. Ich bedanke mich für den Arne Bö, den ich vergessen habe von ihr mitzunehmen, von aafoch, oder h stammt das Buch. Ihre Brüste schauen schlichwegs herrlich aus, voll und schwer scheinen sie kaum genügend von BH und Top gestützt werden zu können, imemr wieder betrachte ich die Stelle. wo die Träger des schwarzen BHs aus dem hellen Top hinausragen und der Brustansatz sichtbar wird. Ihre Hose ist auch hell, an ihren breiten, wundervoll geschwungenene Hüften liegen sie eng an. Als ich mir zum Fenster tretend eine Zigarette anzünde sagt sie bestimmt: Ich gehe jetzt, - sie bleibt aber noch. Über ihre Familie will sie jedenfalls nicht reden. Sie erzählt von Beara, die gerade wieder hierzulande Wohnung suchen wird, wenn sie in Ber ist.

Ich begleite sie gerne auf der Suche nach einem Fotoalbum, meine Vorschläge sind nicht sehr hilfreich, sie weiss wie es ausschauen soll, eigentlich ein Fall für ein Spezialgeschäft, unterwegs lobt sie meine kurzen weissen Hosen. Ein Kompliment von I ist immer etwas besonderes und Seltenes, ausserdem will ich auf jeden Fall sexy auf sie wirken, locker und tolerabel, egal ob ich sie anfasse oder nicht, dabei handle ich so als ob ich ihr Urteil regisitriere, aber in künstlerischen Belangen nicht unbedingt stattgebe, ihr der Neueinsteigerin, was für Sprachen tischt sie da eigentlich auf, neben den technischen Details, und sie ist doch schon beinahe Magistra, schnell geht das bei ihr, sehr fleissige Schreibe, am afrikanistik-orientalistik Institut, die Mädls unter sich.. Wir gehen oder fahren mit der Bim die wenigen Stationen über den Gürtel ins alte AKH. Vielleicht ist sie wegen der bevorstehenden Abfahrt so sanftmütig, vielleicht haben ihre Freunde, Freundinnen sie sitzengelassen, oder sie findet tatsächlich gefallen an mir. Es ist nach dem ganzen Schlechtwetter wieder recht sommerlich, schon den Tag zuvor habe ich bemerkt, wie aufgekratzt sich alle auf der Strasse herumdrücken.

Ich versichere ihr, das mir ihr Film "Und Sonst" gut gefallen hat. Mit unserer Kamera, von paps, bewährtes normal video8, verschwommen die Auflösung, im Liebesrausch gedreht, wie flötete sie, was hatte sie ihre Protagonisten offline sagen lassen?, irgendwas über den Labsal der Liebe, ich kann mich nicht erinnern. - Ich will eine ehrlich Kritik, - erwidert sie. Ich lobe die klaren Bilder, d.h. ihre Farben: Bei mir ist eine Erfahrung oft farblich codiert, wie in Gelb und Grün zum Beispiel, - toll die grasgrünen Kostüme der zwei so typisch theatralischen, Klangbogen- Männeken-Gestalten. Ich erwähne, dass der Film sich gut in ihrer Reihe der Menschendarstellungen ausmacht, das gefällt ihr ,sie nickt zustimmend. Auch über die Spannung, die sich aus dem Beobachten des jeweiligen Verhaltens der gefilmten Charaktere ergibt sind wir uns einig. Sie lächelt glücklich und beginnt, ihren Schaffensprozess zu beschreiben: Anfänglich wollte ich jede Szene exakt eine Minute lang machen. - sie hält ihre Hände paralell zueinander und tut, als ob sie ein imaginäres Paket nach dem Anderen im Raum vor ihr aufreihen würde. - Und dann habe ich Wiederholungen eingebaut und so, manches mal wird nicht gesprochen und so weiter. - Ja, ich erinnere mich, zb, Magina und Ynne - sie nickt. In der Passage bei mir schlage ihr ihr vor im Libro nach dem Fotoalbum zu suchen. Vorher waren wir im Niedermayer gewesen, sind rein und nach hinten in die Computerabteilung, bis wir ide Körbe mit den Alben vorne beim Eingang entdecken. Sie gleichen sich alle von Geschäft zu Geschäft. Langsam vetrstehe ich was I will, ein dezentes dünens Album sucht sie, nicht diese Bracker, jedoch grossformatig, zumindest Din A4. Wir gehen die Alser-Hernalser runter zu einem Fotogeschäft das ich vom sehen kenne in der Johnstrasse, es har aber gerade zu. - Halte ich dich eh nicht auf, - fragt sie und ich versichere, dass mri der Spaziergang gut tut. - Gut, - meint sie. Wir schlendern zu Gürtel, sie will ab da mit der Bim fahren. Ich gehe vorher zum Zanoni ein Eis kaufen, und finde das wieder so typisch, dass sie mich nicht begleitet. Dann setze ich mich zu ihr auf die Bank, sie tut so, als ob sie an dem jungen Mann mit Sonnenbrille vis-a-vis interessiert wäre. Als ich nicht reagiere strafft sie ihren Rücken und wendet sich mir ein wenig brüsk zu. Ich meinerseits schaue an ihr vorbei an einen sich uns nährenden Frauenkörper, sie folgt meinem Blick und mustert beinahe beleidigt die ältere Frau, die an uns vorbeigeht. Diese Reaktion habe ich nicht erwartet, doch erfreut sie mich ein wenig. Gar zu selten ertappe ich sie bei der Preisgabe eine banalen Gefühls, vor eines das uns beide betrifft, unsere eingefrorene Beziehung. WIr gehen zum Campus, im W U V ersteht sie eine Flügelmappe, die ihr nicht sonderlich gefällt, nur für alle Fälle, im Uniladen: Dann hast du derweil was zum transportieren, vielleciht gibt es bessere Alben in Ber. - Denn dort studierte sie mittlerweile, die nächste weit von den Eltern und Vie gelegene Stadt nach Paris. So wie es Vron in die Provinz zog, rief es I genauso wie mich in die grossen Hauptstädte. Auf ihre Anregung hin setzten wir uns in die Wiese, ich erzähle von dem alten Weiblein, welches hier öfters herumflaniert und bettelt, ich habe ihr 2 E gegeben, sie redete viel, vom jung und alt sein, mühsam ist es, die kurze Geschichte stringent wiederzugeben, ich bin mit meiner mimischen Darstellung derAlten unzufrieden, sie hatte einen schelmischen Blick gehabt. Mir gefällt wie I dasitzt, das eine Bein abgespreizt, ich schau auf ihren Schritt und immer wieder schweif mein Blick über den sichtbaren BH-Träger und die Rundung ihrer Brüste, die mir so gut gefällt. Ich weiss dass sie, wenn sie nackt ist sich kaum mehr hinunterneigen als jetzt so drapiert, ah wie frisch sie ist. Das ist es, was mich bei aller Sympathie, bei aller vergangenen Liebe schier zur Verzweiflung treibt: Ihre so übervollen Brüste mit den kleinen Brustwarzen, ihre runden Hüften, ihr Arsch, auf den ich das erste Mal vor drei Jahren aufmerksam geworden bin als sie sich an der Bankkassa, wir waren wieder in Uninähe mit den Ellbogen tief nach vorn gebeugt aufgestützt hat, Ich staunte, trug sie sonst so weite Hosen, ich habe sie damals zwar für schlank gehalten, aber diese weiblichen Rundungen in dem Teenager gar nicht vermutet, Stück für Stück musste ich sie erst kennenlernen, bis ich so weit war, einen realen Gedanken an die Ausführung ihrer Verführung zu verwenden, wobei es keine Rolle spielte, ab wann ich sie begehrte, viel viel früher schon, doch was soll´s, warum sollte ich denn meinem Begehren nachgeben, so benahm ich mich schon so lange ich Schriftsteller werden wollte, man sah doch an den anderen, dass es wenig nützt, ausser den kleine Sorgen des Alltagslebens. Und ich vermutete auch nicht, warum sie schon damals mich wollte, aus egoistischen Gründen, ich war zur Hand, ich war freundlich interessiert, und ich war sicher keinen Gefahr und weit ab von allem in dem sie sich bewegte, also hatte sie auch davon kein Ressentiment gegen mich zu schnüren, nein, in Wirklichkeit war ich völlig ahnungslos, ich, der mögliche Kandidat um die schnellen Freuden zu erkunden, ich sah gar nicht wie ich mich mit dieser so faszinierenden Person, die für mich einzig Fauchen oder herrisches Schweigen übrig hatte, Vorwürfe, an mich, an ihre Familie und Freunde, paaren sollte, bewies sie mir ihre Verachtung nicht täglich? Und lachte ich sie nicht jedesmal nur aus, sponn wirre Theorien vor ihr, um sie von ihren Gedanken abzubringen, lies mich von ihr an schöne Plätze verschleppen für die ich allein keinen Aufwand getrieben hätte, verdoppelte sich nicht mein kultureller Konsum, wenn ich in Austausch mit ihr stand? Um ehrlich zu sein, mir schwebte Vron vor, da wusste ich, dass sie mich grad wollte, liebte, zugeben konnte mich zu lieben, nur dass Vron wiederum gar nichts sonst sagte was ihr missfiel an einer Beziehung und nur zeigte, während I sich ständig ihren dünnlippigen Mund zerriss, doch in Wirklichkeit oft um ihre Gefühle herumlog, um mit ihrem Körper anderes zu machen. Nicht mit mir, sie war trotzig? Nun, auch da war ich unschlagbar. Sie hatte mich verhöhnt und veräppelt, letzlich in Paris, ich lecke brav weiter meine Wunden, sorry, bin noch nicht so though. Billige Ausrede, wie üblich, ich war arrogant und selbstbezogen wie immer, ich tat nichts, na und?, sie war nicht die einzige die ich nicht anrührte, trotzdem ich sorgsam darauf bedacht war, von je her, immer die Mädchen zu becircen damit sie mich nicht im Stich liessen, ich brauchte sie wie Luft, ihre Nähe heilte und beflügelte mich, warum waren überhaupt alle meine Lieblingsmädels so oft im Ausland, das entwickelte sich zu einem echten Problem für mich, warum lebte ich nicht wie von anfang meiner Zeiten überhaupt nur unter Frauen, diese Männerzirkel immer, so sehr ich meine Freunde liebte, so sehr wünschte ich mir eigentlich, in den Frauenrunden herumzutollen. Ach, Is Grösse, zusammen mit dieser unbändigen stolzen Seele und ihrem scharfen Intellekt, getaucht in so ein Gewässer der Sinnlichkeit, heiss, schwarz, farbig. Dass sie sich anderen schenkte, vielleicht noch vielen anderen, ist kaum auszuhalten. Gut meine Liebe, aber verzichten wir dann auf meine Rolle in diesem uninteressanten Drama, - so handelte ich allzu oft. Und dabei habe ich noch nie jemanden getroffen, der meinem Idealbild so genau entspricht, oder besser gesagt, im Laufe meiner Bekanntschaft mit ihr habe ich herausgefunden, dass sie meinem Idealbild, wie auch immer es denn ist, ziemlich nahe kommt und ich befürchtete deswegen, dass niemand unter den wenigen Bekanntschaften, die ich noch machen werde daran heranreichen wird, mit ihrer unglaublichen Mischung aus Scham und Aufdringlichkeit, jungfräulicher Keuschheit und tiefgehender Geilheit. Stabil wie ein Panzer auf 180. Zwar unbelehrbar vielleicht, vielleicht nie über ihre Selbstbezogenheit hinausschauend, aber gerade auch dann ein stabiler Garant für Lebenslust, Aufregung, Abenteuer, neue Länder, neue Horizonte, und neue Bücher, sie war ein Buchmensch, wie ich. Und mittlerweile bald Doc. phil.

 

Irgendwann konnte ich nicht umhin mich selbst zu beobachten im Spiel des Verlangens und ich merkte endlich, dass ich mir die Mädchen zu lange und zu genau anschaute, bevor ich sie für intimere Beziehungen in Erwägung zog, als ob ich auf Fehlersuche wäre.

Mit den Jahren erkannte ich das Schema und ich reagierte, indem ich nur in sehr seltenen Fällen für Mädchen interessierte. Das war eine Möglichkeit, dieses ständige Mädchen- Auswahlverfahren- Spiels, dem ich mich unablässig hingab, in seiner Häufigkeit einzubremsen. Sich einfach eine Freundin anzulachen war auch keine passable Möglichkeit um diesen Prozess zu unterbinden, denn dann verfiel ich in das Spiel des Bekrittelns, und das war lediglich eine abgewandelte Form des Auswahlspiels, es war nur noch selbstsüchtiger und störender, weil es sich in dem Fall ausschliesslich auf ein Mädchen bezog.

Schön bin durch das Leben geprügelt worden, wie all die nicht-Intellektuelten Kasten des 19jhs., durch das Holzstöcke schwingende Soldatenspalier, vor dem Eintritt in die Katorka, dem sibirischen Gefängnis, aber freiwillig, durch family&friends durchpauken lassen. Dostojewski hatte während seiner Strafzeit oft das Erlebnis, neue Schicksalsgenossen begrüssen zu dürfen. Er sprich vom so genannten (Auf-)Dunsrücken, ohne bleibende Spuren. Viel später hatte ich einen Traum:

Ich war wieder in der Schule, misstrauisch begegneten wir Schüler uns, mir. ich sehe die Klassen- Kollegen wieder, sie wirken gealtert. und die Stunde ist Kochen. Statt des Lehrertisches gibt es eine Theke, statt der Tafel eine Küchenausstattung, und der Professor, es ist ja die AHS, kocht dort, zu dreiviertel oder mehr von der Theke verdeckt und als ich an seine Seite komme, vielleicht gerufen wie an die Tafel gibt er mir von einem groben Holzlöffel mehrmals eine klebrige orange, körnige Masse zum Verkosten.

Irgendwann wird es mir zu bunt, meine Abwehr, mein Unwohlbehagen sind seit ich hier bin langsam gestiegen, und ich rufe aus, während ich mit der Faust auf die Handfläche oder den Schenkel klatsche: Was! Zurück in die Schule? Nicht noch einmal! Nein! - Und meine damit: Wie Witold Gombrowicz in Ferdydurke, er wurde mit 30 Jahren noch einmal zurück ins Gymnasium beordert, nur um von einem Eklat in den nächsten zu geraten.

Schliesslich ging ich nach Ber, I hatte sich dort niedergelassen und ich fand viele Freunde von früher dort vor.

 

b_ryz@yahoo.de

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